Wein, Weib und Politik

Die Jugend­zen­trums­be­wegung brachte das links­al­ter­native Milieu in die west­deutsche »Provinz«

Flipper, Sofa und Fern­seh­ap­parat gehörten zur Grund­aus­stattung vieler Jugend­zentren. Sie ent­standen Anfang der 70er Jahre und waren ein Ort, in dem Tau­sende junger Men­schen poli­ti­siert wurden.

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Italien: Master im Straßenkampf

Die Jagd nach dem Schwarzen Block

Wenige Tage nach den Mas­sen­pro­testen gegen Banken und Krise in Italien, an denen sich auch mili­tante Akteure beteiligt hatten, gehen Polizei und Militär im ganzen Land mit Razzien gegen linke Ein­rich­tungen vor. Dabei seien Gas­masken, Ski­mützen und andere von Ran­da­lieren getragene Aus­rüstung beschlag­nahmt worden, meldete die Nach­rich­ten­agentur Ansa. Sechs Per­sonen seien fest­ge­nommen worden. Razzien hätten unter anderem in Florenz, Palermo und Ancona statt­ge­funden, erklärte ein Sprecher des ita­lie­ni­schen Innen­mi­nis­te­riums einenm Fern­seh­sender.

Der Anlass ist das Auf­treten eines angeb­lichen Schwarzen Blocks, der vor allem in Rom für hohe Sach­schäden und Ver­wirrung unter der Masse der Demons­tranten sorgte. Deshalb wird auch in der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken sehr kon­trovers über das Auf­treten dieses soge­nannten Schwarzen Blockes dis­ku­tiert.

In diesen Kreisen wird spe­ku­liert, ob die Aus­schrei­tungen von staat­lichen Stellen bewusst gefördert worden sein könnten, um die Oppo­si­ti­ons­be­wegung zu dis­kre­di­tieren. Schon 2001 bei den mas­siven mili­tanten Aus­ein­an­der­set­zungen gegen die G8-Pro­teste von Genua wurden solche Beschul­di­gungen gegen staat­liche Stellen und die Ber­lusconi-Regierung erhoben.

Geschwät­ziger Black-Block-Aktivist oder Pro­vo­kateur?

Nachdem sich in der Zeitung La Repubblica angeb­liche Teil­nehmer des Black Blocks inter­viewen ließen und erklärten, sich mehr als ein Jahr auf die Aus­ein­an­der­set­zungen vor­be­reitet zu haben, wachsen die Zweifel an den Urhebern der Aus­ein­an­der­set­zungen noch. Schließlich wurden die Pro­teste vom Samstag kurz­fristig vor­be­reitet und gemeinhin meiden Akti­visten des Schwarzen Blocks die Medien. Auch die Ant­worten des 30-jäh­rigen, prekär Beschäf­tigten klingen wie bestellt. So ver­sucht er auch die Demons­tranten, die sich von den Aus­schrei­tungen distan­ziert haben, mit in Haftung zu nehmen.

»Wir haben uns nicht ver­steckt, die Demons­tranten geben vor, uns nicht zu kennen, aber sie wissen genau, wer wir sind und was wir vor­hatten. Genauso, wie es die Bullen gewusst haben. Wir haben öffentlich bekannt gemacht, dass der 15. Oktober unser Tag sein wird. Jetzt wird so getan, als hätte man davon nichts gewusst, aber das ist ein Märchen. Man kann es auch so sehen: Jetzt müssen sich die Demons­tranten endlich öffentlich auf eine Seite schlagen. Ich wie­derhole: Alle wussten über unseren Plan Bescheid.«

Auch die Behauptung des angeb­lichen Mili­tanten, in Grie­chenland den Master in Stra­ßen­kampf gemacht zu haben, passt doch nur zu gut in die Pro­pa­ganda der Regierung, die schon vor mehr als 10 Jahren vor Extre­misten aus ganz Europa gewarnt hat.

Letzte Manöver des Ber­lusconi-Regimes?

Tat­sächlich hat sich in Italien eine neue Mas­sen­be­wegung gebildet, die mehr von dem Wunsch getragen wird, dass das Ber­lusconi-Régime ein Ende hat, als von der inter­na­tio­nalen Krise. Auch wenn die Regierung vor wenigen Tagen noch einmal knapp eine Ver­trau­ens­ab­stimmung gewonnen und damit den öffent­lichen Wider­stand ver­stärkte, so gelten die Tage der Regierung als gezählt.

Selbst in den eigenen Reihen gibt es Absatz­be­we­gungen. Da es Ber­lusconi und seinen engsten Mit­ar­beitern eigentlich nur noch darum geht, ihre Straf­freiheit zu behalten, wollen sie ihren Sturz mit allen Mitteln hin­aus­schieben. Wenn sie jetzt mit Razzien gegen ihre ent­schie­denen Gegner vorgeht und mit dem Ruf nach Recht und Ordnung ihre Anhänger um sich zu scharen ver­sucht, könnte die Ber­lusconi-Regierung ihr Ende viel­leicht doch noch etwas hin­aus­schieben.

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​50652

Peter Nowak

Normale Ermittlungen oder Kriminalisierung von S21-Gegnern?

Die Polizei machte eine Haus­durch­su­chung, angeblich um an Material zu gelangen, das seit Wochen online ist

Am frühen Morgen des 7.Juli durch­suchte die Polizei Büros von Gegnern des Bahn­pro­jekts Stuttgart 21. Bei der Aktion geht es um Ermitt­lungen im Zusam­menhang mit einer Demons­tration am 20. Juni.

Laut Polizei rissen an diesem Tag mehrere hundert Men­schen einen Bauzaun nieder und besetzten die Bau­stelle. Dabei kam es zu Aus­ein­an­der­set­zungen mit einem bei der Aktion ent­tarnten Zivil­po­li­zisten, der, wie es auch in der Mit­teilung der Polizei heißt, eine Dienst­waffe trug. Laut Poli­zei­an­gaben sei der Mann dabei ver­letzt worden. Demons­tranten gaben an, der Mann habe eine Waffe getragen und während der Besetzung zu Straf­taten auf­ge­rufen. Er sei nach der Ent­tarnung beschimpft und geschupst, aber nicht schwer ver­letzt worden. Die Piraten kri­ti­siert, dass ein Beamter in Zivil bei der Kund­gebung über­haupt eine Schuss­waffe mit sich führt. Diese Version sollten auch Auf­nahmen der Aktion beweisen, die die Akti­visten schon wenige Stunden nach den Vor­fällen ins Netz gestellt haben. Dieses Material wurde auch wenige Tage später auf einer Pres­se­kon­ferenz in Stuttgart prä­sen­tiert.

In der Erklärung des Poli­zei­prä­si­diums heißt es, man sei zur Durch­su­chung gezwungen gewesen, weil die Park­schützer das Material nicht an die Ermitt­lungs­be­hörden wei­ter­ge­geben und auch keine Tat­zeugen namentlich benannt hätten. Die Polizei wider­sprach auch der Version des Pres­se­spre­chers der Park­schützer Mat­thias Herrmann, der wenig Ver­ständnis für die Poli­zei­aktion zeigte. »Mit fünf Mann und einem Staats­anwalt kam die Polizei heute früh um das Material sicher zu stellen, dass am 24. Juni 2011 öffentlich gezeigt wurde und auf DVD zur Ver­fügung gestellt wurde«, erklärte er. Herrmann stellte auch klar, dass ent­gegen Pres­se­mel­dungen seine Pri­vat­wohnung nicht durch­sucht worden ist, obwohl sich der rich­ter­liche Durch­su­chungs­befehl auch auf diese Räume erstreckte. Er hatte das gesuchte Material von sich aus aus­ge­händigt. Herrmann wider­sprach der Dar­stellung der Polizei, dass er einer Vor­ladung nicht nach­ge­kommen sei.

Poli­tische Hin­ter­gründe?

Während die Polizei jeg­liche poli­ti­schen Hin­ter­gründe der Durch­su­chung zurückwies und von nor­malen Ermitt­lungen sprach, bei der sämt­liche Beweis­mittel gesi­chert werden müssen, wertete Herrmann die Razzia als Versuch einer Kri­mi­na­li­sierung der Park­schützer.

Mitt­ler­weile hat innerhalb der hete­ro­genen Bewegung gegen S21 eine Debatte über die rich­tigen Akti­ons­formen begonnen, die nach dem Regie­rungs­wechsel zu grün-rot in Stuttgart inten­si­viert wurde. Die Position von Ver­ant­wort­lichen der Bahn, die erklärten, egal wer in Stuttgart regiert, das Projekt werde durch­ge­zogen, hat bei vielen S21-Gegnern, die den Regie­rungs­wechsel schon als Sieg inter­pre­tierten, zu einer Stärkung des Wider­stands­willens geführt. So gab es auch am 7. Juli wieder eine Blo­ckade der Bau­stelle und für kom­menden Samstag ist eine weitere Groß­de­mons­tration geplant. Auch der Stresstest sorgt eher für mehr Streit, statt für den von den Betei­ligten erwünschten Konsens. So ist noch immer unklar, ob der Schlichter Heiner Geissler die Ergeb­nisse am 14. Juli vor­stellt oder ob der Termin ver­schoben wird, wie von den S21- Gruppen gefordert, die mehr Zeit für die Beur­teilung haben wollen.
 http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​50110

Peter Nowak

Razzia in Detmold nach Kritik an der Bundeswehr

Anti­mi­li­ta­risten haben die Been­digung einer bun­des­wehr­kri­ti­schen Feier im ost­west­fä­li­schen Detmold durch die Polizei kri­ti­siert. Anlässlich der Trau­er­feier für einen in Afgha­nistan getö­teten Bun­des­wehr­sol­daten in Anwe­senheit des Ver­tei­di­gungs­mi­nisters am 10. Juni hatten Anti­mi­li­ta­risten an dem Kul­tur­zentrum »Alte Pauline« bun­des­wehr­kri­tische Trans­pa­rente ange­bracht. Die Banner wurden von der Feu­erwehr ent­fernt. Wenige Stunden später beendete die Polizei eine anti­mi­li­ta­ris­tische Feier in der Alten Pauline. Dabei zer­störte sie nach Augen­zeu­gen­be­richten die Boxen einer Musik­anlage. Mehrere Fest­ge­nommene seien in Hand­schellen abge­führt und in das 20 Kilo­meter ent­fernte Bad Sal­zuflen in Gewahrsam gebracht worden, wo sie erst nach meh­reren Stunden frei­ge­lassen worden seien. »Wir sehen es als unser gutes Recht an, gegen einen Hel­denkult zu pro­tes­tieren, der immer wieder auch ›zivile‹ Opfer zu ver­ant­worten hat«, heißt es in einer Erklärung der Anti­mi­li­ta­risten.
http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​0​3​1​8​.​b​e​w​e​g​u​n​g​s​m​e​l​d​e​r​.html

Peter Nowak

Flugblattrazzia im Buchladen

Linke Läden regelmäßig betroffen / Solidaritätsaktion gestartet

Linke Buch­läden sehen sich regel­mäßig mit poli­zei­lichen Durch­su­chungen und der Beschlag­nahmung ihrer Com­puter kon­fron­tiert. Grund dafür sind die aus­lie­genden Flug­blätter und Bro­schüren. Die Buch­la­den­be­treiber wollen sich jedoch nicht als Zen­sur­be­hörden vor­schalten lassen und ver­tei­digen »unab­hängige und unkon­trol­lierte Medien«.

Schon sechs Mal haben die Ber­liner Buch­läden Schwarze Risse, 021 und M99 in diesem Jahr Poli­zei­besuch bekommen. Dabei galt das behörd­liche Interesse nicht den Büchern in den Ver­kaufs­re­galen, sondern Flug­blättern und Bro­schüren, die von poli­ti­schen Gruppen in den Buch­läden aus­gelegt wurden. Mal war ein Flug­blatt des Ber­liner Büros für Anti­mi­li­ta­ris­tische Maß­nahmen, mal die Auto­no­men­pu­bli­kation Interim Grund für die Poli­zei­be­suche.

Am Vor­mittag des 26. Oktober fanden neben der Interim auch Plakate des Anti-Castor-Wider­stands, die zum Castor-Schottern auf­rufen, das Interesse der Polizei. Doch den Antrag, auch wegen dieser Plakate einen Durch­su­chungs­be­schluss aus­zu­stellen, lehnte die Staats­an­walt­schaft ab. Neben den inkri­mi­nierten Schrift­stücken werden auch regel­mäßig die Com­puter der linken Buch­läden beschlag­nahmt und erst einige Tage später zurück­ge­geben. Das sorgt bei den Buch­händlern für großen Unmut. »Es ist wohl nicht davon aus­zu­gehen, dass die Her­steller und Ver­teiler inkri­mi­nierter Texte sich bei uns per E‑Mail ankün­digen. Dagegen könnte bei Kunden, die elek­tro­nisch ein Buch bestellen wollen, Ver­un­si­cherung ein­treten, ob nicht womöglich ihre Daten gespei­chert werden«, meint ein Mit­ar­beiter der Schwarzen Risse.

Der Ber­liner Rechts­anwalt Sven Lin­demann, der den Buch­laden juris­tisch ver­tritt, will genau beob­achten, was weiter pas­siert: »Bei den bis­he­rigen Durch­su­chungen wurden die Com­puter nach Angaben des Lan­des­kri­mi­nalamts nicht gespiegelt, sondern lediglich mit Hilfe von Schlag­wörtern durch­sucht. Wenn sich in den lau­fenden Ver­fahren her­aus­stellen sollte, dass doch kopiert wurde, müssten die Daten nach Ein­stellung des Ver­fahrens gelöscht werden«, erklärte Lin­demann. Die Beschlag­nahmung der Com­puter stellt für ihn einen wesent­lichen Kri­tik­punkt dar: »Es werden bei solchen Durch­su­chungen nicht nur die inkri­mi­nierten Zei­tungen beschlag­nahmt, sondern es wird in nicht uner­heb­licher Weise in den Gewer­be­be­trieb ein­ge­griffen. Den Buch­händlern wird ihre beruf­liche Tätigkeit erschwert und ihnen wird ohne Begründung unter­stellt, dass sie Kenntnis vom Inhalt der jeweilig bean­stan­deten Zeit­schriften hätten.«

Nach der gän­gigen Recht­spre­chung sind Buch­läden nicht ver­pflichtet, alle aus­ge­legten Publi­ka­tionen und Flug­schriften nach mög­lichen straf­baren Inhalten zu durch­forsten. Lin­demann ver­mutet, dass die Ber­liner Staats­an­walt­schaft diese gängige Recht­spre­chung revi­dieren will.

Auch der Geschäfts­führer von Schwarze Risse, Frieder Rörtgen, sieht in den Razzien eine poli­tisch moti­vierte Kam­pagne der Staats­an­walt­schaft. »Die Buch­läden sollen unter Druck gesetzt werden, damit sie als vor­ge­schaltete Zen­sur­be­hörde des Staates agieren.« In einer gemein­samen Erklärung appel­lieren die betrof­fenen Buch­läden: »Ver­tei­digen wir unab­hängige und unkon­trol­lierte Medien!« Der Ruf wird gehört. In den letzten Tagen gab es in Berlin Pro­test­de­mons­tra­tionen gegen die Razzien. Mitt­ler­weile werden Unter­schriften für eine Soli­da­ri­täts­er­klärung mit den Läden gesammelt. Für den 17. November ist im Ber­liner Festsaal Kreuzberg eine Ver­an­staltung für die Buch­läden geplant, an der unter anderem die Blog­gerin Anne Roth und der Jurist und Publizist Oliver Tolmein teil­nehmen werden.

http://www.neues-deutschland.de/artikel/183327.flugblattrazzia-im-buchladen.html?sstr=linke|Buchläden

Peter Nowak

Buchläden wehren sich

Polizei beschlag­nahmt auch Com­puter

Schon fünf Mal haben die Ber­liner Buch­läden Schwarze Risse, 021 und M99 in diesem Jahr Poli­zei­besuch bekommen. Dabei galt das behörd­liche Interesse nicht den Büchern in den Ver­kaufs­re­galen, sondern Flug­blättern und Bro­schüren zum Mit­nehmen, die von poli­ti­schen Gruppen in den Buch­läden aus­gelegt wurden. Mal war ein Flug­blatt des Ber­liner Büros für Anti­mi­li­ta­ris­tische Maß­nahmen (Bamm), mal die Auto­no­men­pu­bli­kation Interim Grund für die Poli­zei­be­suche. Doch neben den
inkri­mi­nierten Schrift­stücken wurden auch regel­mäßig die Com­puter der linken Buch­läden beschlag­nahmt und erst einige Tage später zurück­ge­geben.
Das sorgt bei den Buch­händlern für großen Unmut. »Es ist wohl nicht davon aus­zu­gehen, dass die Her­steller und Ver­teiler inkri­mi­nierter Texte per E‑Mail ihr Kommen ankün­digen. Dafür könnte bei Kunden, die elek­tro­nisch ein Buch bestellen wollen, Ver­un­si­cherung ein­treten, ob nicht womöglich ihre Daten gespei­chert werden«, meint ein Mit­ar­beiter der Schwarzen Risse.
Der Ber­liner Rechts­anwalt Sven Lin­demann, der den Laden juris­tisch ver­tritt, will genau beob­achten, was weiter pas­siert: »Bei den bis­he­rigen Durch­su­chungen wurden die Com­puter nach Angaben des Lan­des­kri­mi­nalamts nicht gespiegelt, sondern lediglich mit Hilfe von Schlag­wörtern durch­sucht. Wenn sich in den lau­fenden Ver­fahren her­aus­stellen sollte, dass doch kopiert wurde, müssten die Daten nach Ein­stellung des Ver­fahrens gelöscht werden«, erklärte Lin­demann gegenüber dem Sprachrohr. Die Beschlag­nahme der Com­puter stellt für ihn den Haupt­kri­tik­punkt dar: »Es werden bei solchen Durch­su­chungen nicht nur die
inkri­mi­nierten Zei­tungen beschlag­nahmt, sondern es wird in nicht uner­heb­licher Weise in den Gewer­be­be­trieb ein­ge­griffen. Den Buch­händlern wird ihre beruf­liche Tätigkeit erschwert, und ihnen wird ohne
Begründung unter­stellt, dass sie Kenntnis vom Inhalt der jeweilig bean­stan­deten Zeit­schriften hätten.«
Dabei sind Buch­händler nach der gän­gigen Rechts­spre­chung nicht ver­pflichtet, alle aus­ge­legten Publi­ka­tionen und Flug­schriften nach mög­lichen straf­baren Inhalten zu durch­forsten. Lin­demann ver­mutet, dass die Ber­liner Staats­an­walt­schaft die gängige Rechts­spre­chung zu revi­dieren sucht.

Gesellschaftliche Debatte führen

Die betrof­fenen Buch­läden setzen nicht nur auf den Rechtsweg. Sie wollen zugleich eine gesell­schaft­liche Debatte über die Bedeutung linker Buch­läden anstoßen. Diese Dis­kussion soll aus­drücklich über die linke Szene hin­aus­reichen. Auch die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di und der Bör­sen­verein des deut­schen Buch­handels sollen ange­sprochen werden.
Die Betrof­fenen sind zuver­sichtlich, dass das Dis­kus­si­ons­an­gebot erwidert wird: »Schließlich hat es vor 20 Jahren nach Durch­su­chungs­ak­tionen in linken Buch­läden auch eine breite, über­grei­fende Soli­da­ri­sierung
gegeben.« 
aus Sprachrohr:

http://dju-berlinbb.verdi.de/publikationen/#m‑menschen-machen-medien

Peter Nowak

Polizei macht Jagd auf »Interim«

Am Don­nerstag hat die Polizei die Schwarze-Risse-Buch­läden im Mehringhof und der Kas­ta­ni­en­allee sowie den Buch­laden 021 und den Laden des Antifa-Versand Red Stuff durch­sucht. Begründet wurde dies mit der Suche nach aktu­ellen Aus­gaben der auto­nomen Publi­ka­tionen Interim und Prisma. Dort sollen, so der Vorwurf der Ermitt­lungs­be­hörden, Bas­tel­an­lei­tungen für Molo­tow­cock­tails abge­druckt sein. In dem Buch­laden Schwarze Risse wurde außerdem nach älteren Aus­gaben und der Zei­tungen Interim und Radikal gesucht. In allen durch­suchten Läden wurden Com­puter beschlag­nahmt.

Schon am Mitt­woch­nach­mittag war der Kreuz­berger »Gemischt­wa­ren­laden mit Revo­lu­ti­ons­bedarf« M99 eben­falls wegen der Interim und Prisma durch­sucht und der Com­puter beschlag­nahmt worden. Laden­in­haber Hans-Georg Lin­denau erklärte der taz: »Das war die 49. Durch­su­chung in dem Laden. Die Beamten haben mir die fünf­zigste schon ange­kündigt.« Sowohl der M99 als auch Schwarze Risse waren bereits in der ver­gangen Woche gefilzt worden.

www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2010%2F04%2F30%2Fa0223&cHash=34726abb24

Bundeswehr durch Satireflyer bedroht?

Ber­liner LKA durch­sucht Räume anti­mi­li­ta­ris­ti­scher Gruppen
»Feste feiern, wie sie fallen«, lautet die Über­schrift. Dar­unter findet man eine männ­liche Person in Bun­des­wehr­uniform und Tier­maske. In seinem Rücken ist unver­kennbar das Ehrenmal für die gefal­lenen Sol­daten zu erkennen. Diese von anti­mi­li­ta­ris­ti­schen Gruppen pro­du­zierten Sati­re­flyer haben in den ver­gan­genen Tagen zu zwei Poli­zei­razzien in Berlin geführt.

Letzte Woche war der Buch­laden Schwarze Risse und am letzten Montag ein Inter­net­server betroffen. Dort wurde neben den Ser­ver­räumen auch die Pri­vat­wohnung eines Mit­ar­beiters durch­sucht. Während die schon beschlag­nahmten Com­puter im Ser­verraum auf Beschluss der Staats­an­walt­schaft wieder zurück­ge­geben wurden, ohne dass Daten kopiert wurden, beschlag­nahmten Beamte in der Wohnung zwei Com­puter.

Das Ber­liner LKA begründete die Suche nach den Ver­ant­wort­lichen für den Flyer mit der Ver­letzung des Sicher­heits­ge­fühls der Bun­des­wehr­sol­daten im Ausland und ihrer Ange­hö­rigen. Die Flyer seien geeignet, »den im Ausland sta­tio­nierten Sol­daten der Bun­deswehr ein Lebens­recht abzu­sprechen und durch den Aufruf zum Feiern auch das Sicher­heits­gefühl der Bun­des­wehr­an­ge­hö­rigen und deren Familien stark zu beein­flussen«.

Der poli­tische Geschäfts­führer der Deut­schen Frie­dens­ge­sell­schaft-Ver­ei­nigte Kriegs­dienst­geg­ne­rInnen Monty Schädel hin­gegen sieht im Gespräch mit Tele­polis die Razzien im Zusam­menhang mit der ver­stärkten Debatte über den Afgha­nistan-Einsatz nach dem Tod von Bun­des­wehr­sol­daten:

»Es ist ein Skandal, dass Kri­tiker des Kriegs­ein­satzes mit staat­licher Repression kon­fron­tiert werden, während gleich­zeitig die Ermitt­lungen der Bun­des­an­walt­schaft gegen den für das ‚Kundus-Bom­bar­dement‘ ver­ant­wort­lichen Oberst Klein ein­ge­stellt werden.«

Er ver­weist darauf, dass die Sati­re­aktion durch die anti­mi­li­ta­ris­ti­schen Gruppen bereits beendet war und schon vor Monaten mehrere von Bun­des­wehr­ver­bänden ange­strengte Klagen gegen den Sati­re­flyer ein­ge­stellt worden sind. Des­wegen sieht Schädel in den jüngsten Razzien den Versuch, anti­mi­li­ta­ris­tische Zusam­men­hänge aus­zu­for­schen.

Auch liberale Kolum­nisten warnen davor, dass Kriegs­gegner mit der stei­genden Zahl gefal­lener deut­scher Sol­daten ver­stärkt unter Druck gesetzt werden könnten. So sagte etwa der kon­ser­vative Bun­deswehr-Pro­fessor Michael Wolfssohn, dass Kriegs­kri­tiker unfrei­willig das Geschäft der Taliban betreiben könnten, weil diese Oppo­sition in den Hei­mat­ländern der Sol­daten als Argu­mente für ihren Wider­stand ver­wenden könnten.

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​47518

Peter Nowak