Kundgebung für revolutionären Gemischtladen

Betreiber kämpft, um Räumung zu verhindern / Stadtteilinitiative organisiert Lichterumzug gegen Verdrängung

Nicht nur in Köln mel­deten sich am 11. 11. um 11.11 Uhr die Jecken zu Wort. Auch in der der Kreuz­berger Man­teuf­fel­straße 99 hatte der Betreiber des dor­tigen »Gemischt­wa­ren­ladens mit Revo­lu­ti­ons­bedarf« zu einer Kund­gebung mit när­ri­schen Kar­ne­vals­reden ein­ge­laden. Seit über einem Jahr kämpft Hans Georg Lin­denau unter­stützt von Stadt­teil­in­itia­tiven gegen seine Räumung.

The­ma­ti­siert werden sollte am Frei­tag­vor­mittag die nach Ansicht von Hans Georg Lin­denau »ver­rückte Rechts­spre­chung«, mit der in der letzten Zeit Räu­mungen von Mietern legi­ti­miert werden. So hätten die Richter des Ber­liner Land­ge­richts in ihrem Räu­mungs­urteil bestritten, das Lin­denau in seiner Laden­wohnung im Par­terre des Hauses lebt. »Dabei bekomme ich seit Jahren regel­mäßig die Post und auch die Wahl­be­nach­rich­ti­gungen an diese Adresse«, erklärt Lin­denau.

Als wei­teres Bei­spiel für eine »ver­rückte« Rechts­spre­chung führt der quer­schnitt­ge­lähmte Mann auf, dass das Gericht in dem Urteil bestritten hat, dass er auf einen Roll­stuhl ange­wiesen sei. Bisher ist die Räumung seines Geschäfts aus­ge­setzt, zumindest bis mit einem psych­ia­tri­schen Gut­achten die Folgen eines Ver­lustes seiner Laden­wohnung für seine psy­chische Gesundheit geklärt wurde. Lin­denau machte auf der Kund­gebung noch einmal deutlich, dass er bei einer Räumung sein Lebens- und Arbeits­umfeld ver­lieren würde.

Neben den Gerichts­be­schlüssen the­ma­ti­sierte Lin­denau weitere »ver­rückte« Tat­sachen. So habe der Haus­ei­gen­tümer in der Man­teuf­fel­straße mehrere Feri­en­woh­nungen ein­ge­richtet, obwohl doch eine Ver­ordnung diese Umwandlung von Miet­woh­nungen ver­hindern soll.

Doch der Kreuz­berger Aktivist kämpft nicht nur gegen seine dro­hende Ver­treibung. In Bei­trägen wurde an den Nach­bar­schafts­laden in der Neu­köllner Frie­del­straße 54 erinnert, der bis März 2017 einen Räu­mungs­auf­schub bekommen hat. Bei einer Per­for­mance, bei der Lin­denau einen Poli­zeihelm trug und jeden Satz mit einem Helau beendete, war die Teil­neh­merzahl aller­dings wohl wegen des win­ter­lichen Wetters begrenzt. Die Mobi­li­sierung gegen Lin­denaus dro­hende Zwangs­räumung sollte am Frei­tag­abend weiter besprochen werden. Nach Redak­ti­ons­schluss dieser Seite hatte die Kreuz­berger Nach­bar­schafts­in­itiative Bizim Kiez zum Lich­ter­umzug gegen Baufilz auf­ge­rufen. Neben dem Ver­drän­gungs­druck sollte dort auch die Bebau­ungs­pläne der Cur­v­ry­brache am Spreeufer the­ma­ti­siert werden. Miet­woh­nungen zu bezahl­baren Preisen sind dort nicht vor­ge­sehen.

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