Zu unkritisch bei der Willkommenskultur

Die Medien waren in der Bericht­erstattung über die Flücht­lings­krise mehr poli­ti­scher Akteur als neu­traler Beob­achter. Das ist das Fazit einer von dem Medi­en­wis­sen­schaftler Michael Haller erar­bei­teten Studie der Otto-Brenner Stiftung (OBS). Doch sie blendet die rechte Mobi­li­sierung gegenüber Geflüch­teten aus, über die auch Journalist_​innen berich­teten#

Das Cover der Studie zeigt ein Bild, das uns vor zwei Jahren sehr ver­traut war. Eine Rund­funk­jour­na­listin spricht in ihr Mikrophon während rund um sie Geflüchtete vor einer ver­schlos­senen Grenze stehen. Die Bild-Schlag­zeile: „Wie schaffen wir das bloß, Frau Merkel?“ wurde ein­mon­tiert. Die Studie unter­sucht ca. 30000 Medi­en­be­richte aus dem Jahr 2015. Ein­be­zogen sind die Print­medien FAZ, SZ, Welt und Bild, zahl­reiche Regional- und Lokal­zei­tungen sowie die Online­medien focus​.de, tages​schau​.de und Spiegel Online. „Wurde in den ana­ly­sierten Medien neutral über die Ereig­nisse berichtet? Trug die mediale Bericht­erstattung zu einer gesamt­ge­sell­schaft­lichen Erör­terung über die Will­kom­mens­kultur bei? Wer kam in den Medi­en­be­richten zu Wort? Das sind einige der zen­tralen Fragen der Studie. Es habe keine neu­trale Bericht­erstattung gegeben. Vielmehr hätten die Medien gemeinsam mit Wirt­schaft und Politik eine Stimmung erzeugt, die vorgab, die Geflüch­teten wären in Deutschland will­kommen. Zu Wort gekommen seien über­wiegend Politiker_​innen und Vertreter_​innen der Wirt­schaft, aber nicht die Bürger_​innen mit ihren Sorgen.

Genauer unter­sucht wird die im Herbst 2015 viel­zi­tierte „Will­kom­mens­kultur“ und ihr Bedeu­tungs­wandel the­ma­ti­siert. War mit dem Begriff zunächst ein zivi­li­sa­to­ri­scher Umgang mit Fremden ver­bunden, wurde er bald zu einem Branding für ein auf­ge­klärtes Deutschland, das sich als welt­offen, liberal und tolerant gibt. In der Studie wird von einem „positiv auf­ge­la­denen Schlagwort“ gesprochen. Dabei sei in der Bericht­erstattung oft aus­ge­blendet worden, dass der Anteil von ras­sis­ti­schem Gedan­kengut wei­terhin hoch ist. Wenn dann auch kon­ser­vative Politiker_​innen das Schlagwort von der Will­kom­mens­kultur benutzten und gleich­zeitig die Flücht­lings­ge­setze ver­schärften, werde deutlich, wie berechtigt die kri­ti­schen Ein­wände gegen die infla­tionäre Ver­wendung des Begriffs seien. Es wird auf­ge­zeigt, wie schnell ein solcher Begriff in den Medien Kritik und Ambi­va­lenzen aus­blende.

Doch die Schluss­fol­ge­rungen der Studie ver­dienen durchaus eine kri­tische Betrachtung: So wird behauptet, dass die Medien den Zielen der Ber­liner Regie­rungs­par­teien und der Industrie- und Arbeit­ge­ber­ver­bänden nach hoch­qua­li­fi­zierten Zuwan­derern mit ihrer Bericht­erstattung Rechnung getragen hätten. Der Zusam­menhang zwi­schen dem Mangel an Facharbeiter_​innen in Deutschland und dem Agieren der Medien in der Flücht­lings­krise wird aber in der Studie nicht belegt. Auch die Behauptung, dass es in den Medien über einen län­geren Zeitraum eine Schwei­ge­spirale über Pro­bleme mit der Zuwan­derung gegeben habe, wird nicht unter­mauert. Der Vorwurf mag für eine kurze Phase im Herbst 2015 seine Berech­tigung gehabt haben. Was aber in der Studie völlig aus­ge­blendet wird, ist die bereits 2015 ein­set­zende rechte Kam­pagne gegen Geflüchtete sowie gegen Politiker_​innen und Medien, die nicht für sofortige Grenz­schlie­ßungen ein­traten. Dass sich viel Journalist_​innen gegen diese rechte Stim­mungs­mache, von der sie selber – als Lügner bezeichnet – betroffen waren, in ihren Bei­trägen posi­tio­nierten und damit Haltung bewahrten, wird in der Studie leider nicht the­ma­ti­siert und sogar ange­griffen.

Nur die Hälfte der Medi­en­land­schaft abge­bildet

Cor­nelia Haß, Bun­des­ge­schäfts­füh­rerin der Deut­schen Jour­na­lis­tinnen- und Jour­na­listen-Union (dju) in ver.di, äußerte sich kri­tisch zu den Ergeb­nissen. Weil die Studie nur die Hälfte der Medi­en­land­schaft abbilde und die öffentlich-recht­liche wie private Rund­funk­land­schaft außer Acht lasse, sei sie nicht reprä­sen­tativ. „Für die doch sehr zuge­spitzten Ergeb­nisse hat man einen kleinen Aus­schnitt unter­sucht“, sagte Haß dem Evan­ge­li­schen Pres­se­dienst (epd) am Freitag. Als pro­ble­ma­tisch erachtet Haß zudem, dass aus­schließlich die nach­richtlich auf­be­rei­teten Berichte Eingang gefunden hätten in die Unter­su­chung: „Kom­mentare und Leit­ar­tikel gehören aber zur Bericht­erstattung und zur Cha­rak­te­ri­sierung der Medien dazu.“

aus:

Men­schen Machen Medien 21.Juli 20017

Zu unkri­tisch bei der Will­kom­mens­kultur

Peter Nowak

wei­terer Artikel zur Studie auf Tele­polis:

https://​peter​-nowak​-jour​nalist​.de/​2​0​1​7​/​0​7​/​2​2​/​z​u​-​u​n​k​r​i​t​i​s​c​h​-​g​e​g​e​n​u​b​e​r​-​d​e​r​-​w​i​l​l​k​o​m​m​e​n​s​k​u​ltur/

Zu unkritisch gegenüber der Willkommenskultur?

Und zu viel Ein­fühlung in die Wut­bürger bei den Medi­en­kri­tikern. Anmer­kungen zur Studie »Flücht­lings­krise in den Medien

Das Problem der im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung[1] erar­beitete Studie Die Flücht­lings­krise in den Medien[2] von Michael Haller[3] ist nicht ihre Kritik an der Kam­pagne zur Will­kom­mens­kultur (siehe Medi­en­arbeit zur »Flücht­lings­krise«: Über­heb­liche Päd­agogik prägt Information[4]), sondern ihr Ver­ständnis für die deut­schen Wut­bürger.

Das Cover zeigt ein Bild, das uns vor 2 Jahren sehr ver­traut war. Eine Rund­funk­jour­na­listin spricht in ihr Mikrophon, während rund um sie Geflüchtete vor einer ver­schlos­senen Grenze stehen. Die Bild-Zei­tungs-Schlag­zeile »Wie schaffen wir das bloß, Frau Merkel« wurde ein­mon­tiert. Die Studie unter­sucht ca. 30.000 Medi­en­be­richte aus dem Jahr. Ein­be­zogen sind die Print­medien FAZ, SZ, Welt und BILD sowie zahl­reiche Regional- und Lokal­zei­tungen und die Online-Auf­tritte focus​.de, tages­schau und Spiegel Online.

»Wurde in den ana­ly­sierten Medien neutral über die Ereig­nisse berichtet? Trug die mediale Bericht­erstattung zu einer gesamt­ge­sell­schaft­lichen Erör­terung über die Will­kom­mens­kultur bei? Wer kam in den Medi­en­be­richten zu Wort?« – Das sind einige der zen­tralen Fragen der Studie.

»Positiv auf­ge­la­denes Schlagwort«

Genauer in den Blick wird die im Herbst 2015 viel­zi­tierte »Will­kom­mens­kultur« genommen und ihr Bedeu­tungs­wandel the­ma­ti­siert. War mit dem Begriff zunächst ein zivi­li­sa­to­ri­scher Umgang mit Fremden ver­bunden, wurde er bald zu einem Branding für ein auf­ge­klärtes Deutschland, das sich als welt­offen, liberal und tolerant gibt. In der Studie wird von einem »positiv auf­ge­la­denen Schlagwort« gesprochen.

Dabei sei in der Bericht­erstattung oft aus­ge­blendet worden, dass der Anteil von ras­sis­ti­schem Gedan­kengut wei­terhin hoch ist, wie es Studien über »die ent­hemmte Mitte«[5] zeigen. Wenn dann auch kon­ser­vative Poli­tiker das Schlagwort von der Will­kom­mens­kultur benutzten und gleich­zeitig die Flücht­lings­ge­setze ver­schärften, wird deutlich, wie berechtigt die kri­ti­schen Ein­wände an der infla­tio­nären Ver­wendung des Begriff ist.

Es werden damit nicht die vielen Men­schen ange­griffen, die sich tat­sächlich für die Geflüch­teten ein­setzen. Es wird aber auf­ge­zeigt, wie schnell ein solcher Begriff in den Medien zu einer Marke für ein vor­geblich libe­rales, welt­of­fenes Deutschland wird, während gerade die Reste des Flücht­lings­rechts massiv ein­ge­schränkt werden.

Doch kri­tisch hin­ter­fragt werden sollte das arg öko­no­mis­tische Fazit der Studie, wenn es dort (auf Seite 79) heißt:

Die Ber­liner Regie­rungs­par­teien machten sich die Begehren der Industrie- und Arbeit­ge­ber­ver­bände zu eigen und suchten nach Wegen, wie Deutschland für hoch­qua­li­fi­zierte Zuwan­derer attrak­tiver gemacht werden kann.
Studie »Die Flücht­lings­krise in den Medien«

Nun ist es sicher nicht von der Hand zu weisen, dass in Deutschland Teile der Politik und vor allem der Wirt­schaft vor allem deshalb flücht­lings­freund­licher als Teile der Bevöl­kerung auf­treten, weil es diesen Mangel an Fach­ar­beitern in bestimmten Bereichen gibt. Es gibt von anti-ras­sis­ti­scher Seite schon lange eine Kritik daran, wenn betont wird, wie gut doch die Migration der deut­schen Wirt­schaft tut. Von »Nütz­lich­keits­ras­sismus« ist da auch die Rede.

Doch in der Studie wird die Auto­nomie der Migration negiert. Es waren die vielen Migranten, die sich auf dem Weg nach Europa nicht haben auf­halten lassen, die im Herbst 2015 die Akteure waren und nicht die deut­schen Wirt­schafts­ver­bände. Im Herbst 2015 hätte nur noch die Alter­native ange­standen, die Grenze zu Deutschland not­falls mit der Schuss­waffe zu ver­tei­digen oder eine begrenzte Öffnung durch­zu­setzen. Wer hier nur die öko­no­mi­schen Inter­essen betrachtet, ver­kürzt die Geschichte und negiert den Wider­stand der Migranten.


Die Mär von der Schwei­ge­spirale

Wenn Haller dann von einer Schwei­ge­spirale in den Medien über Pro­bleme mit der Zuwan­derung redet, sollte auch dieser nicht belegte Befund kri­tisch hin­ter­fragt werden. Er mag für eine kurze Phase im Herbst 2015 für manche liberale Medien noch Berech­tigung haben. Doch schon bald waren die Medien voll von den angeb­lichen oder tat­säch­lichen Pro­blemen der Migration.

Mitt­ler­weile ist Skepsis gegenüber der Migration auch in der Politik der poli­tische Nor­mal­zu­stand. Gleich zwei Bücher von Poli­tikern der SPD und der Grünen stellen aktuell tat­säch­liche oder ver­meint­liche Pro­bleme der Migration in den Mit­tel­punkt. Der lang­jährige Münchner Ober­bür­ger­meister Christian Ude[6] hat das Buch Die Alter­native oder Macht endlich Politik[7] ver­fasst und der grüne Tübinger Ober­bür­ger­meister Boris Palmer[8] testet mit seinem Buch mit dem pro­gram­ma­ti­schen Titel »Wir können nicht allen helfen«, die »Grenzen von Inte­gration und Belast­barkeit« aus.

Beide Bücher sind in kon­ser­va­tiven Medien mit Vor­schuss­lor­beeren bedacht worden, weil sie sich in unter­schied­lichem Maße für eine restrik­tivere Flücht­lings­po­litik aus­sprechen. Die Studie von Haller passt genau in dieses Schema.


Viel Ver­ständnis für die Wut­bürger

Was in der Studie aus­ge­blendet wird, ist die bereits im 2015 ein­set­zende rechte Kam­pagne gegen Geflüchtete sowie gegen Poli­tiker, die nicht für sofortige Grenz­schlie­ßungen ein­traten. Von Anfang an standen auch Jour­na­listen, die sich für zivi­li­sa­to­rische Stan­dards aus­sprachen, im Visier dieser Rechten. Das zeigt nicht nur die Parole von der »Lügen­presse«.

Oft wurden Medi­en­ver­treter, die nicht die Parolen der Wut­bürger ver­traten, direkt ange­griffen. Dass sich viele Jour­na­listen gegen diese rechte Stim­mungs­mache posi­tio­nierten und damit Haltung bewahrten, wird in der Studie leider nicht the­ma­ti­siert und sogar ange­griffen. Das liegt schon am merk­wür­digen Begriff der Neu­tra­lität, die in der Studie zu einer der Leit­fragen erhoben wurde.

Was bedeutet Neu­tra­lität, wenn Jour­na­listen darüber berichten sollen, wie in Tröglitz Wut­bürger gemeinsam mit bekannten Kadern der rechten Szene die Unter­bringung von Migranten ver­hindern wollen, die so viel Druck ausüben, dass schließlich der ehren­amt­liche Bür­ger­meister des Ortes zurücktrat, weil er massiv bedroht wurde[9]?

Heißt Neu­tra­lität im Hal­le­schen Sinne dann, den Rechten genau so viel Platz für ihre Welt­sicht ein­zu­räumen wie den Gegnern? Und was heißt Neu­tra­lität, wenn Jour­na­listen berichten, wie das EU-Abschot­tungs­system dafür sorgt, dass Migranten für ihren Transit auf gefähr­liche Boote ange­wiesen sind und dabei häufig ertrinken? Gehört es da nicht zu den auf­klä­re­ri­schen Funk­tionen von Medi­en­ver­tretern, genau diese Zusam­men­hänge dar­zu­stellen?

Dabei könnte der Teil der Studie, der das Schlagwort von der Will­kom­mens­kultur des­kon­struiert, eine gute Unter­stützung sein. Denn diese EU-Abschot­tungs­po­litik funk­tio­niert umso besser, je mehr die Kam­pagne zur Will­kom­mens­kultur ver­breitet wird. Das sind zwei Seiten der gleichen Medaille.

So hätte Hallers Studie eine wichtige Rolle im auf­klä­re­ri­schen Sinne sein können, wenn sie der medialen Kam­pagne zur Will­kom­mens­kultur die Rea­lität der Migranten und ihrer Unter­stützer gegenüber gestellt hätte, die in der Regel, was in der Studie am Rande erwähnt wird, selten zur Wort kommen.

Doch die Studie geht einen anderen Weg und zeigt viel Ver­ständnis für die Wut­bürger und ihre poli­ti­schen Stich­wort­geber. Dass bei­spiels­weise die ein­deutig ras­sis­ti­schen Wut­bürger von Tröglitz nicht genügend zu Wort kommen, wird als »ten­den­ziöse Bericht­erstattung« moniert. Schon im letzten Jahr hatte Haller in einem Interview[10] über die Auf­gaben von Medi­en­ver­treter in der Flücht­lings­krise mit dem NDR gesagt:

Die sollten sich auf das jour­na­lis­tische Handwerk besinnen und ihren kri­ti­schen Ver­stand ein­schalten. Also nicht gleich tolle Geschichten erzählen, nicht gleich mit einer steilen These los­ziehen, nicht nach­äffen und Vor­ur­teile bedienen. Sondern Infor­ma­tionen prüfen und aus­werten. Sach­ver­stand nutzbar machen. Nahe­lie­gende Fragen stellen. Hart­näckig bleiben, also die Fragen immer wieder stellen, bis sie von den Ent­scheidern hin­rei­chend beant­wortet sind. Und bei der Bewertung der Vor­gänge keinen Schaum vor dem Mund haben, sondern Augenmaß nehmen. Und nicht zuletzt: Die Sorgen auch der Spieß­bürger ernst und sich selbst weniger wichtig nehmen.
Michael Haller

Neben dem Pegida-Versteher[11] Werner Patzelt[12] reiht sich jetzt auch Haller in die Phalanx derer ein, die sich wis­sen­schaftlich in die Wut­bürger ein­fühlen wollen.

https://​www​.heise​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s​/​Z​u​-​u​n​k​r​i​t​i​s​c​h​-​g​e​g​e​n​u​e​b​e​r​-​d​e​r​-​W​i​l​l​k​o​m​m​e​n​s​k​u​l​t​u​r​-​3​7​8​0​7​1​0​.html

Peter Nowak
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[3] http://​www​.jour​na​lis​mus​for​schung​.de/​p​r​o​f​-​d​r​-​m​i​c​h​a​e​l​-​h​aller
[4] https://​www​.heise​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s​/​M​e​d​i​e​n​a​r​b​e​i​t​-​z​u​r​-​F​l​u​e​c​h​t​l​i​n​g​s​k​r​i​s​e​-​U​e​b​e​r​h​e​b​l​i​c​h​e​-​P​a​e​d​a​g​o​g​i​k​-​p​r​a​e​g​t​-​I​n​f​o​r​m​a​t​i​o​n​-​3​7​8​0​3​3​8​.html
[5] https://​www​.boell​.de/​s​i​t​e​s​/​d​e​f​a​u​l​t​/​f​i​l​e​s​/​b​u​c​h​_​m​i​t​t​e​_​s​t​u​d​i​e​_​u​n​i​_​l​e​i​p​z​i​g​_​2​0​1​6.pdf
[6] https://​www​.ran​dom​house​.de/​A​u​t​o​r​/​C​h​r​i​s​t​i​a​n​-​U​d​e​/​p​4​0​4​1​4​7.rhd
[7] https://​www​.ran​dom​house​.de/​P​a​p​e​r​b​a​c​k​/​D​i​e​-​A​l​t​e​r​n​a​t​i​v​e​-​o​d​e​r​:​-​M​a​c​h​t​-​e​n​d​l​i​c​h​-​P​o​l​i​t​i​k​/​C​h​r​i​s​t​i​a​n​-​U​d​e​/​K​n​a​u​s​/​e​5​2​1​2​9​6.rhd
[8] http://​www​.tue​bingen​.de/​p​almer
[9] http://​www​.taz​.de/​!​5​2​8​0395/
[10] http://​www​.ndr​.de/​f​e​r​n​s​e​h​e​n​/​s​e​n​d​u​n​g​e​n​/​z​a​p​p​/​S​t​u​d​i​e​-​u​e​b​e​r​-​W​i​l​l​k​o​m​m​e​n​s​k​u​l​t​u​r​-​i​n​-​d​e​n​-​M​e​d​i​e​n​,​h​a​l​l​e​r​1​1​2​.html
[11] https://​www​.heise​.de/​t​p​/​n​e​w​s​/​I​s​t​-​P​a​t​z​e​l​t​-​P​e​g​i​d​a​-​E​r​k​l​a​e​r​e​r​-​o​d​e​r​-​v​e​r​s​t​e​h​e​r​-​2​5​4​2​3​3​4​.html
[12] http://​wjpatzelt​.de/

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Interview mit Sputnik News

Der freie Jour­nalist Peter Nowak stimmt Haller zu, dass viele Pro­bleme hinter den Hymnen auf die „Will­kom­mens­kultur“ ver­schwunden sind.

„Die Kritik an der Metapher der deut­schen „Will­kom­mens­kultur“ würde ich teilen. Im Herbst 2015 wurde von der TAZ, der FAZ und anderen Medien dieser Begriff, der mora­lisch auf­ge­laden war, ver­stärkt benutzt. Viele Pro­bleme, die es gab, wurden einfach weg­ge­wischt. Es wurde so getan, als sei Deutschland ein einiges Volk von Leuten, die Migranten will­kommen heißen. Die Fakten, die auch von Umfragen bestätigt worden sind, dass es in Deutschland einen signi­fikant hohen Pro­zentsatz von Leuten mit frem­den­feind­licher Ein­stellung gab und gibt, wurden aus­ge­blendet. Es geht hier wohl­ge­merkt um die Mitte der Gesell­schaft und nicht um den rechten Rand. Wer dagegen argu­men­tierte oder andere Aspekte ein­brachte, galt als Spiel­ver­derber.“

Rich­tiger Ansatz, falsche Schlüsse

Auch damit, dass zumindest im Zeitraum August, Sep­tember, Anfang Oktober 2015 fast nur Poli­tiker in den Medien zu Wort kamen, die die „Will­kom­mens­kultur“ hoch­hielten, habe Haller Recht. Jedoch hätte Nowak sich, anders als Haller, nicht mehr Stimmen der soge­nannten „Wut­bürger“ gewünscht, sondern solche von betrof­fenen Migran­tinnen und Migranten.

ZDF-Mikro auf dem Tisch im Studio des zweit­größten deut­schen TV-Senders (Archivbild)
© AP PHOTO/ JENS MEYER
„Trau keinem von der Presse“ – Russ­lands Bild in deut­schen „Leit­medien“ im Gespräch
„Haller hat damit Recht, dass viele Akteure nicht zu Wort kamen, aber man muss jetzt nicht, wie in der Studie, in erster Linie die Kom­munen oder die rechten Wut­bürger nehmen. Wer auch nicht zu Wort kam, waren die Migranten selbst. Und wenn, dann kamen sie zu Wort als dankbare Leute, die Hilfe bekommen haben, teil­weise standen auch ihre schlimmen Erleb­nisse im Vor­der­grund. Aber ihre Bedürf­nisse und ihre Kritik – wenn sie wochenlang in Heimen leben oder stunden- und tagelang für Asyl­an­träge anstehen mussten – wurden oft aus­ge­blendet. Es wurde als Meckerei oder Undank­barkeit gesehen.“
In der Studie sei viel zu klein­teilig auf Ein­zel­fälle wie den kleinen säch­si­schen Ort Tröglitz ein­ge­gangen, wo „besorgte Bürger“ gegen die Unter­bringung von Flücht­lingen mobil gemacht hatten – später habe sich raus­ge­stellt, dass dahinter orga­ni­sierte rechte Struk­turen gestanden hätten.

„Sie haben dann auch Migranten in Bussen ange­griffen, die Bilder gingen um die Welt. Ört­liche Poli­tiker sind mit Mord­dro­hungen unter Druck gesetzt worden, der ehren­amt­liche Bür­ger­meister ist zurück­ge­treten. Die Studie kri­ti­siert, dass der Bür­ger­meister und die Leute, die ihn ver­teidigt haben, zu stark zu Wort gekommen sind und nicht die besorgten Bürger. Ich fände es fatal, wenn die Rechten zu Wort gekommen wären. Es war aber Pres­se­arbeit im auf­klä­re­ri­schen Sinne, dass eben gezeigt wurde, wer eigentlich hinter diesen besorgten Bürgern steht. Dass das in der Studie aber nicht gewürdigt und von einer Kam­pagne gegen die Bürger gesprochen wurde, wider­spricht dem Anspruch von Haller, dass Medi­en­ver­treter auf­klären statt alles nach­plappern sollen.“

Auch von einer „Schwei­ge­spirale“, die sys­te­ma­tisch Pro­bleme von Migration unten halten sollte, könne nicht die Rede sein, so Nowak.

„Sinnvoll wäre es gewesen, über diese Betrof­fen­heits­sache, die in der Kam­pagne der Will­kom­mens­kultur mit drin­steckte, zu den Flucht­ur­sachen über­zu­gehen“, schluss­folgert der freie Jour­nalist. „Da war aber nicht die Neu­tra­lität das Problem, sondern die medialen Mög­lich­keiten, finan­zi­eller wie orga­ni­sa­to­ri­scher Art, um solche Pro­jekte über­haupt zu bewerk­stel­ligen. Es gibt ein Paar gute Bei­spiele, wo Jour­na­listen mit För­derung von Stif­tungen nach Afrika fahren, in die Länder, wo die Migranten her­kommen und dort mit Ange­hö­rigen von Men­schen reden, die ums Leben gekommen sind. Das wäre so eine For­derung an die Medien, diese Zusam­men­hänge deutlich zu machen.“


https://​de​.sput​niknews​.com/​p​o​l​i​t​i​k​/​2​0​1​7​0​7​2​8​3​1​6​7​9​4​3​3​1​-​f​a​k​e​-​n​e​w​s​-​i​n​-​r​e​c​h​t​s​e​x​t​r​e​m​i​s​m​u​s​-​s​t​udie/