„Ohne sie hätte die Verdrängung viel früher eingesetzt“

BESETZERSZENE Armin Kuhn hat ein Buch über Häuserkampf geschrieben und vergleicht darin die Besetzungsbewegung vor und nach dem Mauerfall

taz: Herr Kuhn, in Ihrem neuen Buch „Vom Häuserkampf zur neoliberalen Stadt“ vergleichen Sie die Besetzungsbewegung in Westberlin der 70er Jahre und die nach dem Mauerfall in Ostberlin. Wo sehen Sie die größten Unterschiede?

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Gedenken: Die Botschaft der Überlebenden

Die Berliner »Initiative 27. Januar« erinnerte an den 70. Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz

Mehr als 300 Gäste nahmen an der Gedenkveranstaltung im Französischen Dom Berlin teil.

Das Vermächtnis der Zeitzeugen – unsere Verantwortung« lautete das Motto der Gedenkveranstaltung, zu der die Berliner »Initiative 27. Januar« aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz am vergangenen Donnerstag in den Französischen Dom in Mitte eingeladen hatte. Die »Initiative 27. Januar«, ein überkonfessioneller Zusammenschluss von Bürgern und Organisationen, engagiert sich seit 2009 für eine nachhaltige Verbesserung des christlich-jüdischen und deutsch-israelischen Verhältnisses.

In dem gewählten Titel, »Das Vermächtnis der Zeitzeugen – unsere Verantwortung«, klingen die Schlüsselbegriffe an, die der Initiative wichtig sind. Bei der Gedenkveranstaltung ging es denn auch um das Vermächtnis der Überlebenden des NS-Terrors und um die Verantwortung der deutschen Mehrheitsgesellschaft wie auch der nachfolgenden Generationen.

Zeugnis »Wir sollten den Zeitzeugen vor allem zuhören und dankbar sein, dass sie sprechen«, sagte der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, in seiner Grußadresse. Er erinnerte daran, dass es vielen Überlebenden des NS-Terrors nicht möglich war, Zeugnis über ihre Erlebnisse abzulegen.

Manche von ihnen hätten Schuldgefühle, weil sie überlebt haben, während so viele andere ermordet wurden. Andere hätten Angst gehabt, dass man ihnen ihre Erlebnisse nicht abnehmen würde. »Es ist eine sehr große Ausnahme, wenn Überlebende die Kraft haben, über ihre Erlebnisse zu sprechen«, sagte auch der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe. Die Zeitzeugenberichte seien gerade in diesen Tagen so wichtig, da der jüdische Staat immer häufiger mit dem NS-Regime gleichgesetzt wird, sagte Joffe.

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Gitta Connemann, bezog sich in ihrer Rede auf die antisemitischen Vorkommnisse, die es im Sommer 2014 in vielen deutschen Städten bei Protesten gegen den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen gegeben hatte. »Da wurden Juden beschimpft, bedroht und auch körperlich angriffen. An den Reaktionen von Polizei, Politik, Justiz und der Zivilgesellschaft muss sich erweisen, ob es ihnen ernst ist mit dem ›Nie wieder‹, das bei Gedenkveranstaltungen immer wieder zu hören ist«, so Connemann.

Sinnbild Höhepunkt der Gedenkveranstaltung war die bewegende Rede der 1933 in der Ukraine geborenen Assia Gorban. Eindringlich schilderte sie, wie die Nazi-Barbarei in ihre einfache, aber glückliche Kindheit eingebrochen war. Ein Sinnbild dafür ist ein Schild, an das sie sich erinnert: »Vor 12 Uhr dürfen Menschen auf dem Markt einkaufen, nach 12 Uhr Juden.« Das habe so dort gestanden, berichtete Gorban den sichtlich berührten Zuhörern.

Gorbans Großvater hatte die Familie nach dem Einmarsch der Deutschen in die Ukraine noch zu beruhigen versucht: Sie müssten keine Angst haben, die Deutschen seien kultiviert. Er wurde im KZ erschossen.

Assia Gorban erinnerte sich, dass ihr, als ihre Familie in das KZ Petschora verschleppt wurde, sofort die nackten Kinder mit den Hungerbäuchen auffielen. Ein weiteres Ereignis in der Kette der Grausamkeiten hat sich Assia Gorban besonders eingeprägt: Ein kleiner Junge versuchte, einen Eimer mit Sauerkirschen zu greifen, den Anwohner auf eine Mauer gestellt hatten. Ein SS-Mann sah das und schoss. »Der Junge fiel sofort tot zu Boden, und alle Kirschen fielen auf ihn drauf«, beschreibt Gorban das Bild, das sie bis heute nicht loslässt.

Ihr selbst gelang zusammen mit ihrer Mutter die Flucht aus dem KZ. Sie konnten sich verstecken, bis die Nazis und ihre rumänischen Verbündeten besiegt waren. Auch deshalb engagiert sich Gorban seit mehreren Jahren in der Initiative »Zeugen der Zeitzeugen«, in der junge Menschen Gespräche mit den letzten Schoa-Überlebenden führen. »Damit sich nie wiederholt, was ich erleben musste«, begründete sie ihr langjähriges Engagement.

aus: Jüdische Allgemeine,5/2015

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/21343

Peter Nowak

Hoffnung für »Mall of Berlin«-Arbeiter

Bundesarbeitsministerium: Generalunternehmer sind bei Lohnprellerei in der Pflicht

Seit Wochen kämpfen Rumänen für Löhne, die ihnen beim Bau der »Mall of Berlin« vorenthalten wurden. Eine Einschätzung des Bundesarbeitsministeriums stärkt den Bauarbeitern den Rücken.

Die rechtliche Einschätzung könnte den rumänischen Bauarbeitern von der »Mall of Berlin« helfen. »Ein Generalunternehmen haftet gegenüber Arbeiterinnen und Arbeitern nachgeordneter Unternehmer und Subunternehmer, wenn diese ihren Arbeitgeberverpflichtungen nicht nachkommen«, stellt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales von Ministerin Andrea Nahles (SPD) fest. So geht es aus einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage der Bundestagsabgeordneten Azize Tank (parteilos, für LINKE) hervor. Die Sprecherin für Soziale Menschenrechte der Sozialisten hatte nach der aktuellen Rechtslage gefragt. »Nach Paragraf 14 Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG) haftet ein Unternehmer, der einen anderen Unternehmer mit der Erbringung von Werk- oder Dienstleistungen beauftragt, wie ein Bürge«, heißt es in der »nd« vorliegenden Antwort weiter.

Damit wird auch die Position der Freien Arbeiter Union (FAU) bestätigt, die sich für die rumänischen Bauarbeiter stark macht. Die Basisgewerkschaft hatte in der Vergangenheit in Pressemitteilungen immer wieder auf eine Verantwortung des Generalunternehmers Andreas Fettchenhauer hingewiesen. Der hatte die Verantwortung für die Zahlung der Löhne stets zurückgewiesen. Mit einer einstweiligen Verfügung, die Anfang Januar erlassen wurde, hatte er der FAU die Behauptung verbieten lassen, dass sie sich mit ihm in einem Arbeitskampf befindet. Der Generalunternehmer hat immer darauf verwiesen, dass die Rumänen bei Subunternehmern beschäftigt waren.

»Fettchenhauer steht als Generalunternehmer bzw. Bauherr für die Zahlung des ausstehenden Lohns mit in der Verantwortung«, betonte dagegen Azize Tank. Das gehe aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums hervor. Es erscheine in diesem Falle unerheblich, ob es schriftliche Arbeitsverträge oder nur mündliche Absprachen zur Verrichtung der Arbeit gab. »Die Arbeit wurde verrichtet und nun müssen endlich die Löhne gezahlt werden«, fordert Tank. Jetzt gehe es darum, dass die Ansprüche rechtlich eingeklagt werden.

Bereits seit  Wochen wurden diese Klagen vorbereitet, erklärt ein Sprecher der FAU. Tank will nun weitere Anfragen stellen. Sie will wissen, ob es Informationen über die Zahl der um Löhne betrogenen Arbeitnehmer gibt und wie viele Betroffene sich wehren.

http://www.neues-deutschland.de/artikel/960578.hoffnung-fuer-mall-of-berlin-arbeiter.html

Peter Nowak

Lucke ist Teil des rechten Hegemonieprojekts

Die Jagd auf Tsipras ist eröffnet

Zeitzeugen erinnern sich an die Schrecken von einst

GEDENKEN Ein Arbeitskreis sammelt die Geschichten von NS-Überlebenden und macht sie öffentlich

„Ich war der einzige Jude in der Klasse und wurde selbst von den Sechsjährigen sofort ausgegrenzt. Ich wurde geschlagen und bespuckt. Selbst Kinder, mit denen ich noch vor der Einschulung gespielt hatte, spielten jetzt nicht mehr mit mir.“ So erlebte Horst Selbiger, dessen Vater Jude war, seinen Schulalltag 1934 in Berlin. Der 84-Jährige schildert sie in einem Interview, das der Arbeitskreis „Fragt uns, wir sind die Letzten“ in seiner fünften Broschüre veröffentlichte.

Bisher wurden 25 Biografien gesammelt

Gegründet wurde der Arbeitskreis 2010 von Aktiven aus dem Umfeld der Berliner VVN-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und der Antifaschistischen Initiative Moabit (AIM) mit dem Ziel, die Stimmen der letzten Überlebenden des NS-Terrors aufzuzeichnen. „Alle sind aus der Generation der Nachgeborenen und auf die eine oder andere Weise antifaschistisch aktiv“, erklärt ein Mitglied des Arbeitskreises, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die bisher 25 Interviews, die in fünf rund 65-seitigen Broschüren veröffentlicht wurden, können unter http://fragtuns.blogsport.de/broschuere/ heruntergeladen werden.

In der aktuellen Broschüre kommt auch Peter Perel zu Wort. Er wurde Zeuge der Massenerschießungen von Juden in seinem ukrainischen Heimatdorf unmittelbar nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Zu lesen ist auch von Lore Diehl, die den schweren Alltag einer antifaschistischen Familie in NS-Zeiten schildert. Als Kind einer sozialdemokratischen Familie musste sie miterleben, wie ihr Vater bereits 1933 in das Konzentrationslager Sonnenburg verschleppt wurde.

Leningrader Blockade erlebt – und überlebt

Dorothea Paley überlebte als Kind die Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht. Die Frau lebt heute in Deutschland und hat den Eindruck, dass viele Menschen über eines der größten deutschen Kriegsverbrechen in der ehemaligen Sowjetunion nicht informiert sind. Auch deswegen sei es so wichtig, dass diese Erlebnisse aufgezeichnet werden.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2015%2F01%2F30%2Fa0127&cHash=06bc3a09c5859d02d7a60189aced111f

Peter Nowak

Flüchtlingshass in Zeiten von Pegida

Erzählungen der Kinder

Fünfte Veröffentlichung von Interviews mit Überlebenden des Nationalsozialismus

»Ich war der einzige Jude in der Klasse und wurde selbst von den Sechsjährigen sofort ausgegrenzt. Ich wurde geschlagen und bespuckt. Selbst Kinder, mit denen ich noch vor der Einschulung gespielt hatte, spielten jetzt nicht mehr mir.« So erlebte Horst Selbiger, dessen Vater Jude war, seinen Schulalltag im Jahr 1934 in Berlin. Heute engagiert sich der 84-jährige Mann als Ehrenvorsitzender des Vereins Child Surviors. Seine Erlebnisse im Nationalsozialismus berichtet Selbiger in einem Interview, das der Arbeitskreis »Fragt uns, wir sind die letzten« in seiner fünften Broschüre veröffentlichte. In dem Verein haben sich ca. ein Dutzend Menschen aus Berlin, Leipzig und Freiburg zusammengefunden, deren Anliegen es ist, die Stimmen der letzten Überlebenden des NS-Terrors aufzuzeichnen. »Alle sind aus der Generation der Nachgeborenen und auf die eine oder andere Weise antifaschistisch aktiv«, beschreiben sich die Aktiven des 2010 begonnenen Projekts. Gegründet wurde es von Aktiven aus dem Umfeld des Berliner VVN-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und der Antifaschistischen Initiative Moabit (AIM). Mittlerweile hat sich der Kreis der Aktiven erweitert.

»In den letzten Jahren sind wir in unserer politischen Arbeit zunehmend damit konfrontiert, dass Überlebende der NS-Verfolgung sowie Menschen aus dem antifaschistischen Widerstand sterben. Ihre Stimme besitzt in politischen Debatten ein einmaliges moralisches Gewicht, nicht nur, wenn es um den Umgang Deutschlands mit den NS-Verbrechen geht, sondern auch wenn aktueller Antisemitismus, Rassismus und Sozialchauvinismus, Neonazismus oder auch Kriegspolitik diskutiert werden«, begründet einer der Aktiven, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sein Engagement.

Die bisher 25 Interviews, die in fünf etwa 65-seitigen Broschüren veröffentlicht wurden, decken eine große Palette von Verfolgung und des Widerstand ab. So kommt in der kürzlich erschienenen fünften Broschüre neben Horst Selbiger auch Peter Perel zu Wort. Er wurde Zeuge der Massenerschießungen von Juden in seinem ukrainischen Heimatdorf unmittelbar nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Der von den Nazis als Halbjude deklarierte Heinz Bachmann berichtet, wie sich die antisemitische Politik der Nazis von den ersten Boykottaktionen bis zu den Pogromen im November 1938 radikalisierte. Lore Diehl schildert den schweren Alltag einer antifaschistischen Familie im NS. Sie erlebte als Kind einer sozialdemokratischen Familie, wie ihr Vater bereits 1933 in das Konzentrationslager Sonnenburg verschleppt wurde. Dorothea Paley überlebte als Kind die Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht. Sie habe den Eindruck, dass viele Menschen über eines der größten deutschen Kriegsverbrechen in der ehemaligen Sowjetunion nicht informiert sind.

Weitere Broschüren des ehrenamtlich arbeitenden Vereins sind in Planung.

fragtuns.blogsport.de/broschuere/

https://www.neues-deutschland.de/artikel/959918.erzaehlungen-der-kinder.html

Peter Nowak

Dem Weltwirtschaftsforum gehen Kritiker aus

Streiksolidarität

Peter Nowak zu den Amazonprotesten
„Und, hast du schon alle deine Weihnachtsgeschenke gekauft? Kein Problem, die kannst du ja immer noch bei Amazon bestellen? Internet-Shopping ist Teil unserer aller Alltag geworden – doch nur wenige haben sich je Gedanken darüber gemacht, dass auch hinter diesem Teil der Wirtschaft ArbeiterInnen stehen, die tagtäglich die Pakete packen, Waren zusammensuchen, usw. Sie tun dies unter äußerst prekären Bedingungen: sie verdienen  nur wenig, werden ständig überwacht und haben selten unbefristete Verträge. Für viele von ihnen ist Weihnachten die Zeit, vor der sie sich fürchten müssen, weil ihnen dann gekündigt wird, um einer neuen Riege unbefristeter ArbeiterInnen Platz zu machen. Und dies alles, während Amazon kaum Steuern zahlt, kleine Verlage aus dem Markt drängt und ein de facto Buchmonopol errichtet.“
Von der Gewerkschaft ver.di produzierte Informationsflyer mit dieser   Botschaft wurden im Dezember in den Fußgängerzonen  mehrerer  deutscher Städte häufiger verteilt. Potentiellen KundInnen sollten damit     auf die Forderungen der Beschäftigten bei Amazon aufmerksam gemacht werden.   Damit sollte auch Verständnis geweckt werden, wenn es in den Nachrichten mal wieder heißt, bei Amazon wird gestreikt. Dabei wird oft sofort gefragt, ob jetzt womöglich die Plakate verspätet ankommen. Mit den Infoblättern wird der Fokus wieder auf die Menschen und ihre Arbeits- und Lebensbedingungen gelenkt, die es erst möglich machen, dass die Pakete  pünktlich geliefert werden.
An der Verteilaktion sind nicht nur GewerkschafterInnen beteiligt. Ein Bündnis aus linken Gruppen hat es beispielsweise in Berlin übernommen, auf verschiedenen Weihnachtsmärkten die Flyer zu verteilen und mit den PassantInnen darüber zu reden, wieso Amazon-KundInnen mit den Forderungen der in dem Unternehmen  Beschäftigten solidarisch sein sollen.   Dazu hatte sich ein Streiksoli-Bündnis gegründet.  Während das Solibündnis Flyer verteilt, beteiligen sich die Solidaritätsbündnisse  aus Frankfurt/Main an einer Blockade vor dem Amazon-Standort Bad Hersfeld. Damit soll verhindern werden, dass der Streik unterlaufen wird.
Ein Leuchtturm im Osten
Vorbild ist das Bündnis Streiksoli in Leipzig, das bereits im letzten Jahr   anlässlich der Streiks in den dortigen Amazon-Standort mit den Beschäftigten Kontakt  aufgenommen hatte. Das Bündnis  unterstützt Kundgebungen, verteilte  Flyer an potentielle Amazon-KundInnen und half so mit, in der Gesellschaft für den Streik zu werben. Schnell gab es auch in anderen Städten Interesse an einer Streiksoliarbeit nach dem Leipziger Vorbild. Am letzten Juni-Wochenende 2014     wurden  in Leipzig auf den  ersten bundesweiten Streiksoli-Treffen  die Grundlagen für eine Kooperation gelegt.  Mitte November gab es ein Folgetreffen in Frankfurt/Main, an dem VertreterInnen aus Leipzig und , Hamburg   teilnahmen.
Dort wurden im Detail durchaus Unterschiede erkennbar.Soll lediglich ein bundesweites   Netzwerk der Streiksolidarität aufgebaut werden, wie es vor allem dem  Bündnis Streik-Soli-Leipzig vorschwebte?     Oder soll sich das Bündnis auch ein kurzes Selbstverständnis geben, wie es vor allem die Gruppe Antifa Kritik und Klassenkampf  (AKK) aus Frankfurt/Main vorschlug?  Neben diesen Differenzen in organisatorischen Fragen stehen auch politische Unterschiede, die allerdings nicht so klar ausgesprochen werden.   Soll die Streiksolidarität in engem Bündnis mit DGB-Gewerkschaften kooperieren?  Doch wie soll sie reagieren, wenn die Gewerkschaftsvorstand wie so oft in der Vergangenheit,  einen Arbeitskampf gegen den Willen eines relevanten Teils der Beschäftigten beenden wollen und dabei Zugeständnisse an die  Kapitalseite macht, die von großen Teilen der Basis abgelehnt werden?  Die AKK erklärte in der Diskussion, die Streiksoliarbeit sollte die Selbstorganisierung der Lohnabhängigen    zum Ziel haben, was mit  dem gewerkschaftlichen Agieren übereinstimmen kann aber nicht muss.. Die Debatte wird sicherlich  beim nächten Treffen bundesweiten Treffen, das im Frühjahr 2015 in Bad Hersfeld, einem der Zentren des Amazon-Streiks  stattfinden soll, fortgesetzt werden.
aus express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit

http://www.express-afp.info/newsletter.html
Peter Nowak

Brandstifter Tsipras, weil er nicht bei den Armen sparen will

»Die Berichte weitertragen«

Die Initiative 27. Januar erinnerte an den 70. Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz

Der Berliner Verein »Initiative 27. Januar« hat dazu aufgefordert, die Erinnerung an die Schoa aufrechtzuerhalten. »Wir alle stehen in der Verantwortung, die Berichte der Schoa-Überlebenden weiterzutragen«, sagte Marina Rentschler von der Initiative am Donnerstag bei der Gedenkveranstaltung »Das Vermächtnis der Zeitzeugen – unsere Verantwortung«.

An der Veranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des KZs Auschwitz am 27. Januar nahmen unter anderem der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman, die Stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vizepräsidentin der Deutsch-Israelitischen Gesellschaft, Gitta Connemann, sowie der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, teil.

In einer bewegenden Rede schilderte die in der Ukraine geborenen Schoa-Überlebende Assia Gorban, wie sie als Kind mit ihren Eltern und Verwandten in das Konzentrationslager Petschora deportiert wurde. Dort hatte sie Unfassbares ertragen müssen, berichtete sie den rund 300 Gästen im Französischen Dom in Berlin.

»Doch wie durch ein Wunder habe ich Ghetto und KZ überlebt«, sagte Gorban – und richtete sich an die junge Generation: »Erinnert euch an uns, die wir überlebt haben. Erinnert euch aber auch an die vielen, die nicht überlebt haben.«

Engagement Die »Initiative 27. Januar« ist ein überkonfessioneller Zusammenschluss von Bürgern und Organisationen, die sich seit 2009 für das christlich-jüdische und deutsch-israelische Verhältnis engagieren.

Zusätzlich zu den Gedenkveranstaltungen organisiert und unterstützt der Verein Projekte zur Erinnerung an den Holocaust, zur Bekämpfung des Antisemitismus und zur Förderung der deutsch-israelischen Beziehungen.

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/21313

Peter Nowak

»Die Empörung ist recht groß«

Konferenz »Hände weg vom Streik« wendet sich gegen das neue Tarifeinheitsgesetz

Hände weg vom Streikrecht fordert eine Tagung am Wochenende in Kassel. Die Zeit drängt: Bereits im März will der Bundestag ein entsprechendes Gesetz verabschieden. Gewerkschafter warnen, dass der Arbeitskampf dadurch behindert werde.

Jakob Schäfer ist Mitglieder der IG Metall und aktiv im Arbeitsausschuss der Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken. Er gehört zu den Organisatoren der Aktionskonferenz »Hände weg vom Streikrecht«, die am Samstag in Kassel stattfindet.

Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz zur Tarifeinheit das Streikrecht für kleinere Gewerkschaften erheblich einschränken. Wie weit ist Schwarz-Rot damit?
Für Anfang März ist die erste Lesung des Tarifeinheitsgesetzes vorgesehen, für den 23. 3. die öffentliche Anhörung im Ausschuss »Arbeit und Soziales« und für den 26.3. die zweite und dritte Lesung.

Innerhalb der DGB-Gewerkschaften gibt es Befürworter und Gegner der Gesetzesinitiative. Haben Sie Kontakt zu den Gegnern und werden sie an dem Kongress teilnehmen?
Ver.di, NGG und GEW haben sich entschieden gegen dieses Gesetzesvorhaben positioniert. Eine ganze Reihe von ver.di-KollegInnen hat sich für die Konferenz angemeldet. Aber es werden auch Mitglieder der IG Metall da sein. Die Empörung über die Zustimmung des IG Metall-Vorstands zu diesem Gesetzesvorhaben ist in den Reihen meiner Gewerkschaft, der IG Metall, recht groß.

Gibt es Kontakte außerhalb des DGB wie zur Basisgewerkschaft FAU oder zu den Lokführern der GDL?
Unser Aktionsbündnis gibt es seit dem ersten Versuch im Jahr 2011, ein solches Gesetz einzuführen. Seitdem gibt es den Kontakt zur GDL. Die ist aber zurzeit durch ihre Tarifrunde stark in Beschlag genommen, so dass wir nicht wissen, ob sie Vertreter schicken kann. Die FAU ist von Anfang an in dem Bündnis aktiv dabei. Schließlich ist sie ja in ihren basisgewerkschaftlichen Aktivitäten direkt und indirekt betroffen.

Während der GDL-Streiks Ende 2014 spielte das Thema Tarifeinheit eine große Rolle. Hat dieses Interesse sich auf Ihre Arbeit ausgewirkt?
Durch die GDL-Streiks wurde die praktische Bedeutung dieses Gesetzesvorhabens unmittelbar deutlich. Eine Gewerkschaft, die zumindest etwas kämpferischer für die Interessen ihrer Mitglieder eintritt, soll faktisch ausgeschaltet werden. Damit ist so manchen unserer KollegInnen klarer geworden, worum es eigentlich geht.

In den letzten Wochen wurden mehrere Streikzeitungen herausgegeben, die sich gegen die Tarifeinheit wandten. Soll dieses Projekt fortgesetzt werden?
Die Streikzeitung hat mit ihren drei Nummern und einer Auflage von mehreren Zehntausend einen tollen Beitrag zur Aufklärung in Sachen Tarifeinheit und zur Organisierung der Solidarität mit den GDL-KollegInnen geleistet. Ob es zu weiteren Ausgaben kommt, hängt vom Verlauf der Tarifverhandlungen ab. Ich verweise auf die ausgezeichnete Website der Streikzeitung: pro-gdl-streik14.de.

Die Bundesregierung plant mit der Einführung von Zwangsschlichtungen und der Sicherung der Daseinsfürsorge weitere Einschränkungen gewerkschaftlicher Rechte. Können Sie diese Pläne präzisieren?
Am weitesten ausgeführt sind diese Vorstellungen in einem Gesetzentwurf, den die Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Stiftung vorgelegt hat. Darüber wurde der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Arnold Vaatz in den Stuttgarter Nachrichten vom 2. April 2014 mit dem Satz zitiert: »Die Schäden, die ein Arbeitskampf auslöst, müssen im Verhältnis zum Anlass stehen.«

Gewerkschaftsrechte werden in vielen Ländern eingeschränkt. Werden auch Gewerkschafter von anderen Ländern auf der Konferenz anwesend sein?
Durch die Mitarbeit der Streikrechtsinitiative »tie germany« im Europäischen Netzwerk der BasisgewerkschafterInnen gibt es einen ständigen Austausch über die Situation in den verschiedenen europäischen Ländern. Auf dem letzten Treffen in Toulouse im Oktober 2014 wurde ausführlich über die Streiks und das geplante Tarifeinheitsgesetz informiert.

http://www.neues-deutschland.de/artikel/959487.die-empoerung-ist-recht-gross.html

Interview: Peter Nowak

Pegida am Ende?

Lofts statt Wohnungsbau Neukölln?

„Wohnungsbau Neukölln  – Wiederaufbau 1960“ steht in großen Buchstaben an  einem der Häuserblöcke in der Heidelbergerstraße 15- 18, dort wo Neukölln an Treptow grenzt. An den Häusern  sind die 5 Jahrzehnte nicht spurlos vorübergegangen und auch manche der MieterInnen sind in die Jahre gekommen. Viele wohnen dort schon lange. Nun sollen sie die Wohnungen räumen.  Die in Nekölln eingetragene Genossenschaft Wohnungsbau Verein Neukölln (WBV), der die Häuser gehören, bietet Ersatzwohnungen an und hat den MieterInnen mitgeteilt, dass sie sich nicht an die Kündigungsfristen zu halten  brauchen, wenn sie selber eine Ersatzwohnung finden sollten.
Einige MieterInnen sind schon ausgezogen. Herr Erdmann denkt nicht daran.  „Ich lebe gern hier. Ich kann meine Arztbesuche  und andere Erledigungen bequem ohne Auto machen, erklärt der Mieter,  der seit 11 Jahren in seiner Wohnung lebt.  Der  Hauptvorteil  der Wohnung aber ist für Erdmann die   erschwingliche  Miete.  Der Betrag von 351 Euro liegt in dem Bereich,  den  das Jobcenter Erwerbslosen für   Mietausgaben zugesteht. Dass Erdmann Hartz IV-Empfänger ist,   hat er auf einen Fragebogen angegeben,   der an die WBV ging. Erstaunt war er daher über die angebotenen Ersatzwohnungen. Die günstigste sollte 533, 31 Euro kosten, eine andere 633, 33 Euro   und in der letzten Woche erreichte Erdmann das Angebot einer Wohnung mit einer Monatsmiete von 882, 51 Euro.  Solche Mieten sind für die meisten gegenwärtigen  BewohnerInnen in der Heidelbergerstraße 15-18 nicht erschwinglich. Das könnte sich in Zukunft ändern.  Auf einen  Titelblatt der wfv-Mitteilungen vom September 2014 ist ein Architektenentwurf  der Heidelberger Straße 15-18 zu sehen, auf dem  anstelle der 50jährigen Häuserblöcke  moderne Lofts  zu sehen sind.  Noch aber haben die meisten MieterInnen   die Häuser nicht verlassen.   Die  Treptower Stadtteilinitiative Karla Pappel  hat im November 2014 ein Schreiben an sie gerichtet, in dem es heißt:  „Unterschreiben Sie keine Einverständniserklärung zur Kündigung. Tauschen Sie sich bei anderen NachbarInnen aus, Handeln sie gemeinsam und wohl überlegt.“  Mit dem gemeinsamen Vorgehen ist es noch nicht so weit her, meint  Erdmann.  Doch viele MieterInnen seien besorgt. Vor allem, weil es keine klaren Informationen der WBV über ihre Pläne mit den Häusern gibt. Ein Mitglied der Genossenschaftsverwaltung, der seinen vollen   Namen nicht in der Zeitung lesen will, betont, dass die WBV  keine Heuschrecke sei.
Die Häuser seien nach mehr als 5 Jahrzehnten aber in einen baulichen Zustand,  der eine die geplanten Baumaßnahmen erfordere.   Eine Mitgliederversammlung werde  darüber befinden, ob die Häuser in der Heidelberger Straße modernisiert oder abgerissen werden. Bisher sei eine Entscheidung   noch nicht gefallen. Dass sich  auch nach einer Modernisierung  viele der aktuellen BewohnerInnen die Miete nicht mehr leisten können, sieht auch die WBV-Verwaltung. Dafür sei man aber bereit, die MieterInnen bei der Suche nach Ersatzwohnungen großzügig zu unterstützen.  Doch davon hat Erdmann allerdings bisher wenig gemerkt.

MieterEcho online 21.01.2015

http://www.bmgev.de/mieterecho/mieterecho-online/wohnungsbau-neukoelln-wiederaufbau-1960.html

Peter Nowak