Mit ‘Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe’ getaggte Artikel

Kein Kampf ohne Begriffe

Montag, 18. April 2016

Entwickeln, kapern, umdeuten – wie sich die extreme Rechte ihre Begrifflichkeiten zurechtlegt.

Keine Zusammenarbeit mit der »Alternative für Deutschland« (AfD) – das scheint zurzeit bis hin zum rechten Flügel der Union der öffentliche Konsens zu sein. Mit einer Abgrenzung von der Politik der AfD hat das aber wenig zu tun. Schließlich gab Franz-Josef Strauß, der Übervater der CSU, einst die Devise aus, rechts von seiner Partei solle »nur noch die Wand« sein. Das Entstehen einer rechten Konkurrenzpartei war Strauß zufolge am besten zu verhindern, indem man deren Positionen selbst vertrat.

Die Abgrenzung zur AfD und die Übernahme politischer Forderungen aus ihrem Programm sind also keines­wegs ein Widerspruch. Wer erkunden will, wie es um das Verhältnis zwischen AfD und Union steht, sollte sich daher nicht an den Abgrenzungsbekundungen der vergangenen Wochen orientieren. Aufschluss­rei­cher ist es, Überschneidungen zwischen den Äußerungen aus der AfD und der Union zu suchen.

Diesem Unterfangen widmen sich 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im »Handwörterbuch rechts­extremer Kampfbegriffe«, das im Wochenschauverlag veröffentlicht wurde. Das Buch ist Ergebnis einer Kooperation des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung und des Forschungsschwerpunkts Rechtsextremismus/Neonazismus an der Hochschule Düsseldorf. Beide Institutionen analysieren seit Jahren, wie Rechtsextreme Begriffe kapern und umdeuten, aber auch eigenständig entwickeln.

Anhand mancher Begriffe wird deutlich, dass die Schnittmengen von Teilen der Unionsparteien, aber auch der SPD mit der AfD größer sind, als die Abgrenzungen nach den jüngsten Wahlen vermuten lassen. Das wird schon angesichts des ersten in dem Buch behandelten Kampfbegriffs deutlich. Den in rechten Kreisen so populären Begriff der Achtundsechziger hat kei­nes­wegs die AfD erfunden. Bereits in den siebziger Jahren wurden die sogenannten Achtundsechziger von Konservativen für linke Gewalt, die freche, ungehorsame Jugend, Libertinage und vermehrten Drogenkonsum verantwortlich gemacht. Wenn sich heutzutage die AfD und rechtsextreme Websites wie Politically Incorrect des Feindbilds des Achtundsechzigers mit großer Freude bedienen, dann gibt es nur einen Unterschied: Mittlerweile wird den Unionsparteien vorgeworfen, vor den Achtundsechzigern kapituliert zu haben.

Auch auf den Begriff der »Deutschenfeindlichkeit«, mit dem suggeriert werden soll, die eigentlichen Opfer von Rassismus seien Deutsche, haben rechtsextreme Krei­se keineswegs das Copyright. Es war die damalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), die in einem Interview mit der Welt im Juni 2010 sagte: »Auch Deutschenfeindlichkeit ist fremdenfeindlich, ja Rassismus.« Bereits 2009 hatte die Berliner Mitgliederzeitschrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) einen Artikel mit ähnlichem Tenor veröffentlicht, der in der Gewerkschaft für heftige Kritik sorgte. In dem Text, der sich mit Konflikten zwischen Schülern unterschiedlicher Herkunft befasste, wurde nichtdeutschen Jugendlichen unterstellt, sie betrachteten Deutschland als Beutegesellschaft und verachteten Deutsche. Der Politikwissenschaftler Bernhard Steinke, der den Beitrag zum Kampfbegriff Deutschenfeindlichkeit im »Handwörterbuch« verfasst hat, kritisiert hier vor allem, dass Mobbing und Diskriminierung mit Rassismus gleichgesetzt werden.

Zudem gehen die Autoren auch auf Begriffe ein, die von rechts gekapert und in ihrer Bedeutung verändert wurden. Dazu gehören die »Political Correctness« und der »Gutmensch«. Linke Satiriker bedienten sich der Begriffe vor zwei Jahrzehnten, um arrivierte und verbürgerlichte Linke zu verspotten. Mittlerweile sind die Worte zu recht­en Kampfbegriffen mutiert, mit denen alle belegt werden, die nicht der Meinung sind, dass Rechte eine Frage der Hautfarbe, des Geschlechts und der Herkunft sein sollten.

Der Begriff der Islamisierung diente säkularen Kräften ursprünglich zur Kritik an einem religiösen Macht­an­spruch. Erst im rechten Diskurs wurde die Islamisierung zu einer Bedrohung des Abendlands umgedeutet. Der Begriff des Abendlands selbst hat mit Pegida eine neue Renaissance erfahren. Dabei sind sich die Teilnehmer nicht einmal einig darüber, wer eigentlich zum Abendland gehört. Soll es etwa ein rein christliches oder ein jüdisch-christliches Abendland sein?

Der Verweis auf das jüdisch-christliche Erbe wird derzeit auch von manchen Rechtsextremen benutzt, um sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus zu immunisieren. Der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz hingegen betont, der Begriff des Abendlandes sei lange zur Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden benutzt worden. Eine dritte Version des Abendlandes wird ausschließlich in neonazistischen Kreisen beschworen. Sie setzen sich für ein vorchristliches germanisches Abendland ein. Auf den Pegida-Aufmärschen drücken sich diese unterschiedlichen Vorstellungen vom Abendland darin aus, dass manche Teilnehmer mit christlichen Symbolen und andere mit dem Motto »Odin statt Jesus« aufmarschieren. Dazwischen tummeln sich manchmal noch einige Versprengte mit Israel-Fahnen.

Ausführlich setzen sich die Autoren auch mit antisemitisch codierten Begriffen auseinander. Besonders in den Beiträgen über rechte Kampfbegriffe zum Kapitalismus und zu den USA gehen sie darauf ein. So ist die »US-Ostküste« ein weit verbreiteter Code für die jüdische Weltverschwörung. Doch dieser Terminus wird auch in linken Kreisen unkritisch verwendet. So wurde im Neuen Deutschland Mitte März ein Buch des Autors Norbert Häring rezensiert, in dem dieser sich gegen die Abschaffung des Bargelds wendet. Der Rezensent schreibt: »Hinter der Verschwörung gegen das Bargeld sieht Häring ein Netzwerk, dessen Zentrum an der Ostküste der USA liegt, zu deren zentralen Figuren Summers, der US-Ökonom Ken Rogoff und EZB-Präsident Mario Draghi gehören. Diese seien in engen Seilschaften verbunden, wozu die Harvard-Gesellschaft, das MIT, die Group of Thirty, eine private Lobby­organisation der Finanzwirtschaft, die Bilderberg-Konferenz, Goldman Sachs, der Währungsfond und die Weltbank gehören.« Der Rezensent tadelt zwar milde, Häring hätte seine Behauptungen besser belegen sollen. Dass in dem kurzen Absatz gleich mehrere antisemitische Codes zu finden sind, scheint ihm aber nicht aufgefallen zu sein.

Ein solches Beispiel bestätigt die Autoren. Sie bemängeln, dass linke Kritik an Kapitalismus, Globalisierung und den USA häufig die Trennschärfe nach rechts vermissen lasse. Angesichts dessen ist es auch keinesfalls rätselhaft, dass ehemalige Wähler der Linkspartei zur AfD wechseln. Sie müssen dazu weder ihre Begrifflichkeiten noch ihre Vorstellungen ändern. Sie wählen die Partei, von der sie annehmen, dass sie ihre Ansichten am besten vertritt.

http://jungle-world.com/artikel/2016/15/53839.html

Peter Nowak

Reaktion auf den Artikel:

http://norberthaering.de/de/27-german/news/617-antisemit#weiterlesen

http://querfrontseiten.blogspot.de/2016/05/niemand-will-verschworungstheorien-und.html

Das Kapern von “Political Correctness” und “Gutmensch”

Mittwoch, 23. März 2016

Wenn Begriffe von rechts besetzt werden und die gesellschaftliche Debatte mitbestimmen

Der Aufstieg der AFD, Blockadeaktionen vor Flüchtlingsunterkünften, Pegida- und “Nein-zum-Heim-Demonstrationen” auch in kleinen Städten lassen keinen Zweifel, dass die rechte Bewegung in den letzten Monaten auch in Deutschland einen Aufschwung erlebt. Dabei ist ihr es gelungen, über ihre kleinen rechten Zirkel hinaus auch in Bevölkerungskreise einzuwirken, die sich nicht zur extremen Rechten zählen würden.

Das zeigt sich daran, dass Menschen sich mit Schildern wie “Wir sind besorgte Bürger und keine Nazis” an Demonstrationen beteiligen, die von bekannten Exponenten der extremen Rechten organisiert werden. Doch der Einfluss der Rechten zeigt sich auch der Ebene der Gespräche und Debatten. So werden Formulierungen, die ursprünglich von der extremen Rechten verwendet wurden, auch in Kreisen übernommen, die mit dieser politischen Richtung nichts zu tun haben.

Auf diese bisher zu wenig beachteten rechten Erfolge auf der Ebene der Sprache und Diskurse macht das Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe[1] aufmerksam. Es ist als Kooperationsprojekt des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung und des Forschungsschwerpunkts Rechtsextremismus/Neonazismus an der Hochschule Düsseldorf entstanden.

Beide wissenschaftlichen Institutionen forschen seit längerem zur Frage, wie rechte Kreise mit der Schaffung von Kampfbegriffen die gesellschaftliche Debatte bestimmen. 20 Autorinnen und Autoren stellen in informativen Aufsätzen 25 Begriffe vor, die in der rechten Debattenkultur aktuell eine Rolle spielen.

Unterschiedliche Typen von rechten Kampfbegriffen

Dabei unterscheidet Mitherausgeber Fabian Virchow[2] verschiedene Typen von rechten Kampfbegriffen, die unterschiedliche Funktionen haben, deren Abgrenzung aber nicht immer möglich ist. So gibt es Begriffe, die den politischen Standort markieren sollen.

Als Beispiel führt Virchow “Schuldkult” an, ein Begriff, mit dem die extreme Rechte Gedenkveranstaltungen zu den NS-Verbrechen abwertet und verhöhnt. Andere Begriffe waren nach dem Nationalsozialismus in großen Teilen der Gesellschaft mit Recht tabuisiert und werden in letzter Zeit von den Rechten wieder reaktiviert. Dazu gehören Begriffe wie ”deutsche Volksgemeinschaft” oder der Verweis auf ein imaginiertes Tausendjähriges deutsches Reich.

Vor einiger Zeit waren sie Codes kleiner rechter Zirkel. In den letzten Monaten wurden sie von Rechtsaußenpolitikern der AfD wie Björn Höcke in Reden vor Tausenden Menschen verwendet.

Eine dritte Gruppe von Begriffen verweist eigentlich auf Politikvorstelllungen, die nichts mit rechtem Gedankengut zu tun haben. Doch im aktuellen rechten Diskurs werden Termini wie Freiheit und Demokratie immer dann verwendet, wenn es darum geht, “Volkes Stimme” gegen die “abgehobenen Politiker” oder die Eliten in Stellung zu bringen. Darauf gehen Bernhard Steinke und Fabian Virchow ein.

Von der linken Kritik zum rechten Kampfbegriff

Eine weitere Begriffsgruppe, die im Handbuch untersucht wird, ist ebenfalls außerhalb rechter Kreise entstanden, wurde aber mittlerweile von rechts gekapert. Dazu gehört “Political Correctness” oder “Gutmensch”. Als letzterer Begriff vom Satiriker Wiglaf Droste vor 20 Jahren verwendet wurde, wollte er damit eine verspießerte Linke kritisieren[3].

Mittlerweile sind sie zu rechten Kampfbegriffen mutiert, mit denen alle belegt werden, die für eine egalitäre Gesellschaft eintreten und nicht der Meinung sind, dass Grundrechte eine Frage der Hautfarbe, des Geschlechts oder der Herkunft sind. Auch der Begriff der “Islamisierung” machte eine Wandlung durch. Noch vor einem Jahrzehnt war er mit der Kritik säkularer Kräfte am religiösen Machtanspruch verbunden.

Eine solche Kritik ist eigentlich heute noch genau so aktuell.  Doch mittlerweile wurde Islamismus zu einem rechten Kampfbegriff. Deutlich wird in dem Handbuch auch herausgearbeitet, dass solche Kampfbegriffe oft auch in rechten Kreisen umstritten sind. So hat der Begriff des Abendlandes mit dem Aufkommen der Pegida-Bewegung und ihrer Ableger eine neue Renaissance erfahren.

Dabei sind sich die Teilnehmer dieser Aufmärsche nicht einig, wer eigentlich zu dem Abendland gehören soll, das sie retten wollen. Soll es ein rein christliches Abendland oder ein jüdisch-christliches Abendland sein?

Der letzte Begriff wird auch von Ultrarechten gerne angeführt, um sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus zu immunisieren. Der Wissenschaftler Wolfgang Benz betont, dass es historisch ein christlich-jüdisches Abendland nie gegeben hat. Lange Zeit wurde vielmehr der Begriff des Abendlandes zur Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden benutzt.

Neonazikreise träumen sogar von einen vorchristlichen, heidnischen Abendland. Die Differenzen werden auf den Pegida-Aufmärschen nicht ausgetragen, weil der Begriff Abendland ein Platzhalter ist. Die einen kommen mit einem Christenkreuz, die anderen tragen T-Shirts mit dem Motto  ”Odin statt Jesus” und zwischendrin verirrt sich auch noch jemand mit einer Israelfahne in den Aufmarsch. Die Verbreitung des Abendland-Begriffs beschränkt sich nicht nur auf die extreme Rechte.

So titelte die FAZ im Jahr 2007 “Stehen Moscheen für eine neue byzantinische Gefahr?” Im Text hieß es: “Sollte das Abendland also doch untergehen und jedes neue Minarett zum Wegweiser der Welt von morgen werden.” Auch der in rechten Kreisen so populäre Begriff “der 68er”, die dort für alle Erscheinungen der Moderne verantwortlich gemacht werden, die sie hassen, hatte bereits vor 30 und 40 Jahren in großen Teilen der Unionsparteien eine ähnliche Funktion.

Besonders in den späten 1970er Jahren wurden die 68er und speziell auch die Theoretiker der Frankfurter Schule für linke Gewalt, für eine freche Jugend, die Libertinage und vermehrten Drogenkonsum verantwortlich gemacht. So kann auch an den Wandlungen und Kontinuitäten der rechten Begriffsbildung verdeutlicht werden, dass das Milieu, das heute AfD wählt oder zu Gida-Aufmärschen geht, durchaus nicht so weit weg von der Union ist, wie wir sie noch in der Kohl-Ära kannten.

http://www.heise.de/tp/artikel/47/47765/1.html

Peter Nowak

Anhang

Links

[1]

http://www.disskursiv.de/2015/10/26/neuerscheinung-handwoerterbuch-rechtsextremer-kampfbegriffe

[2]

http://soz-kult.hs-duesseldorf.de/virchow

[3]

http://www.deutschlandradiokultur.de/gutmenschen-eben-mal-die-welt-retten.976.de.html?dram:article_id=294305

Aufklärung über rechte Ideologie in der Sprache

Donnerstag, 10. März 2016

Wahlerfolge der AFD, Blockade-Aktionen vor Flüchtlingsunterkünften, Pegida- und „Nein zum Heim!“-Demonstrationen in vielen Städten. Kein Zweifel, die rechte Bewegung erlebt in den letzten Monaten auch in Deutschland einen  Aufschwung. Dabei ist ihr es gelungen, über ihre kleinen rechten Zirkel hinaus auch in Bevölkerungskreise einzuwirken, die sich nicht zur Rechten zählen würden. Das wird deutlich, wenn sich Menschen mit Schildern „Wir sind besorgte Bürger und keine Nazis“ an Demonstrationen beteiligen, die von extremen Rechten organisiert werden. Doch der rechte Einfluss zeigt sich nicht nur auf der Straße, sondern auch im gesellschaftlichen Diskurs.

Auf die bisher zu wenig beachteten rechten Erfolge auf der Ebene der Sprache und der öffentlichen Debatte macht das „Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe“ aufmerksam. Es ist als Kooperationsprojekt des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS) und des Forschungsschwerpunkts Rechtsextremismus/Neonazismus (FORENA) an der Hochschule Düsseldorf entstanden. Beide wissenschaftliche Institutionen forschen seit Längerem zu der Frage, wie rechte Kreise mit eigenen Kampfbegriffen die gesellschaftliche Debatte bestimmen. 20 Autor_innen  stellen in informativen Aufsätzen 25 solcher Begriffe vor, die in der rechten Debattenkultur aktuell eine Rolle spielen. Dazu gehört der „68er“ ebenso wie die „Geschlechtergleichstellung“, die zu den besonderen Kampfbegriffen der Rechten gehören.

Mitherausgeber Fabian Virchow unterscheidet Typen von rechten Kampfbegriffen, die unterschiedliche Funktionen haben, deren Abgrenzung aber nicht immer möglich ist. So gibt es Begriffe, die den politischen Standort im rechten Lager markieren sollen. Als Beispiel führt Virchow “Schuldkult“ an, eine Wortschöpfung, mit dem die extreme Rechte Gedenkveranstaltungen zu NS-Verbrechen abwertet und verhöhnt. Andere originär braune NS-Sprachschöpfungen waren später in großen Teilen der Gesellschaft mit Recht tabuisiert und werden in letzter Zeit von der Rechten wieder reaktiviert. Dazu gehören Begriffe wie „deutsche Volksgemeinschaft“ oder der Verweis auf ein „Tausendjähriges deutsches Reich“. Vor einiger Zeit waren das noch Codes kleiner rechter Zirkel. In den letzten Monaten wurden sie von Rechtsaußen-Politikern der AfD wie Björn Höcke in Reden vor Tausenden Menschen verwendet. Eine dritte Gruppe von Begriffen verweist auf Politikvorstelllungen, die eigentlich nichts mit rechtem Gedankengut zu tun haben. Doch im aktuellen rechten Diskurs werden Termini wie „Freiheit“ und „Demokratie“ immer dann verwendet, wenn es darum geht, „Volkes Stimme“ gegen „abgehobene Politiker“ oder die Eliten in Stellung zu bringen. Darauf gehen Bernhard Steinke und Fabian Virchow in dem Handbuch ein. Eine weitere Begriffsgruppe, die untersucht wird, ist ebenfalls außerhalb rechter Kreise entstanden, wurde aber mittlerweile von Rechts gekapert. Dazu gehören Termini wie Political Correctness oder Islamisierung. Noch vor einem Jahrzehnt stand der Begriff „Islamisierung“ mit der Kritik säkularer Kräfte am Machtanspruch religiöser Kräfte in direktem Zusammenhang. Benjamin Kerst zeigt in seinen Aufsatz, wie der „Islamismus“ zum Kampfbegriff der Rechten wurde und durch Pegida eine regelrecht mobilisierende Wirkung bekommen hat.

Das informative Handwörterbuch richtet sich an Multiplikator_innen aus Schule, Sozialarbeit und Gewerkschaft, aber auch an Journalist_innen.

Bente Gießelmann, Robin Heun, Benjamin Kerst, Lenard Suermann, Fabian Virchow (Hrsg.): Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe, Wochenschau-Verlag (Schwalbach/Ts.) 2015, 368 Seiten, 24,80 Euro, ISBN 978-3-7344-0155-8

Bente Gießelmann, Robin Heun, Benjamin Kerst, Lenard Suermann, Fabian Virchow (Hrsg.): Handwörterbuch rechtsextremer Kampfbegriffe, Wochenschau-Verlag (Schwalbach/Ts.) 2015, 368 Seiten, 24,80 Euro, ISBN 978-3-7344-0155-8

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Peter Nowak