Der Politikwissenschaftler Carsten Prien kritisiert das Sozialistische Büro aus Sicht Rudi Dutschkes.

Räte, Netz, Partei

Carsten Prien: Räte­partei: Zur Kritik des Sozialis- tischen Büros. Oskar Negt und Rudi Dutschke. Ein Beitrag zur Orga­ni­sa­ti­ons­de­batte. Ousia-Lese­kreis-Verlag, 190 S., ISBN: 978–3‑94457–063‑1, 19 €.

Mit dem Poli­to­logen Wolf Dieter Narr ist Mitte Oktober ein wich­tiger Prot­agonist des Sozia­lis­ti­schen Büros gestorben. Die Geschichte dieser 1969 gegrün­deten und bis in die 90er Jahre aktiven, netz­förmig struk­tu­rierten Orga­ni­sation ist heute – zu Unrecht – weit­gehend ver­gessen. Dabei spielte sie eine wichtige Rolle, nachdem sich der Sozia­lis­tische Deutsche Stu­den­tenbund 1969 auf­gelöst hatte. Aktivist*innen der Außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­sition (Apo), die nicht den Weg in die spät­sta­li­nis­ti­schen K‑Gruppen antreten wollten, trafen dort auf ältere .…

„Räte, Netz, Partei“ wei­ter­lesen

Von 68 reden?

Ver­ändert die aktu­ellen gesell­schaft­lichen Ver­hält­nisse!
„Die Kugel Nummer Eins kam aus Springers Zei­tungswald Ihr habt dem Mann die Gro­schen auch noch dafür bezahlt.“ Wolf Biermann, Drei Kugeln auf Rudi Dutschke

Was 2017 Luther war ist jetzt Marx, es ist ein runder Geburtstag und die Stand­ort­för­derung gibt sich redlich Mühe, den Jubilar zu ver­markten. 2017 gab es Luther-Brötchen in der Luther­stadt Wit­tenberg, 2018 Marx-Bier in Trier, das sich dann doch nicht den Zusatz­titel Marx­stadt zugelegt hat. Es ist halt Kommerz. Und im nächsten Jahr wird der nächste Jubilar an der Reihe sein. Doch nicht nur his­to­rische Per­sonen, sondern auch Jah­res­zahlen und damit ver­bundene geschicht­liche Ereig­nisse geraten in die Zeit­schleifen. So ist in diesem Jahr auch das 68er-Jubiläum – und das hat eine poli­tische Bot­schaft. Die 68er-Bewegung hat die BRD zivi­li­siert, die Grundlage für die Wie­der­ver­ei­nigung gelegt und die heutige Stellung Deutsch­lands als Hege­mo­ni­al­macht in der EU ist letztlich auch ein später Sieg von 68. 50 Jahre danach kämpft ein Groß- teil der Protagonist_​innen um die Deu­tungs­hoheit. Schließlich ist es das letzte Jubiläum, bei dem noch viele von ihnen sehr aktiv beteiligt sind. Von Daniel Cohn-Bendit bis Gerd Coenen, Wolfgang Kraushaar und Stefan Aust wollen hier Apo-Senioren noch einmal der Nachwelt deutlich machen, wie sehr sie doch bei­getragen haben zur deut­schen Renais­sance. Dazu haben sie zuerst die Ideen des 68er-Auf- bruchs ent­stellt, teil­weise in ein Gegenteil ver­kehrt und so zum Herr­schafts­in­strument gemacht. Wo es vor 50 Jahren um den Sturz der Mäch­tigen und den Kampf gegen Staat und Kapital ging, haben die selbst­ernann- ten Nach­lass­ver­walter, es sind doch meist nur Männer, daher die männ­liche Form, eine neue Macht kreiert und sie sitzen heute längst in den Auf­sichts­räten jener Kon­zerne, die sie einst bekämpft haben. Cohn-Bendit sitzt heute im Auf­sichtsrat der Uni­ver­sität von Nan­terre, die Stu­die­rende von der Polizei räumen lässt, wenn sie einen Beset­zungs­versuch an der Uni wagen. Cohn-Bendit ist auch stolz, zu den Beratern von Macron zuge­hören, des neo­li­be­ralen Prä­si­denten, der in Frank­reich end­gültig die Wider­stän­digkeit aus­merzen will.
In Deutschland ver­kauft Stefan Aust, der 68-Mit­läufer, zum Jubiläum des Attentats auf Rudi Dutschke seine Erin­ne­rungen an den rechten Mord­an­schlag an die Tages­zeitung „Die Welt“, also an den Sprin­ger­konzern, der damals nach Ansicht Tau­sender Apo-Anhän­ger_innen mit auf Dutschke geschossen hat. Nachdem 1968 ein durch die Hetze von BILD und Natio­nal­zeitung ver­hetzter Mann auf den linken Stu­denten Dutschke geschossen hat, wurde gegen den Sprin­ger­konzern in vielen Städten demons­triert und die Aus­lie­ferung der BILD-Zei­tungen blo­ckiert. Noch Jahre später hatte Wolf Biermann, als er noch nicht zum Bett­vor­leger der CSU geworden war, in seinen Song „3 Schüsse auf Rudi Dutschke“, die benannt, die mit geschossen haben.

Das andere 68
50 Jahre später kennt man in Deutschland keine Täter und Opfer mehr, sondern nur noch 68er, die alle schon immer nur Deutschland größer und grüner machen wollten. Dazu müsste man erst einmal einen großen Teil der Protagonist_​innen des Auf­bruchs vor 50 Jahren ver­gessen. Sie wurden ent­weder weg­ge­sperrt als Mili­tante oder auf andere Art zum Schweigen gebracht. Es waren viele. Die Jungarbeiter_​innen und Lehr­linge, die sich ange­steckt von der 68er-Bewegung, auch zu rühren begannen. Die pro­le­ta­ri­schen Frauen, die nicht rebel­lierten, um Gleich­be­rech­tigung bei der Bun­deswehr und im Auf­sichtsrat von Dax-Kon­zernen zu bekommen, den vielen radi­kalen Stadtteil- und Umwelt­in­itia­tiven, die nicht nur die AKWs, sondern die herr­schenden Klassen abschalten und damit inDeutschland anfangen wollten. Sie alle sind nicht dabei, wenn in diesem Jahr die 68er sich abfeiern, die mit dem Marsch durch die Insti­tu­tionen am Ziel ange­kommen sind. Die herr­schende Meinung ist immer die Meinung der Herr­schenden, die Erkenntnis von Karl Marx wird aktuell zum 68er Jubiläum immer wieder bestätigt. Die­je­nigen, die sich von der Herr­schaft haben koop­tieren lassen, inter­pre­tieren jetzt die Geschichte. Die vielen anderen, die sich nicht haben kor­rum­pieren lassen, sollen ver­gessen werden. Doch bisher gibt es noch immer die Mög­lichkeit das Bild eines anderen 68 zu ver­mitteln. Dafür steht das Sozia­lis­tische Pati­en­ten­kol­lektiv (SPK) ebenso wie der Psy­cho­lo­gie­pro­fessor Peter Brückner, der jah­relang gegen Rufmord und Berufs­verbot ankämpfen musste. Dafür steht die Lehr­lings­be­wegung ebenso wie die Menge heute unbe­kannter Jugend­licher, für die 68 auch eine ganz per­sön­liche Befreiung war. Dieses andere 68 ist es, was Men­schen heute inspi­rieren kann, wenn sie gegen die heutige Macht und Auto­rität ankämpfen.
Während 50 Jahre 68 abge­feiert wird, werden im Ver­gleich dazu kleine Pro­teste fast schon kri­mi­na­li­siert und die in den Staat koop­tierten 68er sind mit dabei. Kürzlich wurde in der taz stu­den­ti­scher Protest gegen den His­to­riker Jörg Babe­rowski, ein Ver­treter der neuen wis­sen­schaft­lichen Rechten, als linke Zen­sur­ver­suche abge­ur­teilt. Bereits im letzten Jahr wurden in der taz Kritiker_​innen von Babe­rowski im Duktus der Neuen Rechten als Volks­kom­missare abge­watscht. Vor einigen Wochen folgte dann gleich auf meh­reren Seiten eine Ver­tei­digung des rechten Pro­fessors.
Umso schärfer wird auf die kleine linke ne Gruppe der stu­den­ti­schen Babe­rowski-Kri­ti­ker_innen ein­ge­dro­schen. Dabei könnte man die doch als wahre Erben der 1968er bezeichnen. Die haben schließlich auch nicht gewartet, bis sie an der Reihe waren, wenn sie Kritik vor­zu­bringen hatten. In Bran­denburg an der Havel bekamen einige engagier- te Schüler_​innen eine Anzeige. Sie hatten sich dagegen aus­ge­sprochen, dass ein AfD-Poli­tiker zum Poli­ti­kertalk in ihre Schule ein­ge­laden wird. Die hat schließlich die Aus­zeichnung: Schule ohne Ras­sismus – Schule mit Courage. Die cou­ra­gierten Schüler_​innen schrieben auf ein Trans­parent als Protest gegen den AfD-Talk: „Schule mit Ras­sismus – Schul­leiter ohne Courage“. Das reichte für die Anzeige.
Das zeigt, wie not­wendig ein neuer gesell­schaft­licher Auf­bruch ist, damit die Mäch­tigen, ob Schuldirektor_​innen, Vorarbeiter_​inen oder Rektor_​innen doch nicht ganz so sicher sitzen. In diesem Sinne. Es kommt darauf an, die Welt zu ver­ändern.

Peter Nowak

Hinweis auf diesen Artikel in der jungen Welt:
https://​www​.jun​gewelt​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​3​3​4​7​8​6​.​n​e​u​-​e​r​s​c​h​i​e​n​e​n​.html
Gras­wur­zel­re­vo­lution
Eine Akti­vistin berichtet über die im April und Mai durch­ge­führten Räu­mungen auf einem besetzten Gelände bei Nantes, wo die fran­zö­sische Regierung jahr­zehn­telang Pläne für den Bau eines Groß­flug­hafens ver­folgte. Anfang 2018 wurden diese auf­ge­geben. Michèle Winkler hält das neue baye­rische Poli­zei­auf­ga­ben­gesetz für »ein­deutig ver­fas­sungs­widrig«: »Der Skandal ist, dass die CSU es dennoch mit unüber­biet­barer Arroganz vor­gelegt und beschlossen hat.« Gisela Notz setzt den Auf­bruch von 1968 und die »neuen Frau­en­be­we­gungen« der Gegenwart im Interview ins Ver­hältnis. »Während 50 Jahre 68 abge­feiert wird, werden im Ver­gleich dazu kleine Pro­teste fast schon kri­mi­na­li­siert, und die in den Staat koop­tierten 68er sind mit dabei«, meint Peter Nowak. An eine öffent­liche Ver­brennung von Wehr­pässen vor 40 Jahren erinnert Johann Bauer.

Gras­wur­zel­re­vo­lution, Jg. 47/​Nr. 430, 24 Seiten, 3,80 Euro, Bezug: Verlag Graswurzel­revolution e. V., Vauba­n­allee 2, 79100 Freiburg, E‑Mail: abo@​graswurzel.​net

Was aus einem Organ der Gegenöffentlichkeit geworden ist

Der Wandel eines Begriffes in der taz
„Behörden können nicht zu hundert Prozent aus­schließen, dass die Fal­schen bei ihnen anheuern; sie können Sach­be­ar­beiter nicht unter Gene­ral­ver­dacht stellen, weil sie auf Facebook in fremden Sprachen schreiben. Sie können Mit­ar­beiter in sen­siblen Bereichen aber durch eine Sicher­heits­über­prüfung schicken und ihre Daten mit Erkennt­nissen von Polizei, Ver­fas­sungs­schutz und BND abgleichen. Ist das in diesem Fall pas­siert? Gab es keine Treffer? Warum nicht?“
Eigentlich erwartet man einen solchen Kom­mentar bei Springers „Welt“ oder einer anderen kon­ser­va­tiven Zeitung, die immer für mehr Über­wa­chung und Daten­spei­cherung ein­tritt. Doch die zitierten Zeilen stammen aus einem Kom­mentar aus der öko­lo­gisch-libe­ralen Tages­zeitung (taz) vom 11. August 2017.

Ver­fasst hat ihn Tobias Schulze, der Innen­po­litik-Redakteur des Blattes. Die taz hat an diesem Tag mit einer beson­deren Ent­hüllung aufgemacht.Unter der Über­schrift „Der Kom­munist im Bun­desamt“ wurde einer der wenigen Mit­ar­beiter mit nicht­deut­schem Hin­ter­grund im Bun­desamt für Migration und Flücht­linge (BAMF) an den Pranger gestellt. Der Mann stammt aus Vietnam, hat in der DDR gelebt und war nach 1989 in den Staats­dienst über­nommen worden. Er hat sich in Deutschland nicht poli­tisch betätigt, aller­dings wurde er in viet­na­me­si­schen Medien als Pro­pa­gandist des viet­na­me­si­schen Regimes zitiert. Nun muss man weder mit BAMF-Mit­ar­bei­ter_innen im All­ge­meinen noch mit Propago- nist_​innen des viet­na­me­si­schen Staats­ka­pi­ta­lismus besondere Sym­pathie haben, um sich von einer taz-Bericht­erstattung zu distan­zieren, die aus­ge­rechnet diesen Mit­ar­beiter dif­fa­miert und zur Über­wa­chung und letzt- lich zum Berufs­verbot gegen ihn aufruft. Dabei wäre es rich- tig, die Au ösung des BAMF zu fordern, als Behörde, die Men­schen auf Grund von Pässen und Her­kunft an der Ein­reise hindert. Eine solche For­derung wird man aber in der taz heute ver­geblich suchen.
Dabei ist diese Zeitung einst alsein Organ der Gegen­öf­fent­lichkeit gegründet worden, um das zu berichten, was ein Großteil der Medien ver­schwiegen hat.

Gegen­öf­fent­lichkeit heute in der BRD nicht mehr not­wendig?

Am 24./25. Mai 2017 erschien die taz mit einer Son­der­beilage zur Gegen­öf­fent­lichkeit und dem Motto „Gegen den Strom“. Dort schreibt der taz-Kom­men­tator Jan Fed­dersen, dass eine Gegen­öf­fent­lichkeit, wie vor 50 Jahren, heute in Deutschland nicht mehr not­wendig sei. Nur manchmal solle die außer­par­la­men­ta­rische Bewegung den Herr­schenden auf die Finger gucken, ansonsten sei kon­struk-tives Mit­machen die Devise. Gegen­öf­fent­lichkeit hin­gegen brauche es in den Ländern, die der deutsche Impe­ria­lismus so- wieso schon auf der Abschuss­liste hat.
„Poli­tisch ist eine bessere Welt nur durch stete, auch ner­venauf-rei­bende Arbeit zu haben – in den demo­kra­ti­schen Insti­tu­tionen. Die Straße als Gegen­öf­fent­lichkeit ist wei­terhin not­wendig: Auch, um rechten Demons­tra­tionen zu signa­li­sieren, dass sie als Anti­de­mo­kraten jederzeit mit Gegenwehr einer bunten oder kon­ser­vativ gesinnten oder linken Gesell­schaft zu rechnen haben”, schreibt Fed­dersen. Wenn man die Bei­träge der­Son­der­ausgabe durch­blättert, kommt man zu dem Ein­druck, Gegen­öf­fent­lichkeit wäre nur noch in der Türkei, in Russland und in den USA unter Trump nötig. Da darf natürlich mit Boris Schu­matsky auch ein Mann nicht fehlen, der in seinem Artikel die Sowjet­union zum Reich des Bösen im Stile des Kalten Krieges erklärt und gleich einen großen Teil der Linken im We- sten als „Lügen­ver­steher“ diffamiert.Der sowje­tische Star­dis­sident Alex­ander Sol­schez­nizyn und der spätere tsche­chische Prä­sident Vaclav Havel werden hin­gegen als Men­schen ver­klärt, die „in Wahrheit leben wollten“. Ein solcher Beitrag in einer Zeitung, die sich der Gegen­öf­fent­lichkeit widmet, kann eigentlich nur als unfrei­willige Parodie ver­standen werden.Ein Teil der Men­schen, die in der BRD und anderen Staaten vor 50 Jahren für Gegen­öffent- lichkeit kämpften, werden mas- siv dif­fa­miert, weil sie die „freie Welt“, einen Begriff, den Schu- matsky völlig ohneI­ronie ver­wendet, nicht für die beste aller Welten gehalten haben und noch immer nicht halten.

Wie in einer Beilage zur Gegen­öf­fent­lichkeit linke Geschichte retu­schiert wird

Ein zen­traler Impuls für den Kampf um Gegen­öf­fent­lichkeit, der schließlich zur Gründung neuer Zei­tungs­pro­jekte führte, von denen die taz über­lebte, war die massive staat­liche Repression, mit der alle Ver­suche behindert wurden, die Todes­um­stände der Stamm­heimer Häft­linge aus der RAF jen­seits der of ziellen Selbst­mord­these zu unter­suchen. Dieses Anliegen teilten damals auch viele Linke, die nie Sym­pa­thien mit der RAF oder mit dem bewaff­neten Kampf ins­gesamt hatten.Sie gerieten im soge­nannten Deut­schen Herbst, der mehrere Jahre dauerte, genauso ins Visier staat­licher Repres­si­ons­organe wie mili­tante Linke.Erinnert sei nur an die Repres­si­ons­welle gegen Drucker_​innen und Buchhändler_​innen, die den„Mescalero-Aufruf“ ver­brei­teten (1). Dort übte nach dem Attentat auf Gene­ral­bun­des­anwalt Buback ein damals anonymer Autor Kritik an der RAF aber auch an Buback und dem Staat. Der Aufruf wurde von den staat­lichen Instanzen als Ter­ror­ver­herr­li­chung bewertet und war Anlass einer mas­siven Verfolgungswelle.Viele Medien der Gegen­öf­fent­lichkeit, wie auch die Gras­wur­zel­re­vo­lution, wurden 1977 kri­mi­na­li­siert, weil sie den Sponti-Text des Göt­tinger Mes­calero doku­men­tiert hatten. Davon waren auch Hoch­schul- ASten und Intel­lek­tuelle wie der Göt­tinger Pro­fessor Peter Brückner betroffen, die dafür ein­traten, dass der Mes­calero-Text ver­öf­fent­licht und dis­ku­tiert werden kann.
Die zahl­reichen Wider­sprüche und Unge­reimt­heiten an der of ziellen Version der Stamm­heimer Todes­nacht würden auch 40 Jahre später noch genügend Anlass für kri­tische Nach­fragen geben. Obwohl viele dieser Wider­sprüche bis heute unge­klärt. sind, wie Helge Lehmann in seinem 2011 ver­öf­fent­lichten Buch „Die Todes­nacht von Stammheim“ deutlich machte, wird darauf in der taz-Beilage mit keinem Wort ein­ge­gangen. Vielmehr wird die einst umkämpfte staat­liche Version, dass die Gefan­genen Selbstmord ver­übten, kom­men­tarlos über­nommen.

taz und die Ver­trie­benen aus Thü­ringen
Es ist auch nicht zu erwarten, dass die taz zum aktu­ellen Stammheim-Jubiläum die Todes­um­stände noch einmal kri­tisch hin­ter­fragt. Dafür werden wir im taz-Feuil­leton vom 14.8.2017 mit einer beson­deren Art von alter­na­tiven Wahr­heiten beglückt. Anlässlich der Bespre­chung eines Lyrik­bands von Jürgen Becker erfahren wir vom Rezen­senten Eberhard Geisler erstaunliches:„Jürgen Becker drängen sich auch heute noch Erin­ne­rungen an die Zeit des Zweiten Welt­kriegs auf, als die Rote Armee ein­mar­schierte und die Familie des künf­tigen Dichters aus Thü ringen ver­trieben wurde“.Nun kann es viele Gründe ge- ben, vor der Roten Armee zu iehen. Wenn aber 1945 in Deutsch­land­jemand ieht, als die Rote Armee als Teil der Anti- Hitler-Koalition das NS-Régime zer­schlagen hat, was der Autor ver­schweigt, dann drängt sich zuerst die Frage auf, wo war der die Jahre davor war und was er in NS-Deutschland gemacht hat. Dass die Rote Armee aber Leute aus Thü­ringen ver­trieben hat, ist eine alter­native Nach­richt, auf die noch nicht mal die Ver­trie­be­nen­or­ga­ni­sa­tionen gekommen sind. Darauf konnte wohl nur die taz kommen.

aus: sep­tember 2017/421 gras­wur­zel­re­vo­lution 17
medien & kritik

Peter Nowak

Peter Brückner und die deutschen Verhältnisse

Aus dem Abseits, Deutschland 2015, Regie: Simon Brückner. (Der Film wurde am 29.8.2016 in 3sat aus­ge­strahlt.)

Der Film Aus dem Abseits bringt uns einen linken Intel­lek­tu­ellen wieder näher, der zur Ziel­scheibe des Modell Deutsch­lands von Helmut Schmidt wurde.

Simon Brückner war vier Jahre alt, als sein Vater 1982 in Nizza einem schweren Herz­leiden erlag. Fast 25 Jahre später macht er sich im Film Aus dem Abseits auf die Suche nach seinem abwe­senden Vater. Er prä­sen­tiert uns einen weit­gehend in Ver­ges­senheit gera­tenen, linken Intel­lek­tu­ellen, der in den Jahren des Modells Deutsch­lands von Helmut Schmidt zur Ziel­scheibe von Mob, Politik und Justiz in der BRD geraten war. Zweimal wurde er sus­pen­diert, mehrere Razzien musste er über sich ergehen lassen. Alt­nazis schrieben Brückner Droh­briefe, und als die Fern­seh­nach­richten seinen Tod mel­deten, applau­dierten brave Deutsche in einer Kran­ken­haus­kantine spontan, erzählt eine Brückner-Ver­traute im Film.

Der Mob hasste in Brücker einen linken Intel­lek­tu­ellen jüdi­scher Her­kunft, für den Revo­lution und schönes Leben zusam­men­ge­hörten und der sich dabei auch mit machen linken zeit­ge­nös­si­schen Dog­ma­tikern zer­stritt. Simon Brückner geht zurück in die Kindheit seines Vaters, als seine jüdische Mutter Deutschland noch recht­zeitig verließ, aber ihren Sohn im Teen­ager­alter zurückließ. Der hatte in der NS-Zeit am eigenen Leib erfahren, dass, zumal in Deutschland, das Abseits der einzig sichere Ort ist. Früh beob­achtete er die NS-Volks­ge­mein­schaft und merkte auch selbst­kri­tisch an, dass ihn seine jüdische Her­kunft davor bewahrte, Teil dieser Volks­ge­mein­schaft zu werden. Er schrieb auch von der Fas­zi­nation, die der Aus­bruch aus dem spie­ßigen Internat in die NS-Jung­schar bedeutete.

Brückners frühe Jahre in der DDR

Doch schon bald überwog beim jungen Brückner die Abscheu vor dem NS. Er wird aus dem Internat geworfen und zieht nach Zwickau, wo er als Jugend­licher allein lebt, was in der dama­ligen Zeit eine absolute Aus­nahme war. In Zwickau fand er auch Kontakt zum kom­mu­nis­ti­schen Wider­stand, den er nach 1945, nachdem er den Faschismus mit viel Glück überlebt hatte, auf­rech­ter­hielt. Brückner trat in die KPD ein und begann unmit­telbar nach dem Krieg mit dem Aufbau einer Sozi­al­psy­cho­logie im Interesse des Pro­le­ta­riats. Ein solch eigen­sin­niger Kom­munist in der DDR, das konnte nicht gut­gehen.

Doch gerade zu diesem Lebens­ab­schnitt hätte man sich mehr Nach­fragen im Film gewünscht. Viele Fragen bleiben offen. Schließlich erfahren wir, dass Brückner als KPD-Mit­glied gegen das Zusam­men­gehen mit der Sozi­al­de­mo­kratie in die SED war. Da standen ja wohl andere Gründe dahinter, als dass SPD-Mit­glieder ihren Anti­kom­mu­nismus pflegen wollten. War er also der Meinung, dass die Kom­mu­nisten nicht mit den Refor­misten der SPD koope­rieren sollen? Ob sich da noch For­scher finden, die nach den ein­schlä­gigen Doku­menten suchen? Lebt viel­leicht noch jemand von dieser Zwi­ckauer Clique und kann sich noch an Brückner erinnern?

Im Film bleibt hier eine Leer­stelle. Wir erfahren nur, dass bei Brückner eine Tuber­kulose wieder aus­brach. Seine mit den bri­ti­schen Alli­ierten nach Deutschland zurück­ge­kehrte Mutter sorgte dafür, dass er in den Westen kam. Doch die Beziehung zur Mutter hielt nicht lange. Er brach den Kontakt ab. Es werden Aus­schnitte aus seinen frühen Briefen zitiert, die zeigen, dass Brückner seiner Mutter nicht verzieh, dass sie ihn allein in Deutschland zurück­ge­lassen hatte und ein Geschenk, das er ihr als Zehn­jäh­riger besorgte, achtlos weg­ge­worfen hatte.

Brückner hat wenig über diese frühen Jahre erzählt. Selbst seine letzte Lebens­ge­fährtin, Barbara Sich­termann, wusste von Brückners Vor­leben nach ihren Angaben nichts. Doch es ist durchaus ver­ständlich, dass er damit nicht hau­sieren ging. Schließlich wird im Film ein Brief zitiert, aus dem her­vorgeht, dass er nicht in eine Orga­ni­sation der Ver­folgten des Nazi­re­gimes ein­treten wollte, weil er sich nicht als Opfer sah.

Dass er seine DDR-Geschichte nicht bekannt machte, dürfte zwei Gründe gehabt haben: Als frü­heres KPD-Mit­glied wäre er in der Ade­nau­erära noch mehr ins gesell­schaft­liche Abseits geraten. Zugleich gerierte er sich nicht als kom­mu­nis­ti­scher Renegat. Er gehörte wie Heiner Lipp­hardt und Ernst Bloch zu den linken Kri­tikern des Sta­li­nismus und Nomi­nal­so­zia­lismus, die sich wei­gerten, als Kron­zeugen für den real exis­tie­renden Kapi­ta­lismus zu dienen. Da ist sein Schweigen ver­ständlich.

Irri­tie­render ist ein Interview mit einer Freundin und Kommune-Mit­be­woh­nerin im West­berlin der 60er Jahre, die berichtet, dass Brückner kör­per­liche Zuwen­dungen von der Frau for­derte, und wenn sie sich wei­gerte, regte er sich so auf, dass sie befürchtete, er bekomme einen Herz­in­farkt. Sie fühlte sich sexuell erpresst. Es ist erfreulich, dass Simon Brückner auch diese Seite seines Vaters nicht uner­wähnt lässt.

Lang lehre Peter Brückner

Viel Raum nimmt natürlich der linke Intel­lek­tuelle Brückner ein. Wir sehen ihn in Teach-Ins, als Kund­ge­bungs­redner, bald auch in eigener Sache. Denn er gehörte zu denen, die, als der Staat mit Repression drohte, nicht klein bei­gaben sondern kämpften, und so auch Prot­agonist einer Soli­da­ri­täts­be­wegung wurden, die über die BRD hin­ausging. «Lang lehre Peter Brückner» lautete die Parole vieler Demons­trie­renden in jenem deut­schen Herbst, dessen Prot­agonist Helmut Schmidt im November letzten Jahres gestorben ist und mit viel Lob bedacht wurde. So ist Simon Brückners Film auch ein Antidot zur Schmid­tomanie, die den Mann, der im Not­standsfall mal nicht in die Gesetz­bücher gucken wollte und von dem der Spruch stammt, dass die Wehr­machts­an­ge­hö­rigen gut har­mo­nierten, zur Licht­ge­stalt sti­li­sierten.

Aus dem Abseits gibt denen, die im Schmidtschen «Modell Deutschland» aus­ge­grenzt und kri­mi­na­li­siert wurden, ein Forum. Der Film zeigt auch die Folgen der Kri­mi­na­li­sierung. So begann Barbara Sich­termann mit ihrer Arbeit als Schrift­stel­lerin, weil nach Brückners Ent­lassung das Geld fehlte. Für seinen Nizza-Urlaub musste er einen Kredit auf­nehmen. Gerade weil der Film von Simon Brückner ein Spu­ren­sucher seines Vaters und eines linken Intel­lek­tu­ellen ist, bleiben viele Fragen offen. Das ist aber gut so und könnte dazu führen, dass auch wieder die Bücher von Brückner gelesen werden. Das wäre erfreulich, weil sich dort viele nütz­liche Anre­gungen für alle Men­schen finden, die sich vom schein­baren kapi­ta­lis­ti­schen Endsieg nicht dumm machen lassen und wei­terhin über­zeugt sind, dass die Welt unver­nünftig ein­ge­richtet ist und es eine Revo­lution braucht, um das zu ver­ändern.

Seit einigen Jahren trifft sich all­jährlich ein Kreis von Inter­es­sierten zum Peter-Brückner-Kon­gress. Der Aktua­lität Bruckners wurde ein Buch gewidmet. Der Film könnte jetzt helfen, dass der Kreis derer, für die die Parole «Lang lehre Peter Brückner» größer wird.

PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 10/2016 |
http://​www​.sozonline​.de/​2​0​1​6​/​1​0​/​p​e​t​e​r​-​b​r​u​e​c​k​n​e​r​-​u​n​d​-​d​i​e​-​d​e​u​t​s​c​h​e​n​-​v​e​r​h​a​e​l​t​n​isse/

Peter Nowak

Wie erträgt das Individuum die Zumutungen des kapitalistischen Alltags?

Ein Kon­gress in Berlin suchte Ant­worten bei dem vor 30 Jahren ver­stor­benen Sozi­al­psy­cho­logen Peter Brückner

Was hat der seit der Welt­meis­ter­schaft 2006 in Deutschland zunehmend akzep­tierte Fuß­ball­pa­trio­tismus, der sich im exten­siven Schwenken von schwarz-rot-gol­denen Wink­ele­menten äußert, mit der Ent­si­cherung in der Arbeitswelt zu tun? Die Psy­cho­login Dagmar Schediwy sieht darin Aus­gleichs­hand­lungen des Indi­vi­duums im fle­xiblen Kapi­ta­lismus. »Wenn man jederzeit seinen Job ver­lieren kann, bietet der Rück­griff auf die Nation scheinbar die letzte Sicherheit«, erklärte sie am Samstag mit Verweis auf die Kri­tische Theorie in ihrem Vortrag im Semi­nar­zentrum der Freien Uni­ver­sität Berlin. Dort hatte in den letzten vier Tagen die Neue Gesell­schaft für Psy­cho­logie zu dem Kon­gress »»Sozi­al­psy­cho­logie des Kapi­ta­lismus – heute« ein­ge­laden. Der Titel knüpft an ein 1981 erschie­nenes Buch des Han­no­ve­raner Sozi­al­psy­cho­logen Peter Brückner an. Sein neun­zigster Geburts- und drei­ßigster Todestag in diesem Jahr nutzten die Kon­gress­or­ga­ni­sa­toren, um an den lange ver­ges­senen Wis­sen­schaftler zu erinnern. Dabei machten die Refe­renten, über­wiegend Psy­cho­logen, Sozi­al­päd­agogen oder Sozio­logen, die erstaun­liche Aktua­lität seiner Schriften deutlich.

So wies der Ber­liner Psy­chologe Klaus-Jürgen Bruder darauf hin, dass sich Brückner sehr intensiv mit dem Phä­nomen aus­ein­an­der­ge­setzt hat, dass in großen Teilen der Gesell­schaft in Kri­sen­zeiten die Loya­lität mit dem Staat zunimmt und auto­ritäre Kri­sen­lö­sungs­mo­delle auf mehr Zustimmung stoßen. Für Bruder könnten hier wichtige theo­re­tische Erklä­rungs­muster für die Apathie weiter Teile der Bevöl­kerung trotz »der klaf­fenden Dis­krepanz zwi­schen staat­lichem Handeln, rück­sicht­loser Durch­setzung par­ti­ku­larer Inter­essen und den Inter­essen der Mehrheit der Bevöl­kerung« heute liegen. Warum Erwerbslose oder prekär Beschäf­tigte lieber auf die »Plei­te­griechen« schimpfen, statt sich mit andere Betrof­fenen für die Ver­bes­serung ihrer Situation zusam­men­schließen, könnte mit Brückners For­schungen über die Mas­sen­loya­lität als Ergänzung zur Macht­basis des Staates tat­sächlich besser erklärt werden als mit gän­gigen Mani­pu­la­ti­ons­thesen.

Die Sozi­al­psy­cho­login Claudia Barth widmete sich in ihren Vortrag über Eso­terik als »Ecstasy des Bürgers« einer wei­teren, oft ver­kürzt als Welt­flucht inter­pre­tierten Anpas­sungs­leistung des Indi­vi­duums. »Ziel eso­te­ri­scher Selbst­the­ra­peu­ti­sierung ist es, Leiden an Kälte und Ent­fremdung zu beenden, innere Wider­stände abzu­bauen, aktuell gefragte Kom­pe­tenzen auf­zu­bauen, um im Hier und Jetzt erfolg­reich zu sein«, so ihr Befund.

Poli­tische Reha­bi­li­tation

Der Kon­gress könnte auch der Auftakt für eine Reha­bi­li­tation des poli­ti­schen Akti­visten Peter Brückners sein. Der wichtige theo­re­tische Impuls­geber des poli­ti­schen Auf­bruchs um 1968 wurde in den 70er Jahren zweimal von seiner Pro­fessur sus­pen­diert, unter anderem, weil er sich nicht von der Mit­her­ausgabe des damals viel­dis­ku­tierten Mes­calero-Aufrufs distan­zierte, der sich mit dem RAF-Anschlag auf dem Gene­ral­bun­des­anwalt Sieg­fried Buback aus der Position eines dama­ligen Sponti-Linken aus­ein­an­der­setzte. Eine bun­des­weite Soli­da­ri­täts­be­wegung für die Wie­der­ein­stellung Brückners war auch ein Signal gegen die berüch­tigte bleierne Zeit der 70er Jahre, als der Staat im Namen des Kampfes gegen die Rote Armee Fraktion auch unan­ge­passte Linke ins Visier nahm.

Wenige Monate nach einem sieg­reichen Rechts­streit starb Brückner durch die jah­re­langen Aus­ein­an­der­set­zungen zer­mürbt an Herz­ver­sagen. Wäre es 30 Jahre später nicht an der Zeit, am Bei­spiel Brückners deutlich zu machen, dass es poli­tische Ver­folgung eben durchaus nicht nur in der DDR gab? Diese auf dem Kon­gress gestellte Frage blieb vorerst unbe­ant­wortet.
http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​51550
Peter Nowak

Innenansichten des Systems

Ein Wochenende lang wurde an der FU über die »Sozi­al­psy­cho­logie des Kapi­ta­lismus« dis­ku­tiert. von Peter Nowak

Geschäf­tiges Treiben herrschte am Wochenende im Semi­nar­zentrum der Freien Uni­ver­sität: Psy­cho­lo­gInnen aus Deutschland und Öster­reich beschäf­tigten sich auf Ein­ladung der Neuen Gesell­schaft für Psy­cho­logie (NfG) mit der Rolle der Psy­cho­logie im Kapi­ta­lismus. Die Themen der Vor­träge waren denkbar ver­schieden: Mehrere Refe­ren­tInnen wid­meten sich den Ver­än­de­rungen des Fuß­balls im post­in­dus­tri­ellen Kapi­ta­lismus, andere beschäf­tigten sich mit der Occupy-Bewegung oder der Zusam­men­arbeit von Zivil­ge­sell­schaft und Wis­sen­schaft.

Der Sozi­al­psy­chologe Gerd Dem­bowski unter­suchte am Bei­spiel der Ultras die Ver­än­de­rungen in der Fan­kultur in einer Zeit, in der Ver­ein­s­i­den­tität durch ständige Wechsel von Trainern und Sta­di­on­namen brüchig geworden ist. Die Psy­cho­login Dagmar Schediwy sieht in dem spä­testens seit der Fußball-WM 2006 viru­lenten Fuß­ball­pa­trio­tismus einen Aus­gleich der Indi­viduen für die wach­senden Anfor­de­rungen im Kapi­ta­lismus. „Wenn man jederzeit seinen Job ver­lieren kann, bietet der Rück­griff auf die Nation scheinbar die letzte Sicherheit.“

Für eine stärkere Koope­ration von kri­ti­scher Wis­sen­schaft und Zivil­ge­sell­schaft plä­dierte der Poli­tologe Thomas Rudeck, der das im letzten Jahr erfolg­reiche Volks­be­gehren zur Offen­legung der Was­ser­ver­träge mit­ver­fasst hat. In solchen Refe­renden sieht er einen Hebel für eine Ver­än­derung der Gesell­schaft, erntete damit beim Publikum aber auch Wider­spruch.

Gleich mehrere AGs beschäf­tigten sich mit der Zukunft kri­ti­scher Wis­sen­schaft. Dafür stand in den 80er Jahren auch der Han­no­ve­raner Sozi­al­psy­chologe Peter Brückner, der in diesem Jahr 90 Jahre geworden wäre. „Seine Befrei­ungs­psy­cho­logie war eine radikale Absage an die kapi­ta­lis­tische Gesell­schaft“, sagte der Psy­chologe Klaus Weber.

In der Wie­der­ent­de­ckung des linken Wis­sen­schaftlers Brückner bestand ein großes Ver­dienst des Kon­gresses. Dabei steht eine poli­tische Reha­bi­li­tierung des BRD-Dis­si­denten noch aus. Weil sich Brückner nicht von der Mit­her­ausgabe des Buback-Aufrufs distan­zierte, einem Text, in dem Buback kri­ti­siert wurde, betrieb die nie­der­säch­sische Minis­te­ri­al­bü­ro­kratie seine Sus­pen­dierung.
http://​www​.taz​.de/​K​o​n​g​r​e​s​s​-​a​n​-​d​e​r​-​F​r​e​i​e​n​-​U​n​i​/​!​8​8935/
Peter Nowak