Mobilmachung für den Cyberwar

Mit völlig über­trie­benen Bedro­hungs­sze­narien soll eine Gefahr sug­ge­riert werden. Ver­gessen scheint, dass Hacking und Leaking auch Mittel der Sub­version gegen die Macht sein können – Ein Kom­mentar

»Hacker­an­griff mit Opfern in Berlin« [1], Dieser Angriff gilt der ganzen Gesell­schaft [2] oder »Ein schwerer Anschlag auf die Demo­kratie« [3]. Solche Über­schriften in den aktu­ellen Medien lassen nicht zufällig an einen Ter­ror­an­griff mit Toten und Ver­letzten denken. Es wird mobil gemacht für die Ver­schärfung im Cyber­krieg.

So rückt auch mal wieder ins Bewusstsein, dass.…

„Mobil­ma­chung für den Cyberwar“ wei­ter­lesen

»Bradley Manning is a Hero!«

In zahl­reichen Ländern in den USA, aber auch in Groß­bri­tannien und Holland und Öster­reich finden am an diesem Wochenende Soli­da­ri­täts­ak­tionen für Bradley Manning statt. In Deutschland scheint es keine Aktionen zu geben. Zu den beiden Akti­ons­tagen haben das anti­mi­li­ta­ris­tisch Netzwerk Courage to Resist und die Ent­hül­lungs­plattform Wiki­leaks auf­ge­rufen.
Manning sitzt seit Mai 2010 in strenger Iso­la­ti­onshaft, weil er von den US-Behöröden beschuldigt wird, die Infor­ma­tionen aus den Kriegs­ge­schehen von Afgha­nistan und Irak an Wiki­leaks wei­ter­ge­geben zu haben, mit denen die Plattform und ihr umstrit­tener Gründer Julian Assange welt­be­kannt geworden sind. Doch während das Aus­lie­fe­rungs­ver­fahren gegen den Wiki­leaks-Gründer nach Schweden, bei dem es um Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­würfe und nicht um Geheim­nis­verrat geht, weltweit beob­achtet wird, blieb es um Manning bisher ziemlich still.
Die Wochen­zeitung Freitag hat die unter­schied­liche Ver­teilung der Soli­da­rität in einigen Zahlen dar­ge­stellt:
»Während mehr als 600.000 Men­schen eine Online-Petition gegen die Ver­folgung Ass­anges unter­stützten, taten dies gerade einmal 50.000 für die Frei­lassung von Manning. Assange hat bei Facebook 75.000 Fans, die Kam­pagne save­bradley dagegen weniger als 25.000. Und die »Bradley Manning is a Hero!«-Gruppe hat nicht einmal 4000 Unter­stützer gefunden.«
Todes­strafe ange­droht
Dass sich künftig auch für Man­nings Schicksal mehr Men­schen zu inter­es­sieren beginnen, könnte auch an der US-Justiz liegen. Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen schlugen Alarm. Denn der Gefangene sei in seiner Zelle im Mili­tär­ge­fäng­nisses in Quantico im Bun­des­staat Vir­ginia total iso­liert. Er dürfe keinen Besuch emp­fangen, werde am Schlafen gehindert und dürfe seine Zelle nur eine Stunde am Tag ver­lassen, ver­melden ver­schiedene NGO. Sie befürchten, dass man den als hoch­in­tel­ligent ein­ge­stuften Gefan­genen in den Wahnsinn treiben will. Dass solche an die aus­ge­la­gerte US-Gefan­ge­ne­nen­klave Guan­tanamo erin­nernden Methoden auch innerhalb der USA und zudem noch unter der Obama-Admi­nis­tration, auf die viele Men­schen­rechtler große Hoff­nungen gesetzt hatten, ange­wandt werden, sorgt zumindest in den USA für Empörung.
Hinzu kommt die Ver­schärfung der Anklagen gegen Manning. Zu den 22 neuen Vor­würfen gehört auch das Delikt »Unter­stützung des Feindes«. Damit könnte den Gefan­genen damit sogar die Todes­strafe drohen (siehe Neue Schikane). Die US-Sol­daten, die in auf dem angeblich von Manning wei­ter­ge­ge­benen Video bei der Tötung von zwölf Zivi­listen, dar­unter Jour­na­listen im Irak zu sehen sind, wurden bisher nicht bestraft.

Internationale Solidaritätskundgebungen für Manning

In zahl­reichen Ländern in den USA, aber auch in Groß­bri­tannien und Holland und Öster­reich finden am an diesem Wochenende Soli­da­ri­täts­ak­tionen für Bradley Manning statt. In Deutschland scheint es keine Aktionen zu geben. Zu den beiden Akti­ons­tagen haben das anti­mi­li­ta­ris­tisch Netzwerk Courage to Resist und die Ent­hül­lungs­plattform Wiki­leaks auf­ge­rufen.

Manning sitzt seit Mai 2010 in strenger Iso­la­ti­onshaft, weil er von den US-Behöröden beschuldigt wird, die Infor­ma­tionen aus den Kriegs­ge­schehen von Afgha­nistan und Irak an Wiki­leaks wei­ter­ge­geben zu haben, mit denen die Plattform und ihr umstrit­tener Gründer Julian Assange welt­be­kannt geworden sind. Doch während das Aus­lie­fe­rungs­ver­fahren gegen den Wiki­leaks-Gründer nach Schweden, bei dem es um Ver­ge­wal­ti­gungs­vor­würfe und nicht um Geheim­nis­verrat geht, weltweit beob­achtet wird, blieb es um Manning bisher ziemlich still.

Die Wochen­zeitung Freitag hat die unter­schied­liche Ver­teilung der Soli­da­rität in einigen Zahlen dar­ge­stellt:

»Während mehr als 600.000 Men­schen eine Online-Petition gegen die Ver­folgung Ass­anges unter­stützten, taten dies gerade einmal 50.000 für die Frei­lassung von Manning. Assange hat bei Facebook 75.000 Fans, die Kam­pagne save­bradley dagegen weniger als 25.000. Und die »Bradley Manning is a Hero!«-Gruppe hat nicht einmal 4000 Unter­stützer gefunden.«

Todes­strafe ange­droht

Dass sich künftig auch für Man­nings Schicksal mehr Men­schen zu inter­es­sieren beginnen, könnte auch an der US-Justiz liegen. Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen schlugen Alarm. Denn der Gefangene sei in seiner Zelle im Mili­tär­ge­fäng­nisses in Quantico im Bun­des­staat Vir­ginia total iso­liert. Er dürfe keinen Besuch emp­fangen, werde am Schlafen gehindert und dürfe seine Zelle nur eine Stunde am Tag ver­lassen, ver­melden ver­schiedene NGO. Sie befürchten, dass man den als hoch­in­tel­ligent ein­ge­stuften Gefan­genen in den Wahnsinn treiben will. Dass solche an die aus­ge­la­gerte US-Gefan­ge­ne­nen­klave Guan­tanamo erin­nernden Methoden auch innerhalb der USA und zudem noch unter der Obama-Admi­nis­tration, auf die viele Men­schen­rechtler große Hoff­nungen gesetzt hatten, ange­wandt werden, sorgt zumindest in den USA für Empörung.

Hinzu kommt die Ver­schärfung der Anklagen gegen Manning. Zu den 22 neuen Vor­würfen gehört auch das Delikt »Unter­stützung des Feindes«. Damit könnte den Gefan­genen damit sogar die Todes­strafe drohen (siehe Neue Schikane). Die US-Sol­daten, die in auf dem angeblich von Manning wei­ter­ge­ge­benen Video bei der Tötung von zwölf Zivi­listen, dar­unter Jour­na­listen im Irak zu sehen sind, wurden bisher nicht bestraft.

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​49495

Peter Nowak

Kein Journalismusersatz

Als PR-Profi in eigener Sache ist Julian Assange fast unüber­troffen. Schließlich hat es der Gründer von Wiki­leaks geschafft, diese Ent­hül­lungs­plattform innerhalb von wenigen Monaten weltweit bekannt zu machen. Spä­testens nach der Ver­öf­fent­li­chung der Afgha­nistan-Doku­mente und der unver­hoh­lenen Repres­si­ons­dro­hungen von füh­renden US-Ver­ant­wort­lichen galt Wiki­leaks in kri­ti­schen Kreisen als ein­samer Streiter für die Infor­ma­ti­ons­freiheit. Schnell war davon die Rede, dass Wiki­leaks im Inter­net­zeit­alter die Rolle der kri­ti­schen Medien über­nommen hat. Doch wer sich genauer mit der kurzen Geschichte von Wiki­leaks aus­ein­an­der­setzt, wird zu dem Schluss kommen, dass damit Jour­na­lismus kei­neswegs ersetzt oder gar über­flüssig wird. Ganz im Gegenteil ist die feh­lende jour­na­lis­tische Arbeit das größte Manko der Plattform.
So wäre es für Wiki­leaks ohne die Zusam­men­arbeit mit Spiegel, New York Times und Guardian gar nicht möglich gewesen, die Afgha­nistan-Doku­mente zu ver­öf­fent­lichen. Aller­dings wurden die Zei­tungen als Zuar­beiter höchstens in einer Fußnote erwähnt, während die Inter­net­plattform den allei­nigen Ruhm ein­heimste. Doch mitt­ler­weile zieht Wiki­leaks auch die Kritik nicht nur von Kreisen auf sich, die die Ver­öf­fent­li­chung der Doku­mente über den Afgha­ni­stan­krieg ablehnen. So kri­ti­sierten Amnesty Inter­na­tional gemeinsam mit wei­teren Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen, dass in den bei Wiki­leaks ver­öf­fent­lichten Doku­menten Klar­namen von Afghanen stehen, die mit den US-Militärs zusam­men­ge­ar­beitet haben sollen. Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen befürchten wohl nicht zu Unrecht, dass die Geouteten dadurch ins Visier von Isla­misten geraten könnten.
Assange erklärte dar­aufhin, es würden 700.000 Dollar gebraucht, um die 15.000 Kriegs­do­ku­mente aus Afgha­nistan von Namen und Daten zu berei­nigen, die Men­schen in Gefahr bringen könnten. Auf Twitter suchten die Wiki­leaks-Gründer die Schuld woanders: „Die Medien über­nehmen keine Ver­ant­wortung“, hieß es dort.
Doch die Kritik an den Ver­öf­fent­li­chungen von nicht oder schlecht redi­gierten Doku­menten und die Reaktion darauf zeigt einmal mehr, dass Wiki­leaks kein Ersatz für Jour­na­lismus ist. Die Plattform ist zudem auch gar nicht in der Lage, diese Rolle zu über­nehmen. Die Leistung von Wiki­leaks erschöpft sich in der Bereit­stellung einer tech­ni­schen Infra­struktur und guter Medi­en­arbeit in eigener Sache. Enga­gierten Jour­na­lismus hin­gegen zeichnet aus, dass er Doku­mente aus­wertet und auf­ar­beitet. Deshalb haben die viel­ge­schol­tenen Medien keinen Grund sich zum Zuar­beiter und Buhmann von Wiki­leaks degra­dieren zu lassen.

aus M, Men­schen Machen Medien 8/9 ‑2010

http://mmm.verdi.de/archiv/2010/08–09/kommentiert-aufgespiest

Peter Nowak

Verhaftete Recherchehelfer und selbstgemachte Verliese der Journalisten

Der Whist­leb­lower für Wiki­leaks wurde in den USA ver­haftet. In Berlin dis­ku­tierten Jour­na­listen über den Fall und die Fallen, in der Jour­na­listen sitzen, wenn es um Recherche geht
Die Inter­net­plattform Wiki­leaks machte inter­na­tional Furore, als sie ein bisher geheimes Video über einen Hub­schrau­ber­einsatz von US-Sol­daten, bei dem im Herbst 2007 im Irak auch Zivi­listen starben, ins Netz stellte. Auf dem Video ist zu sehen, wie zwei Foto­jour­na­listen von den Sol­daten getötet werden (siehe »Schieß weiter, schieß weiter, schieß weiter, keep shoot’n«). Einer, als er schon ver­wundet abtrans­por­tiert werden sollte, und sich die Sol­daten hin­terher beglück­wünschten.

Jetzt hat das Video für den 22jährigen US-Sol­daten Bradley Manning juris­tische Folgen. Er wurde fest­ge­nommen, nicht weil er an der Schie­ßerei beteiligt war, sondern weil er das Video und weitere als geheim klas­si­fi­zierte Infor­ma­tionen an Wiki­leaks wei­ter­ge­leitet haben soll. Ein ehe­ma­liger Hacker, dem er sich anver­traute, sah die nationale Sicherheit in Gefahr und infor­mierte die Behörden.

Der Fall machte einmal mehr die Gefahren deutlich, denen Men­schen auch in demo­kra­ti­schen Ländern aus­ge­setzt sind, wenn sie Miss­stände öffentlich machen. Aller­dings wurde dieser aktuelle Fall nur kurz erwähnt, bei der von der Linken Medi­en­aka­demie und dem Verein Helle Panke am Diens­tag­abend im Ber­liner Taz-Café orga­ni­sierten Dis­kus­si­ons­runde zum Thema [http://www.rosalux.de/stiftung/veranstaltungsdetail/cal/event/2010/06/08//tx_cal_phpicalendar/recherchieren-ist-eine-zier-mehr-verdient-man-ohne-ihr/view-list%7Cpage_id-20280.html« Recher­chieren ist eine Zier, mehr ver­dient man ohne ihr?«]. Unter dem Alias-Namen Daniel Schmitt saß das deutsch­spra­chige Gesicht von Wiki­leaks mit am Tisch. Die Plattform wolle eine Ergänzung zu den übrigen Medien sein, betonte er.

Sind die Neon­jour­na­listen das Problem?

Thomas Leif vom Netzwerk Recherche kon­ze­dierte ihr diese Rolle wider­willig und ging dabei hart mit jungen »Neon­jour­na­listen« ins Gericht, die lieber viele Seiten über das Wohl­fühlen in der Bade­wanne voll­schreiben, als sich gesell­schaft­lichen Pro­blemen zu widmen. Eine Publi­kum­s­teil­neh­merin mokierte sich dar­aufhin über die räso­nie­rende Alt­her­ren­runde, die den modernen Jour­na­lismus nicht ver­stehe. Leif verwies dagegen auf die von ihm initi­ierten Recher­ches­ti­pendien für junge Jour­na­listen.

Damit hätte man zu der Frage kommen können, ob die Arbeits­be­din­gungen der meisten Jour­na­listen zeit- und geld­auf­wendige Recherchen über­haupt zulassen. Sind nicht die auch in der Dis­kus­si­ons­runde als Vor­bilder für einen inves­ti­ga­tiven Jour­na­lismus erwähnten »Edel­federn« einiger großer Zei­tungen dafür das beste Bei­spiel, weil sie durch ihre beson­deren Arbeits­be­din­gungen die Zeit und das Geld haben, das der Mehrheit der weniger bekannten Kol­legen für auf­wendige Recherchen fehlt?

Christian Bom­marius von der Ber­liner Zeitung bejahte diese Frage mit seinen Verweis auf den Alltag im Zei­tungs­be­trieb, wo der Redak­ti­ons­schluss und die finan­zielle Mitteln die Grenzen setzen.

Leider musste Maria Knies­burge von der Gewerk­schafts­zeitung verdi-publik wegen einer Erkrankung ihre Teil­nahme an der Dis­kussion absagen. Sie hätte sicher einiges zu den über­wiegend pre­kären Arbeits­be­din­gungen der Medi­en­schaf­fenden, die viel­kri­ti­sierten Neon­jour­na­listen nicht aus­ge­nommen, sagen können. Viel­leicht hätte sie auch manche her­ab­las­sende Bemerkung über Jour­na­listen, die nur für ihr Honorar schreiben und der idea­lis­ti­schen Phrase vom Jour­na­lismus als Berufung statt Beruf mit Fakten gekontert. 
 http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​6​/​1​47783

Peter Nowak