Kiezspaziergang gegen Google und Co.

Miete ver­weigern, Kün­digung ins Klo – Google ent­eignen sowieso“, diese Parole wurde am Samstag in Kreuzberg häufig skan­diert. Um 15 Uhr startete bei kaltem Win­ter­wetter der erste Kiez­spa­ziergang gegen den im ehe­ma­ligen Umspannwerk in der Ohlauer Straße geplanten Google-Campus am Schle­si­schen Tor. Anfangs war es nur eine kleine Gruppe, die sich dort ver­sammelt hatte. Doch beim Zug durch Kreuzberg schlossen sich weitere Anwoh­ne­rInnen dem Spa­ziergang an, der schließlich auf ca. 150 Men­schen ange­wachsen ist. Dar­unter waren auch Men­schen aus Spanien und der USA, die erst kürzlich nach Berlin gezogen waren und aus ihren Hei­mat­städten bereits Erfah­rungen mit der Gen­tri­fi­zierung von Stadt­teilen durch Tech­no­lo­gie­un­ter­nehmen machten.

Red­ne­rInnen ver­schie­dener linker Gruppen machten deutlich, dass es ihnen um mehr als um Google geht, was sich im Motto „Kiez­spa­ziergang gegen Google und Co. aus­drückte. An der ehe­ma­ligen Cuvry­brache gab es eine kurze Zwi­schen­kund­gebung. Dort will im nächsten Jahr der boo­mende Online-Ver­sand­handel Zalando eine neue Zen­trale eröffnen. Bereits vor einigen Wochen wurde der Rohbau gefeiert. Beim ehe­ma­ligen Post­ge­bäude zwi­schen Gör­litzer Park und Schle­si­scher Bahnhof wurde in einen Rede­beitrag ver­deut­licht, dass nicht nur Mie­te­rInnen mit geringen Ein­kommen durch Google und Co. ver­drängt werden. So soll der Pri­vatclub schließen, weil sich Mit­ar­bei­te­rInnen der in den Gebäude befind­lichen Start-Up-Unter­nehmen über den Lärm beschwert haben, der mit Kon­zerten und Partys ver­bunden ist. Gekauft wurde das ehe­malige Post­ge­bäude von den Internet-Unter­nehmern Marc und Oliver Samwer. Sie grün­deten 2007 das Unter­nehmen Rocket Internet, das sich als weltweit agie­rende Start Up-Fabrik ver­steht. „Die Samwers sind binnen kurzer Zeit Glo­bal­player geworden, ihre Start Ups erobern alle Kon­ti­nente. In vielen Teilen der Welt ist Rocket das neue Synonym für Internet made in Germany“, schreibt das Han­dels­blatt bereits vor 5 Jahren. In Kreuzberg sind die Samwer-Brüder zum Synonym für Ver­drängung und Ver­treibung geworden.


Soli­da­risch mit dem Kampf der Beschäf­tigten von Amazon

Die Gruppe Theorie Orga­ni­sation Praxis (TOP) stellte in einen Rede­beitrag klar, dass ihr Protest sich nicht die Digi­ta­li­sierung richtet, sondern dagegen, dass davon im Kapi­ta­lismus nur wenige pro­fi­tieren. TOP ist auch Teil eines linken Bünd­nisses, das die For­de­rungen der Amazon-Beschäf­tigten nach mehr Lohn und einen Tarif­vertrag unter­stützt. Ein Trans­parent mit der Parole „Make Amazon pay“ wurde in der Demons­tration getragen. Der Spa­ziergang endete vor dem ehe­ma­ligen Umspannwerk in der Ohlauer Straße, wo vor­aus­sichtlich im August 2018 der Google-Campus eröffnet werden soll. „Es war der erste Kiez­spa­ziergang gegen Google und Co. und da waren wir mit der Resonanz zufrieden“, zog eine Mit­or­ga­ni­sa­torin gegenüber Mie­te­rEcho Online ein posi­tives Fazit. Doch sie stelle auch klar, dass in den nächsten Wochen die Pro­teste größer werden, müssen, wenn das Ziel erreicht werden soll. Der Kiez­spa­ziergang zog auch durch die Wran­gel­straße, wo im Sommer 2015 Anwoh­ne­rInnen mona­telang einmal in der Woche auf die Straße gegangen sind, um die Schließung eines Gemü­se­ladens zu ver­hindern. Viele der Pas­san­tInnen, die am Samstag am Rande standen, als der Kiez­spa­ziergang vor­beizog, hatten sich vor drei Jahren an den Pro­testen der Initiative Bizim-Kiez beteiligt. Es wird sich zeigen, ob sie für den Protest gegen Google zu gewinnen sind. Eine Mit­or­ga­ni­sa­torin des Kiez­spa­zier­gangs betont aber auch, dass es der Kam­pagne „Google Campus ver­hindern“ nicht darum geht, allein Kreuzberg gegen den Angriff der Inter­net­kon­zerne zu schützen. Ihnen gehe es um eine grund­sätz­liche Kritik an diesen Kon­zernen. „Daher sagen wir nicht, Google solle doch nach Adlershof und nicht Kreuzberg hin­ziehen. Nein wir sagen, Google und Co. soll nirgend will­kommen sein.“

aus: Mie­te­rEcho online

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Peter Nowak

Weil zu wenige profitieren

Erster Kiez­spa­ziergang gegen den geplanten Google-Campus am Samstag in Kreuzberg

Miete ver­weigern, Kün­digung ins Klo – Google ent­eignen so- wieso“, diese Parole wurde am Samstag in Kreuzberg skan­diert. Um 15 Uhr startete bei kaltem Win­ter­wetter der erste Kiez­spa­ziergang gegen den im ehe­ma­ligen Umspannwerk in der Ohlauer Straße geplanten Google-Campus. Red­ne­rInnen ver­schie­dener linker Gruppen machten deutlich, dass es ihnen um mehr als um Google geht. An der ehe­ma­ligen Cuvry­brache gab es eine kurze Zwi­schen­kund­gebung. Dort will im nächsten Jahr der Online-Ver­sand­handel Zalando eine Zen­trale eröffnen. Bereits vor einigen Wochen wurde der Rohbau gefeiert. Beim ehe­ma­ligen Post­ge­bäude zwi­schen Gör­litzer Park und Schle­si­scher Bahnhof wurde in einen Rede­beitrag moniert, dass die ange­sagte Location Pri­vatclub schließen soll. Mit­ar­bei­te­rInnen der in dem Gebäude befind­lichen Start- up-Unter­nehmen hatten sich über den Lärm beschwert, der mit Kon­zerten und Partys ver- bunden ist. Die Gruppe Theorie Orga­ni­sation Praxis (TOP) betontein ihrem Rede­beitrag, dass ihr Protest sich nicht gegen die Digi­ta­li­sierung richtet, sondern dagegen, dass davon im Kapi­ta­lismus nur wenige pro­fi­tieren. TOP war auch Teil eines linken Bünd­nisses, das die For­de­rungen der Amazon-Beschäf­tigten nach mehr Lohn und einem Tarif­vertrag unter­stützt. Ein Trans­parent mit der Parole „Make Amazon pay“ wurde getragen. Anfangs war die Teil­neh­me­rIn­nenzahl des Spa­zier­gangs recht bescheiden. Doch auf der Strecke schlossen sich weitere Anwoh­ne­rInnen an, die Zahl der Per­sonen wuchs schließlich auf knapp 150. Cor­nelia Möller, die den Protest mit vor­be­reitet hat, zeigte sich mit der Resonanz zufrieden: „Doch in den nächsten Wochen müssen die Pro­teste bei hof­fentlich bes­serem Wetter wei­ter­gehen und wachsen“, betonte Möller gegenüber der taz. Dass da noch Potenzial nach oben ist, zeigte sich beim Gang durch die Wran­gel­straße. Viele der Pas­san­tInnen, die am Samstag am Rande standen, hat- ten im Sommer 2015 als Teil der Bizim-Initiative wochenlang gegen die Kün­digung eines Gemü­se­ladens in der Nach­bar­schaft pro­tes­tiert.

aus: montag, 5. märz 2018 taz

Peter Nowak