Krude Esoteriker? Auch die gab es 1990 unter den Hausbesetzern in Ostberlin. Einer, der das alles miterlebte, hat nun ein Buch verfasst.

Druiden in der Germanenetage

Stino ein Spitzname. Das Buch „Stino. Von West nach Ost – durch Berlin 1990“ (260 S., 18 Euro) ist im Selbst­verlag erschienen und kann über (www​.ber​lin1990​.de) bestellt werden. Am 6. Dezember, 19 Uhr, stellt der Autor das Buch in der Lie­big­straße 34 vor.

taz: Stino, Sie sind schon immer unter diesem Spitz­namen bekannt, als Buch­autor nennen Sie sich jetzt Antonio Porete. Warum benutzen Sie nicht Ihren Klar­namen?

Stino: Ich führe seit 2012 Arbeits­ge­richts­pro­zesse, am 15. Januar habe ich den nächsten Termin. Sollte das Gericht meinen Namen in Zusam­menhang mit dem Buch bringen, rechne ich mit einer Par­tei­nahme des Gerichts und dem Verlust meines Arbeits­platzes. Daher trete ich nicht mit meinem Namen auf. Um gegen Rechts­beugung und Mobbing vor­gehen zu können, benötige ich Unter­stützung und rufe zur Pro­zess­be­ob­achtung auf

Woher kommt denn „Stino“?.….

„Druiden in der Ger­ma­nen­etage“ wei­ter­lesen
Bedrohte linke Kneipen in Berlin

Sterndemo gegen Verdrängung

Am Samstag demons­trieren bedrohte Pro­jekte in der ganzen Stadt gegen Immo­bi­li­en­spe­ku­lation. Die Akti­vis­tInnen wün­schen sich „ein bisschen Chaos in der Stadt der Reichen“.

Schlechte Zeiten für die linke Sub­kultur in Berlin: Immer mehr linke Kneipen und Clubs sind von Ver­drängung bedroht. Seit Jah­res­beginn sind die Räume des femi­nis­ti­schen Haus­pro­jekts Liebig34 in Fried­richshain, des Jugend­zen­trums Potse in Schö­neberg und der Stadt­teil­kneipe Syn­dikat in Neu­kölln ohne Miet- oder Pacht­ver­träge. In wenigen Monaten könnte auch die linke Kreuz­berger Kneipe Meu­terei ihren Vertrag ver­lieren (taz berichte).

„Wir bleiben alle“

An diesem Samstag wollen sie deshalb alle zusammen auf die Straße gehen. Unter… „Sterndemo gegen Ver­drängung“ wei­ter­lesen

Mieter/​innen beginnen Kampagne für Erhalt der Liebigstraße 34

„Lie­big­straße 34 bleibt“. Diese Parole konnte man bereits vor mehr als 10 Jahren häufig auf Flug­blättern und Pla­katen lesen. Damals kämpften die Bewohner/​innen des Haus­pro­jekts in Berlin-Fried­richshain noch erfolg­reich gegen ihre Ver­treibung. Doch der mit dem Eigen­tümer Gijora Padovicz abge­schlossene Pacht­vertrag hatte eine Laufzeit von 10 Jahren. Bis zum 31. Dezember 2018 sollen die Bewohner/​innen das Haus räumen. Auf mehrere Ver­suche der Bewohner/​innen, mit dem Eigen­tümer über die Ver­län­gerung des Ver­trags ins Gespräch zu kommen, schei­terten. Padovicz und seine Ver­waltung haben darauf nicht einmal reagiert. Dafür erhielten die Bewohner/​innen Briefe, in denen sie zur Zahlung von vier­stel­ligen Summen auf­ge­fordert worden. Dabei soll es sich um angeblich ange­fallene Neben­kosten handeln, die aller­dings bisher nie ein­ge­fordert und auch nicht spe­zi­fi­ziert wurden. Die Bewohner/​innen igno­rierten die Zah­lungs­fristen. Sie haben mitt­ler­weile eine neue Kam­pagne „Lie­big­straße 34 bleibt“ begonnen. Wieder liest man die Parole auf Trans­pa­renten und Häu­ser­wänden. Für den 29. Sep­tember ist eine über­re­gionale Demons­tration geplant, die um 18 Uhr am Wis­mar­platz im Fried­richs­hainer Südkiez beginnen und dann an ver­schie­denen Orten der dro­henden Mieter/​innenvertreibung vorbei zur Lie­big­straße 34 ziehen soll.

Es geht um Mieter/​innenrechte und nicht um Frei­räume.
Unter­stützt wird die Demons­tration auch von der Bezirks­gruppe Fried­richshain der Ber­liner Mie­ter­ge­mein­schaft und von Mieter/​innen ver­schie­dener Padovicz-Häuser, die sich seit einigen Monaten koor­di­nieren. Monatlich gibt es Treffen, die reihum in den unter­schied­lichen Häusern statt­finden. Zu den Gebäuden, in denen Mieter/​innen in Kon­flikt mit Padovicz stehen, gehören die Kreut­ziger Straße 13, die Seu­me­straße 13, die Gärt­ner­straße 21, die Dol­ziger Straße 43 und die Haupt­straße 1.
Einige Mieter/​innen des weit­läu­figen Kom­plexes der Haupt­straße 1 in unmit­tel­barer Nähe des Ost­kreuzes haben sich in den letzten Monaten gegen ihre Ver­drängung gewehrt, nachdem ihre befris­teten Ver­träge nicht ver­längert wurden. Im Sep­tember 2018 soll in der BVV Lich­tenberg über einen Bebau­ungsplan für das Gelände ent­schieden werden. Die Mieter/​innen wollen dort deutlich machen, dass hier güns­tiger Wohnraum ver­nichtet werden soll und dass es sich bei dem Gelände nicht um eine Brache handelt. Mitt­ler­weile haben die Padovicz-Betrof­fenen einen Fra­ge­bogen ent­wi­ckelt, mit dem die Mieter/​innen der unter­schied­lichen Häuser über ihre Zufrie­denheit Aus­kunft geben können. Er soll auf den Padovitz-Watchblog (https://padowatch.noblogs.org )gestellt werden und kann auch online beant­wortet werden. Inzwi­schen hat die Padovicz-Unter­neh­mens­gruppe nicht nur mit Mieter/​innen, die ihre Rechte kennen und wahr­nehmen, Pro­bleme: Ein bekannter Immo­bi­li­en­anwalt möchte nicht mehr für ihn arbeiten. Zudem hat sich ein Hand­werker gemeldet, der angibt, bereits 2001 von Padovicz um Gelder geprellt worden zu sein. Wie bei den Ent­mie­tungs­stra­tegien ist die Padovicz-Unter­neh­men­gruppe auch beim Umgang mit den Abrech­nungen von Beschäf­tigten und Handwerker/​innen keine Aus­nahme in der Branche. Mit­tel­stän­dische und kleinere Betriebe, die für Padovicz und Co. arbeiten, werden nur schleppend oder gar nicht bezahlt. Bleiben sie der Bau­stelle fern, wird ein anderes Unter­nehmen beauf­tragt. Hier bieten sich auch Akti­ons­mög­lich­keiten für Mieter/​inneninitiativen, die mit den Handwerker/​innen Kontakt auf­nehmen und sie bei ihren For­de­rungen unter­stützen. Die Kam­pagne zum Erhalt der Lie­big­straße hat so die Chance, nicht nur eine linke Szene, die für den Erhalt ihrer Frei­räume ein­tritt, anzu­sprechen. Es handelt sich den Kampf um Mieter/​innenrechten, von denen alle betroffen sind, ob sie nun mit einem Pacht- oder einem oft zeitlich begrenzten Miet­vertrag kon­fron­tiert sind. Das Bei­spiel Lie­big­straße 34 macht auch noch mal die Bedeutung des Miet­ver­trags deutlich. Denn schon vor 10 Jahren haben Unterstützer/​innen der Bewohner/​innen darauf auf­merksam gemacht, dass mit dem Abschluss eines Pacht­ver­trags auf einen großen Teil von Mieter/​innenrechten ver­zichtet und der Raus­schmiss der Bewohner/​innen erleichtert wird.

Peter Nowak

aus: Mie­te­rEcho online 16.08.2018
http://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​l​i​e​b​i​g​s​t​r​-​3​4​.html

Mieter/​innen wollen Padovicz enteignen

Vielen Mieter/​innen in Berlin ist der Immo­bi­li­en­un­ter­nehmer Padovicz und seine Siganadia Grund­besitz GmbH seit Jahren bekannt. Schon in den 1990er Jahren fanden sich im Mie­te­rEcho Artikel über Ent­mie­tungs­ver­suche am Rande der Lega­lität. Immer wieder haben Gerichte seine Ent­mie­tungs­pläne gestoppt. Doch auch auf poli­ti­scher Ebene bekommt Padovicz Gegenwind. In Fried­richshain und Lich­tenberg haben sich Mieter/​innen von Padovicz-Häusern zusam­men­ge­schlossen. Sie wollen gemeinsam an die Öffent­lichkeit gehen und weitere Mieter/​innen ermu­tigen, eben­falls Wider­stand zu leisten. Dazu laden die Mieter/​innen am Sonntag, den 24.Juni, zu einem Kiez­spa­ziergang durch Fried­richshain ein. Start­punkt ist um 16 Uhr auf dem Box­ha­gener Platz. Im Anschluss sollen in Fried­richshain Padovicz-Häuser besucht werden. Mieter/​innen werden über Ent­mie­tungs­ver­suche und Ein­schüch­te­rungen, aber auch über Erfolge berichten. So haben die Bewohner/​innen eines Padovicz-Hauses in der Box­ha­gener Straße/​Ecke Gärt­ner­straße erfolg­reich eine Moder­ni­sierung abge­wehrt, weil sie sofort Haus­ver­samm­lungen ein­be­rufen haben und sich in der Mie­ter­ge­mein­schaft orga­ni­siert haben. Der Kiez­spa­ziergang soll an der Lie­big­straße 34 enden. Das Haus gehört eben­falls Padovicz. Ende 2018 läuft der Pacht­vertrag aus, was für die Bewohner/​innen den Raus­schmiss bedeuten könnte. Ver­suche, über neue Ver­träge zu ver­handeln, blieben bisher unbe­ant­wortet. Auch diese Bewohner/​innen sind ein wich­tiger Bestandteil des Netz­werkes der Padovicz-Mie­ter/innen. Mit der For­derung „Padovicz ent­eignen“ stellen sie die Eigen­tums­frage und knüpfen an die For­derung der Mieter/​innen der Deutsche Wohnen an, die eben­falls die Ent­eignung fordern.

Der Haus­meis­ter­service „Dr. House“
Die aktiven Padovicz-Mie­ter/innen beschäf­tigen sich auch mit der Dr​.House Solu­tions Service GmbH, die in den letzten Jahren ver­stärkt als Haus­meis­ter­firma vor allem in Fried­richs­hainer Padovicz-Häusern auf­tritt. Doch um Män­gel­be­sei­tigung gehe es ihr in der Regel nicht, kri­ti­sieren Mieter/​innen. „Dafür kümmert sich Dr. House vor allem um Ent­rüm­pe­lungen. Die Kosten werden dann auf die Miete ange­rechnet“, berichtet die Bewoh­nerin eines Hauses, die ihren Namen nicht nennen möchte. Zudem würden die Mitarbeiter/​innen von Dr. House regel­mäßig von Mieter/​innen ange­legte Gärten oder selbst­or­ga­ni­sierte Instand­set­zungen zer­stören, so die Kritik. Auf dem Kiez­spa­ziergang sollen die Mieter/​innen von Padovicz-Häusern ihre Erfah­rungen mit der Haus­meis­ter­firma Dr. House mit­teilen. Dafür kann auch die Email­adresse padowatchblog@​riseup.​net genutzt werden.

Pado­watch ein Blog von Mieter/​innen für Mieter/​innen
Der Name ver­weist auf den Blog (https://pado​watch​.noblogs​.org ), der seit Kurzem online ist. Erstellt wurde er von Mieter/​innen, die in den letzten Jahren Erfah­rungen mit Padovicz und seinen Firmen gesammelt haben. „Seit den 90er Jahren kauft er im großen Stil Wohn­häuser in Berlin, saniert, oft mit öffent­lichen Geldern, und wirft die Altmieter/​innen auf die Straße. Immer wieder haben sich Mieter/​innen gegen Padovicz zusam­men­getan, immer wieder gab es Erfolge gegen diesen »Big Player« der Immo­bi­li­en­branche. Wir wollen diese wehr­haften Miete­rI­innen mit Infor­ma­tionen unter­stützen und sie zusam­men­bringen“, heißt es auf dem Blog. Auf der Start­seite gibt es eine Skizze von dem Fir­men­ge­flecht des Padovicz-Impe­riums sowie eine Ber­linkarte, auf dem Padovicz-Häuser auf­ge­zeichnet sind. Da Padovicz trotz seiner seit Jahren bekannten Ent­mie­tungs­prak­tiken wei­terhin mit öffent­lichen Geldern gefördert wird, sollte auch dessen Ver­bindung zur Politik ein wich­tiges Thema sein.

Mie­te­rEcho 19.06.2018
http://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​p​a​d​o​v​i​c​h​-​e​n​t​e​i​g​n​e​n​.html
Peter Nowak

Gegen Tendenz zur Räumung

Demons­tration zur Erhaltung von Frei­räumen: Vor­be­rei­tungs­treffen in der Schö­ne­berger Potse

Pun­ker­freizeit-Ein­richtung oder Hostel – was wird aus der Pots­damer Straße 180? Diese Frage inter­es­siert vor allem die Betrei­be­rInnen der Potse und vom Drugstore. Die beiden ältes- ten selbst­ver­wal­teten Jugend­zentren Berlins haben seit über 40 Jahren in der Pots­damer Straße ihr Domizil.
Noch immer fürchten sie, zum 31. Dezember dieses Jahres die Räume in Schö­neberg ver­lassen zu müssen. Die Signale aus der Politik sind unein­heitlich. Der Bezirk Tem­pelhof-Schö­neberg hat im Haus­haltsplan 2018/2019 Mittel bereit­ge­stellt, um auch eine erhöhte Miete für die Jugend­ein­rich­tungen finan­zieren zu können. Doch die Ver­trags­ver­hand­lungen mit den Eigen­tü­me­rInnen der Pots­damer Straße 180–182 haben bisher kein Ergebnis gebracht.
In der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­sammlung (BVV) hat sich besonders die AfD gegen die Jugend­zentren posi­tio­niert, denen sie „extre­mis­tische Ten­denzen“ vor­wirft. Eine Ver­tre­terin der Linken setzte sich in der BVV dagegen für den Erhalt von Potse und Drugstore in den bis­he­rigen Räumen wegen deren anti­fa­schisti- scher und anti­ras­sis­ti­scher Arbeit ein.

Kon­zerte und Demons­tra­tionen
Seit fast einem Jahr machen die Unter­stüt­ze­rInnen der Jugend­zentren außer­par­la­men­ta­ri­schen Druck für einen Ver­bleib in den Räumen. Dazu gehören eine Online­pe­tition sowie Kon­zerte und Demons­tra­tionen. Für den 18. November ist eine ber­lin­weite Demons­tration geplant, in der es neben den beiden Jugend­zentren auch um den Erhalt wei­terer von Ver­drängung bedrohter Pro­jekte geht. Dar­unter ist das Haus­projekt Lie­big­straße 34, dessen Vertrag im nächsten Jahr aus­läuft. Der Neu­köllner Gemein­schafts­garten Pracht­tomate soll bereits Mitte November einen Teil seiner Fläche ver­lieren (taz berichtete). Die so unter­schied­lichen Pro­jekte treffen sich am 1. November um 18 Uhr in den Räumen der Potse zu einem Vor­be­rei­tungs­treffen.

aus Taz vom 1.11.2017

Peter Nowak