»Open End statt Opel-Ende«

– Crowd­funding für Film über Opel-Betriebs­gruppe GoG gestartet

Viel ist in den letzten Monaten über den gesell­schaft­lichen Auf­bruch vor 50 Jahren dis­ku­tiert worden. Selten wird erwähnt, dass nicht nur Schü­le­rInnen, Jugend­liche und Stu­die­rende um 1968 auf­ge­standen sind. Auch in den Fabriken wuchs der Wider­stand. Diesen pro­le­ta­ri­schen Auf­bruch widmet sich Bärbel Schöna­finger von labournet​.tv mit ihren Doku­men­tarfilm über die Geschichte der Gruppe oppo­si­tio­neller Gewerk­schaftler (GoG) aus Opel. Gleich am Anfang wir ein Zitat aus der wirt­schafts­nahen Wochen­zeitung „Die Zeit“ vom 24.8.1973 über den Beginn der GoG ein­blendet: „Ange­fangen hatte es damit, dass sich vor etwa drei Jahren der Reli­gi­ons­lehrer Wolfang Schaumberg und der Volks­schul­lehrer Klaus Schmidt bei den Opel-Werken als Hilfs­ar­beiter ver­dingten“. Gleich danach sitzt Wolfgang Schaumburg 2018 in einem Klas­senraum vor einer Tafel und berichtet, wie er und viele Genos­sInnen mit ihrer Betriebs­arbeit die Welt­re­vo­lution vor­an­zu­treiben wollten. Er spricht über den Kontakt mit kom­mu­nis­ti­schen Genos­sInnen aus Deutschland und Spanien. Im Anschluss berich­teten Willi Hajek und Robert Schlosser von ihrer Moti­vation, den Auf­bruch von 68 in die Betriebe zu tragen. 1975 bekam die GoG bei den Betriebs­rä­te­wahlen über 5000 Stimmen und 12 Sitze im Betriebsrat. Das war auch eine Quittung für den alten Betriebsrat, der mit dem Management gekungelt hat. Noch heute schwärmen mehrere Grün­dungs­mit­glieder der GoG über die Euphorie der ersten Jahre, als sie durch die ganze Republik fuhren und über ihre Erfolge bei Opel Bochum berich­teten. Doch nach 1975 setzte die Mühe der Ebenen ein. Die Zahl der Unter­stüt­ze­rInnen im und außerhalb des Betriebs ging zurück. Einige der Akti­vis­tInnen ver­ließen die Fabrik und setzten ihr Studium fort. Doch viele blieben und ihnen gelang es, Opel Bochum zu einem rebel­li­schen Betrieb zu machen. Es begann der Kampf um den Bil­dungs­urlaub, mit dem die Beschäf­tigten eine Woche den Betrieb ver­lassen und sich mit anderen Themen beschäf­tigen konnten. Auch dem Thema „Gesundheit am Arbeits­platz“ widmete sich die GoG bereits in den 1980er Jahren. Einen großen Stel­lenwert nehmen im Film die Ver­suche der GoG ein, der kapi­ta­lis­ti­schen Kon­kurrenz eine Arbei­te­rIn­nen­so­li­da­rität ent­ge­gen­zu­setzen. Mitt­ler­weile war aus Opel GM geworden und die ein­zelne Standorte sollten gegen­ein­ander aus­ge­spielt werden. GoG-Kol­le­gInnen fuhren in den 1990er Jahren nach Polen, Spanien und in andere Länder in der Hoffnung, eine gemeinsame Front der Arbeiter Innen gegen die Kapi­tal­stra­tegie bilden zu können. Damit sind sie gescheitert, wie die Betei­ligten heute mit etwas Wehmut resü­mieren. 2004 machte Opel Bochum mit einem sieben tägigen wilden Streik gegen Ent­las­sungs­pläne Schlag­zeilen. Hier ging auch die Saat auf, die GoG mit ihrer jah­re­langen Arbeit im Betrieb gesät hat. Doch als eine große Mehrheit in der Beleg­schaft den Streik mit einer Urab­stimmung gerade in dem Augen­blick beendete, als er Wirkung zeigte, macht einige der Akti­vis­tInnen noch heute traurig. Der Rückgang des Betriebs­ak­ti­vismus machte sich auch bei den Stim­men­rück­gängen für die GoG bei den Betriebs­rats­wahlen bemerkbar. Vor allem die junge Generation fehlte. Umso wich­tiger ist der Film über die GoG, in dem die Betei­ligten ein Stück Geschichte des pro­le­ta­ri­schen 68 ver­mitteln. Um den Film fer­tig­zu­stellen, wird noch Geld gebraucht, unter Anderem für Lizenz­ge­bühren. Bis zum 25. August läuft eine Crowd­funding-Kam­pagne von labournet​.tv und GoG. Bis dahin sollen 4000 Euro gesammelt werden.

Peter Nowak

Wer für den Film spenden will, findet hier weitere Infos:
https://www​.startnext​.com/gog/

aus: express – Zeitung für sozia­lis­tische Betriebs- und Gewerk­schafts­arbeit

http://​www​.labournet​.de/​e​x​p​ress/

Opel-Belegschaft will nicht für die Autokrise zahlen

Was das Nein der Bochumer Opel-Beschäf­tigten mit dem Nein des zyprio­ti­schen Par­la­ments zu den EU-Troika-Plänen zu tun hat

Die Beleg­schaft von Opel Bochum hat vor einigen Tagen mit einer Mehrheit von über 76 Prozent ein Abkommen abge­lehnt, das die IG-Metall mit dem Opel-Management aus­ge­handelt hatte. Es hat den hoch­tra­benden Titel »Deutsch­landplan« getragen. Die Beschäf­tigten sollten dort wei­teren Ver­zichts­leis­tungen zustimmen, dar­unter einem Lohn­stopp und der Strei­chung von über­ta­rif­lichen Ent­gelt­be­stand­teilen. Im Gegenzug wollte das Management die Opel-Pro­duktion bis 2016 in Bochum belassen und eine Trans­fer­ge­sell­schaft ein­richten.

In der Regel werden solche Ver­zichts­leis­tungen für den Standort von den Lohn­ab­hän­gigen mehr oder weniger zäh­ne­knir­schend akzep­tiert, gerade dann, wenn eine DGB-Gewerk­schaft als Ver­trags­partner mit im Boot ist. Doch bei Opel Bochum lief es anders. Die Mehrheit der Beleg­schaft hatte genug vom ewigen Ver­zicht und zeigte nicht nur dem Management, sondern auch der IG-Metall die kalte Schulter. Daher ist die Ein­schätzung eines taz-Kom­men­tators, wonach mit dem Votum aus Bochum auch die IG-Metall eine Ohr­feige bekommen habe, völlig korrekt. Schließlich hatte auch die IG-Metall den Standort Bochum längst auf­ge­geben und sich auf den Erhalt von Rüs­selsheim kon­zen­triert.

Sechs Tage der Selbst­er­mäch­tigung

Das Nein aus Bochum kommt nicht über­ra­schend. Mehr als zwei Jahr­zehnte hatte die links­ge­werk­schaft­liche Gruppe Gegenwehr ohne Grenzen in dem Werk eine Basis. Sie lehnte jeden Stand­ort­na­tio­na­lismus ab und setzte sich schon früh für einen län­der­über­grei­fenden Kampf aller Beschäf­tigten gegen die Kon­zern­pläne ein. Im Oktober 2004 erregte ein Großteil der Opel-Beleg­schaft mit einem sechs­tä­gigen wilden Streik bun­desweit große Auf­merk­samkeit (Details können in dem im Verlag Die Buch­ma­cherei her­aus­ge­ge­benen Buch Sechs Tage der Selbst­er­mäch­tigung nach­ge­lesen werden).

Nach dem Schlie­ßungs­be­schluss vom 11. Dezember letzten Jahres war die Stimmung bei Opel zunächst gedämpft. Ca. 100 Beschäf­tigte betei­ligten sich an einer Demons­tration am gleichen Tag. Am 14. Dezember rief die IG Metall zu einer Kund­gebung vor dem Tor 4 auf. »Die meisten Reden ver­brei­teten Zweck­op­ti­mismus«, erklärte der lang­jährige Betriebsrat und GoG-Aktivist Wolfgang Schaumberg. Er regis­triert die Ver­än­de­rungen im Opel-Werk sehr genau und kennt auch die Ursachen.

»Heute liegt der Alters­durch­schnitt im Werk bei über 47 Jahren. Gerade die Älteren hoffen auf eine Abfindung und rechnen sich schon aus, wie sie mit Abfin­dungen und Arbeits­lo­sengeld bis zum Ren­ten­alter kommen«, beschrieb er Situation. Weil die Kom­po­nen­ten­fer­tigung für andere Werke aus Bochum abge­zogen wurde, könnte ein Aus­stand heute nicht mehr, wie 2004, die Opel-Pro­duktion in ganz Europa lahm­legen. Dieser durch die tech­no­lo­gische Ent­wicklung begüns­tigte Verlust der Pro­du­zen­ten­macht hat auch dazu geführt, dass viele Streik­ak­ti­visten von 2004 Abfin­dungen ange­nommen und sich aus dem Betrieb ver­ab­schiedet haben.

Der »Arbei­ter­mi­li­tante«, der, wie der vor einigen Jahren ver­rentete Wolfgang Schaumberg, über Jahr­zehnte im Betrieb arbeitete und seine Erfah­rungen an die jeweils nächste Generation wei­tergab, war auch bei Opel schon vor den Schlie­ßungs­plänen ein ana­chro­nis­ti­scher Typus geworden. Schließlich haben die Bochumer Ope­laner den Macht­verlust selber erfahren. In den ver­gan­genen zwei Jahr­zehnten ist die Zahl der Beleg­schafts­mit­glieder kon­ti­nu­ierlich zurück­ge­gangen. Die Beschäf­tigten haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ihr Ver­zicht nicht etwa belohnt, sondern mit wei­teren Kür­zungs- und Schlie­ßungs­plänen beant­wortet wurde. Das Nein zu einem erneuen Ver­zicht war dann nur eine logische Kon­se­quenz.

Die Wei­gerung

»Die Alter­native wäre gewesen, dass wir noch ein paar Tage länger hätten pro­du­zieren können – mit einer schrump­fenden Beleg­schaft«, beschrieb der durchaus nicht als besonders radikal bekannte Bochumer Opel-Betriebs­rats­vor­sit­zende Reiner Einenkel den von der IG-Metall bewor­benen Vertrag.

Dass sich die Beleg­schaft nicht wider­spruchslos fügen würde, war bereits im letzten Jahr zu erkennen. So empfahl ein oppo­si­tio­neller Betriebsrat den Beschäf­tigten auf einer Kund­gebung am 14. Dezember, sich an den bel­gi­schen Ford-Kol­legen aus Genk ein Bei­spiel zu nehmen. Die sind Anfang November nach der Ankün­digung der Schließung ihres Werkes spontan zum Ford-Werk nach Köln gefahren und haben dort pro­tes­tiert. Die Aktion ist in den Medien in Deutschland als Randale hin­ge­stellt worden und die bel­gi­schen Arbeiter wurden von der Polizei erken­nungs­dienstlich behandelt. Die man­gelnde Soli­da­rität der IG-Metall sorgte an der Gewerk­schafts­basis durchaus für Unmut. Manche der Beschäf­tigten werden sich an diese Aktionen erinnert haben, als sie sich jetzt bei der Abstimmung wei­gerten, dem eigenen Ver­zicht aktiv zuzu­stimmen.

Eine Form der Kri­sen­pro­teste

Das Management hat die Ablehnung mit der Bemerkung kom­men­tiert, man bedauere, dass die Beleg­schaft ein attrak­tives Angebot aus­ge­schlagen hat und werde nun das Opel-Werk bereits 2014 schließen. Bei großen Teilen der Beleg­schaft wird diese Ankün­digung als Bluff auf­ge­fasst. Das Management könne sich eine Schließung im nächsten Jahr gar nicht leisten und werde weiter ver­handeln, lautet eine weit­ver­breitete Ein­schätzung. Doch was ist, wenn sie nicht zutrifft und das Werk tat­sächlich geschlossen werden soll? Gibt es dann eine Werks­be­setzung?

Solche Fragen sollten sich die Beschäf­tigten in Bochum zumindest stellen. Denn sie haben mit ihrer Wei­gerung, weiter für den Standort Ver­zicht zu üben, in Deutschland etwas Sel­tenes getan. Sie haben Nein gesagt und dem Druck wie­der­standen, der auf sie aus­geübt wurde.

In dieser Hin­sicht kann man das Nein zum Ver­zichtsplan in Bochum mit dem Nein des zyprio­ti­schen Par­la­ments zu dem von der Troika fest­ge­legten Kri­senplan ver­gleichen. In beiden Fällen waren sich fast sämt­liche Medien und Poli­tiker einig, eine Annahme der Pläne ist sowohl in Zypern als auch in Bochum alter­na­tivlos, eine Ablehnung dagegen würde schlimme Folgen haben. Im Fall Zypern will die EU-Troika nun mit allen Mitteln durch­setzen, dass die reni­tenten Par­la­men­tarier doch noch einen Rück­zieher machen und den EU-Plan akzep­tieren. Solche Pres­sionen könnten auch der Beleg­schaft in Bochum noch bevor­stehen.
http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​53986
Peter Nowak

Aus für Opel – und nichts passiert

Opel Bochum zeigt, wie schwer sic hdie Beleg­schaften mit der Auto­mo­bil­krise tun

»Hier hat sich die Beleg­schaft selbst orga­ni­siert. Von Don­nerstag an stand fest, die Beleg­schaft handelt und ent­scheidet gemeinsam jeden Schritt und jede Aktion. Ohne groß­artige Abstim­mungen wurden die Tore besetzt, um zu ver­hindern, dass LKWs mit Ladung das Werk ver­ließen – leer konnten sie fahren.« Dieser Lage­be­richt des oppo­si­tio­nellen Bochumer Opel-Betriebs­rates Manfred Strobel ist vor acht Jahren in der Zeit­schrift Express erschienen, die gewerk­schaft­lichen Kämpfen in und außerhalb des DGB ein Forum gibt.
Damals hatte ein durch ange­kün­digte Mas­sen­ent­las­sungen aus­ge­löster sechs­tä­giger Streik der Opel-Beleg­schaft in Teilen der Linken für Begeis­terung gesorgt. Denn die Aktion hatte erkennbar nicht die Hand­schrift der IG-Metall-Führung getragen. Der Ber­liner Verlag „Die Buch­ma­cherei“ hat unter dem Titel „6 Tage der Selbst­er­mäch­tigung“ ein Buch her­aus­ge­geben, in dem die dama­ligen Kämpfe anschaulich doku­men­tiert sind. Acht Jahre später wurde der Schlie­ßungs­be­schluss des Opel­werkes ver­kündet und es gab keine Tor­be­set­zungen und Streiks. Kurz nach Bekannt­werden des Beschlusses demons­trierten am 10. Dezember knapp 100 Beschäf­tigten durch das Werk. Am 14. Dezember hatte die IG-Metall zu einer Kund­gebung vor dem Tor 4 auf­ge­rufen. Der Tenor der meisten Reden war Zweck­op­ti­mismus. Es sei schon ein Erfolg, dass die Gespräche wei­ter­gehen. So soll über die Aus­zahlung der 4,3% Tarif­lohn­er­höhung, die Opel wegen als Vor­leistung der Beleg­schaft gestundet worden sind, wei­ter­ver­handelt und das Ergebnis dann den Kol­legen zur Abstimmung vor­gelegt werden. Zudem wurde von den Betriebs­räten die Auf­sichts­rats­ver­sammlung vom 12. Dezember als erfolg­reich bezeichnet, weil dort kein Schlie­ßungsplan vor­gelegt worden war.
„Das halte ich für eine Nebel­kerze. Schließlich wissen alle, dass es den Schlie­ßungs­be­schluss gibt“, kom­men­tierte Wolfgang Schaumberg diesem Versuch, die Beleg­schaft ruhig zu stellen. Schaumberg war jahr­zehn­telang in der oppo­si­tio­nellen Gewerk­schafts­gruppe Gegenwehr ohne Grenzen (GoG) aktiv. Sie und ihre Vor­läufer haben in den ver­gan­genen drei Jahr­zehnten bei Opel eine wichtige Rolle gespielt und sicher auch mit zum 6tägigen Streik vor 8 Jahren bei­getragen. Dass die Gruppe, die die Stand­ort­logik und das gewerk­schaft­liche Coma­nagement immer bekämpft hat, bei der letzten Betriebs­ratswahl erstmals kein Mandat mehr bekommen hat, zeigt das ver­än­derte Klima.

Viele wollen lieber die Abfindung kas­sieren

Heute liegt der Alters­durch­schnitt im Werk bei über 47 Jahren. „Gerade die Älteren hoffen auf eine Abfindung und rechnen sich schon aus, wie sie mit Abfin­dungen und Arbeits­lo­sengeld bis zum Ren­ten­alter kommen“, beschreibt Schaumberg die Situation Weil die Kom­po­nen­ten­fer­tigung für andere Werke aus Bochum abge­zogen wurde, könnte ein Aus­stand heute nicht mehr wie 2004 die Opel-Pro­duktion in ganz Europa lahm­legen. Dieser durch die tech­no­lo­gische Ent­wicklung begüns­tigte Verlust der Pro­du­zen­ten­macht hat auch dazu geführt, dass sich viele Streik­ak­ti­vis­tInnen von 2004 mit Abfin­dungen aus dem Betrieb ver­ab­schiedet haben. Dazu gehört auch der Express-Autor Manfred Strobel. Die Figur des “Arbei­ter­mi­li­tanten“, der, wie der vor einigen Jahren ver­rentete Wolfgang Schaumberg, über Jahr­zehnte im Betrieb arbei­teten und Kampf­erfah­rungen an neue Genera­tionen wei­ter­gaben, war auch bei Opel schon vor den Schlie­ßungs­plänen ein Aus­lauf­modell. Schließlich haben die Bochumer Ope­la­ne­rInnen den Macht­verlust selber erfahren können. In den letzten zwei Jahr­zehnten ist die Anzahl der Beleg­schafts­mit­glieder kon­ti­nu­ierlich zurück gegangen.
Dieser Rückgang der Arbei­ter­In­nen­macht, bedingt durch den tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt und die Politik der Wirt­schafts­ver­bände, machen Beleg­schaften in vielen euro­päi­schen Ländern zu schaffen. Diese Erfah­rungen haben dazu geführt, dass Ent­schei­dungs­streiks in ein­zelnen Fabriken in den letzen Jahren zurück­ge­gangen sind und dafür die aus der Defensive geführten poli­ti­schen Streiks zuge­nommen haben, lautet die These des von Alex­ander Gallas, Jörg Nowak und Florian Wilde kürzlich im VSA-Verlag erschie­nenen Buch „Poli­tische Streiks im Europa der Krise“.
Der IG-Metall-Vor­stand zumindest macht sich über neue Kampf­formen kaum Gedanken. Auf ihrer Homepage wird der Opel-Kon­flikt zu einem Kampf zwi­schen den Stand­orten USA und Deutschland sti­li­siert. Dort ist von „einer Kampf­ansage von General Motors an Opel Bochum“ die Rede. Das Management habe die Marke Opel beschädigt, lautet die Klage der gewerk­schaft­lichen Koma­nager, die ein pro­fi­tables Opel-Werk fordern. „Damit sind weitere Ver­zichts­er­klä­rungen der Beschäf­tigten schon vor­pro­gram­miert“, kom­men­tiert Schaumberg rea­lis­tisch.
Aller­dings gibt auch bei Opel noch ver­schiedene Formen von Wider­spruch gegen diese IG-Metall Linie. So empfahl ein oppo­si­tio­neller Betriebsrat auf der Kund­gebung am 14. Dezember, sich an den bel­gi­schen Ford-Kol­legen aus Genk ein Bei­spiel zu nehmen, die Anfang November nach der Ankün­digung der Werk­schließung vor dem Ford-Werk in Köln pro­tes­tierten. Die Aktion sei in den Medien in Deutschland als Randale hin­ge­stellt worden, es habe sich aber um eine Pro­test­aktion mit Vor­bild­cha­rakter, erklärte er unter Applaus.

Oppo­si­to­nelle Gewerk­schafter gespalten

Eben­falls aus den Reihen oppo­si­tio­neller Opel-Gewerk­schafter wird mit dem Vor­schlag, Gewerk­schaften und Umwelt­or­ga­ni­sa­tionen sollen sich gemeinsam für die Pro­duktion umwelt­freund­licher Autos ein­setzen, an die Kon­ver­si­ons­pläne der 70er Jahre ange­knüpft.
„Solche For­de­rungen können nicht in einem Werk umge­setzt werden, sondern setzen eine ganz andere Aus­ein­an­der­setzung mit dem Kapital voraus“, betont Schaumberg. Bei der GoG wird daher die For­derung dis­ku­tiert, dem Management mit der Position gegenüber zu treten, die Arbeit könnt ihr behalten, aber ihr müsst uns weiter bezahlen. Schließlich hätten die Lohn­ab­hän­gigen die Situation nicht ver­ur­sacht, die zum Schlie­ßungs­be­schluss führte. Damit knüpfen sie an die Parole „Wir zahlen nicht für Eure Krise“ an. Im Fall Opel ist die Parole sehr treffend. Denn es ist auch die durch die deutsche Kri­sen­po­litik der euro­päi­schen Peri­pherie auf­ok­troy­iertes Ver­ar­mungs­pro­gramm, das den deut­schen Export ein­brechen ließ und Opel unren­tabel macht. Wer jeden Cent zweimal umdrehten muss, kauft schließlich keine Autos.
Ein erstes Fazit, das sich aus den Reak­tionen auf die Opel-Krise ziehen lässt, ist so also durchaus zwie­spältig. Viele außer­par­la­men­ta­rische Linke hätten natürlich jeden direkten Wider­stand im Werk als Zeichen für die wei­terhin lebendige Arbei­te­rIn­nen­be­wegung inter­pre­tiert. Dass aber die Kol­le­gInnen eben nicht einfach die Brocken hin­werfen und statt­dessen ihre Abfin­dungen aus­rechnen, ist auch der Erkenntnis geschuldet, dass im heu­tigen Kapi­ta­lismus eine iso­lierte Lösung in einer ein­zelnen Fabrik nicht möglich ist.
Die von der Umwelt­ge­werk­schaft ange­fachte Debatte über die Pro­duktion von umwelt­freund­lichen Fahr­zeugen ist nur möglich, wenn die Eigen­tums­frage und Pro­du­zen­tIn­nen­macht und Kon­zepte einer gesamt­ge­sell­schaft­lichen, demo­kra­ti­schen Planung der Pro­duktion wieder gestellt wird. In Zeiten, in denen die Markt- und Kapi­tal­logik scheinbar alter­na­tivlos erscheint , könnten damit linke Ziel­vor­stel­lungen wieder in der Öffent­lichkeit plat­ziert werden. Für das erste März-Wochenende plant die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Stuttgart eine Kon­ferenz zum Thema „Erneuerung durch Streik“. In dem detail­lierten Pro­gramm, das auf der Homepage http://​www​.rosalux​.de/​e​v​e​n​t​/​4​6​5​3​8​/​e​r​n​e​u​e​r​u​n​g​-​d​u​r​c​h​-​s​t​r​e​i​k​.html ver­öf­fent­licht, ist bisher aller­dings Opel-Bochum nicht erwähnt.

aus analyse und kritik 579
http://​www​.akweb​.de/
Peter Nowak

Die Arbeit könnt ihr behalten

Die Reak­tionen auf die Schlie­ßungs­pläne bei Opel zeigen, dass es heute kaum noch möglich ist, in einer ein­zelnen Fabrik Kämpfe zu führen.

»Hier hat sich die Beleg­schaft selbst orga­ni­siert. Von Don­nerstag an stand fest, die Beleg­schaft handelt und ent­scheidet gemeinsam jeden Schritt und jede Aktion. Ohne groß­artige Abstim­mungen wurden die Tore besetzt, um zu ver­hindern, dass LKW mit Ladung das Werk ver­ließen – leer konnten sie fahren.« Dieser Lage­be­richt des oppo­si­tio­nellen Bochumer Opel-Betriebs­rates Manfred Strobel ist vor acht Jahren in der Zeit­schrift Express erschienen, die gewerk­schaft­lichen Kämpfen außerhalb des DGB ein Forum gibt. Damals hatte ein durch ange­kün­digte Mas­sen­ent­las­sungen aus­ge­löster sechs­tä­giger Streik der Opel-Beleg­schaft für Begeis­terung unter Linken gesorgt, weil die Aktion nicht die Hand­schrift der IG-Metall-Führung getragen hatte.

Acht Jahre später nun, am 10.Dezember, wurde der Beschluss ver­kündet, das Opelwerk zu schließen. Das zog jedoch keine Tor­be­set­zungen und Streiks nach sich. Kurz nach Bekannt­werden des Beschlusses, am 11. Dezember, betei­ligten sich gerade mal 100 Beschäf­tigte an einer Demonstra­tion durch das Werk. Am 14. Dezember rief die IG Metall zu einer Kund­gebung vor dem Tor 4 auf. Die meisten Reden ver­brei­teten Zweck­op­ti­mismus. Es sei schon ein »Erfolg«, dass die Gespräche wei­ter­gehen, hieß es. So soll über die Aus­zahlung der 4,3 Prozent Tarif­lohn­er­höhung, die Opel wegen der Vor­leistung der Beleg­schaft gestundet worden sind, am 8. Januar wei­ter­ver­handelt und das Ergebnis dann den Kol­legen zur Abstimmung vor­gelegt werden. Zudem bezeich­neten die Betriebsräte die Auf­sichts­rats­ver­sammlung vom 12. Dezember als erfolg­reich, weil dort der Schlie­ßungsplan noch nicht offi­ziell bestätigt wurde. »Das halte ich für eine Nebel­kerze. Schließlich wissen alle, dass es den Schlie­ßungs­be­schluss gibt«, kom­men­tierte Wolfgang Schaumberg diesen Versuch, die Beleg­schaft ruhig­zu­stellen. Schaumberg war jahr­zehn­telang in der oppo­si­tio­nellen Gewerk­schafts­gruppe Gegenwehr ohne Grenzen (GoG) enga­giert. Sie und ihre Vor­läufer haben in den ver­gan­genen drei Jahr­zehnten bei Opel eine wichtige Rolle gespielt und sicher auch zum sechs­tä­gigen Streik vor acht Jahren bei­getragen. Dass die Gruppe, die die Stand­ort­logik und das gewerk­schaft­liche Co-Management immer bekämpft hat, bei der jüngsten Betriebs­ratswahl erstmals kein Mandat mehr bekommen hat, zeigt, wie die Ver­hält­nisse sich geändert haben.

Heute liegt der Alters­durch­schnitt im Werk bei über 47 Jahren. »Gerade die Älteren hoffen auf eine Abfindung und rechnen sich schon aus, wie sie mit Abfin­dungen und Arbeits­lo­sengeld bis zum Ren­ten­alter kommen«, beschreibt Schaumberg die Situation. Weil die Kom­po­nen­ten­fer­tigung für andere Werke aus Bochum abge­zogen wurde, könnte ein Aus­stand heute nicht mehr, wie 2004, die Opel-Pro­duktion in ganz Europa lahm­legen. Dieser durch die tech­no­lo­gische Ent­wicklung begüns­tigte Verlust der Pro­du­zen­ten­macht hat auch dazu geführt, dass viele Streik­ak­ti­visten von 2004 Abfin­dungen ange­nommen und sich aus dem Betrieb ver­ab­schiedet haben. Dazu gehört auch der Express-Autor Manfred Strobel. Der »Arbei­ter­mi­li­tante«, der, wie der vor einigen Jahren ver­rentete Wolfgang Schaumberg, über Jahr­zehnte im Betrieb arbeitete und seine Erfah­rungen an die jeweils nächste Generation wei­tergab, war auch bei Opel schon vor den Schlie­ßungs­plänen ein ana­chro­nis­ti­scher Typus geworden. Schließlich haben die Bochumer Ope­laner den Macht­verlust selber erfahren. In den ver­gan­genen zwei Jahr­zehnten ist die Zahl der Beleg­schafts­mit­glieder kon­ti­nu­ierlich zurück­ge­gangen.

Dass die Macht der Arbeiter schwindet, bedingt durch den tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt und die Politik der Wirt­schafts­ver­bände, macht Beleg­schaften in vielen euro­päi­schen Ländern zu schaffen. Diese Erfah­rungen haben dazu geführt, dass die Zahl der Ent­schei­dungs­streiks in ein­zelnen Fabriken in den ver­gan­genen Jahren zurück­ge­gangen ist und die aus der Defensive geführten poli­ti­schen Streiks zuge­nommen haben, lautet die These des kürzlich erschie­nenen Buchs »Poli­tische Streiks im Europa der Krise«.

Der Vor­stand der IG Metall zumindest macht sich über neue Kampf­formen kaum Gedanken. Auf ihrer Homepage wird der Opel-Kon­flikt zu einem Kampf zwi­schen den Stand­orten USA und Deutschland sti­li­siert. Von einer »Kampf­ansage von General Motors an Opel Bochum« ist da etwa die Rede. Das Management habe die Marke Opel beschädigt, lautet die Klage der gewerk­schaft­lichen Co-Manager, die ein pro­fi­tables Opel-Werk fordern. »Damit sind weitere Ver­zichts­er­klä­rungen der Beschäf­tigten schon vor­pro­gram­miert«, kom­men­tiert Schaumberg.

Aller­dings gibt es auch bei Opel noch Wider­spruch gegen die Linie der IG Metall. So empfahl ein oppo­si­tio­neller Betriebsrat auf der Kund­gebung am 14. Dezember, sich an den bel­gi­schen Ford-Kol­legen aus Genk ein Bei­spiel zu nehmen, die Anfang November nach der Ankün­digung der Werk­schließung vor dem Ford-Werk in Köln pro­tes­tiert hatten. Die Aktion sei in den Medien in Deutschland als Randale hin­ge­stellt worden, es habe sich aber um eine Pro­test­aktion mit Vor­bild­cha­rakter gehandelt, sagte er unter Applaus. Eben­falls aus den Reihen oppo­si­tio­neller Opel-Gewerk­schafter wird mit dem Vor­schlag, Gewerk­schaften und Umwelt­or­ga­ni­sa­tionen sollen sich gemeinsam für die Pro­duktion umwelt­freund­licher Autos ein­setzen, an die Kon­ver­si­ons­pläne der sieb­ziger Jahre ange­knüpft.

»Solche For­de­rungen können nicht in einem Werk umge­setzt werden, sondern setzen eine ganz andere Aus­ein­an­der­setzung mit dem Kapital voraus«, betont Schaumberg. Bei der GoG wird daher über die For­derung dis­ku­tiert, dem Management mit der Position gegen­über­zu­treten: »Die Arbeit könnt ihr behalten, aber ihr müsst uns weiter bezahlen.« Schließlich hätten die Lohn­ab­hän­gigen die Situation, die zum Beschluss führte, das Werk zu schließen, nicht ver­ur­sacht. Damit knüpfen sie an die Parole »Wir zahlen nicht für eure Krise« an. Im Fall Opel ist die Parole sogar treffend. Denn es ist auch das durch die deutsche Kri­sen­po­litik der euro­päi­schen Peri­pherie oktroy­ierte Ver­ar­mungs­pro­gramm, das den deut­schen Export ein­brechen ließ und Opel unren­tabel macht. Wer jeden Cent zweimal umdrehen muss, kauft keine Autos.

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​2​/​5​1​/​4​6​8​2​0​.html
Peter Nowak

Arbeit und Krise

Der Ums-Ganze-Kongress warf interessante Fragen auf

»So wie es ist, bleibt es nicht« lautete der Titel eines Kon­gresses, der am ersten Dezem­ber­wo­chenende in der Bochumer Uni­ver­sität stattfand. Orga­ni­siert wurde er vom Ums-Ganze-Bündnis, das seine Wurzeln in der Anti­fa­be­wegung der 1990er Jahre hat. Mitt­ler­weile ver­steht es sich als kom­mu­nis­ti­sches Bündnis und hat unter den Titel »Staat, Welt­markt und die Herr­schaft der fal­schen Freiheit« den Versuch einer mar­xis­ti­schen Kritik an der gegen­wär­tigen Ver­fasstheit von Staat und Kapital ent­wi­ckelt.

In großen Teilen der Linken wurde noch vor einigen Monaten davon aus­ge­gangen, dass der Kri­sen­prozess erst am Anfang steht. Wenn dann ein neuer Wirt­schaftsboom die Zahl der Erwerbs­losen und der Kurz­ar­bei­tenden ver­ringert, erweist sich diese Pro­gnose offen­sichtlich als falsch.

Ist die Krise damit vorbei? Oder treiben nicht eher der kapi­ta­lis­tische Nor­mal­zu­stand und nicht sin­kende Bör­sen­kurse viele Men­schen mit Arbeits­zeit­ver­dichtung und Pre­ka­ri­sierung in die Krise? Wie werden solche Fragen an der Peri­pherie der EU dis­ku­tiert? Dass waren einige der Themen, die auch Gegen­stand des Bochumer Kon­gresses waren.

Auf der Auf­takt­ver­an­staltung erin­nerte der Poli­tologe Michael Heinrich daran, dass Mar­xis­tInnen seit mehr als einem Jahr­hundert auf die Kri­sen­haf­tigkeit des Kapi­ta­lismus hin­ge­wiesen haben. »Ob die Krise auch eine Chance auf radikale Ver­än­derung bietet oder wie bisher nur zur Fes­tigung kapi­ta­lis­ti­scher Herr­schaft führt, ist abhängig von den sozialen Aus­ein­an­der­set­zungen und der Rolle des Staates in der Lösung der gegen­wär­tigen Krise«, so Heinrich. Deshalb müssten Kri­sen­lö­sungs­mo­delle von sozialen Bewe­gungen auch darauf abge­klopft werden, ob sie bei­spiels­weise mit der For­derung nach Reregu­lierung des Finanz­sektors nicht zur Sta­bi­li­sierung von Kapi­ta­lismus und Herr­schaft bei­tragen.

Die Krise als Chance auf radikale Veränderung?

Was es heißt, radikale Kritik zu orga­ni­sieren, war auch die Aus­gangs­frage beim Abschluss­podium, wo Lars Röhm von der Freien Arbei­te­rinnen- und Arbeiter-Union (FAU) am Bei­spiel der Orga­ni­sierung von Beschäf­tigten in einem Ber­liner Kino deutlich machte, dass der Kampf um unmit­telbare Inter­essen Ansätze von Selbst­or­ga­ni­sierung im Alltag ver­mitteln und gleich­zeitig Räume für eine Kritik an der kapi­ta­lis­ti­schen Ver­fasstheit der Gesell­schaft öffnen können. Ähn­liches berichtete der Kölner Rechts­anwalt und Sozi­al­ak­tivist Detlef Hartmann in einem Workshop über Erwerbs­lo­sen­ak­ti­vi­täten in Köln und Umgebung.

Einen zen­tralen Stel­lenwert nahm auf dem Kon­gress die Ent­wicklung von Schul­den­krise und Klas­sen­kampf in Grie­chenland ein. Genos­sInnen des links­kom­mu­nis­ti­schen Zei­tungs­pro­jekts TPTG inter­pre­tieren die Schul­den­krise als Angriff auf die Arbei­ter­klasse. Die von der EU unter­stützte Politik der Kri­sen­lösung solle dazu bei­tragen, dass sich die grie­chi­schen Arbei­te­rInnen mit dem Staat iden­ti­fi­zieren und bereit­willig für ihn Opfer bringen. Bisher habe in großen Teilen des grie­chi­schen Pro­le­ta­riats aber eher die Stimmung vor­ge­herrscht: Die Schulden sind nicht unsere Schulden, und deshalb zahlen wir auch nicht für sie.

Leider war eine gründ­liche Dis­kussion der grie­chi­schen Erfah­rungen nicht möglich. Die Kon­gress­or­ga­ni­sation hatte noch Referate des Sozio­logen Rudi Schmidt und des Poli­to­logen Werner Bonefeld in die Ver­an­staltung gepackt, die eben­falls viel Dis­kus­si­ons­stoff geboten hätten. Die Orga­ni­sa­to­rInnen sollten die Mög­lichkeit schaffen, die inter­es­santen Fragen, die auf dem Kon­gress auf­ge­worfen wurden, auch im Internet wei­ter­zu­dis­ku­tieren.

Peter Nowak

http://​kon​gress​.ums​ganze​.de

aus: akzeitung für linke debatte und praxis / Nr. 556 / 17.12.2010

Krisenzeiten für Betriebslinke

»Gegenwehr, das müssen wir schon selber tun«, lautete ein zen­trales Motto, mit dem die links­ge­werk­schaft­liche Gruppe Gegenwehr ohne Grenzen (GoG) bei Opel-Bochum zu den Betriebs­rats­wahlen antrat. Sie erhielt aller­dings nur 90 Stimmen und ist damit nicht mehr im Betriebsrat ver­treten. Dabei scheuten die Links­ge­werk­schafter seit mehr als 30 Jahren bei Opel-Bochum mit ihrem kämp­fe­ri­schen Kurs keinen Kon­flikt mit dem Management und der Gewerk­schafts­bü­ro­kratie.

Die Ursachen der Nie­derlage sind sicher auch in der Zer­split­terung zu suchen. So kan­dierten IG-Metall-Mit­glieder auf 12 Listen. Min­destens die Hälfte monierte mehr oder weniger deutlich die offi­zielle Ver­zichts­po­litik. Zudem ver­tei­digte die der MLPD nahe­ste­henden Liste Offensiv ihren Sitz im Betriebsrat. Während es bei den letzten Betriebs­rats­wahlen zwi­schen GoG und Offensiv zu einer Koope­ration kam, wollte die GoG mit ihrer Eigen­kan­di­datur ihre Distanz auch zu einer links­ge­werk­schaft­lichen Position deutlich machen, die in erster Linie für eine kämp­fe­rische Betriebs­rats­arbeit steht und am Stell­ver­tre­ter­modell wenig Kritik übt.

Neben der Selbst­or­ga­ni­sation wandte sich die GoG gegen Stand­ort­na­tio­na­lismus und die Ver­zichts­logik. Ein großer Teil der Beleg­schaft, die mit Ver­zicht auf Lohn­er­hö­hungen und Kurz­arbeit schon lange für die Krise zahlt, folgt aus Über­zeugung oder mit der Faust in der Tasche dieser Stand­ort­logik. So erhielt die Liste »Wir gemeinsam« des Betriebs­rats­vor­sit­zenden Rainer Einenkel in Bochum ebenso klare Mehr­heiten wie sein Rüs­sels­heimer Kollege Klaus Franz, der sich mit seiner Liste »IG-Metall: Wir sind Opel« als der bessere Manager geriert.

Für die Gewerk­schafts­linke, die nur bei den Betriebs­rats­wahlen im Mer­cedes-Benz-Werk Berlin-Mari­en­felde, wo die Liste der »Alter­na­tiven Metaller« fünf Sitze erhielt, einen Erfolg ver­buchen konnte, sollte das Scheitern der GoG Anlass zur ver­stärkten kri­ti­schen Reflexion sein. Ebenso wie in der übrigen Gesell­schaft kann auch in den Betrieben die Linke in Kri­sen­zeiten nicht auto­ma­tisch Erfolge erzielen. Ihre Stärke gewinnt sie in kon­kreten Ausein-ander­set­zungen, wie beim sechs­tä­gigen Streik bei Opel-Bochum im Jahr 2004.

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​6​8​6​8​1​.​k​r​i​s​e​n​z​e​i​t​e​n​-​f​u​e​r​-​b​e​t​r​i​e​b​s​l​i​n​k​e​.html

Peter Nowak