Wombat enteignen

Union Busting in der Tourismusbranche

In Berlin-Mitte wehren sich Beschäf­tigte des Hostels Wombats gegen Schi­kanen des Manage­ments

„Wombat ent­eignen“ stand auf Schildern, die Teilnehmer/​innen einer Pro­test­kund­gebung am 17. Mai vor einem Gebäude in der Alten Schön­hauser Allee 2 in Berlin-Mitte in die Höhe hielten. Dort hat das Hostel Wombat sein Domizil. Es gibt Filialen in München, London, Budapest, Wien und ab Anfang August auch in Venedig. Die Ber­liner Filiale soll aller­dings zum 31. August geschlossen werden. Des­wegen riefen die Beschäf­tigten zu der Pro­test­kund­gebung vor dem Hostel auf. Der Grund für die dro­hende Schließung ist nicht etwa man­gelnder Umsatz, das Hostel mit seinen 350 Betten ist im tou­ris­tisch beliebten ehe­ma­ligen Scheu­nen­viertel oft aus­ge­bucht. Mit der Aufgabe der Filiale wollen die Wombat-Eigen­tümer …

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Urlaub machen, wo andere sich ausbeuten

PROTEST Ehe­malige Ange­stellte eines Hostels in Mitte demons­trieren gegen Lohn­dumping

»Für euch ist es Urlaub – für uns ist es Aus­beutung« stand auf einen großen Schild, das am Sams­tag­nach­mittag auf einer Kund­gebung vor dem Hostel Amadeus in der Brun­nen­straße 70 getragen wurde. Rund 70 Teil­neh­me­rInnen – ehe­malige Beschäf­tigte des Hostels und deren Unter­stüt­ze­rInnen – pro­tes­tieren dort gegen aus­beu­te­rische Arbeits­be­din­gungen in dem Hostel.

»Ich arbeitete täglich etwa acht Stunden an sechs Tagen in der Woche. Und am Monatsende erhielt ich für die Arbeit 100 Euro,« sagte ein ehe­ma­liger Beschäf­tigter gegenüber der taz. Auch Nathan Letore aus Frank­reich, zunächst zu Besuch in Berlin, landete im Amadeus-Hostel: »Wir suchten ein Zimmer, und im Hostel sagten sie uns, wir könnten hier leben und arbeiten.« Auch James aus Schottland kam so zu einem Job mit viel Arbeit und geringem Lohn: Er habe dort drei Monate für einen Stun­denlohn von 0,65 Cent gear­beitet, berichtet er der taz.

Eine Frau, die mehrere Wochen an der Rezeption des Hotels gear­beitet hat, berichtet, dass sie von der Geschäfts­führung beauf­tragt wurde, an Tou­ris­tInnen aus Bul­garien, Rumänien und Israel keine Zimmer zu ver­mieten.

Mit einem Rundgang durch das Hostel endete die Kund­gebung. Die Teil­neh­me­rInnen waren über­rascht, dass alle Türen offen und kein Mensch in dem Hostel war. Sie klebten Pro­test­plakate an die Wände und befes­tigten an einem Fenster ein Trans­parent mit der Parole »Geld her«. Mehrere der ehe­ma­ligen Beschäf­tigten wollen ihre Lohn­for­de­rungen juris­tisch ein­klagen.

»Mit der Kund­gebung sollen nicht die Arbeits­be­din­gungen im Amadeus-Hostel, sondern auch die Prak­tiken der Job­center öffentlich gemacht werden«, meinte Gitta Schulz von der Erwerbs­lo­sen­in­itiative Basta, die die Kund­gebung unter­stützte. Beschäf­tigte ohne Arbeits­vertrag würden von den Job­centern nicht als Auf­sto­cke­rInnen aner­kannt und seien so gezwungen, von den geringen Löhnen zu leben.

Die Initiative bekommt die Dring­lichkeit des Pro­blems zu spüren. »Immer mehr Men­schen aus ver­schie­denen Ecken Europas kommen in unsere Sozi­al­be­ratung«, berichtet Schulz. Auch die ehe­ma­ligen Amadeus-Beschäf­tigten nutzen die Basta-Räume zur Vor­be­reitung der Kund­gebung.

Die Basis­ge­werk­schaft FAU, die eben­falls die Kund­gebung unter­stützte, will in der nächsten Woche vor ver­schie­denen Ber­liner Hostels an Beschäf­tigte Fra­ge­bögen über die Höhe der Löhne und die Arbeits­be­din­gungen ver­teilen. Sie hält die Zustände bei Amadeus für keinen Ein­zelfall. Die Geschäfts­führung des Hostels gab bisher keine Stel­lung­nahme zu den Vor­würfen ab.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2014%2F02%2F17%2Fa0140&cHash=8804a9efb3549b28ecc012a258ff093f

Peter Nowak