IG Metall schließt aus

Die Alter­na­tiven Metaller bei der Daimler Chrysler-AG in Kassel haben mit Aus­schluss­ver­fahren der IG-Metall-Spitze Erfahrung. Bereits kurz nach der Gründung 1990, aber auch nach den Betriebs­rats­wahlen 1993 und 2002 wurden Mit­glieder der links­ge­werk­schaft­lichen Gruppe aus­ge­schlossen, weil sie mit einer eigenen klas­sen­kämp­fe­ri­schen Liste zu den Betriebs­rats­wahlen ange­treten sind. Nun drohen Michael Fuchs, Mirko Berger und Udo Pus­ceddu, drei aktiven IG Metallern, aus dem gleichen Grund erneut Aus­schlüsse. Im letzten Jahr erhielten bereits linke Gewerk­schafter aus dem Daimler-Werk Berlin-Mari­en­felde wegen Eigen­kan­di­da­turen Funk­ti­ons­verbote in der IG Metall und bei Daimler-Sin­del­fingen gab es des­wegen Aus­schlüsse.

Immer sind kämp­fe­rische Gewerk­schafter betroffen, weil sie in ihrem Betrieb umsetzen, was der zweite Vor­sit­zende der IG Metall 2008 ein­for­derte: Ange­sichts ver­schärfter Angriffe der Unter­nehmer müsse in Zukunft mehr auf die »kon­flikt­orische Aus­ein­an­der­setzung« und die »direkte Betei­ligung der Beschäf­tigten« gesetzt werden, erklärte er. Doch mit den Aus­schlüssen werden aktive Kol­legen, die auch auf Betriebs­rats­ebene für eine Alter­native zum Kurs des Co-Manage­ments ein­treten, sank­tio­niert und nicht ermuntert. Dabei kan­di­dieren seit Jahren ohne Kon­se­quenzen in Ber­liner und Ham­burger Betrieben IG Metaller auf unter­schied­lichen Betriebs­rats­listen.

Wie in den anderen Stand­orten sind auch in Kassel Pro­teste gegen die Sank­tionen ange­laufen. Anfang Februar gab es eine gut besuchte Soli­da­ri­täts­ver­an­staltung mit den vom Aus­schluss bedrohten Kol­legen. Gewerk­schafter aus dem gesamten Bun­des­gebiet haben einen Aufruf unter dem Motto »Gewerk­schafts­aus­schluss von Metallern in Kassel ver­hindern« gestartet, der unter www​.labournet​.de/​b​r​a​n​c​h​e​n​/​a​u​t​o​/​d​c​/​k​s​/​a​u​s​s​c​h​l​u​s​s​p​r​o​t​e​s​t​1.pdf unter­stützt werden kann.

Die kämp­fe­ri­schen Kol­legen brauchen diese Soli­da­rität auch gegen den Konzern. So dürfen die Alter­na­tiven Metaller Betriebs­zei­tungen, die sie vor dem Fabrik­toren ver­teilen, nach einem Urteil des Arbeits­ge­richts Kassel nicht ins Netz stellen. Gegen diese Zensur müsste auch die IG Metall schon in Eigen­in­teresse vor­gehen, statt die Kol­legen zu maß­regeln.

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Peter Nowak