Kategorie: Themen
Wenn auf privatisierten Plätzen die Grundrechte nicht mehr gelten
Ein aktueller Fall in Berlin zeigt, wie richtig die Fragestellung der Innenstadtaktionstage vor 15 Jahren war
Der Leopoldplatz liegt mitten im Berliner Stadtteil Wedding. Viele Menschen überqueren ihn täglich. Kaum jemand wusste, dass dort die Grundrechte nicht uneingeschränkt gelten. Erst als kürzlich die Initiative Hände weg vom Wedding [1], in der sich Mieter und Stadtteilaktivisten aus dem Wedding zusammengeschlossen haben, dort am vergangenen Donnerstag eine Videokundgebung mit dem Film „Mietrebellen“ [2] aufführen wollten, wurde das deutlich.
Seit 2006 gehört ein Teil des Platzes der evangelischen Nazareth-Kirchgemeinde [3] und die lehnte es ab [4], dort die Kundgebung zu genehmigen. Auf dem Platz müsse politische Neutralität herrschen, lautete die Begründung des Vorsitzenden der Kirchengemeinde, Sebastian Bergman. Davon war er auch nicht durch den Offenen Brief [5] von Matthias Coers und Gertrud Schulte Westenberg, den beiden Regisseuren des Films, abzubringen. Dort heißt es:
Fraport-Urteil findet keine Anwendung
Doch gravierender ist, dass sich das Berliner Amtsgericht der Sichtweise der Kirchengemeinde anschloss und eine Einstweilige Verfügung gegen das Platzverbot mit der Begründung zurückwies. dass die Kirchengemeinde „nicht unmittelbar an die Grundrechte gebunden“ sei. Denn bei ihr handele es nicht um „eine staatliche Organisation oder ein Unternehmen, das mehrheitlich im Eigentum der öffentlichen Hand steht“.
Deshalb finde in diesem Fall auch das Fraport-Urteil [6] aus dem Jahr 2005 keine Anwendung. Damals entschied das Bundesverfassungsgericht, dass auch auf einem Flughafen Proteste gegen die Abschiebung von Flüchtlingen möglich sein müssen.
Der Berliner Rechtsanwalt Peer Stolle [7], der die Weddinger Stadtteiliniaitive juristisch vertrat, hat für die Entscheidung des Berliner Amtsgerichts kein Verständnis und hält sie für rechtsfehlerhaft. Im Gespräch mit Telepolis moniert er, dass das Amtsgericht einen Widerspruch unmöglich gemachthat, indem es die Entscheidung nicht per Fax, sondern per Post versandte.
Damit war ein neues Rechtsmittel aus zeitlichen Gründen nicht mehr möglich. Für Stolle hat das Gericht damit einen Rechtsschutz unmöglich gemacht. Letztlich war es am Donnerstagabend der Zivilcourage der Kundgebungsteilnehmer zu verdanken, dass sie die Linie zum kirchlichen Teil des Platzes souverän ignorierten.
Wem gehört die Stadt?
Das Beispiel macht einmal mehr deutlich, wie aktuell die Frage ist, die sich heute viele Mieter und Stadtteilaktivisten stellen: Wem gehört die Stadt? [8]
Das betrifft einkommensschwache Teile der Bevölkerung, die in bestimmten Stadtvierteln nicht mehr leben können, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können. Das betrifft aber auch Menschen, die sich an bestimmten Plätzen nicht mehr aufhalten können, weil sie nicht genug Geld zum Konsumieren haben. Dies kann man an dem Diskurs über die Trinker sehen, die oft zum unerwünschten Ärgernis auf aufgewerteten Plätzen erklärt werden.
Damit sind immer Menschen betroffen, die sich ihr Bier günstig aus dem Spätkauf oder einem Discounter holen und es auf einen öffentlichen Platz genießen wollen. Menschen, die es sich leisten können und wollen, ihre alkoholischen Getränke in einem der Restaurants zu verzehren, werden hingegen als begehrte Konsumenten umworben. Oft folgen der Verdrängung der einkommensschwachen Trinker auf öffentlichen Plätzen die konsumfreudigen Kneipenbesucher.
So wird die Ausübung der Grundrechte zu einer Klassenfrage. Sollte die Lesart des Berliner Amtsgerichts Schule machen, dann könnten private Unternehmen mitten in der Innenstadt Zonen errichten, auf denen die Grundrechte nicht oder nur eingeschränkt gelten. Schließlich handelt es sich beim Leopoldplatz um keinen abgeschlossenen Hinterhof, sondern um einen zentralen Platz.
Aber auch Plätze, die Bewohner einer Straße gemeinsam und ohne Konsumzwänge nutzen, fallen dem Privatisierungswahn zum Opfer. Ein aktuelles Beispiel ist der Hirschhof am Prenzlauer Berg [9], den kritische Geister der DDR-Bürokratie abgetrotzt haben. Nun ist er geschlossen, weil die Eigentumsrechte obsiegt [10] haben. Damit gehen auch Plätze verloren, an denen sich Menschen ohne Konsumzwang und Verwertungslogik treffen, feiern und austauschen konnten.
Solche Orte aber werden in einer Gesellschaft, wo immer mehr Menschen auch in ihrer Lohnarbeit isoliert sind, immer notwendiger. Solche öffentlichen Orte können auch Wände in den Hochschulen sein. Sie waren lange Zeit ein Platz für Flugblätter und Mitteilungen verschiedener politischer Initiativen. Mittlerweile sind die Flächen größtenteils privatisiert. Wenn dort jemand einen Flyer anbringen will, muss er bei den Werbeträgern eine Gebühr zahlen.
Seit Mitte der 90er Jahre warnten künstlerische Initiativen und Stadtteilaktivisten mit Innenstadtaktionstagen [11] vor den Konsequenzen [12] einer Privatisierung öffentlicher Plätze [13]. Diese Bewegungen verschwanden wieder aus dem öffentlichen Diskurs. Nun haben aktive Mieter ihre Themen wiederentdeckt.
http://www.heise.de/tp/news/Wenn-auf-privatisierten-Plaetzen-die-Grundrechte-nicht-mehr-gelten-2289489.html
Peter Nowak
Links:
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„Kritische Begleitung des Prozesses“
15 Jahre »Bologna-Prozess« – das nahm der Freie Zusammenschluss von Studierendenschaften zum Anlass, am vergangenen Wochenende in Bonn eine Bologna-Konferenz zu veranstalten, an der sich Studierendenvertreter, Hochschulmitarbeiter und Gewerkschafter beteiligten. Katharina Mahrt ist Mitglied des Vorstands des Freien Zusammenschlusses von Studierendenschaften und hat mit der Jungle World über die Konferenz gesprochen.
Small Talk von Peter Nowak
Es gab bereits in den Jahren 2009 und 2011 Bologna-Konferenzen. War das nicht genug?
In den Jahren 2009 und 2011 fanden zwei Bologna-Konferenzen statt, die wesentlich vom Ministerium für Bildung und Forschung organisiert wurden. Sie waren eine Folge der Bildungsproteste 2009 und sollten den Dialog zwischen Studierenden, Hochschulmitarbeitern und Politikern über die weitere Umsetzung des »Bologna-Prozesses« fördern. Es gab aber damals von vielen Studierenden die Kritik, dass auf diesen Konferenzen vor allem der Bachelor als Erfolgsmodell dargestellt wurde.
Was ist der Unterschied zu den Konferenzen des Freien Zusammenschlusses von Studierendenschaften?
Seit zwei Jahren organisiert der Freie Zusammenschluss von Studierendenschaften eine eigene Bologna-Konferenz. Dort stehen die aktuellen Umsetzungsprobleme des »Bologna-Prozesses« im Mittelpunkt.
Jahrelang protestierten Studierende gegen den »Bologna-Prozess«. Hat sich Ihre Organisation mittlerweile mit ihm arrangiert?
Keineswegs. Die auf der Konferenz veröffentlichten Ergebnisse einer Online-Umfrage des Freien Zusammenschlusses unter 3 000 Studierenden zeigen, dass zur Zufriedenheit kein Grund besteht und eine kritische Begleitung der Umsetzung des »Bologna-Prozesses« weiterhin notwendig ist. Viele Befragte benennen die Überfrachtung der Lehrpläne und mangelnde finanzielle Ausstattung als Hindernisse für ihr Studium. Zudem sind die Hürden für ein Auslandsstudium noch immer zu hoch.
Gibt es neben der kritischen Begleitung auch noch Studierende, die den »Bologna-Prozess« insgesamt ablehnen?
Mittlerweile kennen mehrere Generationen von Studierenden nur noch den »Bologna-Prozess«. Da spielen diese Diskussionen keine große Rolle mehr.
http://jungle-world.com/artikel/2014/32/50364.html
Peter Nowak
Kampf für Mieterrechte und gegen Privatisierung von öffentlichem Raum im Wedding
„Organisiert Mieterinitiativen. Lernt Eure Nachbaren kennen. Nutzt öffentliche Plätze für Eure Treffen“. Diese Aufforderung richtete eine Rednerin der StadtteiIinitiative „Hände weg vom Wedding“ an ca. 250 Menschen, die sich dort am Donnerstagabend auf dem Leopoldplatz zu Open-Air Aufführung des Films „Mietrebellen“ von Gertrude Schulte Westenberg und Matthias Coers versammelt hatten.
Er zeigt die Vielfalt der Berliner Mieterkämpfe von den Protesten der Senioren der Stillen Straße und der Palisadenpanther bis zu der Bewegung gegen Zwangsräumungen. Daran knüpften Rednerinnen des Weddinger Bündnisses, in dem sich MieterInnen und StadtteilaktivistInnen zusammengeschlossen haben, mit aktuellen Beispielen aus dem Stadtteil an. Sie erinnerten daran, dass im Juni Tina S. aus ihrer Wohnung in der Weddinger Buttmannstraße 18, in der sie über 30 Jahre gewohnt hat, zwangsgeräumt wurde. Eine Erwerbslosenaktivistin berichtet, dass die Mieten auch im Wedding oftmals über den Satz liegen, den das Jobcenter Hartz IV-EmpfängerInnen zubilligt. Für sie bleibt dann nur die Alternative, den Rest der Miete von ihren kargen Einkünften zu bestreiten oder wegzuziehen.
Bereits 2010 trafen sich MieterInnen zu mehreren Veranstaltungen, um über die aktuellen Aufwertungsentwicklungen im Stadtteil zu analysieren und Gegenstrategien zu entwickeln (siehe MieterEcho 541/Juni 2010). Seit letztem Jahr veranstaltet die Initiative „Hände weg vom Wedding“ regelmäßig Kundgebungen auf öffentlichen Plätzen und vor Jobcentern, um auf die Verarmungsprozesse und die drohende Verdrängung einkommensschwacher Menschen im Stadtteil aufmerksam zu machen.
Wenn die Grundrechte nicht mehr gelten
Der Teil des Leopoldplatzes, der seit 2006 im Eigentum der Nazareth-Kirchgemeinde ist, sollte für die MieterInnenkundgebung zur Verfügung stehen. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Sebastian Bergmann erklärte, man müsse die politische Neutralität achten. Davon war er auch nicht durch den Offenen Brief der beiden Regisseure des Films „Mietrebellen“ abzubringen, in dem sie fragten, ob „eine evangelische Gemeinde ihrem Anspruch nach, als Ort der Armen und Verdrängten, ihre Tore nicht öffnen müsste, statt sie für diese öffentliche Filmaufführung zu schließen.“ Unterstützung bekam die Kirchengemeinde durch das Berliner Amtsgericht. Es lehnte eine Einstweilige Verfügung gegen das Platzverbot mit der Begründung ab, dass die Kirchengemeinde „nicht unmittelbar an die Grundrechte gebunden“ sei. Denn bei ihr handele es nicht um „eine staatliche Organisation oder ein Unternehmen, das mehrheitlich im Eigentum der öffentlichen Hand steht.“ Mit dieser Begründung bekommen aber private Organisationen eine Handhabe, demokratische Grundrechte wie Demonstrations- und Versammlungsfreiheit z außer Kraft zu setzen. Vor einer solchen Entwicklung hatten KritikerInnen der neoliberalen Stadtentwicklung in den 90er Jahren mit Innenstadtaktionstagen gewarnt. Die Weddinger Initiative hat nun den Kampf um den öffentlichen Raum und die Interessen der MieterInnen zusammengeführt, in dem sie den Platz für einige Stunden in Besitz genommen und über den MieterInnenwiderstand zu diskutieren.
http://www.bmgev.de/mieterecho/mieterecho-online/mietrebellen-evangelische-kirche.html
MieterEcho online 08.08.2014
Peter Nowak
Service für Wohnungslose bedroht
SOZIALES Die Straßenzeitung „Querkopf“ hat eine Kündigung erhalten – und stellt sich dagegen quer
Man darf Werner Schneidewind einen Querkopf nennen. Der Erwerbslosenaktivist legt sich mit den Behörden und Jobcentern an. „Macht euch unabhängig von Sozialämtern. Es ist leichter, als ihr glaubt“, steht auch in der Straßenzeitung Querkopf, für die Schneidewind arbeitet.
Er ist nicht nur Mitglied des „Querkopf“-Vereins, er betreut auch die Vereinsräume in der Blücherstraße 37. Plakate zeugen von den vielfältigen politischen Aktivitäten dort. Der Kampf gegen Ämterwillkür gehört ebenso dazu wie der Umweltschutz oder der Einsatz für eine Legalisierung von Drogen. Jetzt ist der Standort bedroht.
Wenn Schneidewind derzeit einen kleinen Klapptisch vor dem Verein aufstellt, auf dem dann neben der aktuellen Querkopf-Ausgabe auch Comics und Flugblätter zu finden sind, erkundigen sich viele NachbarInnen oft über den neuesten Stand der Auseinandersetzung mit der Hausverwaltung. Die Immobilienfirma Bearm GmbH hatte dem Verein die Räume, die er 2001 gemietet hat, zum 31. März dieses Jahres gekündigt.
Doch die Querköpfe holten nicht den Umzugswagen, sondern formulierten einen Solidaritätsaufruf unter der Überschrift: „Man will uns aus dem Kiez vertreiben“. Seitdem erreichten die Bearm GmbH zahlreiche Protestschreiben. Auch Anne Allex vom „Arbeitskreis Marginalisierte gestern und heute“ fordert die Rücknahme der Kündigung. „Der Querkopf ist eine der am längsten in Berlin erscheinenden Wohnungslosenzeitungen. Sie bietet in ihrer Zeitung einen Service für Wohnungslose an, in dem sie Beschlüsse der Politik, neue Gesetzesregelungen, Gerichtsurteile mitteilt und Beratungsstellen und Anlaufstellen empfiehlt“, heißt es in ihrem Schreiben. Ein Verlust der Räume würde die Arbeit gefährden, befürchtet Allex.
Schließlich ist der Verein Anlaufpunkt für viele Menschen, die sich durch den Verkauf der Zeitung etwas dazuverdienen. Zudem dienen die Räume auch als Depot für Gegenstände aus Haushaltsauflösungen, ein Zuverdienst für die Erwerbslosen.
Einen persönlichen Erfolg hat Schneidewind gegenüber den Bearm-Geschäftsführer schon errungen. Der habe ihm im März prophezeit, dass die Vereinsräume in sechs Monaten leer sein werden. Bisher ist aber noch nicht einmal ein Gerichtstermin zu einer möglichen Räumung benannt worden. Eine Mitarbeiterin der Bearm GmbH erklärte gegenüber der taz, ihre Firma gebe in der Angelegenheit keine Auskünfte.
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bl&dig=2014%2F08%2F07%2Fa0212&cHash=b81bac59ea9b6ba3040c6262959b1b1f
Peter Nowak
Mietrebellen vor Kirche unerwünscht
Es sollte eine Premiere werden. Am heutigen Donnerstag wollte die Initiative »Hände weg vom Wedding« ab 19 Uhr den Film »Mietrebellen« erstmals unter freiem Himmel zeigen. Die Dokumentation über die Mieterbewegung in Berlin läuft derzeit recht erfolgreich in den Kinos. Auch der Auftritt eines Hip-Hop-Musikers war geplant.
Doch aus dem Vorhaben wird wohl nichts. »Aus Gründen der politischen Neutralität darf die Veranstaltung auf dem Platz nicht stattfinden«, erklärt Sebastian Bergmann von der Nazareth-Kirchengemeinde. Die Kirche ist zuständig, weil ein Teil des Leopoldplatzes 2006 in ihr Eigentum überging.
»Ein öffentlicher Platz wird privatisiert, und dann soll dort das Demonstrationsrecht nicht mehr gelten«, kritisiert Anna Dorn von »Hände weg vom Wedding«. Die Stadtteilinitiative will nun mit einer einstweiligen Verfügung die Kundgebung doch noch kurzfristig durchsetzen. Dorn verweist in diesem Zusammenhang auf das »Fraport-Urteil« des Bundesverfassungsgerichts von 2011. Die Karlsruher Richter erklärten damals, dass auch privatisierte Orte wie Flughäfen, Bahnhöfe oder Malls öffentliche Foren seien, in denen eine unmittelbare Grundrechtsbindung gelte, so dass Demonstrationen nicht ohne Weiteres verboten werden können. In einem Brief an die Kirchengemeinde forderten unterdessen auch die Regisseure von »Mietrebellen«, das Verbot aufzuheben.
Anwohner berichten unterdessen, dass seit der Privatisierung einiges anders sei auf dem Leopoldplatz: So seien einkommensschwache Menschen dort generell nicht mehr erwünscht – auch dagegen soll protestiert werden.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/941626.mietrebellen-vor-kirche-unerwuenscht.html
Peter Nowak
Kein Gott, kein Staat, kein Chef
Ménilmontant war der Ort der Handwerker, Arbeiter und politischen Rebellen, nun wird der Pariser Stadtteil von Besserverdienenden erobert
Politaktivisten schauen bei einem Besuch in Paris gern beim Alt-Anarchisten Lucio Urtubia vorbei. In dieser Ecke ist die revolutionäre Geschichte der Stadt noch gegenwärtig. Doch wie lange noch?
Rund um die Mauer ist schon lange kein Platz mehr und auch auf den Wiesen haben sich viele Menschen zum Picknick niedergelassen. Bei schönem Wetter entwickelt sich der Park von Belleville zum größten Naherholungsgebiet von Paris. Schließlich hat man von dem über 100 Meter hohen Hügel aus einen hervorragenden Blick auf die Stadt. Doch auch die nähere Umgebung der Anlage lockt Menschen aus aller Welt an. Schließlich gilt der Ménilmontant, wie der 20. Bezirk von Paris heißt, als einer der letzten Orte jenes vielbesungenen rebellischen Paris der letzten Jahrhunderte.
An allen Aufständen seit der Revolution 1789 waren die Arbeiter und Handwerker des Quartiers an vorderster Front beteiligt. Auch die Pariser Kommune hatte hier viele Anhänger. Die alten Gewalten nahmen nach ihrem Sieg auch unter den Bewohnern des Stadtviertels grausame Rache. Die meisten Gefangenen wurden sofort erschossen, von Schnellgerichten abgeurteilt oder nach Versailles deportiert. Die ermordeten Kommunarden wurden am nahen Friedhof Père Lachaise in Massengräbern verscharrt.
Lucio Urtubia sieht mit seiner Baskenmütze nicht nur so aus, als wolle er diese rebellische Tradition fortsetzen. Als Dokumenten- und Banknotenfälscher im Dienste verschiedenster revolutionärer Bewegungen wurde der Anarchist einst zum Schrecken von Bankiers und Grenzbeamten. Unter den Rebellen aller Länder genießt Lucio, wie man ihn nennt, hingegen große Anerkennung. Schließlich hat er sich bei den Fälschungen nie selber bereichert oder andere persönliche Vorteile verschafft. Für ihn waren diese Aktivitäten politische Solidarität. In einer steilen Gasse des Ménilmontant hat er mit dem »Espace Louise Michel« einen Ort geschaffen, in dem für Widerständige aus aller Welt die Türen immer offen stehen. Seit seine Lebensgeschichte in Buchform und als Film in mehreren Sprachen veröffentlicht wurde, bekommt er ständig Besuch. Gewerkschafter, Bauernaktivisten, Angehörige politischer Gefangener schauten schon bei ihm vorbei. Auch für die Teilnehmer der alternativen »Tour de Frances« ist eine Visite im »Espace Louise Michel« ein fester Termin. Aus Deutschland machen sich jedes Jahr Mitte Mai Basisgewerkschafter und soziale Aktivisten zu einer einwöchigen Reise in die französische Hauptstadt auf. Sie bewegen sich auf den Spuren des widerständigen Paris.
Inzwischen ist Lucio Urtubia über 80 Jahre alt und begrüßt jeden Teilnehmer freundlich. Immer wieder bleiben Touristen vor der Tür stehen und fotografieren das Haus mit der schwarzroten Fahne. Sie sind nicht zufällig hier. An den Aufdrucken auf ihren T-Shirts und Taschen erkennt man schnell, dass sie mit den politischen Vorstellungen des modernen Robin Hood sympathisieren, die sich mit der Parole »Kein Gott, kein Staat, kein Chef« zusammenfassen lassen.
Doch nicht nur Menschen auf der Suche nach der Revolte kommen nach Ménilmontant. Zunehmend wird der Stadtteil im Osten von Paris für die »Bobos« interessant. Das ist die Abkürzung für die »Bourgeois Bohèmes«, wie in Frankreich der besserverdienende Mittelstand mit seiner Vorliebe für Altbauwohnungen in historisch gewachsenen Stadtteilen und multikultureller Umgebung leicht spöttisch bezeichnet wird. Viele Stadtteilbewohner sehen den Zuzug der Bobos mit wachsendem Argwohn.
Elsa ist in Ménilmontant aufgewachsen und schwärmt von dem Leben im Quartier: »Das ist fast wie in einem Dorf. Nach einer gewissen Zeit kennen dich die Leute und man redet miteinander.« Doch sie befürchtet, dass es mit dem idyllischen Leben mitten in Paris bald vorbei ist. »Auch in Ménilmontant entwickelt sich der private Immobilienmarkt rasant. Die vergleichsweise niedrigen Preise und nicht zuletzt dieser dörfliche Charakter ziehen eine neue Bevölkerung an«, erklärt die Frau. In die Stuben der Handwerker und Arbeiter, die für den Stadtteil so typisch waren, ziehen jetzt Künstler, Designer und Architekten ein. Zuvor wurden die Häuser luxusmodernisiert. »Die Immobilienbüros sind in den letzten Jahren wie Champignons aus dem Boden geschossen«, erklärt Luis, der seit 15 Jahren in Ménilmontant wohnt. Allein zwischen 1991 und 2007 seien de Wohnungspreise um 120 Prozent gestiegen.
Viele glauben, dass einkommensschwache Bewohner auch hier bald nicht mehr wohnen können, wie es im Rest der innenstadtnahen Teile von Paris bereits seit Langem der Fall ist. Von den zehn Millionen Einwohnern der französischen Metropole leben acht Millionen in den Außenbezirken.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/941428.kein-gott-kein-staat-kein-chef.html
Peter Nowak
Selbsthilfe-Zeitung für Arbeits- und Obdachlose ist bedroht
Vermieter kündigte dem »Querkopf«-Magazin aus Kreuzberg die Räumlichkeiten, das Redaktionskollektiv will aber nicht weichen
Für viele Erwerbslose bieten selbstorganisierte Straßenzeitungen ein kleines zusätzliches Einkommen. In Kreuzberg ist der »Querkopf« als eine solche helfende Zeitung selbst in Schwierigkeiten.
»Kein Ort für Nazis« oder »Marx neu entdecken« steht auf zwei der zahlreichen Aufkleber, die eine Tür in der Blücherstraße 37 in Berlin-Kreuzberg schmücken. Wenn sie offen ist, gibt sie den Blick auf einen kleinen Raum mit vielen Büchern, Postern und Plakaten frei. Es ist der Vereins- und Redaktionsraum des »Querkopfs«, einer Publikation, deren Name Programm ist. »Berliner Arbeits-Obdachlosen, Selbsthilfe-Mitmachzeitung« lautet der sperrige Untertitel, der an Zeiten erinnert, als manche Linke möglichst viele politische Positionen schon im Titel unterbringen wollten.
Vereinsmitglied Werner Schneidewind dürfte die Bezeichnung »Querkopf« als Kompliment empfinden. »Sich gegen die Willkür der Mächtigen zur Wehr zu setzen«, bezeichnet er als ein wichtiges Anliegen. Schneidewind betont auch, dass er sich nicht einschüchtern lässt und besonders wütend wird, wenn der Druck von außen steigt. Vor einigen Jahren haben mutmaßlich Neonazis mehrmals die Scheiben des Ladens eingeworfen und die Fassade mit rechten Parolen beschmiert. »Wir haben es überstanden«, sagt Schneidewind. Doch seit einigen Monaten ist die Zeitung erneut bedroht. Im Herbst des vergangenen Jahres hat die Immobilienfirma Bearm GmbH, die das Gebäude verwaltet, dem Verein gekündigt. Bereis zum 31. März dieses Jahres sollten die Räume »besenrein« übergeben sein. Doch Schneidewind hat den Termin ignoriert und einen Solidaritätsappell gestartet: »Sie wollen uns aus dem Kiez vertreiben«, heißt es darin. Erste Reaktionen gab es inzwischen – sogar bundesweit. So hat der »Arbeitskreis GewerkschafterInnen Aachen« von der Bearm GmbH die Rücknahme der Kündigung gefordert.
Für den Verein Querkopf wäre ein Verlust der Kreuzberger Vereinsräume, die er im Jahr 2001 bezogen hat, existenzbedrohend. Schließlich finden dort nicht nur die monatlichen Redaktionssitzungen von sechs Mitarbeitern statt. Der Verein ist vor allem eine Anlaufstelle für die viel zahlreicheren Verkäufer der Zeitung. Die Hälfte des Preises von 1,50 Euro geht an sie. »Ab Mitte des Monats, wenn das ALG-II aufgebraucht ist, wächst die Zahl der Menschen, die sich mit dem Zeitungsverkauf ein Zubrot verdienen«, sagt Schneidewind.
Außerdem dienen die Vereinsräume als Lager für zahlreiche Gegenstände, die bei Wohnungsauflösungen gesammelt wurden und auf Kunden warten. Der Verkauf ist eine der Möglichkeiten, wie sich aktive Erwerbslose Verdienstmöglichkeiten schaffen und dabei möglichst unabhängig vom Jobcenter bleiben können. Das ist Schneidewind und seinen Mitstreitern ein wichtiges Anlegen. Daher ist für sie der Kampf um den Verbleib der Räume in der Blücherstraße auch mit der Frage verbunden, ob für einkommensschwache Projekte und Menschen noch Platz in Kreuzberg ist.
Auch aus der Nachbarschaft gibt es freundliche Ermunterung für die »Querköpfe«. Häufig bleiben Anwohner stehen und erkundigen sich nach dem aktuellen Stand in der Auseinandersetzung, wenn Schneidewind seinen kleinen Klapptisch vor der Vereinslokalität aufstellt. Dort werden neben dem aktuellen »Querkopf«, auch Comics angeboten, die Geschichten aus linker Perspektive erzählen. »Auch andere Mieter haben Probleme mit der Hausverwaltung«, sagt ein Anwohner.
Den juristischen Auseinandersetzungen um die Kündigung sieht Schneidewind aber gelassen entgegen. »Das kann sich noch Jahre hinziehen«, gibt er sich optimistisch. Der Geschäftsführer der Bearm GmbH Frank Emuth habe ihm im März angekündigt, in sechs Monaten werde er die Räume leer haben. Emuth war gegenüber »nd« zu einer Stellungnahme ebenso wenig bereit wie andere Mitarbeiter der Bearm GmbH.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/941356.selbsthilfe-zeitung-fuer-arbeits-und-obdachlose-ist-bedroht.html?sstr=Querkopf
Peter Nowak
Nato-Bündnisfall an der russischen Grenze?
Während Sonntagsreden über den 1. Weltkrieg gehalten werden, bereitet man sich publizistisch auf neue Kriege vor – ein Kommentar
Aus der leidvollen geschichtlichen Erfahrung erwachse Verantwortung für die Welt. Diesen Satz flocht Bundespräsident Gauck in eine Rede [1] ein, die er heute im Gedenken an den 1. Weltkrieg im belgischen Lüttich hielt. Seine Äußerungen waren besonders allgemein und auch geschichtslos. Er rang sich nicht einmal zu dem Bekenntnis durch, dass die geschichtlichen Erfahrungen es gebieten würden, alles zu tun, um weitere Kriege zu verhindern.
Doch eigentlich hätte ein Politiker aus Deutschland in Lüttich von dem besonderen Beitrag Deutschland bei den Kriegsverbrechen reden müssen, die am Beginn des 1. Weltkrieges begangen wurden. Das neutrale Belgien wurde vom deutschen Militär überfallen, um bessere Ausgangsbedingungen für den Kampf gegen die französische Armee zu haben. Leichen von Zivilisten pflasterten den Weg der deutschen Truppen.
Mehr ins historische Gedächtnis brannte sich die von Deutschen verübte Brandstiftung der Bibliothek von Leuven ein, die eine kultur- und kunstfeindliche Stimmung erkennen ließ, die nur zwanzig Jahre später bei der Bücherverbrennung in vielen deutschen Städten wieder zum Ausdruck kam. Bis heute sind diese deutschen Verbrechen am Beginn des Weltkriegs kaum bekannt [2].
Erst kürzlich haben Historiker ein total vergessenes Kapitel deutscher Verbrechensgeschichte wieder entdeckt, den elektrischen Todesstreifen [3] an der holländisch-belgisch-deutschen Grenze, der zwischen 1915 und 1918 zwei- bis dreitausend Menschen das Leben gekostet haben soll. Von alldem hörte man weder von Gauck noch von den anderen Politkern etwas, die in diesen Tagen zum Jubiläum des 1. Weltkriegs Sonntagsreden halten.
„Nie wieder Faschismus, darum Krieg“
In Großbritannien soll heute kurz das Licht an wichtigen öffentlichen Gebäuden gelöscht werden, um an eine Zeit zu erinnern, über die ein britischer Politiker sagte, in Europa gehe jetzt das Licht aus. Doch auch hier ist der Bezug zur Gegenwart unübersehbar. So soll die Kultur des Wegschauens bei den heutigen Konflikten in aller Welt kritisiert werden. Dabei bezieht man sich auf eine Politiktradition, wie sie besonders in der Regierungszeit des rechten Sozialdemokraten Blair auf die Spitze getrieben wurde. Jetzt soll militärisches Eingreifen noch mehr als bisher als Menschenrechtsgebot erscheinen. Überall, wo britische Truppen landeten, fanden sich schnell unterdrückte Freiheiten, die lange niemand interessiert hatten und nun für die Kriegsziele instrumentalisiert wurden.
Die rotgrüne Bundesregierung war über diese neuartige Kriegsbegründung angetan. Besonders die Grünen konnten nun eine antifaschistische Parole leicht umformuliert nutzen: „Nie wieder Faschismus, darum Krieg.“ Wer nun gedacht hat, dass diese Art der moralisch begründeten Kriegsführung nach dem Abgang von Blair in Großbritannien und Fischer-Schröder in Deutschland der Vergangenheit angehört, hat die neuen Diskussionen nicht wahrgenommen, die angesichts der jüngsten Krisen geführt werden. Dabei ist kein Zufall, dass daran Adepten der Blair-Schule beteiligt sind und dass die Beiträge in der grünennahen Taz erschienen sind.
„Der Westen muss in den Irak zurückkehren“
Ein vehementes Plädoyer für eine Fortsetzung der Blairschen Interventionspolitik forderte in der Taz John McTernan [4] in einem Beitrag unter dem Titel „Zurück in den Irak“ [5]. „Der Westen muss in den Irak zurückkehren, er muss diese Demokratie schützen. Europäische Wähler hören das nicht gern, aber echte politische Führung bedeutet, auch schwer verdauliche Wahrheiten auszusprechen“, betont McTernan, der einer von Blairs Politstrategen in der Labour-Party war.
Welche populistische Volte der Autor bei seiner Argumentation anschlägt, wird am Schluss des Artikels deutlich:
„Junge Männer aus Europa kämpfen bereits in Syrien und im Irak. Sie sind extremistisch, und sie wurden ausgebildet und indoktriniert. Der Westen ist ihr Feind. Wir mögen neutral sein wollen, was den Kampf im Irak angeht, doch für die Dschihadisten sind wir legitime Angriffsziele. Wir sind ihr Feind. Wir werden noch Jahre an den Folgen zu leiden haben, wenn diese jungen Männer den Krieg ’nach Hause‘ nach Europa bringen. Schon aus schierem Eigeninteresse müssen wir intervenieren, um die Ausbreitung dieser brutalen extremistischen Ideologie rückgängig zu machen. Wenn wir nicht zurück in den Nahen Osten gehen, wird der Krieg zu uns kommen.“
Dass viele der jungen Männer, die für die Islamisten in den Krieg ziehen, durch die emotionale Ablehnung des westlichen Afghanistan- und Irakengagements dazu motiviert werden, verschweigt John McTernan. Hier zeigt sich einmal mehr, dass aus den Folgen des vorigen Krieges schnell die Beweggründe für die neuen Kriege werden.
Aber nicht nur der Irak dient den Blair-Epigonen als Feld für neue Versuche auf dem Gebiet des Menschenrechtskrieges. Der Taz-Auslandsressortleiter Dominic Johnson, ebenfalls ein Anhänger der Blair-Doktrin, hat Russland im Visier, wenn er in einem Kommentar [6] den Westen Versagen vorwirft und zum Handeln auffordert. Den bis heute ungeklärten Flugzeugabsturz in der Ostukraine nutzt Johnson dazu, den Westen zum Handeln aufzurufen:
„Die internationale Staatengemeinschaft darf das nicht hinnehmen. Schulterzuckend zu akzeptieren, dass die Untersuchung des seit Jahrzehnten schlimmsten Terrorakts in Europa durch die mutmaßlichen Täter sabotiert wird, wäre eine politische Bankrotterklärung.“
Im Folgenden skizziert der Kommentator ein Szenario in der Ostukraine, das geradewegs in einen Krieg mit Russland führen könnte, wenn es umgesetzt würde:
„Spezialkräfte in die Ostukraine schicken, um den Tatort zu sichern und die Leichen zu bergen, wäre eine hochriskante Operation, die kein Land allein durchführen kann. Und die Verbündeten? Bisher beschränken sich die Reaktionen westlicher Regierungen auf hilflose Appelle an Russlands Präsidenten Wladimir Putin: Er müsse ‚mehr tun‘. Auch das ist eine Bankrotterklärung. Es sind die westlichen Regierungen, die mehr tun müssten – nicht zuletzt um der eigenen Selbstachtung willen. Der russische Präsident Putin hingegen muss sich heraushalten und es den direkt betroffenen Ländern überlassen, angemessen zu reagieren. Der Terroranschlag vom 11. September 2001 in den USA wurde umgehend zum Nato-Bündnisfall erklärt. Die toten Passagiere von MH17 vom 17. Juli 2014 verdienen ähnliche Solidarität.“
Nato-Bündnisfall an der russischen Grenze
Der Nato-Bündnisfall soll ausgerechnet an der Grenze zu Russland exekutiert werden und Putin hat sich da ganz rauszuhalten. Und wenn er das nicht tut? Darüber schweigt der Autor. Aber der Leser Andreas Arnholz denkt [7] Johnsons Szenario nur weiter:
„Ich sehe hier auch einen Nato-Bündnisfall und er hätte im Rahmen einer begrenzten Aktion um das abgestürzte Flugzeug herum auch zeigen können, dass wir als Westen nicht nur eine Zunge, sondern auch Zähne haben. Niemand hätte gewagt, einer Militär/Polizeiaktion von gemischten Kräften der Niederlande, Franzosen, Engländer und – ja, auch der Deutschen in die Quere zu kommen, oder meint einer der „Kriegstreiber-Rufer“, dass Russland sich für die Verbrecher in der Ukraine mit der Nato anlegt?“
Gut und Böse sind in diesen Zeilen klar verteilt. Die Verbrecher in der Ukraine sind grundsätzlich die Teile der Bevölkerung, die sich nicht von Kiew unter Einbeziehung der unterschiedlichen rechten Sektoren regieren lassen wollen. Dass man Russland mal wieder die Zähne zeigen will und jetzt anders als vor 70 Jahren auch die internationale Gemeinschaft auf seiner Seite hat, wurde lange Zeit in Deutschland eher von rechten Medien verbreitet. Doch nach der Zertrümmerung des Systems von Jalta, das nicht nur Rechte, sondern auch große Teile der Grünen schon in den 80er Jahren bekämpften, findet sich auch in diesem Milieu Raum für solche neuen Kampfszenarien.
Vielleicht hätte man sich bei den Gedenkveranstaltungen zum 1. Weltkrieg die Sonntagsreden sparen und stattdessen solche Kommentare von Kolumnisten und ihren Lesern unter der Fragestellung analysieren sollen, wie der nächste Krieg vorbereitet wird.
Wenn selbst das Platzen eines Rüstungsauftrags eine Drohung ist
Aber hat nicht zumindest der sozialdemokratische Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel pünktlich zum Jubiläum des 1. Weltkriegs für eine gute Nachricht gesorgt, als er die Lieferung eines Gefechtszentrums des Konzerns Rheinmetall kurzfristig stoppte und dafür sogar Strafzahlungen riskiert?
Nun ist jeder stornierte Rüstungsauftrag eine gute Nachricht. Doch der Stopp dieser Lieferungen dient eben nicht dem Antimilitarismus und dem Abbau von Gewalt und Krieg. Man will nur dem potentiellen Feind nicht noch beim Üben helfen. Schließlich wurde der Krupp-Konzern auch lange Zeit nicht für die gewinnbringende Produktion von Rüstungsgütern kritisiert, sondern dafür, dass er die besonders gefährlichen Kanonen an die deutsche und die britische Armee verkaufte und das noch während des 1. Weltkrieges. So ist Gabriels Lieferstopp nach Russland eher ein Zeichen für die Verschärfung der Situation zwischen Russland und der EU als ein Signal für Abrüstung.
http://www.heise.de/tp/news/Nato-Buendnisfall-an-der-russischen-Grenze-2283048.html
Peter Nowak
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Nichts gelernt?
Im Berlin wurde das Restaurant eines Ägypters mit rechtsextremen Parolen beschmiert und verwüstet. Nun ermittelt die Polizei gegen den Restaurantbesitzer. Viele erinnert das an die polizeilichen Ermittlungen zu den Morden des NSU, bei denen die Opfer zu Tätern gemacht wurden.
Mit bewegter Stimme dankte Hussein Badiny in einer kurzen Ansprache für die große Solidarität der Nachbarn. Die hatten ein Fest organisiert, nachdem das Restaurant des in Ägypten geborenen deutschen Staatsbürgers Ende Mai im Berliner Stadtteil Friedrichshain mit rechten Parolen beschmiert und verwüstet worden war. Spendengelder wollte Badiny nicht annehmen, denn es gebe Menschen, die noch schlechter dran seien, erklärte er. In einem Restaurant, das er an einem anderen Platz neu einrichten wolle, solle es deshalb für einkommensschwache Menschen ein Drei-Gänge-Menü für fünf Euro geben.
Doch wenn man den Namen Hussein Badiny in Suchmaschinen eingibt, findet man Websites, auf denen er als »mohammedanischer Täuscher« verunglimpft wird.
Bereits wenige Tage nach dem Solidaritätsfest warf die Berliner Polizei ihm vor, den rechten Angriff vorgetäuscht zu haben. Seine Wohnung wurde durchsucht und seine Computer wurden beschlagnahmt. »Die Polizei untersuchte den Tatort an jenem Tag. Danach passierte erstmal nichts. Man ermittle in alle Richtungen, hieß es. Jetzt steht fest: Ermittelt wird vor allem gegen Hussein Badiny«, schrieb die Berliner Zeitung. Sie nannte auch Beispiele für die nachlässigen Ermittlungen: »Warum zum Beispiel untersuchte die Polizei erst am Dienstag, zwei Wochen nach der Tat, das aufgebrochene Türschloss des Restaurants? Und warum steht im Polizeiprotokoll, dass er alleine im Restaurant war, als er die Zerstörung entdeckte, obwohl sein Koch ebenfalls da war?« Er habe das Gefühl, die Polizei arbeite nicht sauber, sagte Badiny der Berliner Zeitung. »Sie verschwendet ihre Zeit mit mir, statt die Täter zu finden. Die nehmen das nicht ernst.«
Die Berliner Grünen-Politikerin Canan Bayram, die sich seit Jahren gegen Rassismus und Neonazis engagiert, übt heftige Kritik an der Stilisierung eines Opfers rechter Gewalt zum Täter. »Menschen haben einen Anspruch auf eine ordentliche polizeiliche Dienstleistung. Dazu gehört, dass sie nicht ohne triftigen Grund selbst in den Fokus der Ermittlungen geraten, wenn sie Opfer geworden sind«, sagt Bayram. »Badiny droht, durch staatliches Handeln ein weiteres Mal Opfer zu werden«, warnt die Politikerin. Nicht nur sie fühlt sich beim Fall Badiny an die Opfer des NSU erinnert, die wie Kriminelle behandelt worden waren und deren Umfeld zum Gegenstand staatlicher Ausforschung geworden war. Auch Nico Roth von der Antifa Friedrichshain fühlt sich angesichts des Vorgehens gegen Badiny an den Umgang mit den NSU-Opfern erinnert. Die Polizei habe sich zu schnell auf Badiny festgelegt. Auch die Spurensicherung sei dem Vernehmen nach nicht gründlich genug gewesen, sagt Roth im Gespräch mit der Jungle World. Sowohl er als auch Bayram monieren, dass die Ermittlungsbehörden gegen Badiny mit einem Argumentationsmuster arbeiten, das auch bei den NSU-Morden Anwendung fand. Die Aktion gegen das Restaurant sei nicht typisch für die rechte Szene, begründet die Polizei den Verdacht gegen Badiny. »Richtig ist, dass ein nächtlicher Einbruch in eine Pizzeria und die professionelle Zerstörung szeneuntypisch ist«, erklärt Roth. Typisch für die rechte Szene seien Überfälle, bei denen alles zerstört werde, was im Weg stehe. »Doch der Umkehrschluss passt nur dann, wenn man Neonazis als im Affekt handelnde Unprofessionelle einordnet«, entgegnet Roth.
Nicht erst der NSU habe gezeigt, dass Neonazis, vor allem in Verbindung mit Rockern, die es in Berlin nachweislich gibt, durchaus professionell agieren und in der Lage sind, Wohnhäuser und Autos anzuzünden. Roth weist auf eine Serie von Anschlägen gegen linke Aktivisten und Hausprojekte hin, die bis heute nicht polizeilich aufgeklärt wurden. Der Umgang mit Badiny sorgt auch unter Migranten für Verunsicherung. Sie müssen feststellen, dass jenseits aller Sonntagsreden nach der Selbstenttarnung des NSU Opfer rechter Gewalt ohne Beweise von den Ermittlungsbehörden zu Tätern und danach von Rechten erneut zur Zielscheibe ihres Hasses gemacht werden.
http://jungle-world.com/artikel/2014/31/50313.html
Peter Nowak
Cobas ante portas
Italienische Logistikbeschäftigte kämpfen gegen schlechte Arbeitsbedingungen. Einige Unternehmen machen Zugeständnisse, doch Ikea entlässt 24 Angestellte.
»Vor zwei Jahren hatte unsere Gewerkschaft in Rom drei Mitglieder. Heute sind es 3 000«, sagt Karim Facchino. Der Lagerarbeiter ist Mitglied der italienischen Basisgewerkschaft S.I. Cobas sieht den rasanten Mitgliederzuwachs als Folge eines Arbeitskampfs, der auf die Selbstorganisation der Beschäftigten vertraut: »Wir haben keine bezahlten Funktionäre, nur einen Koordinator, doch sein Platz ist nicht am Schreibtisch eines Büros, sondern auf der Straße und vor der Fabrik.«
In den vergangenen Monaten war er dort häufig zu finden. Denn seit 2011 kämpfen die Logistikbeschäftigten in Italien gegen ihre besonders schlechten Arbeitsbedingungen. »Regelmäßig wurde ihnen durch falsche Lohnabrechnungen ein Teil ihres Lohnes gestohlen. Sie waren nicht gegen Unfälle geschützt, bekamen kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld und hatten keine garantierten Arbeitszeiten«, sagt Johanna Schellhagen von Labournet.tv im Gespräch der Jungle World.
Besonders schlecht waren die Arbeitsbedingungen der Lagerarbeiter großer Warenhäuser, die oft aus europäischen, arabischen und nordafrikanischen Staaten angeworben wurden. Sie waren meist nicht direkt bei den Warenhäusern, sondern bei Subunternehmen angestellt. »Die Bosse haben gedacht, wir können uns nicht wehren, doch da haben sie sich getäuscht«, sagt Facchino, der in Marokko geboren wurde.
Ein zentrales Mittel im Arbeitskampf waren Blockaden, wenn Waren angeliefert werden sollten. Die Polizei ging oft mit brutaler Gewalt gegen die Beschäftigten vor. Die Bilder von Streikenden, die von der Polizei blutiggeschlagen worden waren, sorgten in Italien für Empörung. Dadurch wuchs die Unterstützung für die Beschäftigten. In mehreren Unternehmen konnten eine Verkürzung der Arbeitszeiten und höhere Löhne durchgesetzt werden.
Doch vor allem Ikea scheint entschlossen, den Streik der Beschäftigten repressiv zu beantworten. Im Juni wurden 24 Beschäftigte des Ikea-Lagers in Piacenza entlassen, alle sind Mitglieder der Gewerkschaft S.I. Cobas. Gleichzeitig wächst die polizeiliche und juristische Repression. So wurden gegen vier Mitglieder von Laboratorio Crash und gegen fünf Mitglieder des Collettivo Hobo Aufenthaltsverbote für die Orte verhängt, in denen sich die bestreikten Unternehmen befinden. Die beiden linken Gruppen unterstützen die Logistikbeschäftigten. Eine Unterstützerin, die in Piacenza wohnt, bekam eine mündliche Verwarnung mit der Aussicht auf ein Aufenthaltsverbot in ihrer eigenen Stadt. Käme es dazu, könnt sie ihre Wohnung nicht mehr legal betreten.
Dieser Repression von Unternehmen und Polizei wollen die Beschäftigten mit einer Ausweitung der Solidarität begegnen. Bereits am 25. Juni gab es den ersten Ikea-Aktionstag mit kleinen Kundgebungen vor Filialen in Hamburg und Berlin. Der zweite Ikea-Aktionstag am 26. Juli fand bereits in weiteren Städten statt. Ikea ist als internationaler Konzern ökonomisch verwundbar, wenn Kunden die Arbeitsbedingungen in den italienischen Logistikzentren nicht mehr gleichgültig sind.
Ausgangspunkt der Solidaritätsarbeit war ein Treffen europäischer Basisgewerkschafter Ende März in Berlin (Jungle World 12/2014). »Dort berichteten zwei Kollegen von S.I. Cobas über den Kampfzyklus. Danach haben wir begonnen, diesen Arbeitskampf bekannt zu machen«, erzählt Johanna Schellhagen. Mitte Mai wurde einer der engagierten Lagerarbeiter aus Bologna zu Informationsveranstaltungen nach Deutschland eingeladen. In Berlin wurde auch ein Austausch mit Gewerkschaftern aus der Logistikbranche in Deutschland organisiert. Damit wird auch noch einmal die Bedeutung der neuen Medien für die Solidaritätsarbeit deutlich. Denn zuvor hatte der jahrelange Arbeitskampf kaum Beachtung gefunden.
http://jungle-world.com/artikel/2014/31/50320.html
Peter Nowak
Mit der Reform nicht versöhnt
Auf einer Konferenz von Studierenden wurde anhaltende Unzufriedenheit deutlich
Katharina Mahrt studiert an der Christian Albrecht Universität Kiel Jura und ist Mitglied des Vorstands des freien zusammenschlusses von studierendenschaften (fzs). Anlässlich einer vom fzs organisierten Konferenz in Bonn sprach Peter Nowak mit ihr über die Probleme der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge, die auch nach 15 Jahren seit Beginn des Bolognia-Prozesses noch nicht behoben sind.
Der fzs hat Studierende zu ihren Erfahrungen mit dem Bologna-Prozess befragt.
Zum 15. Geburtstag des Bolognaprozesses haben wir im Sommersemester 2014 eine bundesweite Online-Umfrage unter Studierenden organisiert. Über 3300 Kommilitonen und Kommilitoninnen haben sich daran beteiligt. Wir wollten damit die aktuelle Sichtweise der Studierenden auf ihre Studiensituation, auf Erfolge aber auch auf Probleme der Umsetzung des Bologna-Prozesses evaluieren, um daraus Forderungen an die Politik abzuleiten.
Welche Probleme haben die Studierenden in der Umfrage genannt?
Immer noch findet über ein Drittel, dass das Studium zu viele Prüfungen hat. 50 Prozent kritisieren, dass Leistungspunkte den benötigten Arbeitsaufwand kaum widerspiegeln und viele Lehrpläne weiterhin überfrachtet seien. Studierende müssen auch 15 Jahre nach Beginn des Bologna-Prozesses noch immer hohe Hürden überwinden, wenn sie ins Ausland gehen wollen. Diese Probleme sind seit langem bekannt. In den vergangenen Jahren wurden sie mit der Umstellung des Studiensystems auf Bachelor- und Masterprogramme begründet und als Kinderkrankheiten abgetan. Wenn aber, wie die Umfrageergebnisse zeigen, diese Probleme 15 Jahre nach der Bologna-Reform noch immer auftreten, kann man sagen, dass der Bologna-Prozess auch als Teenager noch Kinderkrankheiten hat.
Gab es auch Klagen über die finanzielle Situation der Studierenden?
Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass für die Hälfte aller Kommilitonen die fehlende Studienfinanzierung ein gravierendes Problem bei der Fortsetzung ihres Studiums ist. Angesichts der gerade anlaufenden Novellierung des BAföG besteht hier dringender Nachbesserungsbedarf, um die sozialen Rahmenbedingungen zu schaffen, allen Interessierten die Aufnahme und Fortführung eines Studiums zu ermöglichen.
Sie sehen auch bei den Masterabschlüssen Handlungsbedarf.
Ja, die Ergebnisse zeigen, dass die Studierenden den Master weiterhin als Regelabschluss ansehen. 71 Prozent der Bachelorstudierenden streben einen Masterabschluss an, aber nur 38 Prozent sehen den Master dabei als Weg zur Promotion. Die Hochschulen haben aufgrund der schlechten Umsetzung der Bachelorstudiengänge versäumt, den Bachelor als vollwertigen Abschluss zu etablieren, jetzt müssen sie den Studierenden den Weg in den Master ebnen.
Am Freitag endete in Bonn eine zweitägige Konferenz zum Bologna-Prozess, mit welchem Ergebnis?
In den Jahren 2009 und 2011 fanden zwei Bologna-Konferenzen statt, die wesentlich vom Ministerium für Bildung und Forschung organisiert waren. Sie waren eine Folge der Bildungsproteste 2009 und sollten den Dialog zwischen Studierenden, Hochschulmitarbeitern und Politikern über die weitere Umsetzung des Bologna-Prozesses fördern. Es gab aber damals von vielen Studierenden die Kritik, dass auf diesen Konferenzen vor allem der Bachelor als Erfolgsmodell hingestellt wurde. Seit zwei Jahren organisiert der fzs eine eigene Bologna-Konferenz.
Auch in Bonn diskutierten Studierende mit Vertretern der Hochschulen und der Kultusministerkonferenz. Auf unserer Konferenz standen allerdings die aktuellen Umsetzungsprobleme des Bologna-Prozesses im Mittelpunkt. Zudem erarbeiteten wir Vorschläge an die Politik, wie die Schwierigkeiten behoben werden können.
Jahrelang gab es massive studentische Proteste gegen den Bologna-Prozess. Haben diese Spuren hinterlassen?
Ja. In vielen Hochschulen wurden in den letzten Jahren die Prüfungsordnungen überarbeitet, was auch eine Folge der Proteste ist. Wir brauchen weiterhin eine kritische Begleitung des Bologna-Prozesses, müssen auf die Umsetzungsprobleme aufmerksam machen und von der Politik Reformen einfordern.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/941089.mit-der-reform-nicht-versoehnt.html
Interview: Peter Nowak
„Ich brauche keinen importierten Rassismus“
Wie rassistisch ist der Bild-Kommentar von Nicolaus Fest selbst?
Der BILD-Kommentar [1]von Nicolaus Festwar kurz aber prägnant. „Islamals Integrationshindernis“ lautet die Überschrift. „Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür sonst der Islam noch steht, brauche ich auch nicht“, der letzte Satz. Es war eine Abrechnung mit dem Islam und den Migranten islamischen Glaubens.
Die Empörung war vorrausehbar und wohl einkalkuliert. „Was für ein herrlicher Shitstorm?“, freute sich Fest. Auch die nachträgliche Distanzierung der Chefredakteure von Bild und BamS dürften Fest nicht groß tangieren. Schließlich kann er weiter bei Bild schreiben. Wie immer, wenn eine solche Debatte aufbrandet, melden sich auch gleich Politiker mit mehr oder weniger durchdachten Vorschlägen zu Wort.
Politiker fordert Absetzung von Fest
Volker Beck von den Grünen verlangte, Nicolaus Fest solle sich bei allen Muslimen entschuldigen. Dass es Muslime geben kann, die sich von dem Kommentar gar nicht beleidigt fühlen, kommt ihm dabei gar nicht in den Sinn.
SPD-Netzpolitik-Sprecher Jonas Westphal [2] reichen die Distanzierungen aus der Bild-Chefetage nicht. „Nicolaus Fest als BamS-Vize gehört umgehend abgesetzt“, lautet seine Forderung, die merkwürdigerweise kaum auf Resonanz gestoßen ist. Dabei müsste man schon fragen, ob solche Empfehlungen an die Presse zu den Aufgaben eines Politikers gehören.
Gleich mehrere Politiker [3] und Privatpersonen [4]haben Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen Fest gestellt. Dass Fest vor allem von rechtskonservativen für seinen Kommentar verteidigt wird, macht ihn nicht sympathischer.
„Manchmalhat die BILD-Zeitung Recht“
Dazu gehört die Nichtregierungsorganisation Aktion 3. Welt Saar [5] sicher nicht. Schon ein flüchtiger Blick auf ihre Homepage lässt ein vielfältiges Engagement gegen Rassismus erkennen. Wenn diese Organisation eine Pressemeldung [6] zum Streit um Fest mit dem Satz übertitelt „Manchmal hat die Bild-Zeitung recht“, sollte man also deren Argumente auf jeden Fall bedenken.
In der Pressemitteilung wird der Kommentar von Fest unterteilt in eine Islamkritik und rassistische und flüchtlingsfeindliche Aussagen. „Mit dem Islam begründete Menschenrechtsverletzungen sind schreckliche Realität, sie beim Namen zu nennen ist dringend geboten und kein Rassismus“, so Michael Scherer vom Kompetenzzentrum Islamismus der Aktion 3.Welt Saar.
Doch er spart auch nicht mit der Kritik an den rassistischen Teil des Fest-Kommentars. „Wenn Fest mit dem pauschalisierenden Gerede von der überproportionalen Kriminalität muslimischer Jugendlicher kaum verhohlen die Floskel von der ‚Ausländerkriminalität‘ wiederbelebt, und wenn er die Notwendigkeit einer weiteren Einschränkung des Asylrechts suggeriert, bedient er klassische rassistische Ressentiments in der Mitte der Gesellschaft“, erklärt Scherer. Das sei nicht neu, sondern gehöre seit Jahrzehnten zum Repertoire der BILD-Zeitung und anderer. Dabei erinnert Scherer daran, dass auch die SPD, die sich jetzt sehr über Fests Kommentar empört, seit Jahrzehnten am Abbau des Asylrechts beteiligt ist.
Unabhängig von der Frage, ob man alle Einschätzungen der Aktion 3. Welt Saar teilt, werden hier Argumente genutzt statt wohlfeiler Moral. So ist schon auffällig, dass der Kommentar von Fest eine solche Aufregung verursachte, während es kaum negative Reaktionen gab, als Bild einen aktiven Erwerbslosen als Sozialschmarotzer [7] diffamierte oder vor 40 Jahren einen Streik bei Ford als Türkenterror.
Solche und ähnliche Ausfälle sind bei Bild nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Wenn sichnun die Bild-Chefetage wegen Fests Kommentar deswegen entschuldigt, weil die Gefühle der Moslems verletzt worden seien, ist das gerade der verkehrteste Grund. In einer säkularen Gesellschaft muss es das Recht aller Menschen sein, sich über Religionen lustig zu machen, ohne auf die Gefühle der Gläubigen Rücksicht zu nehmen. Dagegen sollte jeder rassistischen und migrantenfeindlichen Äußerung und Handlung entgegentreten werden. Nicht die Islamkritik in Fests Kommentar ist das Problem, sondern sein Versuch, damit eine weitere Verschärfung des Asylrechts abzuleiten und den Rassismus aus der Mitte derdeutschen Gesellschaft, wo er ein fester Bestandteil ist, auszulagern und zum Exportgut zu erklären.
Peter Nowak
http://www.heise.de/tp/news/Ich-brauche-keinen-importierten-Rassismus-2281281.html
Links:
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Wie die Krise tötet
Eine Studie britischer Forscher zeigt auf, wie die Zahl der Suizide in der Krise steigt, die Steuerwirkung der Politik wird allerdings überschätzt
„Kapitalismus tötet“ ist eine Parole, die in der außerparlamentarischen Linken gelegentlich skandiert wird. Jetzt hat eine Studie britischer Wissenschaftler der Universität Oxford und der London School of Hygiene & Tropical Medicine , die im „British Journal ofPsychiatry“ [1] erscheinen wird, gezeigt, dass die Krise in Europa und Nordamerika zu mehr als 10.000 zusätzlichen Selbstmorden geführt hat. Die Forscher schreiben, wie die BBC berichtet [2], dass die Zahl der Selbstmorde „deutlich angestiegen“ sei – und dass dies zumindest teilweise vermeidbar gewesen wäre.
Arbeitslosigkeit, Schulden, Verlust der Wohnung
Die Wissenschaftler haben für ihre Studie Daten aus 24 EU-Ländern sowie aus den Vereinigten Staaten und Kanada ausgewertet. Die Zahl der Selbstmorde sei in Europa bis zum Jahr 2007 zunächst zurückgegangen. Im Jahr 2009 gab es dann einen Anstieg um 6,5 Prozent, der in
dieser Deutlichkeit bis 2011 anhielt. In den Vereinigten Staaten sei die Zahl der Suizide bereits früher gestiegen, die Entwicklung habe sich aber mit Ausbruch der Wirtschaftskrise verstärkt. Als die größten Risikofaktoren machte die Untersuchung dementsprechend Arbeitslosigkeit, Verschuldung und den Verlust des Eigenheims aus.
Eine Überraschung sind die Zahlen allerdings nicht. Bereits 2012 titelte der Spiegel: „Steigende Selbstmordraten. Wenn die Krise tötet“ [3]. Damals machte der öffentliche Suizid [4] eines Rentners in Athen Schlagzeilen, der in einem Abschiedsbrief die Politik der Troika heftig angriff (Rezession treibt mehr Menschen in den Selbstmord [5]).
Sowohl in dem Spiegel-Artikel vor zwei Jahren als auch in den Berichten über eine Studie aus dem Jahr 2009 (Mehr Selbstmorde in Zeiten von Wirtschaftskrisen [6]) wird der Eindruck erweckt, als wären die Suizide vor allem ein Problem in den Ländern der europäischen Peripherie wie Griechenland, Spanien, Italien und Portugal. Natürlich sind die Suizide in diesen Ländern besonders hoch gewesen, weil viele Menschen durch die Krise existentiell betroffen waren und ins Elend gestürzt wurden. Doch gerne wird vergessen, dass der Standort Deutschland gerade deshalb so gut durch die Krise kam, wie immer wieder behauptet wird,weil dort der Preis der Ware Arbeitskraft besonders stark gesenkt wurde. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Agenda 2010, deren zehntes Jubiläum sich bald jährt.
Im Gedenken an die Opfer der Krise auch in Deutschland
Michael Fielsch widmet [7] sich den Menschen, die die Agenda 2010 nicht überlebten. „Jeden Freitag platzieren wir im Rahmen von polizeilich angemeldeten Kundgebung vor Jobcentern (Opfer-)Kreuze, auf denen die Schicksale von Menschen stehen, die im Zusammenhang mit der Agenda 2010ums Leben kamen“, erklärt er gegenüber Telepolis.
Mittlerweile hat er 54 Opfer im Zusammenhang mit der Agenda 2010 dokumentiert. „Überwiegend handelt es sich um Suizide. Aber wir erinnern auch an Menschen, die bei Hausbränden ums Leben kamen, die von Kerzen verursacht waren, nachdem in ihren Haushalten Strom und Gas abgestellt wurde“, erklärt Fielsch. An die Berliner Rentnerin Rosemarie Fließ [8], die zwei Tage nach ihrer Zwangsräumung starb, erinnert ebenso ein Kreuz wie an die Mutter, die mit ihrem Sohn in der Wohnung verhungerte, nachdem das Jobcenter die Zahlungen völlig eingestellt hat. Ein Großteil der dokumentierten Todesfälle ist, wenn überhaupt, nur regional bekannt geworden, sie wurden aber als Einzelschicksale behandelt.
Es handelt sich um einen Systemfehler
„Wir wollen mit unserer Aktion zeigen, dass es tausende Einzelfälle gibt und es nicht um individuelle Schicksale, sondern um einen Systemfehler geht“, erklärt Fielsch. Damit ist seine Kritik grundsätzlicher, als die der britischen Forscher, die vor allem eine falsche Politik als Ursache für die Krise und die Selbstmorde ausmachen. So sei die Zahl der Selbstmorde in Finnland, Schweden und Österreich auch deshalb in der Krise nicht gestiegen, weil die dortigen Regierungen Beschäftigungsprogramme aufgelegt und Löhne subventioniert hätten, argumentieren die Wissenschaftler und outen sich hier als Anhänger linkskeynsianistischer Wirtschaftskonzepte.
Sicher gibt es im Rahmen des Kapitalismus bestimmte Spielräume für Sozialreformen, die meistens auch durch gewerkschaftliche und außerparlamentarische soziale Bewegungen erkämpft werden. Es ist auch richtig, dass die Austeritätspolitik, wozu auch die Agenda 2010 gehört, politisch mit dem Ziel geplant wurden, den Preis der Ware Arbeitskraft so weit zu senken, dass der deutsch-europäischen Wirtschaftsstandort mit anderen Standorten weltweit konkurrieren kann. Diese Mechani
ine Studie britischer Forscher zeigt auf, wie die Zahl der Suizide in der Krise steigt, die Steuerwirkung der Politik wird allerdings überschätzt
„Kapitalismus tötet“ ist eine Parole, die in der außerparlamentarischen Linken gelegentlich skandiert wird. Jetzt hat eine Studie britischer Wissenschaftler der Universität Oxford und der London School of Hygiene & Tropical Medicine , die im „British Journal ofPsychiatry“ [1] erscheinen wird, gezeigt, dass die Krise in Europa und Nordamerika zu mehr als 10.000 zusätzlichen Selbstmorden geführt hat. Die Forscher schreiben, wie die BBC berichtet [2], dass die Zahl der Selbstmorde „deutlich angestiegen“ sei – und dass dies zumindest teilweise vermeidbar gewesen wäre.
Arbeitslosigkeit, Schulden, Verlust der Wohnung
Die Wissenschaftler haben für ihre Studie Daten aus 24 EU-Ländern sowie aus den Vereinigten Staaten und Kanada ausgewertet. Die Zahl der Selbstmorde sei in Europa bis zum Jahr 2007 zunächst zurückgegangen. Im Jahr 2009 gab es dann einen Anstieg um 6,5 Prozent, der in
dieser Deutlichkeit bis 2011 anhielt. In den Vereinigten Staaten sei die Zahl der Suizide bereits früher gestiegen, die Entwicklung habe sich aber mit Ausbruch der Wirtschaftskrise verstärkt. Als die größten Risikofaktoren machte die Untersuchung dementsprechend Arbeitslosigkeit, Verschuldung und den Verlust des Eigenheims aus.
Eine Überraschung sind die Zahlen allerdings nicht. Bereits 2012 titelte der Spiegel: „Steigende Selbstmordraten. Wenn die Krise tötet“ [3]. Damals machte der öffentliche Suizid [4] eines Rentners in Athen Schlagzeilen, der in einem Abschiedsbrief die Politik der Troika heftig angriff (Rezession treibt mehr Menschen in den Selbstmord [5]).
Sowohl in dem Spiegel-Artikel vor zwei Jahren als auch in den Berichten über eine Studie aus dem Jahr 2009 (Mehr Selbstmorde in Zeiten von Wirtschaftskrisen [6]) wird der Eindruck erweckt, als wären die Suizide vor allem ein Problem in den Ländern der europäischen Peripherie wie Griechenland, Spanien, Italien und Portugal. Natürlich sind die Suizide in diesen Ländern besonders hoch gewesen, weil viele Menschen durch die Krise existentiell betroffen waren und ins Elend gestürzt wurden. Doch gerne wird vergessen, dass der Standort Deutschland gerade deshalb so gut durch die Krise kam, wie immer wieder behauptet wird,weil dort der Preis der Ware Arbeitskraft besonders stark gesenkt wurde. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Agenda 2010, deren zehntes Jubiläum sich bald jährt.
Im Gedenken an die Opfer der Krise auch in Deutschland
Michael Fielsch widmet [7] sich den Menschen, die die Agenda 2010 nicht überlebten. „Jeden Freitag platzieren wir im Rahmen von polizeilich angemeldeten Kundgebung vor Jobcentern (Opfer-)Kreuze, auf denen die Schicksale von Menschen stehen, die im Zusammenhang mit der Agenda 2010ums Leben kamen“, erklärt er gegenüber Telepolis.
Mittlerweile hat er 54 Opfer im Zusammenhang mit der Agenda 2010 dokumentiert. „Überwiegend handelt es sich um Suizide. Aber wir erinnern auch an Menschen, die bei Hausbränden ums Leben kamen, die von Kerzen verursacht waren, nachdem in ihren Haushalten Strom und Gas abgestellt wurde“, erklärt Fielsch. An die Berliner Rentnerin Rosemarie Fließ [8], die zwei Tage nach ihrer Zwangsräumung starb, erinnert ebenso ein Kreuz wie an die Mutter, die mit ihrem Sohn in der Wohnung verhungerte, nachdem das Jobcenter die Zahlungen völlig eingestellt hat. Ein Großteil der dokumentierten Todesfälle ist, wenn überhaupt, nur regional bekannt geworden, sie wurden aber als Einzelschicksale behandelt.
Es handelt sich um einen Systemfehler
„Wir wollen mit unserer Aktion zeigen, dass es tausende Einzelfälle gibt und es nicht um individuelle Schicksale, sondern um einen Systemfehler geht“, erklärt Fielsch. Damit ist seine Kritik grundsätzlicher, als die der britischen Forscher, die vor allem eine falsche Politik als Ursache für die Krise und die Selbstmorde ausmachen. So sei die Zahl der Selbstmorde in Finnland, Schweden und Österreich auch deshalb in der Krise nicht gestiegen, weil die dortigen Regierungen Beschäftigungsprogramme aufgelegt und Löhne subventioniert hätten, argumentieren die Wissenschaftler und outen sich hier als Anhänger linkskeynsianistischer Wirtschaftskonzepte.
Sicher gibt es im Rahmen des Kapitalismus bestimmte Spielräume für Sozialreformen, die meistens auch durch gewerkschaftliche und außerparlamentarische soziale Bewegungen erkämpft werden. Es ist auch richtig, dass die Austeritätspolitik, wozu auch die Agenda 2010 gehört, politisch mit dem Ziel geplant wurden, den Preis der Ware Arbeitskraft so weit zu senken, dass der deutsch-europäischen Wirtschaftsstandort mit anderen Standorten weltweit konkurrieren kann. Diese Mechanismen hat Albert F. Reiterer inseinem Buch //www.labournet.de/politik/eu-politik/wipo-eu/albert-f-reiterer-der-euro-und-die-eu-zur-politischen-okonomie-des-imperiums/:“Der Euro und die EU. Zur politischen Ökonomie des Imperiums“ gut herausgearbeitet. Aber die Konkurrenz der Standorte ist keine Erfindung der Politiker, sondern gehört zu den Zwängen des Kapitalismus.
http://www.heise.de/tp/news/Wie-die-Krise-toetet-2280776.html
Peter Nowak
Links:
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»Neuer Widerstand wäre dringend nötig«
Eva Willig ist Rentnerin und seit Jahren in der Erwerbslosenbewegung aktiv. Über zehn Jahre Protest gegen die Agenda-2010-Politik, Zwangsräumungen und geplante Schikanen gegen Erwerbslose sprach mit ihr Peter Nowak.
Erwerbslosenaktivistin Eva Willig über zehn Jahre Proteste gegen die Agenda-2010-Politik und neue Zumutungen
Vor zehn Jahren begann in Magdeburg die Montagsdemobewegung gegen die Agenda 2010. Waren Sie damals davon überrascht?
Ich war vor allem erfreut, dass die Menschen aufgewacht sind und sich gewehrt haben. Sie haben damals erkannt, dass die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe Armut per Gesetz bedeutet und sie sollten leider Recht behalten.
Hat es vor den Montagsdemonstrationen keine Erwerbslosenbewegung gegeben?
Doch die gab es, 1982 gab es den ersten bundesweiten Erwerbslosenkongress. Ich bin bereits seit Mitte der 1980er Jahre in der Erwerbslosenbewegung aktiv. Zunächst engagierte ich mich in der Gewerkschaft ÖTV, ab Anfang der 1990er Jahre in unabhängigen Erwerbslosengruppen. Die Aktionen fanden oft wenig öffentliche Beachtung. Die Montagsdemonstrationen erregten dagegen Aufmerksamkeit, weil innerhalb kurzer Zeit Massen auf die Straße gegangen sind.
Warum hatte die Bewegung bereits nach wenigen Wochen stark an Schwung verloren hatte?
Dafür gibt es sicher sehr viele Gründe. Ich sehe eine zentrale Ursache darin, dass es in der Öffentlichkeit früh gelungen ist, die Diskussion von der gesetzlich gewollten Verarmung großer Teile der Bevölkerung zum angeblichen Missbrauch von Hartz IV zu lenken. Ich erinnere nur an die Kampagne gegen den Florida-Rolf, der Hartz IV bezogen hat und im Ausland gelebt haben soll. Die Boulevardpresse und viele Politiker griffen die Themen auf und hatten damit großen gesellschaftlichen Einfluss.
Sehr viele der Betroffenen haben sich auch zurückgezogen.
Viele Erwerbslose müssen unter Hartz IV um das tägliche Überleben kämpfen und haben wenig Zeit und Kraft zum Widerstand. Sie können sich oft auch die Tickets nicht leisten, um zu Veranstaltungen zu fahren. Dass ich mich nach so vielen Jahren noch immer wehre, liegt auch daran, dass ich meinen Protest auch mit kulturellen Mitteln wie Theater, Musik und Kabarett ausgedrückt habe. Widerstand muss auch Spaß machen, sonst verbittert man.
Hat die Montagsdemobewegung also keine Spuren hinterlassen?
Auch nach dem Ende der Massendemonstration engagierten sich in vielen Städten Menschen, die sich durch die Proteste politisiert hatten auf unterschiedliche Weise. Die zahlreichen Klagen vor den Sozialgerichten gehören dazu. Andere begleiten unter dem Motto »Keine/r muss allein zum Amt« Erwerbslose bei ihren Terminen. Ich habe in Berlin das Notruftelefon gegen Zwangsumzüge nach Hartz IV mitbegründet und mehrere Jahre betreut. Dort berieten wir Erwerbslose, die vom Jobcenter erfahren hatten, dass ihre Mietkosten teilweise nicht mehr übernommen wurden.
Sehen Sie darin eine Vorläuferorganisation der heutigen Kampagne gegen Zwangsräumungen?
Ich sehe da auf jeden Fall einen Zusammenhang. Viele der von Zwangsräumungen betroffenen Menschen sind in diese Situation gekommen, weil die Jobcenter die Mietkosten ganz oder teilweise nicht übernommen haben. Zudem müssen Wohngeldempfänger oft über mehrere Monate auf das Geld warten, das ihnen zusteht, weil die Ämter überlastet sind und mit der Bearbeitung der Anträge nicht nachkommen. Die Piratenfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln will Ende August einen Antrag einbringen, der die Wohnungsämter zur Zahlung eines Säumniszuschlags an Wohngeldempfänger verpflichten soll, wenn sie die Anträge nicht in einem bestimmten Zeitraum bearbeiten.
Sehen Sie auch wieder Anzeichen für größere Erwerbslosenproteste?
Neuer Widerstand wäre dringend nötig. Schließlich sind unter dem unverfänglichen Motto Verwaltungsvereinfachung neue Verschärfungen gegen Erwerbslose in Planung. So soll künftig noch schneller sanktioniert werden. Ab Mitte September sind dagegen bundesweite Proteste in verschiedenen Städten dagegen geplant. Am 2. Oktober soll es einen bundesweiten Aktionstag geben.