Bald sollen umfangreiche Sanierungsarbeiten auf dem Gelände beginnen. Dafür läuft die Kampagne für die Direktkredite weiter. Aber auch der Kampf gegen rechts kennt keine Pause. Am Vorabend des Wahltags, am 5. September, ruft die Reil78 zur Demo in Halle auf. Das Motto ist auch der Leitspruch de Hausprojekts: „Antifa bleiben“
Seit einer Woche ist der Kaufvertrag für das linke Hausprojekt in Halle an der Saale unter Dach und Fach: „Nach vielen Jahren Vorbereitung und starken Bangen haben wir es geschafft, wir stehen im Grundbuch“, sagt Ingeborg Bauer und freut sich. Über Monate hatte die Initiative …
Der Fokus auf dem Kampf gegen die AfD soll die herrschende Politik stärken. Doch längst wenden sich junge Menschen von der staatstragenden Antifa ab. Sie wenden sich auch von Merz, Pistorius und Co. ab.
Die Botschaften von Jakob Springfeld ein hoffnungsvolles Zeichen. Nicht alle wollen mehr die Staffage für einen staatlich begrenzten Kampf gegen Rechts in Zeiten, in denen Deutschland kriegstüchtig gemacht wird. Sie wollen sich nicht zwischen Höcke, Siegmund, Pistorius, Özedmir und Merz entscheiden müssen. Sie wollen eine wirkliche Alternative, die aber müssen sie sich erkämpfen.
Dieser Tage wird es als großer Kampf für die Demokratie in Deutschland gefeiert, dass der Ministerpräsident von Thüringen Mario Voigt trotz der Aberkennung seines Doktortitels mit großer Mehrheit im Thüringischen Landtag bestätigt wurde. Auch Linke und große Teile des BSW stellten sich hinter Voigt. Die AFD hatte das Misstrauensvotum im Thüringischen Landtag eingebracht und als Alternative stand nur deren Rechtsausleger Björn Höcke auf dem Stimmzettel. Dass diese Alternative für viele nicht in Frage kam, war nur zu verständlich. Doch warum haben nicht mehr Abgeordnete ungültige Stimmen abgegeben? …
Unabhängig vom Wahlausgang werde die Reilstraße auch weiterhin ein Ort bleiben, wo antifaschistische Gegenkultur und Zivilgesellschaft zusammenkommen. So steht am 4. September ein Konzert der antifaschistischen Band ZSK auf dem Plan, und eine Woche später öffnet die denkmalgeschützte Villa ihre Türen zum »Tag des offen Denkmals«, nennt Schmitt gegenüber »nd« ein Beispiel für die Bandbreite der Veranstaltungen in der Reilstraße 78.
»Die Häuser denen, die sie nutzen« – diese alte Parole der Instandbesetzerinnenbewegung prangt auf der Homepage der Reilstraße 78 in Halle (Saale). Das wird auch so bleiben. Ihr Spendenaufruf hatte Erfolg. »Nun haben es die Nutzerinnen geschafft und stehen …
Die AfD greift bei den Landtagswahlen im Osten nach der absoluten Mehrheit. Politikwissenschaftler Thomas Biebricher versteht ihren Aufstieg als Klassenprojekt der Elite. Warum ist für ihn der Faschismus-Begriff der falsche? Ein GesprächT
Thomas Biebricher, Jahrgang 1974, lehrt als Heisenberg-Professor für Politikwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zuvor war er unter anderem an der University of Florida und der Copenhagen Business School tätig. Seine Forschung befasst sich mit politischer Theorie – und den Ursachen und Inhalten neoliberaler Politik sowie dem neuem autoritärem Rechtsradikalismus
Die Bundesrepublik wartet auf den Sachsen-Anhalt-Schock. Und fragt sich weiterhin, wie es passieren konnte, dass eine Partei wie die AfD bundesweite Umfragen anführt und bei den anstehenden Landtagswahlen im Osten sogar nach der absoluten Mehrheit greift. Vergleichbare Entwicklungen und Diskussionen finden auch in vielen anderen westlichen Ländern statt – der Freitag hat unter anderem Paul Mason und Jason Stanley dazu befragt.
Auch Thomas Biebricher, Politik-Professor in Frankfurt, befasst sich seit langem mit diesen neuen rechten Kräften – und betont die sozio-ökonomische Dimension ihres Aufstiegs: Obwohl sie teils auch unter Lohnabhängigen Unterstützung finden, seien diese Kräfte als „Klassenprojekt“ aus Teilen der wirtschaftlichen Elite zu verstehen. Das ist auch die These des Sammelbands Oben rechts. Rechtspopulismus als Klassenprojekt, den er jüngst im Suhrkamp-Verlag mitherausgegeben hat. Darüber und über die Frage, was aus dieser Analyse zu folgern ist, hat sich Peter Nowak für den Freitag mit ihm unterhalten.
Der Freitag: Sie haben in diesen Buch und auch in einem Gespräch im Dissens-Podcast gesagt, dass die aktuelle Rechtsentwicklung ein Klassenprojekt reicher Unternehmer und ihrer Unterstützer ist. Können Sie diese These genauer erläutern? …
Der jüngste britische Soziologieprofessor Jason Arday wurde Opfer einer rassistischen Hetzkampagne. Sein Tod zeigte aber auch die Hilflosigkeit eines liberalen Antirassismus, der ihn nicht verteidigte.
Das zumindest lässt sich an dem traurigen Ende von Jason Arday sagen: Die Zeiten sind vorbei, wo sich Minderheiten einfach an den ihnen zugewiesenen Platz in der Gesellschaft stellen ließen. Sie kämpfen dafür, überall und auch an den Hochschulen vertreten zu sein Das ist ein Stück Emanzipation für die gesamte Gesellschaft. Denn mit diesen Minderheiten werden auch deren Perspektiven im Wissenschaftsbetrieb gehört. Der Fall Jason Arday zeigt aber auch, dass dieser Kampf noch immer Opfer kostet. Und er macht deutlich, dass Linksliberale in diesen Kampf keine verlässlichen Verbündeten sind.
Jason Arday ist hierzulande sicher vielen erst bekannt geworden, als die Kampagne gegen ihn schon begonnen hatte. Eine wichtige Rolle spielte dabei der bekennende Rassenrealist …
Der jüngste britische Soziologieprofessor Jason Arday wurde Opfer einer rassistischen Hetzkampagne. Sein Tod zeigte aber auch die Hilflosigkeit eines liberalen Antirassismus, der ihn nicht verteidigte. Das Mobbing gegen Schwarze Akademiker*innen vor allem mit aktivistischem Hintergrund ist für die Rassenrealisten ein Beitrag zur Verteidigung dieser alten kolonialistischen Ordnung.
Jason Arday ist hierzulande sicher vielen erst bekannt geworden, als die Kampagne gegen ihn schon begonnen hatte. Ausgelöst wurde sie von dem bekennenden Rassenrealisten Nathan Cofnan, der deswegen sogar die Hochschule wechseln musste. Er bezichtigte Arday des …
Georg Seeßlen: Elon Musk: Der dunkle Visionär Geld, Frauen, Pop und Tech-Faschismus Bertz + Fischer, Berlin 2025 352 Seiten, 22 Euro ISBN 978-3-86505-781-5
Ayn Rand, Milei und Musk haben Fans bis in die FDP und ihre Jugendorganisation. Deshalb sollte uns auch nicht in erster Linie die Frage beschäftigten: „Wie verrückt ist Elon Musk?“ So lautet eine Kapitelüberschrift in dem Buch. Eher wäre doch zu fragen: Ist der Muskismus nicht eine Periode des Spätkapitalismus wie vor 100 Jahren der Fordismus? Dessen Namensgeber war der Antisemit und Hitler-Finanzier Henry Ford.
Wer regelmäßig Zeitung liest, kennt Georg Seeßlen wegen sei- ner kulturkritischen Texte. Er publiziert regelmäßig in Taz, Freitag, Jungle World, Zeit und anderen Medien. Der Aufstieg des Trumpismus ist seit Jahren Gegenstand seiner Artikel. So ist es nicht verwunderlich, dass Seeßlen innerhalb weniger Monate gleich zwei Bücher im Verlag Bertz und Fischer veröffentlicht hat, die sich mit …
Reinhard Strecker wurde Anfang der 1960er angefeindet, weil er auf die vielen ehemaligen Nazis in der BRD aufmerksam machte. Kur vor seinen Tod bekam er noch Anerkennung. Auch wenn Strecker 2025 sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, blieb er bis zum Schluss unversöhnt mit Deutschland. „Nach all der Diffamierung und der Hetze gegen ihn, für die sich nie jemand entschuldigt hat, wird daraus wohl auch nichts mehr werden“, zitierte ihn der Journalist Michael Sontheimer 2019 im Spiegel.
„Die Freie Universität trauert um Reinhard Strecker, der am 2. August 2026 im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorben ist“. So würdigt die FUB in einem Nachruf einen Pionier der NS-Aufarbeitung. Es ist eine späte Würdigung. Denn 1960 durfte die Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ auf Druck des Berliner Senats nicht …
Der Antifaschismus war Strecker noch im hohen Alter ein wichtiges Anliegen. So war er persönlich in Slonsk anwesend, als 2015 in der westpolnischen Kleinstadt ein Gedenkort für das ehemalige NS-Konzentrationslager Sonnenburg eröffnet wurde. Weil es vom nahen Bahnhof aus Transportschwierigkeiten gab, trampte Strecker nach Slonsk und war so als Erster vor Ort.
»Die Freie Universität trauert um Reinhard Strecker, der am 2. August 2026 im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorben ist.« So würdigt die FU in einem Nachruf einen Pionier der NS-Aufarbeitung. Es ist eine späte Würdigung. Denn 1960 durfte die Ausstellung »Ungesühnte Nazijustiz« auf Druck des Berliner Senats nicht …
An der Freien Universität Berlin, wo er Sprachwissenschaften studierte, fand Strecker Gleichgesinnte. Gemeinsam untersuchten sie die personellen Kontinuitäten ehemaliger Nazijuristen in der westdeutschen Justiz. Ihre Recherchen mündeten in die Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“, die Anfang der 1960er-Jahre für großes Aufsehen und heftige Anfeindungen sorgte
In den vergangenen Jahren wurde es stiller um Reinhard Strecker. Dabei verfolgte er bis ins hohe Alter mit Sorge den Aufschwung neuer rechter Bewegungen. Als „Pionier der NS-Aufarbeitung“ kämpfte er jahrzehntelang gegen die alten Nazis in westdeutschen Institutionen. Als Jugendlicher verließ Strecker Deutschland mit dem festen Vorsatz, nie in das Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Ära zurückzukehren, das die NS-Verbrechen totschwieg. Auf Drängen seiner Eltern kehrte er in den 1950er-Jahren doch in die BRD zurück. Bald erkannte er, dass er …
Rund 150 Linke kamen im Wendland zu Diskussion und Austausch über effektive Formen antimilitaristischen und antifaschistischen Widerstands zusammen.
Gut vertreten waren zudem Aktivist*innen vom ehemaligen Infoladen Bankrott, die in Münster in den 90er Jahren eine wichtige Rolle beim Aufbau eines zapatistischen Netzwerkes spielten. Auf dem Treffen informierten sie über die aktuelle Situation der zapatistischen Bewegung in Mexiko. Auch über Möglichkeiten der weiteren Solidarität mit der zapatistischen Bewegung wurde intensiv diskutiert.
Wer am Wochenende im Wendland-Dörfchen Meuchefitz zu den Rebell*innen wollte, musste sich auf die Suche machen. An der Bushaltestelle Küsten – Meuchefitz ist ein Ortsteil dieser Gemeinde – gab es kein Plakat und auch sonst keinen Hinweis darauf, dass sich zwei Kilometer weiter Linke aus der ganzen Republik und auch aus dem Ausland treffen wollten. Der Ort und das Gasthaus Meuchefitz sind gleichwohl in der Region und darüber hinaus …
Max Lucks wurde 1977 in Gelsenkirchen geboren. Von 2017 bis 2019 war er Sprecher der Grünen Jugend. Seit September 2021 ist er für die Grünen Abgeordneter im Deutschen Bundestag. In seiner Fraktion ist er Sprecher für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Er wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet.
Nach dem islamistisch motivierten Anschlag auf den Berliner CSD ist eine hitzige Debatte über den Umgang der Linken mit dem Islamismus entbrannt. Kabarettist Florian Schroeder warf der deutschen Linken im Freitag vor, den Islamismus zu verharmlosen und zu schnell auf die Rechten zu zeigen. Der Grünen-Politiker Max Lucks, menschenrechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion, widerspricht dieser Kritik nicht. Doch zählt er auch seine eigene Partei zu den Verharmlosern? Ein Gespräch.
der Freitag: Herr Lucks, der Kabarettist Florian Schroeder warf der Linken nach dem Anschlag auf den CSD vor, den Islamismus zu verharmlosen. Fühlen Sie sich angesprochen? …
Nach der Attacke auf den CSD wirft Kabarettist Florian Schroeder in einem TikTok-Video Teilen der Linken vor, den politischen Islam über Jahre romantisiert zu haben. Was hat er gesehen, was andere angeblich nicht sehen wollten? Ein Gespräch
Florian Schroeder (geboren am 12. September 1979 in Lörrach) ist Kabarettist, Autor und Moderator. Bekannt wurde er mit Prominenten-Parodien und politischer Satire, unter anderem in eigenen TV- und Radioformaten sowie beim „Politischen Aschermittwoch der Kabarettisten“. 2021 erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis, 2024 den Bayerischen Kabarettpreis.
Florian Schroeder gilt als einer der besten politischen Kabarettisten des Landes – klar links verortet und stets angriffslustig gegen rechts. Nach dem Anschlag beim CSD hat er nun ausgerechnet die eigene Szene ins Visier genommen: In einem TikTok-Video wirft er Teilen der Linken vor, auf dem islamistischen Auge blind zu sein und den politischen Islam über Jahre hinweg romantisiert zu haben.
Der Vorwurf löste heftige Gegenreaktionen aus – Zustimmung und Empörung hielten sich die Waage. Was hat den Kabarettisten dazu gebracht, mit den eigenen Leuten so hart ins Gericht zu gehen? Der Freitag hat bei Schroeder nachgefragt. …
Wie Danger Dan und Uwe Steimle an die Grenzen der Kunstfreiheit stießen. Unterstützung brauchen jedoch die vielen gecancelten Künstler, über die kaum jemand redet.
Wer sich für die wirklichen Opfer der autoritären Wende in Deutschland auch im Kunstbetrieb interessiert, der kann den Newsletter des Berliner Künstlers Thomas Kilpper studieren. Er arbeitet mit künstlerischen Mitteln und benennt Menschen, die wirklich gecancelt wurden und die von einen Danger Dan und einen Uwe Steimle bestimmt keine Unterstützung bekommen.
Etwas Besseres hätte dem HipHoper Danger Dan nicht passieren können, als dass er von der linksliberalen ZDF-Sendung “Die Anstalt“ aus politischen und nicht aus ästhetischen Gründen ausgeladen wurde. Denn bei dem Song …
Helge Döhring (Hg.): „grosse, schöne, unvergessliche Tage“. Verlag Edition AV 2026. 88 Seiten. ca. SFr. 23.00. ISBN: 978-3-86841-362-5. Infos zur Filmreihe A las Barricadas!
Ein Buch und eine Filmreihe geben einen Einblick und benennen auch die Widersprüche.ass die Widersprüche in der spanischen Linken zwischen 1936 – 1939 komplizierter waren und sich nicht in dem Gegensatzpaar autoritäre versus antiautoritäre Linke auflösen, erfahren wir in den Berichten der Zeitzeug*innen. Da erzählt Heinrich Friederitzky, wie er als junger Anarchosyndikalist mit einem Freund über eine KP-nahe Organisation die Reise nach Spanien antrat, weil ihre eigene Organisation dazu nicht in der Lage war. Ihr Plan, sich dann schnell zur anarchistischen Brigade Durruti abzusetzen, liess sich dann nicht umsetzen
Am 19. Juli 1936 begann in Spanien der rechte Militärputsch gegen eine linke Volksfrontregierung, der den Bürgerkrieg auslöste, in den das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien aufseiten der Putschisten eingriffen. Das ist die offizielle Erzählung über das, was sich vor 90 Jahren in Spanien zugetragen hat. „Was heisst Bürgerkrieg, für mich war es die Spanische Revolution“, sagte Heinrich Friederitzky, der sich als Anarchosyndikalist am Kampf in Spanien beteiligt hatte. Er gehört zu den 12 Anarchosyndikalist*innen, die in dem kürzlich im Verlag Edition AV veröffentlichten Buch „grosse schöne unvergessliche Tage“ natürlich pünktlich zum 90-Jahrestag erschienen ist. Er gehörte zu den 12 Zeitzeug*innen, die zwischen …