Hinter dem Finanzamt liegt der Strand

Stadt­po­li­tische Gruppen und Mie­ter­initia­tiven fordern bezahl­baren Wohnraum auf dem ehe­ma­ligen Dra­goner­ge­lände

Bisher findet man auf dem Areal hinter dem Finanzamt Kreuzberg/​Friedrichshain vor allem Park­plätze und Auto­werk­stätten. Doch das könnte sich bald ändern. Denn schon längst hat die Aus­ein­an­der­setzung über die Zukunft des 4,7 Hektar großen ehe­ma­ligen Kaser­nen­ge­ländes begonnen. Das Dra­goner-Areal ist im Besitz der Bun­des­an­stalt für Immo­bi­li­en­auf­gaben (BImA), die es meist­bietend ver­kaufen will. 2012 schien sie damit schon am Ziel. Die ABR German Real Estate AG hatte es für 21 Mil­lionen Euro erworben und wollte teure Eigen­tums­woh­nungen sowie Gebäude für Bau­gruppen dort errichten. Im Februar 2014 trat der Investor vom Kauf zurück und nun soll es erneut höchst­bietend ver­kauft werden. Bis zum 31. Juli können sich noch Kauf­willige melden. Das Interesse ist vor­handen, wie sich am Mitt­woch­mittag zeigte. Ca. 40 poten­tielle Käufer trafen sich dort mit Bezirks­po­li­tikern im Rathaus Kreuzberg. Dort machte ihnen Stadtrat Panhoff aller­dings auch klar, dass indem Bezirk auch Mieter und soziale Initia­tiven ein Faktor sind.

Kom­mu­naler Woh­nungsbau statt Bau­gruppen
Die hatten sich am Mitt­woch­mittag nur wenige Meter ent­fernt am Eingang zum ehe­ma­ligen Kaser­nen­ge­lände zum sym­bo­li­schen Bau­beginn getroffen. Karton wurden auf­ge­stapelt auf denen For­de­rungen nach einer Stadt für alle zu finden waren. Auf einem Trans­parent stand die Parole: „Hier ver­nichtet der Bund bezahl­baren Wohnraum“. Ihre Haupt­kritik richtet sich gegen die BImA, die nach der Pleite mit der German Real Estate erneut auf das Höch­stan­gebot besteht.
»Da wo Land und Bund 100% Zugriff haben, sollten sie nicht nach Markt­be­din­gungen agieren, an die Stelle des Marktes sollten Modelle für einen neuen kom­mu­nalen Woh­nungsbau treten. 100% wirklich soziale Mieten und eine aus­ge­baute Mie­ter­mit­be­stimmung sind nur zwei Kri­terien die hier ein Rolle spielen sollten, „ betonte Eli­sabeth Voss von der Initiative „Stadt von unten“. Ihr Mit­streiter Andreas Krüger sekun­diert ihr: „Wir müssen soviel Druck auf­bauen, dass die BImA ihre Vor­stel­lungen nicht mehr durch­setzen kann“. Der stadt­po­li­tische Aktivist Enrico Schönberg hat ganz klare For­de­rungen: „Als erster Schritt muss der Ver­kaufs­prozess gestoppt werden. Dann müssen die Spiel­regeln geändert werden.“ Das Ziel sollen soziale Miet­woh­nungen sein, die dau­erhaft abge­si­chert sind. Auch für dau­er­hafte preis­werte Ate­liers soll es in der Modell­siedlung Platz geben.
Der Vereins Upstall Kreuzberg hat schon Kon­zepte für einen sozialen Woh­nungsbau auf dem Gelände ent­wi­ckelt. Diese Pläne sollen mit Inter­es­sierten weiter dis­ku­tiert werden. Am 26. Juli wird es dazu Gele­genheit geben. Dann planen Mieter- und Stadt­teil­ak­ti­visten ab 15 Uhr auf dem Dra­goner­ge­lände eine mehr­stündige Kund­gebung. Dann wird sich zeigen, ob es den Initia­tiven gelingt, ein Faktor zu werden, der Ein­fluss auf die Zukunft des Geländes nimmt. Ein Erfolg könnte auch Aus­wir­kungen auf andere Pro­jekte haben. Schließlich ist es in der Öffent­lichkeit schwer ver­mit­telbar, dass in Zeiten, in denen alle von einer Miet­bremse reden, eine bun­des­eigene Ein­richtung kräftig an der Miet­schraube dreht.

Mie­te­rEcho online 17.07.2014

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Peter Nowak