Jenseits der ausgetretenen Pfade

KUNST Die Ber­liner Foto­grafin Laura Melin setzt sich in einer Aus­stellung mit dem kurzen Hype des Kunst­standorts Hei­de­straße zwi­schen Ham­burger Bahnhof und Haupt­bahnhof aus­ein­ander

Noch vor fünf Jahren galt die Hei­de­straße in der Kunst­szene als unver­brauchter Geheimtipp. Im Nie­mandsland zwi­schen Haupt­bahnhof und dem Kunst­standort Ham­burger Bahnhof standen damals vor allem Auto­re­pa­ra­tur­werk­stätten und Lager­hallen – und der Club Tape.

Für kurze Zeit wurde das Areal in der Hei­de­straße 46–52 ein Magnet für die Kunst­szene und ihre Galerien, der sich aber beim Publikum nicht durch­setzte. Diesem Aus­bruch der Szene aus den aus­ge­tre­tenen Gale­rie­pfaden hat die Foto­grafin Lara Melin, die sich in ihren Arbeiten kri­tisch mit Stadt­ent­wicklung aus­ein­an­der­setzt, ihre Aus­stellung »Ode an einen Schand­fleck« gewidmet. Die Aus­stellung ist auf ihrer Web­seite und noch bis Don­nerstag im Ber­liner Salon für Foto­kunst zu sehen.

Neben den Fotos hat Melin Zitate aus Pres­se­ar­tikeln, Erklä­rungen von Poli­ti­ke­rInnen und State­ments von Gale­ris­tInnen plat­ziert, die den kurzen Hype des Kunst­standorts Hei­de­straße und das schnelle Ende mancher hoch­flie­genden Pläne doku­men­tieren. Noch im Herbst 2006 schwärmte Anne Haun Elfremides auf Artnet vom »zukünf­tigen Gale­rie­zentrum wie Phönix aus dem Mär­ki­schen Sand«.

Sieben Jahre später über­wiegt die Tris­tesse: »Es regnet, die Gegend ist ohnehin schrecklich trostlos«, schreibt Gabriele Walde in der Mor­genpost im November 2012. Da waren schon mehrere der ange­sagten Galerien wieder weg­ge­zogen. Die Zeiten der Hei­de­straße seien »vorbei«, resü­miert der Designer Werner Aiss­linger im Februar 2013 schließlich.

Während die Kunst ver­schwindet, sorgen nun die seit Jahren dort ansäs­sigen Hand­werks­be­triebe und Logis­tik­firmen, aber auch das neu hin­zu­ge­zogene Mode­label Darkland für Leben. Diesen Firmen widmet Melin in ihren Foto­ar­beiten viel Auf­merk­samkeit. Wenn es nach dem Mas­terplan des Senats geht, sollen auch sie bald vom Hei­de­areal ver­schwinden, nur die alten Fabrik­ge­bäude sollen erhalten bleiben.

Lara Melin ver­steht ihre Arbeit auch als stadt­po­li­tische Inter­vention, wenn sie den mit der städ­te­bau­lichen Auf­wertung ein­her­ge­henden Verlust der Nischen bedauert. »Wo in den neu gebauten Quar­tieren wird in Zukunft noch Platz dafür sein«, lautet eine der Fragen, die die Besu­che­rInnen aus der Aus­stellung mit­nehmen.

www​.lara​-melin​.de

Lara Melin: »Hei­de­straße 46–52 – Ode an einen Schand­fleck«
bis 25. Mai 2013
Ber­liner Salon für Foto­kunst, Kul­turhaus Schö­neberg
Kyff­häu­ser­straße 23, 10781 Berlin
Mi 14 – 19 Uhr, Do 12 – 17 Uhr

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2013%2F05%2F22%2Fa0142&cHash=e26c044f867b2d83bea65947095cc1d1

Peter Nowak