Afghanistankrieg ungeschönt und ungefiltert

Ein preis­ge­krönter Doku­men­tarfilm erregt die dänische Öffent­lichkeit
»Was kümmert mich, wenn hier ein Mädchen stirbt. Pech, wie ver­schüttete Milch. Es sterben so viele Leute.« Das ist eine der Pas­sagen, die derzeit in der däni­schen Öffent­lichkeit erregt dis­ku­tiert werden. Es ist das Statement eines däni­schen Sol­daten im Afgha­ni­stan­einsatz. Sie stammt aus dem Film Arma­dillo, der beim Film­fes­tival in Cannes preis­ge­krönt wurde.

Der dänische Fil­me­macher Janus Metz hat für seinen Doku­men­tarfilm die däni­schen Sol­daten in Afgha­nistan über Monate begleitet. Er wollte das wahre Gesicht des Krieges in Afgha­nistan zeigen. Das ist ihm gründlich gelungen und hat jetzt in dem skan­di­na­vi­schen Land zu einer kri­ti­schen Debatte über das mili­tä­rische Enga­gement am Hin­du­kusch geführt.

Obwohl bereits 29 dänische Sol­daten in Afgha­nistan ums Leben gekommen sind, war der Einsatz der 750 ISAF-Sol­daten, die dort vor allem in der Provinz Helmand aktiv sind, bisher kaum Gegen­stand einer öffent­lichen Dis­kussion. Das hat Arma­dillo ver­ändert. Denn der Film kon­ter­ka­riert das offi­zielle dänische Selbstbild von den Sol­daten als eine Art bewaff­neter Hilfs- und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sation. Die im Film zitierten Sol­daten machen nämlich deutlich, dass sie nicht aus poli­ti­schen Gründen, sondern wegen des per­sön­lichen Kicks in Afgha­nistan sind.
»Fuck, war das fett! Da lagen vier und röchelten. Tak­t­ak­t­aktak, wir halten drauf, 30, 40 Schuss in den einen. Da kriecht keiner mehr weg, wenn wir da waren. Fucking fett! Jetzt ist man im Krieg gewesen!«, so äußert sich ein Soldat, der den Krieg als eine Art Com­pu­ter­spiel in Rea­lität begreift.

Schon sprechen manche Kriegs­gegner von einem däni­schen Vietnam. In den späten 60er und frühen 70er Jahren sorgten Filme in den USA dafür, dass sich eine rea­lis­tische Sicht auf den Viet­nam­krieg ver­breitete und die Oppo­sition gegen den Krieg wuchs.


Übrigens steht ein ähn­licher Film über die deut­schen Sol­daten in Afgha­nistan noch aus. Der Film Der Tag der Spatzen handelt von dem Versuch des Fil­me­ma­chers Philipp Scheffners, sich dem Thema Mili­ta­ri­sierung in Form eines poli­ti­schen Natur­films anzu­nähern. »Wir wollten nie nach Afgha­nistan, erklärt Philipp Scheffner, und sein Film beweist, dass man das, was dort geschieht, unter Betei­ligung der Bun­deswehr nicht filmen kann«, schreibt die FAZ. Warum eigentlich nicht?.

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Peter Nowak