Naturschutz und »Kulturverfall«

Ein rechtes Blatt will sich in der Umwelt­be­wegung eta­blieren
 Auf NPD-Pla­katen taucht schon seit Jahren die Parole »Umwelt­schutz ist Hei­mat­schutz« auf. Ein dubioses Ver­eins­blatt ver­sucht nun offenbar, rechtes Gedan­kengut in die Umwelt­be­wegung zu tragen.

Poli­zei­re­pression gegen Tier­schützer, Agro­sprit, gen­ma­ni­pu­lierter Weizen. Die The­men­pa­lette in dem Magazin »Umwelt & Aktiv« lässt auf den ersten Blick nicht erkennen, dass es um eine Publi­kation des Rechts­außen-Spek­trums handelt. Erst beim Lesen des Unter­titels »Das Magazin für gesamt­heit­liches Denken – Umwelt­schutz, Tier­schutz, Hei­mat­schutz«, dürfte der Leser stutzig werden. Er erinnert nicht zufällig an die NPD-Parole »Umwelt­schutz ist Hei­mat­schutz«. Daher ist es auch keine Über­ra­schung, dass die SPD-nahe Online­plattform »Blick nach Rechts« (BnR) die Rechts­au­ßen­kon­takte der lei­tenden Redak­teurin von »Umwelt & Aktiv« auf­deckte. Der Name Laura Horn, unter dem sie ihre Artikel in dem Blatt ver­öf­fent­lichte, ist nach den Recherchen von BnR das Pseudonym von Berthild H., »Ehefrau eines hoch­ran­gigen NPD-Funk­tionärs im Bezirks­verband Nie­der­bayern«. »Wohl um sich beide Optionen offen zuhalten, das heißt, einer­seits die Szene mit Öko- und Tier­schutz­in­for­ma­tionen zu beliefern, ande­rer­seits aber auch als harmlose Hausfrau und enga­gierte Leser­brief­schrei­berin aus Eggen­felden in einem brei­teren Spektrum wahr­ge­nommen zu werden, könnte sie sich den Tarn­namen zugelegt haben«, ver­mutet die Jour­na­listin Andrea Röpke, die sich seit Jahren mit dem rechten Rand beschäftigt und kürzlich ein Buch über die Rolle der Frauen in der rechten Szene ver­öf­fent­licht hat. Tat­sächlich hat sich Berthild H. in zahl­reichen Leser­briefen in Umwelt­ma­ga­zinen als besorgte Bür­gerin prä­sen­tiert. Im Magazin »Natur« monierte sie einen kri­ti­schen Artikel zu den Ver­öf­fent­li­chungen von Thilo Sar­razin. In Sachen Bio­di­ver­sität schrieb H. einen Brief an Bun­des­kanz­lerin Merkel und erhielt auch eine Antwort.

Unter dem Alias-Namen Laura Horn hatte sie im Januar 2009 in einem Interview der NPD-Zeitung »Deutsche Stimme« ihre rechten Vor­stel­lungen offen dar­gelegt. »Zu unseren Zielen gehört auch, das poli­tische Feld des Umwelt­schutzes wieder mit hei­mat­ver­bun­denen Kräften zu besetzen«, erklärt sie. Sie bezeichnet »Umwelt & Aktiv« als »die einzige Umwelt­zeit­schrift aus dem kon­ser­va­tiven, völ­ki­schen (wie die taz es for­mu­lieren würde) Spektrum«. Der Schrift­leiter des Blattes, Christoph Hofer, hat schon für die NPD in Bayern bei Land­tags­wahlen kan­di­diert. Beim Thema Tier­schutz pran­gerte »Umwelt & Aktiv« wie­derholt das Schächten an – ein fak­ti­scher Angriff auf Juden und Moslems. Zu den Autoren des Blattes gehört auch der öster­rei­chische Rechts­außen Walter Mari­novic. In zahl­reichen Schriften pole­mi­siert dieser gegen die moderne Kunst. Die Ver­leihung des Lite­ra­tur­no­bel­preises an Elfriede Jelinek bezeichnete Mari­novic als »Signal für die gezielte Zer­setzung unseres Volks und seiner Kultur«. Das ist auch das Thema der Herbert Gruhl Gesell­schaft, die in Umwelt & Aktiv vor­ge­stellt wurde. Deren Vor­sit­zender Volker Kempf sieht die heutige Umwelt­krise als Folge eines euro­päi­schen Nihi­lismus

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​9​7​1​0​7​.​n​a​t​u​r​s​c​h​u​t​z​-​u​n​d​-​k​u​l​t​u​r​v​e​r​f​a​l​l​.html

Peter Nowak

Magdeburger Antifaschisten wollen Dresdner Verhältnisse

Die Autonome Hoch­schul­gruppe Mag­deburg hat gemeinsam mit dem Liber­tären Zentrum der Stadt und dem par­tei­losen Stadtrat Oliver Wen­den­kampf dazu auf­ge­rufen, auch in der Haupt­stadt von Sachsen-Anhalt künftig Nazi­auf­märsche zu blo­ckieren. Unter­stützt wird das Anliegen mitt­ler­weile auch von ver­schie­denen Antifa- und Jugend­gruppen sowie von Poli­tikern der Linken. Hin­ter­grund sind die regel­mä­ßigen Nazi­auf­märsche in Mag­deburg Mitte Januar, die die rechte Szene zum Jah­restag der alli­ierten Bom­bar­dierung orga­ni­siert. Die Nazidemo hat sich in den ver­gan­genen Jahren zum Auftakt des rechten Febru­ar­auf­mar­sches von Dresden ent­wi­ckelt.

Die Ver­fasser und Unter­stützer des Offenen Briefes kri­ti­sieren den bis­he­rigen Umgang mit dem rechten Auf­marsch. Während die Mag­de­burger Zivil­ge­sell­schaft eine »Meile der Demo­kratie« in der Innen­stadt ver­an­staltet, könnten die Neo­nazis weit­gehend unge­stört einige Kilo­meter ent­fernt mar­schieren. Einige Blo­cka­de­ver­suche von Anti­fa­schisten am 15. Januar diesen Jahres wurden von der Polizei ver­hindert. Das soll sich nach den Willen der Unter­zeichner ändern. »Unserer Ansicht nach ist es möglich, den ›Gedenk­marsch‹ der Neo­nazis zu ver­hindern – oder zumindest effektiv zu stören. Rea­li­sierbar ist dies aller­dings nur, wenn der Protest von einem breiten Bündnis vor­be­reitet und getragen wird«, heißt es in dem Brief. Die Blo­ckaden sollen aus­drücklich in Koope­ration mit den zivil­ge­sell­schaft­lichen Gruppen orga­ni­siert werden.

offener​-brief​.tk

http://​neues​-deutschland​.warenform​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​9​6​2​4​9​.​b​e​w​e​g​u​n​g​s​m​e​l​d​e​r​.html

Peter Nowak

Erinnern an Zwangsarbeit, Mord und Befreiung

Eine Initiative zeigt Spuren des NS-Terrors in Neu­kölln. Die Nie­derlage der Nazis vor 66 Jahren wird gefeiert.

Am 24. April 1945 erreichte die Rote Armee den süd­öst­lichen Rand von Berlin. Schon nach wenigen Tagen war die Gegenwehr von Volks­sturm und Waffen-SS gebrochen, die Tage des Nazi­re­gimes waren gezählt. An diese his­to­ri­schen Ereig­nisse wollen die Autonome Neu­köllner Antifa (ANA) und die Ber­liner Natur­freun­de­jugend in diesem Jahr mit einer Dop­pel­ver­an­staltung erinnern. Am Oster­sonntag rufen sie mit einem gedenk­po­li­ti­schen Stadt­rundgang weit­gehend ver­gessene Orte des NS-Terrors mitten in Neu­kölln ins Gedächtnis.
 
Der his­to­rische Rundgang startet um 15 Uhr am S‑Bahnhof Son­nen­allee und führt am heu­tigen Hotel Estrel vorbei. Auf dem Areal befand sich bis zur Nie­derlage des Natio­nal­so­zia­lismus ein Lager für sowje­tische Kriegs­ge­fangene. Auf der wei­teren Route durch den Stadtteil erfahren die Teil­neh­me­rInnen, dass sich in Neu­kölln mehr als 50 Zwangs­ar­beits­lager und ‑unter­künfte befanden. Die Insassen wurden für Arbeiten in der kriegs­wich­tigen Industrie ein­ge­setzt.
 
 Dazu gehörten die Fahr­zeug­werke Gaub­schat, die in ihrem Neu­köllner Werk Spe­zi­al­auf­bauten für die Gas­wagen pro­du­zierten, in denen bei der T4-Aktion als geis­tes­krank stig­ma­ti­sierte Men­schen ermordet wurden. Die ersten beiden in Neu­kölln mon­tierten Gaub­schat-Wagen kamen im KZ Sach­sen­hausen zum Einsatz. Dabei sollen laut Spiegel »stu­di­en­halber« 20 bis 30 Russen vergast worden sein. In dem von Gaub­schat ab April 1942 betrie­benen Rus­sen­lager I in der Grenz­allee starben mehrere Metall­ar­beiter an Unter­ernährung.
 
Ein Zwi­schen­stopp soll auch vor der Albrecht-Dürer-Ober­schule in der Emser Straße ein­gelegt werden. Hier mussten mehrere hundert tsche­chische und fran­zö­sische Zwangs­ar­bei­te­rInnen leben. Auch an jüdische Geschäfte, die unter den Nazis »ari­siert« wurden, soll während des Spa­zier­gangs erinnert werden.
 
»Mit den Opfern ver­schwand auch die Erin­nerung. Deshalb wollen wir am 24. April der Opfer der Nazi­bar­barei gedenken und am 28. April die Befreiung durch die Alli­ierten feiern«, erklärt Pia Buchheim, eine der Orga­ni­sa­to­rInnen, gegenüber der taz. Am kom­menden Don­nerstag soll um 18 Uhr am Rathaus Neu­kölln eine Stra­ßen­parade starten, die mit Musik und poli­ti­schen Bei­trägen durch Nord­neu­kölln zieht und an die Befreiung des Bezirks durch die Rote Armee erinnert.
 http://​www​.taz​.de/​1​/​b​e​r​l​i​n​/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​/​e​r​i​n​n​e​r​n​-​a​n​-​z​w​a​n​g​s​a​r​b​e​i​t​-​m​o​r​d​-​u​n​d​-​b​e​f​r​e​iung/

Peter Nowak

Vor dem Rosinenbomber war der Terror

Auf dem Gelände des Tem­pel­hofer Flug­hafens erinnert nichts an dessen natio­nal­so­zia­lis­tische Ver­gan­genheit. Eine Geden­kinitiative möchte das ändern.
Das Früh­lings­wetter dürfte bald wieder zu einem Besu­cher­an­drang auf dem Areal des ehe­ma­ligen Tem­pel­hofer Flug­hafens in Berlin führen. Dessen Geschichte scheint für viele erst 1948 begonnen zu haben. Schließlich ist die Luft­brücke, mit der US-Rosi­nen­bomber das von der Sowjet­union blo­ckierte West­berlin ver­sorgten, untrennbar mit dem Tem­pel­hofer Flug­hafen ver­bunden. Doch auch dort gab es natürlich keine Stunde Null.

Das Tem­pel­hofer Areal ist eng mit der Ter­ror­po­litik der Natio­nal­so­zia­listen ver­knüpft. Die SS hatte dort im Juni 1933 das erste Kon­zen­tra­ti­ons­lager Berlins errichtet. Als »Hölle am Colum­biadamm« war es in den ersten Jahren des NS-Regimes zum Inbe­griff des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Terrors geworden. In der Emi­gran­ten­presse jener Zeit waren häufig Berichte über Fol­te­rungen im ersten Ber­liner SS-Gefängnis im Colum­biahaus zu finden. Zu den 10 000 Gefan­genen, die dort zwi­schen 1933 und 1936 inter­niert waren, gehörten die Kom­mu­nisten Werner See­len­binder, John Scher und Ernst Thälmann, Schrift­steller wie Kurt Hiller und der demo­kra­tische Jurist Hans Litten.
 
Nachdem das KZ dem NS-Flug­hafen Tem­pelhof weichen musste, wurden die Gefan­genen von Zwangs­ar­beitern abgelöst, die dort für die Luft­rüstung schuften müssten. Sie arbei­teten unter anderem für die Weser Flugbau GmbH und die Luft­hansa. Allein die Weser Flugbau beschäf­tigte 2 000 von ihnen. Sturz­kampf­bomber und andere Flug­zeuge wurden dort von zumeist sowje­ti­schen Zwangs­ar­beitern gebaut, repa­riert und gewartet. »Tem­pelhof war im Natio­nal­so­zia­lismus eines der Zentren der deut­schen Luft­rüstung. Jeder zehnte deutsche Bomber wurde dort pro­du­ziert«, sagt Beate Winzer. Sie ist Vor­sit­zende des »För­der­vereins zum Gedenken an Nazi­ver­brechen um und auf dem Tem­pel­hofer Flugfeld« und beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Geschichte von Tem­pelhof.
 
Das öffent­liche Interesse an dieser Ver­gan­genheit ist wei­terhin gering. Das zeigte sich auch am 8. Mai vorigen Jahres. Als das Tem­pel­hofer Gelände aus­ge­rechnet am Tag der Nie­derlage des Natio­nal­so­zia­lismus geöffnet wurde, strömten die Massen zum Volksfest. Unter dem Motto »Tem­pelhof für alle« rannte ein Teil der linken Szene gegen den Zaun an, der das Areal ein­grenzt. Wenig beachtet wurde dagegen die vom Mie­ter­laden Cha­misso­platz orga­ni­sierte Gedenk­kund­gebung für die Häft­linge und die Zwangs­ar­beiter der NS-Zeit. Das Denkmal für die Häft­linge des KZ Colum­biadamm, das 1993 vom Bezirksamt ent­hüllt wurde, befindet sich nicht am his­to­ri­schen Ort, sondern auf der gegen­über­lie­genden Stra­ßen­seite. Die Ver­legung des Denkmals gehört zu den For­de­rungen des Gedenk­vereins. Von offi­zi­eller Seite gibt es nun erste Signale, die Ver­gan­genheit nicht mehr völlig igno­rieren zu wollen. Manfred Kühne von der Stadt­ent­wick­lungs­ver­waltung kün­digte kürzlich an, dass auf dem Flug­ha­fen­ge­lände noch in diesem Jahr ein »his­to­ri­scher Infor­ma­ti­onspfad« ent­stehen soll. Einen genauen Termin dafür­nannte er nicht.
 
Einem Gedenkort auf dem Gelände, wie er von Winzer und ihren Mit­streitern gefordert wird, könnte der Plan des Senats ent­ge­gen­stehen, dort unter dem Stichwort »inno­va­tives Wohnen« Mehr­ge­nera­tio­nen­häuser errichten zu lassen.
 
Wie wenig sich solche Pro­jekte mit der Gedenk­po­litik ver­tragen, zeigt sich am Umgang mit der Stätte des ersten Arbeits­hauses in Berlin-Rum­melsburg, das unter den Nazis zur Ver­wahr­an­stalt für als »asozial« stig­ma­ti­sierte Men­schen wurde. Obwohl die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­sammlung Lich­tenberg eine Prä­sen­tation von Infor­ma­ti­ons­tafeln beschlossen hat, sind diese bisher nicht ange­bracht worden. Dafür wirbt das Hotel »Das andere Haus 8« als Geheimtipp für »Kenner und Lieb­haber Berlins« im ehe­ma­ligen Arbeitshaus um Gäste. »Indi­vi­duell ein­ge­richtete, ehe­malige Zellen, teil­weise mit Was­ser­blick« werden für 40 Euro pro Nacht ange­boten. Da in Tem­pelhof keine Spur mehr von den ehe­ma­ligen Zwangs­ar­bei­ter­lagern zu finden ist, dürfte eine solche Form des his­to­ri­schen Reisens dort zumindest nicht in Frage kommen.

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​1​/​1​5​/​4​2​9​9​6​.html

Peter Nowak

Nazi-Aufmarsch für Horst Mahler

Unter dem Motto »Freiheit für Horst Mahler« wollen Neo­nazis am heu­tigen Sonn­abend vor dem Gefängnis in Brandenburg/​Havel auf­mar­schieren.

Mahler, der einst zur Rote Armee Fraktion gehörte und vor knapp zehn Jahren end­gültig im Lager der extremen Rechten ankam, ist in Bran­denburg inhaf­tiert.
Horst Mahler sitzt in Brandenburg/​Havel seit Oktober 2009 eine zwölf­jährige Haft­strafe wegen Holo­caust­leugnung, Belei­digung und Volks­ver­hetzung ab. Seitdem gilt er bei etlichen Rechts­ex­tre­misten als Mär­tyrer für die Mei­nungs­freiheit. Bei der Hilfs­or­ga­ni­sation für nationale poli­tische Gefangene steht der ehe­malige Rechts­anwalt an vor­derster Stelle der zu unter­stüt­zenden Per­sonen.

Vor­würfe aus der Zelle
Aller­dings ist die Unter­stützung für Mahler im rechten Lager begrenzt. Eine Inter­net­pe­tition für seine Frei­lassung unter­zeich­neten nur wenige Men­schen. Der Initiator der Petition, Kevin Käther, gehört gemeinsam mit Wolfram Nahrath, dem eins­tigen Bun­des­führer der ver­bo­tenen Wiking-Jugend, zu den Anmeldern der Kund­gebung. Heftige Kritik mussten sich die Ver­an­stalter von ihrem Idol gefallen lassen. Mahler warf ihnen in einen Brief aus dem Gefängnis vor, ihm mit der For­derung nach Abschaffung des Volks­ver­het­zungs­pa­ra­grafen 130 juris­tisch in den Rücken zu fallen.

Die Polizei konnte über die erwartete Teil­neh­merzahl des rechten Auf­mar­sches keine Angaben machen. Die Neonazi-Orga­ni­sation Freie Kräfte Neuruppin/​Westhavelland unter­stützt die Kund­gebung.

Gegen­pro­teste ange­kündigt
Anti­fa­schisten haben Pro­teste ange­kündigt. Im Aufruf wird der Nazi-Auf­marsch als Zeichen eines immer selbst­be­wuss­teren Neo­na­zismus gedeutet. Holo­caust­leugner wie Mahler seien die Spitze einer brei­teren anti­se­mi­ti­schen Strömung. Auch die Ver­ei­nigung der Ver­folgten des Nazi­re­gimes und die Links­jugend solid mobi­li­sieren. Man wolle den Neo­fa­schisten zeigen, dass es für sie keinen Boden in Bran­denburg an der Havel gibt, heißt es.

»Wir wollen uns in einem breiten Bündnis und mit Unter­stützung der Bevöl­kerung einer Kund­gebung ent­ge­gen­stellen, die den Mord an Mil­lionen Men­schen während des Zweiten Welt­kriegs leugnet und faschis­ti­schem, ras­sis­ti­schem und revi­sio­nis­ti­schem Gedan­kengut ein Forum bieten will«, erklärte Michaela Trenner von der Links­jugend. Die Demons­tration der Anti­fa­schisten soll um 12 Uhr beginnen. Als Treff­punkt wird die Stra­ßen­bahn­hal­te­stelle »Asklepios Klinik« ange­geben.

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​9​4​0​5​6​.​n​a​z​i​-​a​u​f​m​a​r​s​c​h​-​f​u​e​r​-​h​o​r​s​t​-​m​a​h​l​e​r​.html

Peter Nowak

Von der roten zur braunen Front

Maks Damage rappt für den Natio­nalen Wider­stand

Nass­ra­sierte Glatze, häss­liches kariertes Hemd – so sitzt Makss Damage zwi­schen zwei Neo­nazis am Tisch und plaudert aus dem Näh­kästchen : wie er damals zur Jugend­antifa kam, über seinen Wer­degang in der linken Szene und darüber, was er an sel­biger heute kri­ti­siert. Makss Damage macht Musik. Sein neu­ester Song heißt »Vita Ger­mania« , im dazu­ge­hö­rigen Video wechseln sich kämp­fende Ger­manen ab mit schwarz-weiß-roten Fahmen. Früher hießen seine Songs »Sowjet­macht« oder »Kom­mu­nis­ten­power«. Der Sei­ten­wechsel scheint auf den zweiten Blick jedoch weniger über­ra­schend als viel­leicht zunächst gedacht. 

Der Güters­loher Polit-Rapper Makss Damage alias Julian F. hat sich vor wenigen Tagen öffentlich zur rechten Szene bekannt. Das wäre nicht besonders inter­essant, denn schon 2005 hat der Mit­be­gründer der linken Hip-Hop-Band Anar­chist Academy Hannes Loh über die „Neue deutsche Battle-Härte im deut­schen Rap geschrieben, in dem Natio­na­lismus und Nazi­sym­bolik bestens inte­griert sind. Seitdem hat sich die Zahl der Rechts­rapper ver­mehrt. Doch Julian Damage hatte sich bisher offi­ziell nicht dazu gezählt. Er sti­li­sierte sich pro­le­ta­ri­scher oder roter Rapper bezeichnete sich Kom­munist und reimte Elogen auf Stalin. Kon­se­quen­ter­weise wech­selte er nach einigen Jahren von der Sozia­lis­ti­schen Deut­schen Arbei­ter­jugend (SDAJ) zum selbst­er­nannten ML-Auf­bau­projekt Kom­mu­nis­tische Initiative (KI), auf deren Pla­katen unter Parole „Klarheit – Einheit“ auch ein Stalin-Kopf prangt. 

Anti­deutsche – das neue alte Feindbild

In dem Interview mit dem beken­nenden Natio­nal­so­zia­listen Axel Reitz, dessen Hitler-Kult sogar manchen in der NPD zu weit geht, begründete Damage seinen Wechsel von der roten zur braunen Front mit man­gelnder Kame­rad­schaft und feh­lender Bereit­schaft zur kör­per­lichen Aus­ein­an­der­setzung in der linken Szene. Außerdem arti­ku­lierte er in dem Gespräch seine Ver­achtung über die angeb­liche Bevor­zugung von Migranten und den man­gelnden Patrio­tismus in linken Zusam­men­hängen.

Die Anti­deut­schen würden in der linken Szene immer stärker, lamen­tierte Damage und blieb damit bei seinem alten Feindbild. So into­nierte er in seinem Song mit den bezeich­nenden Titel „Anti­deutsche Huren­söhne“ mehrmals die Zeile: „Tötet diese anti­deut­schen Huren­söhne. “ Als er diesen Mord­aufruf sang, gerierte sich Damage noch als strikter Sta­linist, der mit eiserner Hand gegen alle Feinde in der Linken vorgeht. 

„ Ich halt‘n Sta­lin­plakat in der Hand,

ihr kommt vorbei und kas­siert alle von uns Back­pfeifen“, gehört da noch zu den harm­lo­seren Versen.

„Ich schieß auch auf Anar­chisten,

Haupt­sache der Dreck ist weg“, heißt es in dem Song „Kom­mu­nis­ten­power“.

Auch Israel war schon Damages Hass­objekt, als er für die rote Front rappte. „Lass’ den David­stern brennen – Lasst ihren Zio­nismus untergeh’n!“, heißt es in einem seiner Songs. Im Song „Ara­bi­sches Geld“ auf seiner im letzten Jahr ver­öf­fent­lichten LP „Maks­sismuss 2010 “ geht er noch einen Schritt weiter. „Ich leite Giftgas in Sied­lungen die jüdisch sind«, heißt es dort. Der Rapper warf für diese LP mit der Parole: „100% mehr Sexismus pur, 100% mehr Gewalt und Zer­stö­rungswut, 200% mehr Anti­se­mi­tismus“.

Wer diese Anein­an­der­reihung von Ver­nich­tungs­phan­tasien wundern sich weniger, dass sich Damage jetzt offen zum rechten Lager bekennt, sondern, dass er bis zu seinem Outing auch in manchen linken Kreisen als „Klas­sen­kampf­rapper“ durchging, der manches etwas dras­tisch aus­drückt, aber auf der rich­tigen Seite steht. Noch im August 2009 konnte Damage auf einem SDAJ-Fes­tival in Ost­west­falen-Lippe auf­treten. Ein von einer Anti­fa­gruppe geplantes Konzert mit dem Hass-Rapper in Berlin-Kreuzberg musste 2009 aller­dings nach Pro­testen anderer linker Gruppen abgesagt werden. Torsun, Sänger der Elec­tro­punkband Ego­tronic, die wegen ihrer deutsch­land­kri­ti­schen Texte auf Damages Hass­liste steht, kom­men­tiert das rechte Outing des Güters­lohers auf seinem Weblog knapp: Es sollte zu denken geben, dass „dieser Kom­plett­pfosten beinahe für Antifas in Kreuzberg gespielt hätte.“

Der Angriff auf Linke kam schon immer gut an

Die Toleranz, ja manchmal gar offene Sym­pathie, die Damages trotz oder auch wegen seiner Hass­ti­raden in Teilen der Linken hatte, dürfte mehrere Gründe haben. Gerade bei jugend­lichen Rap-Fans sind die­je­nigen besonders angesagt, die am Här­testen die Gegner und Kon­tra­henten dissen und sich dabei nicht um Poli­tical Cor­rec­tness stören. Dass Makss Damage fast durchweg Linke angriff, kam vor allem bei einem Teil, der an der Haltung zum Staat Israel pola­ri­sierten anti­fa­schis­ti­schen Jugend­szene gut an. Schließlich prangt die Parole „Anti­deutsche Struk­turen zer­schlagen“ auch auf Auf­klebern, die in Berlin geklebt werden. Damage stellte itt­ler­weile auf seiner Homepage, die er ganz in der Diktion seiner neuen Freunde Hei­mat­seite nennt, klar dass seine Vor­fahren kern­deutsch waren und man von ihm als „ange­henden Natio­nalen Sozia­listen“ bald wieder hören wird. Bis auf das Sta­linlob braucht er wohl wenig an seinen Hassrap ändern.

http://​www​.akweb​.de/

Peter Nowak

aus: ak 559 vom 18.3.2011

Auf den Spuren des NS-Terrors

Ita­lie­nische Schüler betei­ligen sich an Gedenk­stät­ten­fahrt
Bit­terkalt war es auf dem Gelände der »Topo­graphie des Terrors« in Berlin-Kreuzberg. Doch die jungen Leute aus Italien hörten mit großer Auf­merk­samkeit einem Gedenk­stät­ten­mit­ar­beiter zu, der auf dem Areal die Grund­struk­turen des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen KZ-Systems erklärte. Später ging es in die Aus­stel­lungs­halle, wo auf zahl­reichen Tafeln die Ter­ror­po­litik der Natio­nal­so­zia­listen erläutert wird. Dann strebten die Jugend­lichen wieder zu den Bussen, das offi­zielle Pro­gramm war beendet. Die Teenager ver­ab­re­deten sich zum Muse­ums­besuch.

Gestern ging die Tour weiter. Eine Gruppe fuhr zum eins­tigen Kon­zen­tra­ti­ons­lager Sach­sen­hausen, eine andere nach Ravens­brück. Auch ein Besuch der Gedenk­stätte deut­scher Wider­stand, der Blin­den­werk­statt Otto Weidt in den Hacke­schen Höfen und des Zwangs­ar­bei­ter­lagers in Schö­ne­weide gehörten zum umfang­reichen Pro­gramm der vier­tä­gigen Reise. Das Ber­liner Olym­pia­stadion als Pro­totyp einer NS-Archi­tektur wurde eben­falls von einer Schü­ler­gruppe besucht.

Alle Termine werden vor- und nach­be­reitet. Denn die Jugend­lichen sind Absol­venten der Ober­schulen in der ita­lie­ni­schen Region Reggio Emilia bei Bologna. Dort stehen seit Ende der 90er Jahre die Themen Faschismus, Ver­folgung, Depor­tation und Wider­stand in den Lehr­plänen. Die Gedenk­stät­ten­fahrten werden vom ita­lie­ni­schen Geschichts­in­stitut Istoreco orga­ni­siert.

Jedes Jahr steht eine andere Region auf der Agenda. »In den letzten Jahren haben wir Fahrten zur Gedenk­stätte Dachau, nach The­re­si­en­stadt und nach Auschwitz orga­ni­siert«, so ein Istoreco-Mit­ar­beiter. In diesem Jahr stehen Berlin und Bran­denburg auf dem Pro­gramm. Die Erfah­rungen seien sehr positiv, was auch an dem von Jahr zu Jahr gestie­genen Interesse an den Fahrten deutlich wird. Diesmal sind rund 1000 Schüler dabei.

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​9​1​9​0​3​.​a​u​f​-​d​e​n​-​s​p​u​r​e​n​-​d​e​s​-​n​s​-​t​e​r​r​o​r​s​.html

Peter Nowak

Kampagne gegen NPD-Zentrum

Anti­fa­schis­tische Gruppen mobi­li­sieren in Leipzig für die Schließung eines rechten Treff­punkts, den es seit 2008 in der Oder­mann­straße 8 im Stadtteil Lin­denau gibt. Dort befindet sich das Bür­gerbüro des säch­si­schen NPD-Land­tags­ab­ge­ord­neten Win­fried Petzold. Nach Angaben der Leip­ziger Anti­fa­gruppen dient es als Zentrum ver­schie­dener natio­na­lis­ti­scher Gruppen. So fanden in dem Gebäude Kampf­sport­übungen, Kame­rad­schafts­abende, Rechts­rock­kon­zerte und poli­tische Schu­lungen statt. Seit der Eröffnung gibt es regel­mäßig Pro­teste gegen das Zentrum. Zuletzt blo­ckierten am 16. Oktober hun­derte Anti­fa­schisten die Zugänge. An diesen Wider­stand wollen die Nazi­gegner ebenso anknüpfen, wie die an die Kam­pagne »Schöner leben ohne Nazi­läden«, mit der Anti­fa­gruppen in den ver­gan­genen Jahren in ver­schie­denen ost­deut­schen Städten rechte Zentren geoutet haben. »Wir über­lassen den Nazis kein Haus, keine Straße, keinen Kiez«, heißt es in dem Leip­ziger Kam­pa­gnen­aufruf.

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Peter Nowak

www​.fen​ceoff​.org