Antimilitaristische Camps haben bereits Tradition, nun ziehen sie aber neue Zielgruppen an

Den Krieg bekämpfen, wo er beginnt

Für das »Rheinmetall-Entwaffnen«-Camp gehören der Kampf gegen Militarismus und alten wie neuen Faschismus zusammen. So widmeten sich in Unterlüß mehrere Veranstaltungen den Zwangsarbeitern aus verschiedenen Ländern Osteuropas, die während des Nationalsozialismus für den Rheinmetall-Konzern in dem Ort schuften mussten. Durch das Camp wurde die Diskussion über einen Gedenkort vor Ort mit angeregt, den es dort bisher nicht gab

Das vom Oberverwaltungsgericht gekippte Verbot des antimilitaristischen Camps »Mach was wirklich zählt! Rheinmetall entwaffnen« in Köln hat mit dafür gesorgt, dass es auch über eine engere linke Szene hinaus bekannt wurde. Wohl noch nie haben so viele Medien schon im Vorfeld über das Camp berichtet wie in diesem Jahr. Dabei standen weniger die Inhalte, für die das bundesweite Bündnis »Rheinmetall Entwaffnen« steht, im Vordergrund. »Es ging uns immer darum, an die Orte zu gehen, an denen…

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Die Deutsche Friedensgesellschaft streitet über den Umgang mit Israel. Ein Landesverband hatte gegen eine Demo „für gerechten Frieden“ protestiert. 24.8.2025

Kleinkrieg unter Frie­dens­ak­ti­vis­t*in­nen

Warum aber gab es keine Gespräche zwischen den unterschiedlichen Gruppen bei einer Organisation, die sich weltweit für Entspannung einsetzt? Solche Ausschlüsse sind zumindest seit 2017 in der DFG-VK nicht mehr vorgekommen, betont Schulze von Glaßer.

Die Zeiten sind für An­ti­mi­li­ta­ris­t*in­nen gerade nicht gut. Der Rüstungsetat und die Aktien von Rüstungskonzernen steigenimmens. Da bricht auch noch unter den organisierten Kriegs­geg­ne­r*in­nen ein Kleinkrieg aus. Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegs­dienst­geg­ne­r*in­nen (DFG-VK) ist eine der ältesten antimilitaristischen Organisationen in Deutschland. Der Bun­des­spre­che­r*in­nen­kreis (BSK) der DFG-VK will den gesamten vierköpfigen Vorstand des …

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Zur Aktualität Ernst Friedrichs

100 Jahre Antimilitarismus

In den frühen 80er Jahren, im Zuge der Bewegung gegen die Stationierung weiterer Atomraketen in der BRD, rekonstruierte Friedrichs Enkel Tommy Spree das Antikriegsmuseum: 1982 wiedereröffnet in Kreuzberg, zog es 1988 in den Wedding, wo es bis heute seinen Sitz hat.

»Krieg dem Kriege! Guerre à la Guerre! War against War! Oorlog aan den Oorlog!« So lautete der vollständige Titel eines Antikriegsbuches, das der Pazifist und Anar- chist Ernst Friedrich 1924 herausgegeben hat. Der viersprachige Titel war kein Zufall: Mit dem Buch, das die Schrecken des Ersten Weltkriegs dokumentiert, wollte Friedrich …

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Aufgeblättert: »Hell no, we won’t go!« herausgegeben von Lou Marin, Verlag Graswurzelrevolution, 84 Seiten, ISBN: 978-3-939045-58-8

Vietnamkrieg

Das Buch muss nicht zwingend historisch gelesen werden. Die dokumentierten antimilitaristischen Interventionen sind hochaktuell in einer Zeit, in der wieder so laut von Kriegsfähigkeit gesprochen wird

Am 30. April 1975 endete der Vietnamkrieg. Der 50. Jahrestag fand in vielen Medien Beachtung. Doch selten wurde der Beitrag des antimilitaristischen Widerstands in den USA und auch im Innern der US-Armee zum Kriegsende erwähnt. Jetzt hat Lou Marin im Verlag Graswurzelrevolution einen Band mit Dokumenten dieses zivilgesellschaftlichen Widerstands veröffentlicht. Sie stammen größtenteils aus der …

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Das Anti-Kriegs-Museum in Wedding feiert sein hundertjähriges Bestehen

Ein Museum gegen Krieg und Töten

Bernd Drücke, Redakteur der gewaltfrei-anarchistischen Monatszeitung Graswurzelrevolution, betont gegenüber der taz die Bedeutung des Museums: Er selbst sei als 15-Jähriger durch die Fotos von Ernst Friedrich politisiert worden. „Und dass heute die Verwendung der damals von Ernst Friedrich und Kurt Tucholsky verbreiteten Parole ‚Krieg dem Kriege‘ von der Staatsanwaltschaft herangezogen wird, um das antimilitaristische ‚Rheinmetall entwaffnen!‘-Camp in Köln zu verbieten, zeigt, wie krass die Remilitarisierung voranschreitet.“

Zahnräder, Ketten und andere Metallteile fügen sich zu einem roboterähnlichen Wesen zusammen, über dem Kopf zerbricht es ein Gewehr: Die Skulptur „broken rifle“ des italienischen Künstlers Angelo Monitillo steht etwas versteckt auf einem Grünstreifen in Wedding. Sie weist den Weg zum Berliner Anti-KriegsMuseum, das gleich gegenüber …

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Martha Naujoks, Harry Naujoks: Zwei Leben für die Befreiung. Galerie der abseitigen Künste 2025. 1414 Seiten, ca. 65.00 SFr. ISBN: 978-3948478179.

Aufbrüche und Niederlagen – Zwischen Revolution und Inferno

Erst jetzt können wir ermessen, welch wichtigen Beitrag sie damit geleistet haben. Denn schon einige Jahre später waren einige der Zeitzeug*innen verstorben oder gesundheitlich nicht mehr die Lage, diese Erinnerungsarbeit zu leisten. So sind diese Kumpelgespräche eine Flaschenpost an die folgenden Generationen. Wir können hier die Perspektive der NS-Widerstandskämpfer*innen erfahren, wenn wir es denn wollen.

„Wo der Rufmord zum politischen Prinzip erheben, wo die vorher geleerte Schnapsflasche zum politischen Argument wird wo täglich die niedrigen Instinkte mobilisiert werden, da findet der Antisemitismus seinen Nährboden. Aber da ist die Freiheit, der Frieden und die Sicherheit aller Menschen bedroht“. Diese Sätze klingen sehr aktuell. Aber sie sind 63 Jahre alt. Gesprochen hat sie Harry Naujoks am 14. Oktober 1962 in Essen auf dem ….

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Das Aktionsorchester Lebenslaute hat die Baustelle des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam besetzt, um gegen den Umgang mit Geflüchteten zu protestieren.

Musizieren gegen Abschiebungen

Die diesjährige Tour steht unter dem Titel „Mit Pauken und Trompeten gegen Grenzzäune und Raketen“. „Wir sind unter anderem zum Neubau des Bundespolizeipräsidiums gegangen, weil von dort auch Abschiebungen von Geflüchteten geplant und koordiniert werden“, erklärte eine Aktivistin von Lebenslaute gegenüber der taz.

Die Überraschung war gelungen. Die Bauarbeiter kamen aus dem Staunen nicht hinaus. Rund 100 Personen knipsten am Freitagvormittag den Zaun auf und besetzten die Baustelle des Bundespolizeipräsidiums am Rande von Potsdam. Sie stellten sich auf der Treppe vor dem Gebäude auf, packten Trompeten, Celli, Flöten und Notenständer aus. Eine Frau schwang den Taktstock. Mehr als eineinhalb Stunden spielte das …

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Antimilitarist*innen diskutierten auf einem Kongress über antimilitaristische Praxis

»Krieg dem Krieg« in Köln

Ein wichtiger Diskussionspunkt war auch die Frage, wie die Proteste gegen Sozialabbau und Kürzungen mit dem Kampf gegen Aufrüstung und Militarismus zusammengebracht werden können. »Jeder Cent, der für Waffen und die Bundeswehr ausgegeben wird, fehlt bei Finanzierung von Schulen, Kitas und Krankenhäuser«, stellte ein Sprecher des Offenen Treffen gegen Krieg und Militarismus Stuttgart den Zusammenhang her. Für die Teilnehmer*innen der Kölner Konferenz ist klar, dass der Kampf gegen die Aufrüstung und der Kampf gegen die Sozialkürzungen zusammengehören.

»Kriegsvorbereitungen sabotieren«, »Den deutschen Militarismus bekämpfen« – diese und weitere Parolen auf großen Bannern schmückten am Samstag den großen Versammlungssaal des Bürgerhaus Stollwerck in Köln: In dem sozio-kulturellen Zentrum, das Anfang der 1980er Jahre aus einer Besetzung hervorgegangen war, tagte eine bundesweite Antimilitarismuskonferenz unter dem Motto »Krieg dem Krieg«.Diskutiert wurde dabei, wie man gegen die Aufrüstung in Deutschland und der EU sowie die steigende Kriegsgefahr aktiv werden könne – und es wurde festgestellt, dass es schon sehr viele Menschen an unterschiedlichen Punkten gegen Aufrüstung und Kriegsgefahr aktiv sind. Doch oft sei die Bewegung noch zu zersplittert und werde zu wenig wahrgenommen. Das wollen die Organisator*innen des Kongresses von der bundesweiten …

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Karl-Heinz Schubert: Bündnisse & Wendepunkte. 25 Jahre »Trend« Onlinezeitung, Teil 1. BoD, 140 S., br., 10 €.

»Ein Spiegel linksradikaler Politik«

Karl-Heinz Schubert studierte Politologie und Soziologie. Anschließend arbeitete er mehrere Jahrzehnte lang in verschiedenen Bildungseinrichtungen. Er ist seit 1966 Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), für die er 1985 zusammen mit Kolleg*innen »Trend« als Zeitung gründete. Seit Januar 1996 erschien sie von ihm redigiert und heraus­gegeben als Online-Zeitung. Seit 2021 verwaltet er den Daten­bestand der Zeitung als digitales Archiv.

Als 1996 die Online-Zeitung »Trend« gegründet wurde, waren digitale Medien ja noch kaum verbreitet. Warum entschieden Sie sich damals für die Veröffentlichung im Internet?

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Abrüstungsbefürworter sind innerlich zerrissen. Einige zweifeln, ob ihre Ideen noch zeitgemäß sind, andere protestieren gegen die Wehrpflicht.

Pazifismus im Kreuzfeuer

ou Marin betont im Gespräch mit der taz, dass die Rolle des zivilen Widerstands gegen den russischen Einmarsch in der Ukraine weitgehend unterschätzt werde. „Der große Panzerkonvoi nach Kyjiw zu Beginn des russischen Einmarsches kam auch aufgrund von Sabotageaktionen russischer Soldaten in den Panzern und Transportern und wegen des unbewaffneten Widerstands der ukrainischen Bevölkerung zum Stehen“, betont Marin. Erst nach dem Scheitern des Marsches auf Kyjiw sei der russische Angriff auf die Ostukraine erfolgt.

„Wozu sind Kriege da?“ Diese naive Frage war der Refrain eines Rocksongs von Udo Lindenberg und des zehnjährigen Pascal Kravetz, der 1981 zur Hymne der westdeutschen Friedensbewegung werden sollte. Über 45 Jahre später zweifelt Lindenberg am …

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Der Pazifist Rudi Friedrich kämpfte jahrzehntelang für die Rechte von Kriegsdienstverweigerer*innen. Nun ist er im Alter von 60 Jahren gestorben.

Friedensaktivist Rudi Friedrich tot: Für das bedingungslose Recht, zu verweigern

Für ihn war das Recht auf Kriegs­dienstverweigerung universell und bedingungslos. Dafür kämpfte er. Connection hat heute fünf hauptamtliche Mit­ar­bei­te­nde. „Wir wollen die Arbeit auf jeden Fall fortsetzen“, sagte der Vorsitzende Franz Nadler dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Wenn es um die Rechte von Kriegs- und Wehr­dienst­ver­wei­ge­r*in­nen in aller Welt ging, war Rudi Friedrich die erste Adresse. Anfang der 1990er Jahre hatte er das zuvor lockere Netzwerk der Kriegs­dienst­geg­ne­r*in­nen zu einem organisierten Beratungs- und Hilfsverein umgeformt: Connection e. V., dessen Geschäftsführer er lange Jahre war. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der Pazifist Mitte Juli …

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Der am Comer See gestorbene Aktivist Rudi Friedrich hinterlässt eine internationale Lücke

Rudi Friedrich: Stimme der Kriegsdienstverweigerung verstummt

Gegenüber »nd« zeigt sich auch Bernd Drücke von der gewaltfrei-anarchistischen Monatszeitung »Graswurzelrevolution« über den Tod seines Freundes und Weggefährten erschüttert. »Es gibt wohl niemanden, der so gut vernetzt mit Militär- und Kriegsdienstgegner*innen in aller Welt war wie Rudi.« Für die Rechte von Kriegs- und Militärdienstverweiger*innen einzutreten, war Friedrichs Lebensaufgabe – und das seit über 40 Jahren, erklärte er selbst im »nd«-Interview im Januar 2025.

Ein 60-jähriger deutscher Urlauber ist beim Wandern am Comer See in Oberitalien ums Leben gekommen, meldeten Presseagenturen Mitte Juli. Der Mann hatte laut der italienischen »Corriere della Sera« mit seiner Frau ein Ferienhaus am Comer See gemietet und war am Montag allein zu einer Wanderung aufgebrochen. Währenddessen schickte er demnach seiner Frau noch Fotos per Handy – dann brach der Kontakt ab. Einsatzkräfte fanden seine Leiche später in einem abgelegenen Waldstück bei Barni, im Hinterland des bekannten Touristenortes Bellagio. Am 18. Juli teilte der Verein Connection e. V. mit, dass es sich bei dem Verunglückten um …

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In seinem neuen Buch erinnert Lou Marin an den Widerstand gegen den Vietnamkrieg

»Zivile Verteidigung wäre realistische Alternative zu Waffenlieferungen«

Lou Marin ist unter anderem Journalist und lebt in Marseille. Er ist Teil des Buch­verlags­kollektivs der »Gras­wurzel­revolution«. Kürzlich hat er das Buch »Hell no, we won’t go!« über anti­milita­ris­tischen Wider­stand in der US-Armee und der US-Zivil­gesell­schaft während des Vietnam­krieges herausgegeben.

Wo gibt es zurzeit Beispiele für erfolgreichen gewaltfreien Widerstand?

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Hermann G. Abmayr (Hg.): Willi Bleicher. Texte eines Widerstän- digen. Briefe aus dem KZ, Reden und Interviews. Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2025, 460 Seiten, 24,80 Euro

Nicht kleinmachen lassen

Ein Buch erinnert an den antifaschistischen Gewerkschafter Willi Bleicher. Früh warnte Bleicher auch vor dem wieder erstarkenden Antisemitismus in der BRD. Weil er im KZ Buchenwald den jüdischen Jungen Jerzy Zweig vor der Deportation versteckt hatte, wurde Bleicher 1965 in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet. Es ist gut, dass Abmayr mit dem Buch an ihn erinnert. Er ist noch heute eine Inspiration.

Du sollte Dich nie vor einem lebenden Menschen bücken«: Dieser Satz hat in den späten 1970er-Jahren in der BRD viele junge Leute inspiriert. Es war das Lebensmotto von Willi Bleicher, einem linken IG-Metall-Gewerkschafter, der damals für viele Menschen ein Vorbild war, die sich gegen alte und neue Nazis engagierten. Heute ist der schon 1981 verstorbene Bleicher wenig bekannt. Da ist es um so erfreulicher, dass der Historiker Hermann G. Abmayr …

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Kurd:innen in Deutschland bleiben verfolgt

Deutschland & die Auflösung der PKK

Gnadenlos: Unbeeindruckt von der Selbstauflösung der PKK werden in Deutschland kurdische Aktivist*innen am Fließband verurteilt. Die deutsche Justiz stellt sogar Anträge zur Auslieferung vermeintlicher Unterstützer*innen der PKK in den Niederlanden und Zypern. Dort stellen die Delikte, die ihnen von deutschen Behörden vorgeworfen werden, keine Straftat dar.

Mitte Mai 2025 wurde Yüksel Koc in seiner Wohnung in Bremen verhaftet. Nach Angaben seiner Anwältin Fatma Sayin erfolgte die Maßnahme im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Bundesanwaltschaft. Die Polizei durchsuchte über mehrere Stunden Kocs Wohnung. Danach wurde der 61jährige nach Karlsruhe gebracht und einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Der Verdacht: Mitgliedschaft in der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Yüksel Koc ist keine Ausnahme. Seit dem Verbot kurdischer Organisationen und Vereine 1993 wurden und werden …

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