Plädoyer für einen differenzierten Blick und eine Perspektive für Partizipation der Bevölkerung statt den Fokus auf die Wahlen zu richten

Können die Linksregierungen in Lateinamerika noch ein Bezugspunkt sein?

Müsste es nicht analog zu den Unteilbar-Demons­tra­tionen gegen die Rechte in Deutschland globale Unteilbar-Akti­vi­täten auch einen Morales und einen Maduro als Bünd­nis­partner gegen die Rechte will­kommen heißen?

In den frühen 1920er Jahren sorgten einige Bücher von Russ­land­rei­senden für Auf­merk­samkeit und oft für viel Abwehr. Ver­fasst hatten sie Linke, die oft mit großer Begeis­terung in das nach­re­vo­lu­tionäre Russland bzw. die Sowjet­union gegangen sind und dann durch die poli­tische Ent­wicklung ent­täuscht wurden.

Sie wollten irgendwann nicht mehr schweigen und wurden so zu lei­den­schaft­lichen Kri­tikern des Staates, dem sie so viel Hoffnung ent­ge­gen­ge­bracht hatten. Als Bei­spiele seien nur die Schriften von Emma Goldmann und Alex­ander Berkman genannt. Wie nah bei ihm Hoffnung und abgrund­tiefe Ent­täu­schung zusam­men­hingen, hat Bini Adamczak in ihren Büchlein »Der schönste Tag im Leben des Alex­ander Berkman»beschrieben. Das war der Tag, an dem der US-Anar­chist die Sowjet­union betrat. Für ihn blieb es auch dann noch der schönste Tag, als er längst die poli­tische Ent­wicklung in der SU heftig kri­ti­sierte. In diese Tra­dition kann man das aktuelle Buch von Mat­thias Schindler stellen, das den Titel »Vom Triumph der San­di­nisten zum demo­kra­ti­schen Auf­stand»trägt und in dem Verlag »Die Buch­ma­cherei« her­aus­ge­geben wurde. Er ist eine gute Adresse für dis­si­dente Linke. In dem Buch rechnet der lang­jährige Unter­stützer .….

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Alexander Berkman

Im Januar 1920 wurde der Anar­chist Alex­ander Berkman zusammen mit seiner Genossin Emma Goldman aus den USA in die Sowjet­union abge­schoben. Auch als beiden zwei Jahre später ent­täuscht über die auto­ritäre Ent­wicklung und die Nie­der­schlagung des Auf­stands von Kron­stadt das Land wieder ver­ließen, änderte Berkman nichts an den Sätzen, mit denen er die Gefühle beim Ein­treffen in der Sowjet­union beschrieb: »Mir war danach, die ganze Menschheit zu umarmen, ihr mein Herz zu Füßen zu legen, mein Leben tau­sendfach im Dienste der sozialen Revo­lution hin­zu­geben. Der schönste Tag meines Lebens«. Diese Notizen nimmt Bini Adamczak zum Aus­gangs­punkt ihrer Über­le­gungen über mög­liche alter­native Pfade der Revo­lution. Dabei geht sie auch auf his­to­risch wenig bekannte Ereig­nisse ein. So kam in Finnland ganz ohne Gewalt eine linke Regierung an die Macht, die ihre Gegner zu über­zeugen ver­suchte. Die aber ent­fachten den Weißen Terror, dem in wenigen Monaten 8.500 Men­schen zum Opfer fielen; noch mehr starben in den von den Rechten ein­ge­rich­teten Kon­zen­tra­ti­ons­lagern. Im Juni 1918 übernahm für kurze Zeit ein von den Men­schewiki und Rechten Sozialrevolutionär_​innen domi­nierter Block die Macht in der Wol­ga­region. Doch bald gingen reak­tionäre Kräfte mit Terror gegen die Linke vor. Diese Bei­spiele zeigen, dass es nicht nur an den Bol­schewiki lag, dass die Revo­lution abge­würgt wurde. Bini Adamczak widerlegt alle, die mit der Okto­ber­re­vo­lution schon den Weg in den Sta­li­nismus vor­ge­zeichnet finden.

Peter Nowak

Bini Adamczak: Der schönste Tag im Leben des Alex­ander Berkman. Vom mög­lichen Gelingen der rus­si­schen Revo­lution. Edition Assem­blage, Münster 2017, 150 Seiten, 12,80 EUR.

https://​www​.akweb​.de/​a​k​_​s​/​a​k​6​3​4​/​1​1.htm
ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 634 / 23.1.2018