Schindler Matthias, Vom Triumph der Sandinisten zum demokratischen Aufstand, Nicaragua 1979 – 2019, Verlag Die Buchmacherei, Berlin, 2019, 174 Seiten, ISBN 978-3-9820783-0-4, 10 Euro

Bittere Ernte

Schindler reka­pi­tu­liert die Geschichte der san­di­nis­ti­schen Bewegung und ver­teidigt deren Ursprungs­ideale gegen die Rea­lität im heu­tigen Nica­ragua. Dabei macht der Autor immer deutlich, dass er als Linker mit einer Regierung abrechnet, die seit Jahren dem Kapital den roten Teppich aus­legte, Abtrei­bungen mit harten Strafen bedrohte und Kri­tiker kri­mi­na­li­siert.

Ach, kleines Nica­ragua, so stolz und so bedroht, noch brauchst du fremde Hilfe, sonst wär bald eine Hoffnung tot“, textete in der DDR der Lie­der­macher Gerhard Schöne Mitte der 1980er Jahren. Die san­di­nis­ti­schen Revo­lution in dem zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Land führte nicht nur zur linken Kitsch­pro­duktion. Tau­sende Linke ern­teten in Soli­da­ri­täts­bri­gaden Kaffee in Nica­ragua. Auch der Gewerk­schaftler Mat­thias Schindler gehörte dazu. Jetzt hat er in der Buch­ma­cherei .….

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Matthias Schindler: Vom Triumph der Sandinisten zum demokratischen Aufstand. Die Buchmacherei, 174 S., br., 10 €.

Nicaragua: »So stolz und so bedroht«

Mat­thias Schindler hat mit seiner zor­nigen – sicher nicht in allen Punkten gerechten – Streit­schrift einen Beitrag für die Debatte um die Grenzen der Soli­da­rität mit nominal linken Regie­rungen geliefert.

Im Jahr 1979 ver­trieb die san­di­nis­tische Revo­lution in Nica­ragua den Lang­zeit­dik­tator Somoza. In den fol­genden Jahren wurde das kleine Land in Zen­tral­amerika zum Sehn­suchtsort für Linke in Ost und West. »Ach, kleines Nica­ragua, so stolz und so bedroht, noch brauchst du fremde Hilfe, sonst wär bald eine Hoffnung tot«, textete der DDR-Lie­der­macher Gerhard Schöne. Linke aus aller Welt betei­ligten sich an Soli­da­ri­täts­bri­gaden, halfen bei der Kaffee-Ernte oder beim Bau von Schulen und Gesund­heits­sta­tionen. Auch Mat­thias Schindler hatte sich in den 1980er Jahren an solchen Bri­gaden beteiligt und blieb danach jahr­zehn­telang in der Soli­da­ri­täts­be­wegung mit Nica­ragua aktiv. Jetzt hat der linke Gewerk­schafter ein Buch geschrieben, in dem er.….

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Plädoyer für einen differenzierten Blick und eine Perspektive für Partizipation der Bevölkerung statt den Fokus auf die Wahlen zu richten

Können die Linksregierungen in Lateinamerika noch ein Bezugspunkt sein?

Müsste es nicht analog zu den Unteilbar-Demons­tra­tionen gegen die Rechte in Deutschland globale Unteilbar-Akti­vi­täten auch einen Morales und einen Maduro als Bünd­nis­partner gegen die Rechte will­kommen heißen?

In den frühen 1920er Jahren sorgten einige Bücher von Russ­land­rei­senden für Auf­merk­samkeit und oft für viel Abwehr. Ver­fasst hatten sie Linke, die oft mit großer Begeis­terung in das nach­re­vo­lu­tionäre Russland bzw. die Sowjet­union gegangen sind und dann durch die poli­tische Ent­wicklung ent­täuscht wurden.

Sie wollten irgendwann nicht mehr schweigen und wurden so zu lei­den­schaft­lichen Kri­tikern des Staates, dem sie so viel Hoffnung ent­ge­gen­ge­bracht hatten. Als Bei­spiele seien nur die Schriften von Emma Goldmann und Alex­ander Berkman genannt. Wie nah bei ihm Hoffnung und abgrund­tiefe Ent­täu­schung zusam­men­hingen, hat Bini Adamczak in ihren Büchlein »Der schönste Tag im Leben des Alex­ander Berkman»beschrieben. Das war der Tag, an dem der US-Anar­chist die Sowjet­union betrat. Für ihn blieb es auch dann noch der schönste Tag, als er längst die poli­tische Ent­wicklung in der SU heftig kri­ti­sierte. In diese Tra­dition kann man das aktuelle Buch von Mat­thias Schindler stellen, das den Titel »Vom Triumph der San­di­nisten zum demo­kra­ti­schen Auf­stand»trägt und in dem Verlag »Die Buch­ma­cherei« her­aus­ge­geben wurde. Er ist eine gute Adresse für dis­si­dente Linke. In dem Buch rechnet der lang­jährige Unter­stützer .….

„Können die Links­re­gie­rungen in Latein­amerika noch ein Bezugs­punkt sein?“ wei­ter­lesen