Noch nicht Geschichte

VVN-Kon­ferenz mahnt

In ein­dring­lichen Worten beschwor der 90-jährige Volkmar Har­nisch die Anwe­senden, dem Auf­stieg einer neuen rechts­po­pu­lis­ti­schen Bewegung in Deutschland ent­gegen zu treten. Er war 1944 im Alter von 17 Jahren von den Nazis inhaf­tiert worden. Am Frei­tag­abend eröffnete er in der TU Berlin eine Kon­ferenz der Ver­ei­nigten der Ver­folgten des Nazi­re­gimes – Bund der Anti­fa­schis­ti­schen (VVN-BdA). Unter dem Titel »Deutschland wieder gut­ge­macht?« befasste sie sich mit dem Wandel der Erin­ne­rungs­po­litik an das NS-Régime. Har­nisch ist einer der wenigen noch lebenden Wider­stands­kämpfe

Wie wird eine Erin­ne­rungs­po­litik ohne die Zeit­zeugen aus­sehen? Das ist eine Frage, die sich auch der Leiter der KZ-Gedenk­stätte Neu­en­gamme Detlef Garbe in seinem Ein­füh­rungs­re­ferat stellte. Er warnte vor einem »Auf­ar­bei­tungs­stolz« deut­scher Poli­tiker, die eine neue Rolle Deutsch­lands in der Welt­po­litik damit begründen, dass das Land sich der NS-Geschichte vor­bildlich gestellt habe. Garbe erin­nerte daran, dass bis in die 1980er Jahre der Kampf um Erin­ne­rungsorte von NS-Terror und Ver­folgung eine Aufgabe zivil­ge­sell­schaft­licher Orga­ni­sa­tionen war und von der Politik oft igno­riert oder gar sabo­tiert wurde. Er betonte, Gedenk­po­litik müsse auch wei­terhin poli­tisch ver­un­si­chern. Wenn die AfD in den Bun­destag ein­ziehe, stünden ihr auch Sitze in Kom­mis­sionen zu, die sich mit Gedenk­po­litik befassen. Zudem beklagte der His­to­riker dar­aufhin, dass der Etat für die Auf­ar­beitung der DDR-Geschichte größer sei als für die Erin­nerung an den NS-Terror. Der Publizist Wolfgang Herzberg wie­derum, der als Kind jüdi­scher Kom­mu­nisten im bri­ti­schen Exil geboren wurde, ver­wahrte sich in einer enga­gierten Rede gegen die Gleich­setzung der DDR mit dem NS-Régime.

In einer von der His­to­ri­kerin Cor­nelia Siebeck mode­rierten Podi­ums­dis­kussion ging es dann um die Frage, wie eine Erin­ne­rungs­po­litik aus­sehen kann, die in die aktuelle Politik kri­tisch inter­ve­nieren will. Nach dem Tod der letzten Zeit­zeugen befürchtet sie eine His­to­ri­sierung des Faschismus. Der Publizist und Jurist Kamil Majchrzak verwies in diesem Kontext auf die Ver­ant­wortung der dritten Generation, der Kinder und Enkel von NS-Opfern und Wider­stands­kämpfern. Dabei griff er eine Dis­kussion auf, die in Israel schon einige Jahre geführt wird. Majchrzaks Groß­vater war NS-Wider­stands­kämpfer und KZ-Häftling. Dessen Erfah­rungen hätten auch ihn geprägt.

Für Anne Allex von der AG »Mar­gi­na­li­sierte gestern und heute« ist Geschichte der Ver­folgung in der NS-Dik­tatur noch längst nicht voll­ständig erforscht. Sie wies dar­aufhin, dass Men­schen, die von den Nazis als »arbeits­scheu« und »asozial« klas­si­fi­ziert wurden, bis heute keine Ent­schä­digung erhalten haben und in den Nach­kriegs­jahren oft weiter ver­folgt wurden. Der Wis­sen­schaftler Stefan Heinz, der in einem For­schungs­projekt der FU Berlin über das Schicksal von Gewerk­schaftern und Gewerk­schaf­te­rinnen im NS-Staat mit­ar­beitet, ist der Über­zeugung, dass vor allem die Wider­stands­ge­schichte der Arbei­ter­be­wegung gegen die Hit­ler­dik­tatur noch nicht aus­ge­forscht sei.

Die gut­be­suchte Kon­ferenz machte deutlich, dass die Gruppe jener wächst, die sich gegen Ver­suche stemmt, die Erin­ne­rungs­po­litik an die Ver­brechen des NS-Staates als ver­gangene Geschichte zu betrachten.

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​6​3​3​0​0​.​n​o​c​h​-​n​i​c​h​t​-​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​.html

Peter Nowak

Unvergessen

Tagungsnotizen

»Dein unbe­kannter Bruder« lautet der Titel einer DEFA-Pro­duktion über den kom­mu­nis­ti­schen Wider­stand gegen Hitler in Hamburg. 1982 wurde er von der DDR für die Film­fest­spiele in Cannes nomi­niert, dann aber zurück­ge­zogen und aus dem Kino­pro­gramm gestrichen. Ein Fall von Zensur der SED? So einfach lässt sich der Vorgang nicht erklären, meint Schau­spieler Uwe Kockisch, der im Film die Haupt­rolle spielte. Ehe­malige Wider­stands­kämpfer hätten moniert, dass ihr Kampf falsch dar­ge­stellt sei. Kokisch inter­pre­tierte dies als Streit von Genera­tionen um Geschichts­bilder. Der Film wurde zum Auftakt einer Kon­ferenz im Ber­liner Haus der Demo­kratie gezeigt, die sich mit Per­spek­tiven einer Erin­ne­rungs­kultur des Arbei­ter­wi­der­stands befasste. Hans Coppi von der Ver­ei­nigung der Ver­folgten des Nazi­re­gimes-Bund der Anti­fa­schisten (VVN-BdA) stellte die Frage, ob und wie sich diese wandle, wenn kaum noch Zeit­zeugen leben. Zum Guten oder Schlechten?

Sabine Kritter von der Gedenk­stätte Sach­sen­hausen regis­trierte bereits in den letzten Jahren einen Para­dig­men­wechsel in der Gedenk­stät­ten­päd­agogik. In Abgrenzung zur Geschichts­po­litik der DDR werde der Fokus nun auf bisher mar­gi­na­li­sierte Opfer­gruppen gelegt. Dazu gehören Men­schen, die als soge­nannte »Aso­ziale« oder wegen sexu­eller Anders­ar­tigkeit ver­folgt worden sind. Der akti­vis­tische Wider­stand hin­gegen sei in den Hin­ter­grund getreten. Kritter gab zudem zu bedenken, dass im Alltag vieler Jugend­licher der Arbei­ter­wi­der­stand nicht mehr präsent sei. Auch der Geschichts­di­dak­tiker Martin Lücke bezwei­felte, dass jener noch eine besondere Rolle in der Wis­sens­ver­mittlung über Oppo­sition und Wider­stand gegen die NS-Dik­tatur ein­nehme. Ihm wider­sprach der an der FU Berlin leh­rende Poli­tik­wis­sen­schaftler Stefan Heinz. Er verwies auf jüngste For­schungen , durch die deutlich geworden sei, dass der Wider­stand gegen das NS-Régime in Gewerk­schafts­kreisen größer als bisher ange­nommen gewesen ist.

Sodann stellten junge His­to­riker und junge Gewerk­schafter Pro­jekte vor, die sich mit dem Arbei­ter­wi­der­stand befassen. Dazu gehört die von der Ber­liner VVN-BdA initi­ierte, ehren­amtlich wir­kende Arbeits­gruppe »Fragt uns, wir sind die letzten«; fünf Bro­schüren mit Inter­views sind von ihr bisher erschienen. Der Bezirks­ju­gend­se­kretär der IG Metall-Jugend Berlin-Bran­denburg-Sachsen Christian Schletze-Wischmann infor­mierte über eine bio­gra­fische Video­reihe junger Gewerk­schafts­mit­glieder. Die His­to­ri­kerin Bärbel Schindler-Saefkow wie­derum berichtete über den langen Weg bis zur Errichtung eines Denkmals für den Arbei­ter­wi­der­stand in den Askania-Werken in Berlin Mari­en­felde. Dabei betonte sie die posi­tiven Erfah­rungen mit Jugend­lichen einer nahe gele­genen Schule. Prak­tische Bei­spiele also, die demons­trieren, dass sich die heutige Jugend sehr wohl inter­es­siert.

Peter Nowak

Nachholende Würdigung

Auf den Spuren ver­folgter Gewerk­schaf­te­rInnen

Rezension von Peter Nowak

Gewerk­schaf­te­rInnen gehörten mit zu den ersten, die von den Nazis ver­folgt wurden. Oft waren sie Polizei und Unter­nehmen schon in der Wei­marer Zeit ver­dächtig, besonders wenn sie sich für die Rechte ihrer Kol­legen aktiv ein­setzten. Die Ver­fol­gungs­be­hörden konnten also oft auf schon ange­legte Akten zurück­greifen. Doch nach 1945 wurde ver­folgten Gewerk­schaftern in der Regel kaum gedacht. Sie enga­gierten sich, wenn sie überlebt hatten, in Antifa-Aus­schüssen und bei den Neu­grün­dungen der Gewerk­schaften. Oft starben sie jedoch infolge der Ent­beh­rungen von Ver­folgung und KZ-Haft oder schlicht auf­grund der schlechten Lebens­ver­hält­nisse von Arbei­te­rInnen jung.

Daher ist es besonders ver­dienstvoll, dass seit einigen Jahren an der Freien Uni­ver­sität Berlin das For­schungs­projekt „Gewerkschafter/​innen im NS-Staat. Ver­folgung – Wider­stand – Emi­gration“ den oft namen­losen ver­folgten Gewerk­schaf­te­rInnen ein Gesicht gibt.

Das Projekt geht maß­geblich auf die Initiative des inzwi­schen eme­ri­tierten Politik-Pro­fessors Sieg­fried Mielke zurück. Ihn hat gestört, dass gewerk­schaft­licher Wider­stand – wenn über­haupt wahr­ge­nommen – in der öffent­lichen Erin­ne­rungs­kultur zum Thema Wider­stand gegen das NS-Régime eine Neben­rolle spielt. Im Rahmen des Pro­jekts sind unter
Ein­be­ziehung einer Reihe Nach­wuchs­wis­sen­schaft­le­rI­innen und Stu­die­render

mehrere Publi­ka­tionen zum Thema Wider­stand und Ver­folgung von
Gewerk­schaf­tern­Innen aus ver­schie­densten Berufen ent­standen. Einige
Studien werden in den nächsten Jahren folgen, z. B. zum Wider­stand von
Ange­stellten, Eisen­bahn­ge­werk­schaftern, Tex­til­ar­beitern,
Poli­zei­ge­werk­schaftern. Einer der Nach­wuchs­wis­sen­schaftler ist der Diplom­po­li­tolge Stefan H
einz. Gegenüber express begründet er seine Moti­vation an der Teil­nahme an dem Projekt so:

„Es ist wichtig und letztlich eine poli­tische Ange­le­genheit, den bisher ver­kannten Umfang und die kaum wahr­ge­nommene Inten­sität von Wider­stand, Ver­folgung und Emi­gration von
Gewerkschaftern/​innen unter­schied­lichster poli­ti­scher Rich­tungen zu
ermitteln – auch um den »ver­ges­senen« Wider­ständlern eine späte Wür­digung
wider­fahren zu lassen.“

Im Rahmen dieses Pro­jekts ist kürzlich im Metropol-Verlag ein Handbuch erschienen, das die Bio­gra­phien von 95 Gewerk­schaftern – tat­sächlich aus­schließlich Männern – vor­stellt, die haupt­sächlich in bran­den­bur­gi­schen Kon­zen­tra­ti­ons­lagern Sach­sen­hausen und Ora­ni­enburg, aber auch im weniger bekannten KZ Son­nenburg, das heute in Polen liegt, inhaf­tiert waren. Die an dem For­schungs­projekt betei­ligten Wis­sen­schaftler Sieg­fried Mielke und Stefan Heinz stellen in der aus­führ­lichen Ein­leitung auch die Frage, warum die Gewerk­schaften bisher so wenig unter­nommen haben, um die Ver­fol­gungs­ge­schichte vieler ihrer Mit­glieder bekannter zu machen. Wesentlich prä­senter in der öffent­lichen Wahr­nehmung ist hin­gegen der Anpas­sungskurs, mit dem Funk­tionäre des All­ge­meinen Deut­schen Gewerk­schafts­bundes (ADGB) nach dem Macht­an­tritt der Nazis die Gewerk­schaften in das »Dritte Reich« ein­gliedern wollten. Trau­riger Höhe­punkt dieser Anpas­sungs­po­litik war der Aufruf des ADGB-Vor­stands zur Teil­nahme an den von den Nazis orga­ni­sierten Feiern zum 1. Mai 1933. Einen Tag später ließen die Nazis die Gewerk­schafts­häuser besetzen. „Die Aus­wir­kungen der Anpas­sungs­po­litik der Orga­ni­sa­toren des ADGB im Frühjahr führten zu der weit­ver­brei­teten Annahme, es habe kaum gewerk­schaft­lichen Wider­stand gegeben. An diese öffent­liche Wahr­nehmung schließt sich an, dass sowohl die Quan­tität als auch die Qua­lität der Ver­folgung, die Gewerk­schaf­te­rinnen und Gewerk­schafter betraf, unter­schätzt wurden.“ (S. 11) Dabei wird von Heinz und Mielke auch die Ver­ant­wortung des DGB benannt. „Die DGB-Gewerk­schaften in der Bun­des­re­publik haben dem­ge­genüber eine große Zahl von Mit­gliedern und Funk­tionäre ihrer Vor­läu­fer­or­ga­ni­sa­tionen, die nach 1933 Opfer der NS-Ver­folgung waren, in Ver­ges­senheit geraten lassen.“ (S. 13) 1995 äußerte der damalige DGB-Vor­sit­zende Dieter Schulte sein Bedauern, dass die Gewerk­schaften das Gedenken an die Ver­folgten ver­nach­lässigt hätten. Das FU-For­schungs­projekt holt nun fast sieben Jahr­zehnte nach der Zer­schlagung des NS-Systems die ver­säumte Erin­ne­rungs­arbeit nach.

Pro­le­tarier hin­ter­lassen weniger Spuren als das Bür­gertum

Die Her­aus­geber gehen auch auf die schwierige Quel­lenlage ein. Arbei­te­rInnen hin­ter­lassen offenbar weniger Spuren als Men­schen aus dem Bür­gertum. Neben den Ver­neh­mungs­akten der poli­ti­schen Polizei und der Gestapo sind auch Berichte, die die Gewerk­schafter nach 1945 in Ost- wie West­deutschland geschrieben haben, um als Ver­folgte des NS-Régime aner­kannt zu werden, wichtige Quellen, die in dem Buch her­an­ge­zogen und kri­tisch aus­ge­wertet werden. In einigen Fällen fließen in die Bio­gra­phien auch per­sön­liche Angaben von Ange­hö­rigen ein.

Die ein­zelnen Bio­gra­phien sind sehr inter­essant und lebendig geschrieben und auch sozi­al­ge­schichtlich auf­schluss­reich. Tra­di­tionell inter­es­sierten sich viele Men­schen auch aus dem Pro­le­tariat für das Leben von Ade­ligen und ‚Stars‘. Das zeigt bei­spiels­weise die Lektüre der soge­nannnten Regen­bo­gen­presse, aber auch das Kon­su­mieren von Fern­seh­serien , die den „Reichen und Schönen“ gewidmet sind.

In dem Buch wird das Leben von unbe­kannten Arbei­te­rInnen dem Ver­gessen ent­rissen. Wir lernen in den Bio­gra­phien Men­schen in all ihren Wider­sprüchen, mit ihrem Mut und poli­ti­schem Willen, aber auch mit ihren Zweifeln, Ängsten und Fehlern kennen. Gerade weil die Wider­sprüche nicht ver­schwiegen werden, ist die Lektüre so anregend. Gleich bei Paul Albrecht (S. 67ff.), dem ersten vor­ge­stellten Gewerk­schafter, werden diese Wider­sprüche deutlich. Als junger Mann war er in der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Jugend Thü­ringens aktiv. Ende der 1920er wech­selte er zur KPD, weil er in deren eigen­stän­diger Gewerk­schafts­gründung und der stär­keren Abgrenzung zur SPD einen Linksruck sah. wegen deren Linkskurs zur KPD und enga­gierte sich in der Revo­lu­tio­nären Gewerk­schafts­op­po­sition. Bereits nach dem Reichs­tags­brand am 28. Februar 1933 wurde er inhaf­tiert und miss­handelt. Am 1. Juni 1933 wurde er in das Kon­zen­tra­ti­ons­lager Son­nenburg gebracht. Nach seiner Frei­lassung. 1934 setzte er seine Wider­stands­arbeit fort. Zwi­schen 1945 und 1949 war er als Landrat von Genthin führend an der Auf­teilung des Groß­grund­be­sitzes beteiligt. Doch nachdem einige Briefe von 1938 bekannt wurden, die er in einem Sor­ge­rechts­streit mit seiner geschie­denen Frau um den gemein­samen Sohn geschrieben hatte, verlor Albrecht sein Amt und wurde aus der SED aus­ge­schlossen (S. 85). In den Briefen hatte er erklärt, mitt­ler­weile auf dem Boden des »Dritten Reiches« zu stehen. Er warf seiner Frau vor, weiter mit Juden zu ver­kehren. Erst viele Jahre später, nachdem Albrecht Selbst­kritik geübt hatte, wurde er wieder in die SED auf­ge­nommen, bekam aber nur noch Ver­wal­tungs­posten beim FDGB. Die in dem Buch dar­ge­legte Quel­lenlage löst offen, ob Albrecht den Brief schrieb, um seine Wider­stands­tä­tigkeit zu schützen.

Unter den von den Nazis ver­folgten Gewerk­schaf­te­rInnen gab es aller­dings nicht nur aktive Anti­fa­schis­tInnen. Exem­pla­risch sei hier die Bio­graphie des Schau­spielers Alfred Braun genannt, der als Sozi­al­de­mokrat und Mit­glied der Genos­sen­schaft Deut­scher Büh­nen­an­ge­hö­riger 1933 inhaf­tiert war. Nach einem kurzen Exil kehrte er nach Nazi-Deutschland zurück, wo er als Hör­spiel­re­gisseur Kar­riere beim Ber­liner Rundfunk machte, die er nach 1945 bruchlos fort­setzte. Ein beson­deres Kapitel nehmen die im NS-Staat zeit­weise ver­folgten gewerk­schaftlich orga­ni­sierten Poli­zisten ein. Hierfür steht exem­pla­risch die Bio­graphie von Friedrich Woi­delko (S. 778), der im Herbst 1933 für einige Wochen wegen staats­feind­licher Betä­tigung ver­haftet wurde, obwohl er zu dieser Zeit bereits NSDAP-Mit­glied war.

„Nach seiner end­gül­tigen Ent­lassung am 13. Oktober 1933 sei Woi­delko auf­ge­fordert worden, … zu den Vor­fällen zu schweigen und keinen Versuch zu unter­nehmen, aus der NSDAP aus­zu­treten“ (S. 776). Er blieb bis zum Ende des NS-Regimes NSDAP-Mit­glied. Trotzdem wurde Woi­delko nach 1945 eine kleine Rente als Ent­schä­digung gezahlt. Kom­mu­nis­tische Gewerk­schafter hin­gegen, die oft bis 1945 viele Jahre im Kon­zen­tra­ti­ons­lager ver­bringen musste, wurde im Kalten Krieg die Ent­schä­digung ver­weigert, wenn sie sich wei­terhin als Kom­mu­nisten betä­tigten. Viele der vor­ge­stellten Gewerk­schafter wollten sich nach 1945 am Aufbau eines anti­fa­schis­ti­schen Deutsch­lands betei­ligen. Nur wenige machten Kar­riere in Spit­zen­po­si­tionen. Viele hatten zeit­weise Kon­flikte mit der Par­tei­bü­ro­kratie, wurden später aber wieder reha­bi­li­tiert und kamen auf neue Posi­tionen. Zahl­reiche der im Buch auf­ge­führten sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Gewerk­schaftler in der sowje­ti­schen Besat­zungszone unter­stützten nach 1945 die Ver­ei­nigung der beiden großen Arbei­ter­par­teien zur SED. Zumindest in den vor­ge­stellten Fällen kann nicht davon geredet werden, dass sie gegenüber den ehe­ma­ligen KPD-Mit­gliedern in der DDR benach­teiligt wurden. Generell war in der sowje­ti­schen Besat­zungszone und der DDR eine akri­bische Prüfung die Vor­aus­setzung für die Aner­kennung als Opfer des Nazi­re­gimes.

In dem Buch werden keine Helden vor­ge­stellt, aber Men­schen, die in der Regel nicht auf der Son­nen­seite des Lebens standen und die in einer Zeit Wider­stand leis­teten, in der füh­rende Indus­trielle und andere Stützen der Gesell­schaft die Nazis gefördert haben. Gerade in einer Zeit, in der Neo­nazis die Kri­sen­ver­lierer zu rekru­tieren ver­suchen, ist die Erin­nerung an diese Men­schen sehr wichtig. Auch das Interesse der Stu­die­renden an der The­matik ist in der letzten Zeit gewachsen. Umso unver­ständ­licher, dass die FU-For­schungs­stelle, die diese wichtige his­to­rische Aufgabe über­nommen hat, noch immer ohne nen­nens­werte finan­zielle Mittel aus­kommen muss und ohne das ehren­amt­lichen Enga­gement vieler Stu­die­render und Wis­sen­schaftler ihre wichtige Arbeit nicht fort­setzen könnte. Stefan Heinz beschreibt die prekäre Situation so: „Nahezu alles, was wir machen, wird also aus Dritt­mitteln bestritten und muss immer wieder aufs Neue extern ein­ge­worben werden, bei­spiels­weise von der Hans-Böckler-Stiftung. Fallen diese För­de­rungen weg, können wir unsere For­schungen nicht fort­setzen.“

Peter Nowak

Sieg­fried Mielke (Hrsg.): »Gewerk­schafter in den Kon­zen­tra­ti­ons­lagern Ora­ni­enburg und Sach­sen­hausen. Bio­gra­phi­sches Handbuch«, Bde. 1–4, Berlin 2002–2013: EditionHen­trich und Metropol Verlag

aus

express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 3/4 2014,

http://​www​.labournet​.de/​e​x​p​ress/

Peter Nowak

Gewerkschafter und Nazigegner

Handbuch stellt 95 Biografien von Häftlingen der KZ Sachsenhausen und Oranienburg vor

Ein For­schungs­projekt der Freien Uni­ver­sität Berlin beschäftigt sich seit einigen Jahren mit der Geschichte von Wider­stand, Ver­folgung und Emi­gration.

Aktive Gewerk­schafter gehörten 1933 mit zu den ersten, die von den Faschisten ver­folgt wurden. Oft waren sie sogar schon in der Wei­marer Zeit Polizei und Unter­nehmen ver­dächtig, besonders wenn sie sich für die Rechte ihre Kol­legen ein­setzten. So konnten die Behörden ab 1933 vielfach auf bereits ange­legte Akten zurück­greifen.

Nach 1945 enga­gierten sich Gewerk­schafter, die die Befreiung vom Faschismus erlebt hatten, in Anti­fa­aus­schüssen und grün­deten die Gewerk­schaften wieder. Oft starben sie aber viel zu früh infolge der Ent­beh­rungen durch ihre Ver­folgung und ihre Haft in Kon­zen­tra­ti­ons­lagern. Auch die schlechten Lebens­be­din­gungen in der Arbei­ter­klasse spielten dabei eine Rolle. Etliche solcher Gewerk­schafter sind leider heute ver­gessen. Daher ist es besonders ver­dienstvoll, dass seit einigen Jahren an der Freien Uni­ver­sität Berlin das For­schungs­projekt »Gewerkschafter/​innen im NS-Staat. Ver­folgung – Wider­stand – Emi­gration« den oft namen­losen Ver­folgten ein Gesicht gibt. Ein kürzlich im Metro­pol­verlag ver­öf­fent­lichtes Handbuch stellt die Bio­grafien von 95 Gewerk­schaftern vor, die in den KZ Sach­sen­hausen und Ora­ni­enburg inhaf­tiert waren.

Die Bio­grafien sind sehr inter­essant und lebendig geschrieben. Dabei war die Quel­lenlage oft schwierig. Schließlich sind Gewerk­schafter in der Regel keine Per­sonen des öffent­lichen Inter­esses gewesen. Daher wurden oft auch die Ver­neh­mungs­akten der poli­ti­schen Polizei und der Gestapo her­an­ge­zogen. Wenn es möglich war, wurden noch andere Doku­mente benutzt. Dazu gehören auch die Berichte, die die Gewerk­schafter nach 1945 in Ost- wie West­deutschland geschrieben haben, um als Ver­folgte des Nazi­re­gimes aner­kannt zu werden. Erfreulich ist, dass die Autoren der Bei­träge hier weder eine bloße Hel­den­ge­schichte des Wider­stands schreiben, noch den Kampf gegen die Nazis im Nach­hinein klein­reden wollen.

Die Leser lernen Men­schen in all ihren Wider­sprüchen kennen, mit ihrem Mut und poli­ti­schem Willen, aber auch mit ihren Zweifeln, Ängsten und Fehlern. Gerade das macht die Lektüre so anregend. Gleich bei Paul Albrecht, der ersten vor­ge­stellten Person, werden diese Wider­sprüche deutlich. Als junger Mann war er in der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Jugend Thü­ringens aktiv, wech­selte Ende der 1920er zur KPD und enga­gierte sich in der Revo­lu­tio­nären Gewerk­schafts­op­po­sition. Nach dem Reichs­tags­brand am 28. Februar 1933 wurde er inhaf­tiert und miss­handelt. Am 1. Juni 1933 wurde er ins Kon­zen­tra­ti­ons­lager gebracht. Nach seiner Frei­lassung leistete er weiter Wider­stand. Zwi­schen 1945 und 1949 war Albrecht als Landrat von Genthin im Zuge der Boden­reform an der Auf­teilung von Groß­grund­besitz beteiligt. Doch nachdem einige Briefe bekannt wurden, die er 1938 geschrieben hatte, als er mit seiner geschie­denen Ehefrau einen Sor­ge­rechts­streit um den Sohn führte, verlor Albrecht sein Amt und wurde aus der SED aus­ge­schlossen. In den Briefen hatte er erklärt, mitt­ler­weile auf den Boden des Dritten Reiches zu stehen. Er warf dort seiner Frau vor, weiter mit Juden zu ver­kehren. Erst viele Jahre später, nachdem Albrecht Selbst­kritik geübt hatte, wurde er wieder in die SED auf­ge­nommen, bekam aber nur noch Ver­wal­tungs­posten beim Freien Deut­schen Gewerk­schaftsbund (FDGB).

Es ist unver­ständlich, dass die For­schungs­stelle noch immer ohne große finan­zielle Mitteln aus­kommen muss und ohne das ehren­amt­lichen Enga­gement vieler Stu­denten und Wis­sen­schaftler ihre wichtige Arbeit nicht fort­setzen könnte.

Mielke Sieg­fried, Stefan Heinz (Hrsg.): Gewerk­schafter in den Kon­zen­tra­ti­ons­lagern Ora­ni­enburg und Sach­sen­hausen, Bio­gra­fi­sches Handbuch, Band 4, Metropol, 870 Seiten, 36 Euro

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​9​1​9​6​5​6​.​g​e​w​e​r​k​s​c​h​a​f​t​e​r​-​u​n​d​-​n​a​z​i​g​e​g​n​e​r​.html

Vor dem Vergessen gerettet


WIDER­STAND Ein For­schungs­projekt der Freien Uni­ver­sität doku­men­tiert die Bio­grafien linker Gewerk­schaf­te­rInnen zur NS-Zeit

Seit 2006 erinnert der Name einer kleinen Straße in der Nähe des Haupt­bahnhofs an Ella Trebe. Die im Wedding geborene kom­mu­nis­tische Gewerk­schaf­terin wurde am 11. August 1943 zusammen mit 14 wei­teren Nazi­geg­ne­rInnen im Kon­zen­tra­ti­ons­lager Sach­sen­hausen erschossen. Ein Gedenk­stein im Wedding, der an sie erin­nerte, wurde in den 50er-Jahren wieder ent­fernt – man wollte im Kalten Krieg keine Kom­mu­nistin wür­digen.

Ella Trebe teilte dieses Schicksal mit vielen anti­fa­schis­ti­schen Arbei­te­rInnen, die sich schon gegen den Natio­nal­so­zia­lismus enga­gierten, als die heute gefei­erten Männer des 20. Juli noch lange nicht an Wider­stand dachten. For­sche­rInnen der »Arbeits­stelle Nationale und Inter­na­tionale Gewerk­schafts­po­litik« an der Freien Uni­ver­sität Berlin (FU) haben jetzt ein Buch ver­öf­fent­licht, das die Bio­grafien von 58 kom­mu­nis­ti­schen Gewerk­schaf­te­rInnen aus Berlin doku­men­tiert.

Es ist der zweite Band eines umfang­reichen For­schungs­pro­jekts zum Thema »Metall­ge­werk­schaf­te­rInnen im Wider­stand gegen den Natio­nal­so­zia­lismus«. Während der erste Band 82 Bio­grafien aus dem sozi­al­de­mo­kra­tisch ori­en­tierten Deut­schen Metall­ar­bei­ter­verband (DMV) ver­sam­melte, geht es nun um Akti­vis­tInnen des Ein­heits­ver­bandes der Metall­ar­beiter Berlins (EVMB). Er bestand im Kern aus Gewerk­schaf­te­rInnen, die der DMV wegen kom­mu­nis­ti­scher Akti­vi­täten aus­ge­schlossen hatte, und wurde gegen Ende der Wei­marer Republik zum Fokus der Revo­lu­tio­nären Gewerk­schafts­op­po­sition (RGO). Zu einer linken Mas­sen­be­wegung konnte diese sich aller­dings nie ent­wi­ckeln, die KPD kri­ti­sierte die RGO-Politik schon bald als ultra­linke Abwei­chung. Lange domi­nierte in der For­schung aller­dings das Bild der RGO als einer von der KPD-Zen­trale gesteu­erten Kader­or­ga­ni­sation.

Kon­flikte mit der KPD

Das Buch zeichnet die unter­schied­lichen Beweg­gründe für das Enga­gement in der linken Gewerk­schafts­op­po­sition nach. Viele der Akti­vis­tInnen waren schon während der Novem­ber­re­vo­lution von 1918 in linken Arbei­ter­räten aktiv und sahen in der RGO die Fort­setzung einer klas­sen­kämp­fe­ri­schen Politik. Dabei gab es immer wieder Kon­flikte mit den KPD-Funk­tio­nä­rInnen. Auch in der DDR, wo viele der Por­trä­tierten später lebten, war eine RGO-Ver­gan­genheit nicht gerade kar­rie­re­för­dernd, wie an meh­reren Bei­spielen belegt wird. Der Band füllt nicht nur eine For­schungs­lücke, sondern gibt den ver­ges­senen Wider­stands­kämp­fe­rInnen aus der Arbei­ter­klasse ihre Bio­grafie zurück.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bl&dig=2013%2F01%2F03%2Fa0174&cHash=f4f0b32f531368844553773bb17d4de4
Peter Nowak

Stefan Heinz, Sieg­fried Mielke (Hg.): Wider­stand und Ver­folgung«. Metropol Verlag, Berlin 2012, 304 Seiten, 19 Euro

»Es ist noch vieles aufzuarbeiten


NS-ZEIT Ein Buch infor­miert über Arbeits­ver­wei­ge­rungen von Zwangs­ar­bei­te­rInnen in Berlin. Das Interesse am Thema sei vor­handen, sagt Her­aus­geber Stefan Heinz. Jetzt müsse die For­schung an den Unis ver­ankert werden

INTERVIEW PETER NOWAK

taz: Herr Heinz, der Titel des von Ihnen her­aus­ge­ge­benen Buchs lautet »Der ver­gessene Wider­stand der Arbeiter«. Aber gab es nicht in den 70er- und 80er-Jahren eine Hin­wendung zur Geschichte der Arbei­ter­be­wegung und auch des Wider­stands?

Stefan Heinz: Einige Wider­stands­gruppen sind in der Tat wieder in Ver­ges­senheit geraten. Andere waren bis vor kurzem ver­gessen oder sind es noch immer. Während DDR-His­to­riker auf den KPD-Wider­stand fixiert blieben, wurden in der Bun­des­re­publik ab den 70er-Jahren Vor­stöße von meist jün­geren Leuten gemacht, Fragen zur Arbei­ter­be­wegung und deren Wider­stand gegen das NS-Régime zu the­ma­ti­sieren. Zuvor beschäf­tigte sich dort die Öffent­lichkeit fast aus­schließlich mit dem Wider­stand kon­ser­va­tiver Kreise um den 20. Juli 1944 und der Kirchen. Nach 1989/90 ent­stand die kuriose Situation, dass bisher nicht zugäng­liche Archiv­akten neue For­schungen ermög­licht hätten, die finan­zielle För­derung für ent­spre­chende Pro­jekte aber zurück­ge­fahren wurde. Dies ent­sprach einer Erin­ne­rungs­kultur, in der linker Arbei­ter­wi­der­stand, gerade weil er sich zum Teil als revo­lu­tionär ver­stand, schlicht nicht mehr angesagt war.

In den 90er-Jahren ver­traten auch manche linke His­to­riker die These, dass der Großteil der Arbei­te­rInnen loyal zum NS-System stand und nur eine ver­schwin­dende Min­derheit Wider­stand leistete. Können das Ihre For­schungen bestä­tigen?

Ich denke zum einen, dass loyales Ver­halten schwer messbar ist, wenn alle, die mit der NS-Politik nicht ein­ver­standen waren, damit rechnen mussten, mundtot gemacht zu werden. Denk- und Ver­hal­tens­weisen in der Arbei­ter­schaft stehen im Wider­spruch zur NS-Pro­pa­ganda einer ver­einten »Volks­ge­mein­schaft«. Zum anderen bedeutete Nicht­zu­stimmung kei­neswegs auto­ma­tisch wider­stän­diges Handeln, das nur eine Min­derheit prak­ti­zierte. Wenn zeit­liche Phasen betrachtet werden, wird man oft unter­schied­liches Ver­halten in ein und der­selben Person ent­decken. Fakt ist, der Arbei­ter­wi­der­stand begann schon 1933 und hatte die meisten Ver­luste zu beklagen. Umfang und Inten­sität der ille­galen Akti­vi­täten, vor allem von Gewerk­schaftern, werden erheblich unter­schätzt.

Ein Aufsatz beschäftigt sich am Bei­spiel von Erich Wol­lenberg auch mit im Sta­li­nismus ver­folgten Kom­mu­nisten. Welchen Stel­lenwert hat das Thema in der For­schung zur Arbei­ter­be­wegung?

Es gibt mehrere Pro­jekte, die sich mit der Ver­folgung von Kom­mu­nisten im sowje­ti­schen Exil beschäf­tigen. Diese und andere For­schungen sind wichtig, da auch in diesem Bereich vieles auf­zu­ar­beiten ist. Aller­dings sollte darauf geachtet werden, die Funktion von Repression und Gewalt in die Beson­der­heiten eines poli­ti­schen Systems ein­zu­ordnen, um falsche Gleich­set­zungen zwi­schen Stalins Herr­schaft und dem NS-Régime zu ver­meiden.

In einem Kapitel beschäftigt sich die His­to­ri­kerin Gisela Wenzel mit dem Wider­stand von in Berlin lebenden pol­ni­schen Staats­bür­ge­rInnen. Obwohl die Recherchen weit zurück­reichen, ist das Thema kaum bekannt. Wo sehen Sie die Gründe?

Wie Zwangs­ar­beiter und Kriegs­ge­fangene haben solche Gruppen kaum eine Lobby, der es ein Bedürfnis ist, sich in ihre Tra­dition zu stellen und ein Gedenken zu pflegen. Im Ver­gleich zum Kreis des 20. Juli 1944 war bei diesen Wider­ständlern eine späte Gewis­sens­ent­scheidung gar nicht nötig, da sie nie mit den Nazis sym­pa­thi­siert hatten. Auch hin­ter­ließen sie wenig Selbst­zeug­nisse. Das macht sie für manche unin­ter­essant.

Welche wei­teren Auf­gaben sehen Sie für die For­schung zum Arbei­te­rIn­nen­wi­der­stand in Zukunft?

Es gibt noch sehr viel in den Archiven zu erfor­schen. Erfreu­li­cher­weise wächst das Interesse am Thema bei Stu­die­renden derzeit wieder. Dies belegen auch einige Bei­träge in dem Sam­melband. Dieses Interesse zu fördern, an den Unis zu ver­ankern und mit einer Gedenk­kultur zu ver­binden, ist die wich­tigste Aufgabe und eine Her­aus­for­derung zugleich.

Hans Coppi/​Stefan Heinz (Hrsg.): »Der ver­gessene Wider­stand der Arbeiter. Gewerk­schafter, Kom­mu­nisten, Sozi­al­de­mo­kraten, Trotz­kisten, Anar­chisten und Zwangs­ar­beiter«. dietz Verlag, Berlin 2012, 383 Seiten, 29,90 Euro



Stefan Heinz ist wis­sen­schaft­licher Mit­ar­beiter der For­schungs­stelle »Nationale und Inter­na­tionale Gewerk­schafts­po­litik« am Otto-Suhr-Institut für Poli­tik­wis­sen­schaft der FU Berlin

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Interview: Peter Nowak

Das Ende eines lange gepflegten Vorurteils

GESCHICHTE Linke Gewerk­schafts­op­po­sition in der Wei­marer Zeit war nicht von Moskau gesteuert, stellt His­to­riker Stefan Heinz in seinem Buch fest

Deutsche Gewerk­schaften sind gegenüber den Bossen zu koope­rativ und üben sich in Ritualen, statt in Klas­sen­kämpfen: Solche Klagen sind älter als der DGB. Schon in der Wei­marer Zeit befand sich eine linke Min­derheit im Kon­flikt mit den Vor­ständen des SPD-nahen All­ge­meinen Deut­schen Gewerk­schafts­ver­bands (ADGB). In der End­phase der Wei­marer Republik orga­ni­sierten sich große Teile dieser Gewerk­schafts­linken in der Revo­lu­tio­nären Gewerk­schafts­op­po­sition (RGO). Ihr orga­ni­sa­to­ri­sches Zentrum war die Ber­liner Metall­branche.

»Teuf­lische Pläne, dem Hirn Mos­kauer Dik­ta­toren ent­sprungen«: Diese Cha­rak­te­ri­sierung der Orts­ver­waltung des SPD-nahen Deut­schen Metall­ar­bei­ter­ver­bands (DMV) für die linke Kon­kurrenz ist bis heute weit ver­breitet. Dieses Bild hat der am Otto-Suhr-Institut der FU arbei­tende Gewerk­schafts­for­scher Stefan Heinz infrage gestellt. In seinem 500-sei­tigen Buch rekon­struiert er die kurze Geschichte des Ein­heits­ver­bands der Metall­ar­beiter Berlins (EVMB), der größten RGO-Gewerk­schaft. Dafür wertete er eine Vielzahl von Akten aus den Archiven beider Gewerkschaftsverbände,Überwachungsprotokolle von Polizei und Gestapo, interne Berichte der KPD und SPD sowie Artikel der par­tei­un­ab­hän­gigen linken Presse aus.

Heinz weist nach, dass die Initiative zur Gründung nicht von der KPD-Führung oder der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tionale, sondern von aus dem ADGB aus­ge­schlos­senen Gewerk­schaf­te­rInnen ausging. Für den For­scher liegen die Wurzeln der RGO daher nicht in Moskau, sondern im Kampf gegen die Burg­frie­dens­po­litik von SPD und Gewerk­schaften während des Ersten Welt­kriegs. Damals hatte sich vor allem unter den Ber­liner Metall­ar­beitern ein Kreis linker Arbei­ter­ak­ti­vis­tInnen her­aus­ge­bildet.

Als sich im Herbst 1930 die staat­lichen Schlich­tungs­stellen auf die Seite des Unter­neh­mer­lagers stellten und Lohn­kür­zungen fest­legten, die vom ADGB akzep­tiert wurden, gab der KPD-Vor­stand grünes Licht für die Gründung des EVMB. Da dem linken Verband aber keine mas­sen­hafte Abwerbung von Mit­gliedern aus der alten Gewerk­schaft gelang und selbst­or­ga­ni­sierte Streiks meist erfolglos blieben, wurde in den KPD-Gremien bald heftig über die RGO dis­ku­tiert. Die Aus­ein­an­der­set­zungen nahmen nach dem Macht­an­tritt der Nazis zu.

Viele EVMB-Mit­glieder kri­ti­sierten alle Ver­suche der KPD, ange­sichts der NS-Gefahr mit dem ADGB zusam­men­zu­ar­beiten. Der rote Verband hatte sich nach der Zer­schlagung des ADGB am 2. Mai 1933 in der Ille­ga­lität zunächst kon­so­li­diert und wurde erst durch mehrere Ver­haf­tungs­wellen in den Jahren 1933 und 1934 emp­findlich geschwächt. Im Jahr 1935 wurde der Verband im Zuge der von der KPD ver­folgten Volks­front­po­litik, die eine Koope­ration mit den Sozi­al­de­mo­kra­tInnen und bür­ger­lichen Kräften pro­pa­gierte, gegen den hef­tigen Wider­stand der Basis auf­gelöst.

Da die RGO-Politik in der offi­zi­ellen KPD-Geschichts­schreibung bald als Links­ab­wei­chung galt, wurde auch in der DDR kaum darüber geforscht. Nach erfolg­losen Wie­der­be­le­bungs­ver­suchen einiger mao­is­ti­scher Par­teien in den 70ern in West­berlin geriet das Thema weit­gehend in Ver­ges­senheit. Daher hat Heinz mit seiner For­schungs­arbeit eine wichtige Lücke in der Geschichte des Ber­liner Arbei­te­rInn­nen­wi­der­standes geschlossen.
 Stefan Heinz: »Moskaus Söldner? Der Ein­heits­verband der Metall­ar­beiter Berlins: Ent­wicklung und Scheitern einer kom­mu­nis­ti­schen Gewerk­schaft«, VSA-Verlag, Hamburg 2010

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bl&dig=2011%2F07%2F29%2Fa0157&cHash=4dbd89600f

Peter Nowak

Teufelswerk?Neue Studie zur RGO -

Stefan Heinz: »Moskaus Söldner? Der Ein­heits­verband der Metall­ar­beiter Berlins: Ent­wicklung und Scheitern einer kom­mu­nis­ti­schen Gewerk­schaft«, VSA-Verlag, Hamburg 2010, 34,80 Euro, ISBN 978–389965-406–6

Das Argument, die Kan­di­datur auf eigenen Listen gefährde die Gewerk­schafts­einheit und die Mit­glieder solcher »alter­na­tiver« Listen hätten aus der Geschichte nichts gelernt, ist bis heute ver­breitet und wird manchmal bis hinein in die Gewerk­schafts­linke ver­treten. Damit wird auf die End­phase der Wei­marer Republik Bezug genommen, als sich nicht nur SPD und KPD feindlich gegen­über­standen. Auch auf Gewerk­schafts­ebene lie­ferten sich der SPD-nahe All­ge­meine Deutsche Gewerk­schaftsbund (ADGB) und die der KPD nahe­ste­hende Revo­lu­tionäre Gewerk­schafts­op­po­sition (RGO) heftige Aus­ein­an­der­set­zungen. Für manche war schon damals klar, wer hinter der Spaltung steht: »Ihr seht auf der anderen Seite das Werk von Moskau. Teuf­lische Pläne, dem Hirn Mos­kauer Dik­ta­toren ent­sprungen, mit den gemeinsten und ver­werf­lichsten Mitteln, mit Lügen und Ver­leum­dungen in Deutschland in Szene gesetzt, zum Schaden der deut­schen Arbei­ter­klasse, zum Wohle der Kapi­ta­listen« (S. 442), so drosch die Orts­ver­waltung des SPD-nahen Deut­schen Metall­ar­bei­ter­ver­bands (DMV) in einem Rund­schreiben an ihre Mit­glieder auf die linke Kon­kurrenz ein. Diese Lesart der Geschichte hat sich weit­gehend durch­ge­setzt. Die RGO-Politik wird als Werk der Kom­mu­nis­ti­schen Inter­na­tionale und des Zen­tral­ko­mitees der KPdSU ange­sehen.

Der Ber­liner Poli­tik­wis­sen­schaftler Stefan Heinz hat jetzt in einer monu­men­talen Arbeit diese These infrage gestellt. Heinz widmet sich auf 572 Seiten der Vor­ge­schichte, der Ent­stehung, der Arbeit und dem Ende des Ein­heits­ver­bandes der Metall­ar­beiter Berlins, des ersten Ver­bands innerhalb der RGO. Dazu wertete er eine Vielzahl von Akten aus den Archiven der beiden Gewerk­schafts­ver­bände aus, aber auch Über­wa­chungs­pro­to­kolle von Polizei und Gestapo, interne Berichte der KPD und der SPD sowie Artikel aus der linken Presse, die weder der KPD noch der SPD nahe­stand. An erster Stelle sind die Berichte der Publi­kation »Gegen den Strom« zu nennen, die der Kom­mu­nis­ti­schen Partei Deutsch­lands – Oppo­sition (KPO) ver­bunden war. Sie hatte schon früh für eine Zusam­men­arbeit aller Arbei­ter­par­teien gegen den NS geworben und ana­ly­sierte die Ereig­nisse rund um die Betriebs­arbeit mit ana­ly­ti­scher Schärfe und ohne par­tei­po­li­tische Ein­sei­tigkeit. Für Heinz liegen die Wurzeln der RGO nicht in Moskau, sondern im Kampf gegen die Burg­frie­dens­po­litik von SPD und Gewerk­schaften während des ersten Welt­kriegs. Damals hatte sich vor allem unter den Ber­liner Metall­ar­beitern ein Kreis linker Arbei­ter­ak­ti­visten her­aus­ge­bildet, die sich in Oppo­sition zu den offi­zi­ellen Gewerk­schaften befanden und während der Novem­ber­re­vo­lution 1918 die Räte als Alter­native zu den durch die Burg­frie­dens­po­litik kom­pro­mit­tierten Gewerk­schaften pro­pa­gierten. Viele dieser Akti­visten bil­deten den Kern der Revo­lu­tio­nären Obleute, die ent­schei­denden Anteil am Aus­bruch der Novem­ber­re­vo­lution hatten. Viele von ihnen enga­gierten sich auch im linken Flügel der Unab­hän­gigen Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Partei (USPD). In den ersten Jahren der Wei­marer Republik initi­ierten sie Pro­teste für eine Räte­ver­fassung, die im Januar 1920 in Berlin von der Reichs­re­gierung blutig unter­drückt wurden. Heinz beschreibt dies am Bei­spiel zweier füh­render Arbei­ter­ak­ti­visten, die sich später in der RGO enga­gierten. »Arbeiter wie Hermann Braun und Karl Jarick erlebten erneut, wie der Aus­nah­me­zu­stand über Berlin ver­hängt wurde und 42 Arbeiter bei Pro­testen ums Leben kamen« (S. 391). Solche Erleb­nisse bestärkten eine ganze Generation von Metall­ar­bei­ter­ak­ti­visten zum Wider­stand gegen die offi­zielle ADGB-Politik. Dadurch standen sie zugleich immer am Rande des Aus­schlusses und wurden mit allen admi­nis­tra­tiven Mitteln von der Gewerk­schafts­bü­ro­kratie bestraft. Sie bil­deten die Basis für die spätere RGO-Politik, wie Heinz betont.

»Ab 1930/31 konnten die ›roten Ver­bände‹ dort am ehesten Resonanz bean­spruchen, wo bereits in der Anfangs­phase der Wei­marer Republik in der USPD auf Auto­nomie gerichtete Radi­kal­po­si­tionen in der Gewerk­schafts­frage ver­treten wurden« (S. 395).

Ratio­na­li­sierung und Radi­ka­li­sierung

Sehr gut zeigt Heinz auch die öko­no­mi­schen Aspekte auf, die die Her­aus­bildung der RGO begüns­tigten. Da wären in erster Linie die Folgen der Ratio­na­li­sierung zu nennen, wodurch vor allem im Metall­be­reich viele Arbeits­kräfte frei­ge­setzt wurden, was die kom­mu­nis­ti­schen Gewerk­schaf­te­rInnen besonders tan­gierte. So hieß es in dem Bericht einer kom­mu­nis­ti­schen Betriebs­zelle in den Ber­liner AEG-Werken aus dem Jahr 1926: »Wir haben durch die Ratio­na­li­sierung 50 Prozent, dar­unter zwei Drittel unserer aktiven Genossen, ver­loren. Durch die fort­ge­setzte Akkord­preis­senkung und die Ein­führung des Fließ­band­systems haben unsere Genossen nicht mehr die Zeit und die Mög­lichkeit, eine größere münd­liche Agi­tation während der Arbeitszeit betreiben zu können« (S. 418). Zudem ging die ADGB-Büro­kratie in der End­phase der Wei­marer

Zeit ver­stärkt dazu über, Kol­legen durch ihre Unter­schrift bestä­tigen zu lassen, dass sie die Gewerk­schafts­po­litik der KPD nicht unter­stützten. Wer sich wei­gerte, konnte aus­ge­schlossen werden. Die Zahl der Aus­ge­schlos­senen stieg schnell, als infolge der Welt­wirt­schafts­krise die Angriffe auf die Löhne und die erkämpften sozialen Rechte der Lohn­ab­hän­gigen von Seiten der Wirt­schaft und der Politik zunahmen. Als sich im Herbst 1930 die staat­lichen Schlich­tungs­stellen auf die Seite des Unter­neh­mer­lagers stellten und Lohn­kür­zungen fest­legten, die vom ADGB akzep­tiert wurden, war das der unmit­telbare Anlass für die Gründung des Ein­heits­ver­bands der Metall­ar­beiter Berlin (EVMB), des ersten RGO-Ver­bands. Heinz weist nach, dass die Initiative zur Gründung nicht von der KPD-Führung oder der KI, sondern von der Basis ausging. Viele vom ADGB aus­ge­schlossene Gewerk­schaf­te­rInnen hatten schon lange auf eine eigene kom­mu­nis­tische Gewerk­schaft gedrängt.

Kritik aus der KPD

Vor allem die vom ADGB Aus­ge­schlos­senen und Gemaß­re­gelten standen im EVMB auch für einen Kurs der strikten Abgrenzung von den alten Gewerk­schaften und zogen sich damit schnell den Unmut der KPD zu. Vor allem, nachdem sich bald her­aus­stellte, dass dem linken Verband eine mas­sen­hafte Abwerbung von Mit­gliedern aus der alten Gewerk­schaft nicht gelingen würde und dass vom EVMB orga­ni­sierte Streiks deshalb bis auf seltene Aus­nahmen erfolglos abge­brochen werden mussten, begann eine Aus­ein­an­der­setzung mit den KPD-Gremien, die sich bis in die Phase der Ille­ga­lität beider Orga­ni­sa­tionen während des NS hinzog. Die Par­tei­gremien warfen den roten Ver­bänden vor, die Bünd­nis­arbeit mit den noch unor­ga­ni­sierten Kol­legen zu ver­nach­läs­sigen. »Ich habe in Berlin kon­trol­liert, dass die Funk­tionäre der EVMB seit Monaten nicht die refor­mis­ti­schen Zei­tungen gelesen haben. Sie haben keinen Dunst, wie man die refor­mis­ti­schen Gewerk­schafts­mit­glieder für die Oppo­si­ti­ons­arbeit im DMV gewinnen will« (S.231), lautete die Kritik auf einer Sitzung der Kom­mu­nisten im Reichs­ko­mitee der KPD. Dabei han­delte es sich um poli­tische Gegen­sätze. Während die KPD eine linke Frak­ti­ons­tä­tigkeit im DMV nicht auf­geben wollte, wurde eine solche Option immer unwahr­schein­licher, je mehr sich der EVMB als eigen­stän­diger roter Gewerk­schafts­verband ver­stand. Diese Aus­ein­an­der­setzung sollte 1933/34 noch einmal an Schärfe gewinnen. Während die KPD die Taktik des tro­ja­ni­schen Pferdes pro­pa­gierte und einen Ein­tritt von linken Gewerk­schaf­te­rInnen in die nazis­tische Deutsche Arbeits­front vertrat, lehnten viele EVM­BAk­ti­vis­tInnen diesen Schritt vehement ab. Der rote Verband hatte sich nach der Zer­schlagung des ADGB in der Ille­ga­lität zunächst kon­so­li­diert. Doch durch mehrere Ver­haf­tungs­wellen wurden in den Jahren 1933 und 1934 die Struk­turen des Ver­bandes emp­findlich geschwächt. Im Zuge der von der KPD ver­folgten Volks­front­po­litik, die eine Koope­ration mit den Sozi­al­de­mo­kraten pro­pa­gierte, wurde der EVMB von der KPDFührung schließlich auf­gelöst, vor allem weil er die Volks­front­po­litik und den tak­ti­schen Ein­tritt in die DAF nicht mit­machen wollte. Doch viele der Akti­vis­tInnen setzten ihren Wider­stand fort. Heinz zieht Ver­bin­dungen bis zur Uhrig-Gruppe, die während des zweiten Welt­krieges kom­mu­nis­tische Wider­stands­zellen in vielen Ber­liner Betrieben auf­gebaut hatte. Nachdem die Gestapo ihnen auf die Spur gekommen waren, wurden viele ihrer Mit­glieder hin­ge­richtet.

Wider­spenstige Genossen

Stefan Heinz hat in seinem Buch die Geschichte einer Generation von Arbei­ter­ak­ti­vis­tInnen nach­ge­zeichnet, die im Wider­stand gegen die Kriegs­po­litik des ersten Welt­kriegs poli­ti­siert, in den Wochen der Novem­ber­re­vo­lution radi­ka­li­siert wurden und die syn­di­ka­lis­tische Tra­dition auch in der Aus­ein­an­der­setzung mit den KPD-Struk­turen ver­teidigt haben. »Ihr im ›roten Metall­ar­bei­ter­verband‹ prak­ti­ziertes, oft wider­spens­tiges Ver­halten gegenüber der eigenen Partei wandten einige Per­sonen später auch in der SED an. Es führte nach den Worten Peschkes (eines EVMB-Aktivsten, P.N.) dazu, dass manche frühere EVMB-Füh­rungs­kräfte wie er nur ungern als ›erste Gar­nitur‹ der Partei- und Staats­führung ver­wendet wurden« (S. 474). Kenn­zeichnend für die EVMB-Akti­visten sind nach Heinz unter anderem »Ele­mente syn­di­ka­lis­ti­scher Politik, der radikale Anspruch und der sozi­al­re­vo­lu­tionäre Bewe­gungs­cha­rakter, die For­derung nach eigener Ent­schei­dungs­freiheit, die Ver­wei­ge­rungs­haltung bei Ein­griffen von Außen« (S. 475). Mit der gründ­lichen his­to­ri­schen Rekon­struktion dieser linken Gewerk­schafts­op­po­sition liegt eine gerade auch vor dem Hin­ter­grund der aktu­ellen Krise ver­dienst­volle und inter­es­sante Studie vor – auch wenn das Buch auf­grund seines wis­sen­schaft­lichen Stils oft nicht ganz leicht zu lesen ist. Mit seinem Blick auf die Akteure vor Ort beant­wortet Stefan Heinz zugleich auch die Frage des Titels: Das waren keine Söldner Moskaus – wie die RGO-Akti­vis­tInnen noch heute gerne dar­ge­stellt werden.

erschienen im express, Zeitung für sozia­lis­tische Betriebs- und Gewerk­schafts­arbeit, 12/10

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Peter Nowak