Verdient der Reaktionär und Antisemit Luther einen Feiertag?

Dagegen aber die Muslime in Deutschland nicht? Wenn es um arbeits­freie Tage geht, gäbe es sicher viele andere Anlässe

Refor­ma­ti­onstag 2017 – über diesen Fei­ertag freut sich ganz Deutschland«, heißt es in der Schlag­zeile einer Münchner Boulevardzeitung[1]. Sie bezieht sich auf den Refor­ma­ti­onstag 2017, der wegen Luthers 500sten Jah­restags des Anschlags der 95 Thesen in Wit­ten­berge in diesem Jahr bun­desweit Fei­ertag ist. Wenn sich die Behauptung veri­fi­zieren ließe, wäre das ein Armuts­zeugnis.

Denn dann würde der Geburtstag eines Hass­pre­digers und Anti­se­miten gefeiert, woran eine Schrift[2] der säku­laren Giordano-Bruno-Stiftung[3] erinnert. Der Befund dürfte heute unzwei­felhaft sein. Der Radau-Anti­se­mi­tismus des Martin Luther[4] bot alle Ele­mente, die der NS dann durch­setzte.

Nur die fabrik­mäßige Ver­nichtung konnte der Refor­mator noch nicht denken. In einer sehr infor­ma­tiven Son­der­aus­stellung in der Ber­liner Topo­graphie des Terrors[5] wurde doku­men­tiert, wie die Nazis sich als Luthers willige Vollstecker[6] gegen die Juden zeigte. Die Nazis hatten 1933 mit dem Deut­schen Luthertag übrigens einen Gedenktag für ihren Inspi­rator ein­ge­führt.

Mann des Mit­tel­alters

Doch es gäbe noch viele weitere Argu­mente gegen einen Fei­ertag für einen Hass­pre­diger, der zu den Mas­sakern an den auf­stän­di­schen Bauern aufrief. Zudem war Luther auch in seiner Zeit ein Reak­tionär. So heißt es treffend im Huma­nis­ti­schen Pres­se­dienst über den Reak­tionär Martin Luther[7].

Luthers Freiheit des inneren Glaubens ist das Gegenteil von dem, wie wir heute Freiheit im Sinne von Selbst­be­stimmung ver­stehen. Dem fun­da­men­ta­lis­ti­schen Refor­mator zufolge ent­scheidet allein die gött­liche Gnade über Heil oder Ver­dammnis. Luthers Judenhass ist sprich­wörtlich und wird heute gern als doch hin­rei­chend bekannt abgetan – ein Zeit­geist­phä­nomen eben, nicht der wei­teren Rede wert.

Doch erweist sich der Theologe in seiner Stu­dier­stube – durch Wis­sen­schafts­feind­lichkeit gepaart mit Teufels- und Hexen­glaube – als Mann des Mit­tel­alters. Längst gibt es zu seiner Zeit – unter den Katho­liken – huma­nis­ti­schen Geist, welt­offene Kultur, neue Ent­de­ckungen und gesell­schafts­kri­tische Bestre­bungen.

Was seinen Juden­ver­nich­tungswahn über die Jahr­hun­derte so brand­ge­fährlich machte: Es war sein gleich­zei­tiges abso­lutes Fest­halten am Obrig­keits­denken, an der hier­ar­chisch-stän­di­schen Herr­schafts­struktur.

Huma­nis­ti­scher Pres­se­dienst

Luther und die deut­schen Ver­hält­nisse

Schon 100 Jahre nach Luthers Geburtstag wurde dieser Termin poli­tisch instrumentalisiert[8]. Je stärker der deutsche Natio­na­lismus sich gerierte, desto lauter berief man sich auf Martin Luther.

1817 fiel das Datum mit der schon ins Reak­tionäre gekippten deutsch­na­tio­nalen Bewegung, die ihren Sieg über die ersten Ansätze von bür­ger­lichen Ver­hält­nissen feierte, die durch Napoleon nach Deutschland gekommen waren. Auch die ersten Ansätze der Juden­eman­zi­pation kamen mit Napoleon nach Deutschland. Nach der Nie­derlage Napo­leons begann bereits der völ­kische Antisemitismus[9] Raum zu greifen. Er konnte sich auf Luther berufen.

Es gäbe also gute Gründe, sich gegen einen Fei­ertag für einen solchen Mann zu wehren. Im Pots­damer Freiland wird immerhin der Refor­ma­ti­onstag für einen beson­deren Kul­tur­abend genutzt. Unter dem Titel »Q – Gegen Luther, Papst und Fürsten – Alles gehört allen« wird ein von Thomas Ebermann und Berthold Brunner bear­bei­tetes Thea­ter­stück aufgeführt[10].

In der Republik wird dieses Jahr »500 Jahre Luther« gefeiert.Allerdings passen Luthers Fun­da­men­ta­lismus und die Bru­ta­lität der Luther­schen Äuße­rungen, sein Juden- und Frau­enhass und seine wahn­hafte Apo­ka­lyptik nicht so recht in das Mar­ke­ting­konzept von Welt­of­fenheit, Toleranz und Fried­fer­tigkeit, welches zu diesem his­to­ri­schen Ereignis ver­mittelt werden soll.

»Q – Gegen Luther, Papst und Fürsten – Alles gehört allen«[11]

Warum nicht auch einen isla­mi­schen Fei­ertag in Deutschland?

Nun könnte man ein­wenden, dass es den vielen Men­schen, die sich über den Refor­ma­ti­onstag als Fei­ertag freuen, vor allem um einen zusätz­lichen arbeits­freien Tag und nicht um eine Luther-Ehrung gegangen sei. Doch als vor einigen Wochen Bun­des­in­nen­mi­nister de Mai­zière die Idee eines isla­mi­schen Fei­ertags in Deutschland lancierte[12], gab es dagegen sofort Wider­spruch auch über das rechts­po­pu­lis­tische Spektrum hinaus.

Selbst Grünen-Wähler haben an einem zusätz­lichen Fei­ertag unter isla­mis­ti­scher Ägide kein Interesse[13]. Die queer­fe­mi­nis­tische Ham­burger Kul­tur­wis­sen­schaft­lerin Hen­gameh Yaghoobifarah[14] hat in einer sati­ri­schen Kolumne in der Taz[15] diese Ablehnung mit einer tref­fenden Polemik bedacht. Das wurde schon ihrer Ein­gangs­frage deutlich:

In Online-Umfragen darüber, ob es zusätzlich zu den bestehenden christ­lichen Fei­er­tagen einen mus­li­mi­schen für alle Leute geben sollte, stimmte die Mehrheit dagegen. Kar­toffeln würden lieber auf einen freien Tag ver­zichten, als Muslim_​innen einmal was zu gönnen. Warum machen sie so?

Der deutsche Hass auf Muslim_​innen und die Paranoia vor einer – was auch immer das sein soll – Isla­mi­sierung der deut­schen (wort­wörtlich) Drecks­kultur hält Kar­toffeln davon ab, ein schö­neres Leben zu führen. Lieber eine Schwei­ne­fleisch-Lobby gründen als halal-Fleisch in ihrer Kantine akzep­tieren.

Hen­gameh Yag­hoo­bi­farah

Die humor- und sati­re­re­sis­tente Rechte tobte und äußerte Ver­nich­tungs­phan­tasien gegen die Autorin. Ihre Satire hat also die Rich­tigen getroffen.

Doch aus einer säku­laren Per­spektive ist es sinn­voller, statt für einen zusätz­lichen isla­mi­schen, für die Abschaffung aller reli­giösen Fei­ertage ein­zu­treten.

Es ist sicher nicht sinnvoll, neben den deut­schen Anti­se­miten Luther jetzt auch noch isla­mische Juden­hasser und Reak­tionäre zu ehren. Wenn es um arbeits­freie Tage geht, gäbe es sicher viele andere Anlässe. Warum ist der 8. Mai kein Fei­ertag, zum Gedenken an die Männer und Frauen aus aller Welt, die wenigsten aus Deutschland, die den NS zer­schlagen haben? Warum kein Fei­ertag für die Pariser Kommune, den weltweit ersten Versuch einer Arbei­ter­kommune?

Das hängt auch und vor allem mit der his­to­ri­schen Schwäche von Bewe­gungen zusammen, die sich auf solche Modelle berufen. Wer die Geschichte um den Kampf um den 1. Mai als Feiertag[16] kennt, wird auch auf die Pro­ble­matik stoßen, dass auch ein Erfolg eine Nie­derlage sein kann.

Jahr­zehnte hatte die Arbei­ter­be­wegung in Gedenken an die hin­ge­rich­teten Arbei­ter­ak­ti­visten vom Hay­market in Chicago[17] am 1. Mai die Arbeit nie­der­gelegt und war auf die Straße gegangen und wurde dafür ent­lassen und ver­prügelt.

Dieser Teil der Arbei­ter­be­wegung hat bereits in der Früh­phase der Wei­marer Republik eine massive Nie­derlage erfahren, als sie von der SPD und den Frei­korps bekämpft wurde. Als das NS-Régime den 1.Mai 1933 zum Tag der Deut­schen Arbeits­front ausrief, hatte die Volks­ge­mein­schaft end­gültig über die Arbei­ter­be­wegung gesiegt. Wenn nun im Jahr 2017 ein Extra­fei­ertag für den Reak­tionär und Anti­se­miten Luther kaum auf Kritik stößt, ist dies auch eine Zustands­be­schreibung für die deut­schen Zustände.

Peter Nowak

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[2] https://​www​.giordano​-bruno​-stiftung​.de/​m​e​l​d​u​n​g​/​l​u​t​h​e​r​-​h​a​s​s​p​r​e​diger
[3] https://​www​.giordano​-bruno​-stiftung​.de
[4] http://564.html
[5] https://​www​.topo​graphie​.de/​t​o​p​o​g​r​a​p​h​i​e​-​d​e​s​-​t​e​r​r​o​r​s​/​a​u​s​s​t​e​l​l​u​n​g​e​n​/​s​o​n​d​e​r​a​u​s​s​t​e​l​l​u​ngen/
[6] http://​www​.jue​dische​-all​ge​meine​.de/​a​r​t​i​c​l​e​/​v​i​e​w​/​i​d​/​28289
[7] https://​hpd​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​l​u​t​h​e​r​-​u​n​d​-​j​u​d​e​n​-​v​e​r​t​i​e​f​t​e​r​-​b​l​i​c​k​-​e​i​n​e​n​-​b​r​a​n​d​b​e​s​c​h​l​e​u​n​i​g​e​r​-​14229
[8] https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​6​8​3​3​8​.​r​e​f​o​r​m​a​t​i​o​n​-​g​o​t​t​-​z​u​-​e​h​r​e​n​-​u​n​d​-​d​e​m​-​t​e​u​f​e​l​-​z​u​-​t​r​o​t​z​.html
[9] https://​edoc​.hu​-berlin​.de/​b​i​t​s​t​r​e​a​m​/​h​a​n​d​l​e​/​1​8​4​5​2​/​1​7​7​2​9​/​m​e​y​f​e​l​d​.​p​d​f​?​s​e​q​u​e​nce=1
[10] https://​www​.freiland​-potsdam​.de/​?​I​D​=6629
[11] https://​www​.freiland​-potsdam​.de/​?​I​D​=6629
[12] http://​www​.focus​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​v​i​d​e​o​s​/​u​e​b​e​r​-​v​o​r​s​c​h​l​a​g​-​n​a​c​h​d​e​n​k​e​n​-​m​u​s​l​i​m​i​s​c​h​e​-​f​e​i​e​r​t​a​g​e​-​i​n​-​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​-​s​c​h​u​l​z​-​z​e​i​g​t​-​s​i​c​h​-​a​n​g​e​t​a​n​-​v​o​n​-​d​e​-​m​a​i​z​i​e​r​e​s​-​i​d​e​e​_​i​d​_​7​7​1​5​0​4​0​.html
[13] http://​www​.huf​fing​tonpost​.de/​2​0​1​7​/​1​0​/​1​7​/​f​e​i​e​r​t​a​g​-​i​s​l​a​m​i​s​c​h​-​u​m​f​r​a​g​_​n​_​1​8​2​8​5​8​4​0​.html
[14] https://​queer​vanity​.com/
[15] http://​www​.taz​.de/​!​5​4​5​3932/
[16] http://​www​.tag​-der​-arbeit​.com/​g​e​s​c​h​ichte
[17] https://​h2g2​.com/​e​d​i​t​e​d​_​e​n​t​r​y​/​A​6​27662

Leben und leben lassen

Wieder einmal sorgt eine Preisverleihung an den Philosophen Peter Singer für heftige Diskussionen. Jetzt gehen auch einige seiner Anhänger auf Distanz

Es ist unge­wöhnlich, dass eine Aus­zeichnung nach einer lebenden Person benannt wird. Noch unge­wöhn­licher ist es, wenn diese Person den nach ihr benannten Preis selbst erhält. Doch genau das wird heute um 18 Uhr in der Ber­liner Urania geschehen: Der aus­tra­lische Phi­losoph und Bio­ethiker Peter Singer wird in der Urania den mit 10.000 Euro dotierten »Peter-Singer-Preis für Stra­tegien zur Tier­leid­min­derung« [1] ent­ge­gen­nehmen. Mode­ra­torin des Festakts ist die ame­ri­ka­nische »Kar­nismus-Kri­ti­kerin« Melanie Joy [2]. Europa-Par­la­men­tarier Stefan Bernhard Eck wird dar­legen, weshalb er sich in Brüssel für eine andere Tier­po­litik auf der Grundlage des Ethik­kon­zepts von Peter Singer stark macht.

Die Lau­datio auf den Preis­träger sollte der deutsche Phi­losoph Michael Schmidt-Salomon [3] halten. Doch wenige Tage vor der Preis­ver­leihung sagte [4] der Vor­sit­zende der Giordano Bruno Stiftung seine Teil­nahme an der Preis­ver­leihung ab. Als Grund führt er ein Interview [5] an, dass Singer kürzlich der Neuen Züricher Zeitung gegeben hat. (Der Phi­losoph Georg Meggle in Tele­polis über Peter Singer:Schwie­rig­keiten der Medien mit der Phi­lo­sophie. [6])
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»Ein Embryo hat kein Recht auf Leben«

Dort geht es um genau die Themen, die in Deutschland und in vielen anderen Ländern oft zu Pro­testen führen, wenn Singer irgendwo auf­tritt oder einen Preis erhält. Des­wegen wird er auch gerne mit den Adjek­tiven umstritten [7] oder renom­miert ver­sehen. Beide Adjektive sagen aber wenig über den Gegen­stand der Kon­tro­verse aus.

Gegen die aktuelle Preis­ver­leihung ruft in Ber­linein Bündnis »Kein Forum für Peter Singer« [8] zu Pro­testen vor der Urania auf. Dass dort Singer als Eutha­nasie-Befür­worter bezeichnet wird, irri­tiert aus zwei Gründen. Zunächst ist schon der Begriff Eutha­nasie ein Euphe­mismus, heißt er doch über­setzt schöner Tod. Unter diesem Begriff wurden im NS Tau­sende Men­schen ermordet, die als unwertes Leben bezeichnet wurden. Es ist fraglich, ob die Kri­tiker sich einen Gefallen tun, wenn sie Singer, der eine phi­lo­so­phische Position ein­nimmt, zum Eutha­na­sie­be­für­worter stempeln. Warum kann Singer nicht kri­ti­siert werden, ohne ihn gleich in die Nähe von Mas­sen­mördern zu rücken?

Doch diese Über­spitzung hat im Umgang mit Singer Tra­dition. Immer, wenn eine neue Preis­ver­leihung an Singer ansteht, wird er ent­weder als der große Humanist oder als Todes­phi­losoph [9] titu­liert. Dass Kritik an seiner Podien berechtigt ist, zeigt sich schließlich an dem Interview in der NZZ, das Schmidt-Salomon zum Rückzug von der Lau­datio ani­mierte. In dem Pro­test­aufruf wird auf zwei Zitate von Singer ver­wiesen, die er sinn­gemäß in dem NZZ-Interview wie­derholt bzw. radi­ka­li­siert hat.

»Würden behin­derte Neu­ge­bo­renen bis zu einem gewissen Zeit­punkt nach der Geburt nicht als Wesen betrachtet, die ein Recht auf Leben haben, dann wären die Eltern in der Lage (…), auf viel brei­terer Wis­sens­grundlage (…), ihre Ent­scheidung zu treffen«, wird aus Singers Best­seller »Prak­tische Ethik« [10] zitiert. Im NZZ-Interview radi­ka­li­siert Singer diese Auf­fassung. Ein »Früh­ge­bo­renes im Alter von 23 Wochen« habe »keinen anderen mora­li­schen Status als ein Kind mit 25 Wochen in der Gebär­mutter«.

Schmidt-Salomon wies darauf hin, dass Singer in einem phi­lo­so­phi­schen Disput 1993 noch erklärt habe, dass nur die Geburt »als Grenze sichtbar und selbst­ver­ständlich genug« sei, »um ein sozial aner­kanntes Lebens­recht zu mar­kieren. Würde die Vor­stellung in das öffent­liche Denken ein­gehen, »dass ein Kind mit dem Augen­blick der Geburt nicht zugleich auch ein Lebens­recht besitzt, sinke mög­li­cher­weise die Achtung vor kind­lichem Leben im all­ge­meinen«, schreibt Singer in seinem Buch »Muss dieses Kind am Leben bleiben«.

Schmidt Salomon fasst das Motto seiner Orga­ni­sation so zusammen: »Lebens­recht für Alle. Lebens­pflicht für Nie­manden« [11]. Damit soll deutlich gemacht werden, dass es ein indi­vi­du­elles Recht auf Ster­be­hilfe gib

»Letzte Hilfe ist auch ein Recht«

Die Kam­pagne »Mein Ende gehört mir« fordert eine Ent­kri­mi­na­li­sierung der Ster­be­hilfe in Deutschland. Michael Schmidt-Salomon, Vor­stands­mit­glied der Giordano-Bruno-Stiftung, erklärt im Gespräch, warum Ster­be­hilfe als Lebens­hilfe ver­standen werden sollte.

Was ist das Ziel der öffent­lichen Pla­kat­kam­pagne »Mein Ende gehört mir«?

Wir wollen ver­hindern, dass die Selbst­be­stim­mungs­rechte der Pati­en­tinnen und Pati­enten am Lebensende ein­ge­schränkt werden. Denn bislang ist ärzt­liche Frei­tod­be­gleitung in Deutschland straf­rechtlich nicht ver­boten. Ein solches Verbot ein­zu­führen, ist Aus­druck eines illi­be­ralen Denkens, das schwerst­lei­denden Men­schen die Chance nimmt, ihr Leben so zu beenden, wie sie es wün­schen. Wir sind über­zeugt: So wie es ein Recht auf Erste Hilfe gibt, das dafür sorgt, dass unser Leben im Notfall gerettet wird, sollte es auch ein Recht auf Letzte Hilfe geben, das garan­tiert, dass wir unser Leben in Würde beschließen können. Die Umsetzung eines solchen Rechts ver­langt nicht nur eine Ver­bes­serung der pal­lia­tiv­me­di­zi­ni­schen Ver­sorgung, sondern auch die Mög­lichkeit, mit Unter­stützung eines Arztes eigen­ver­ant­wortlich aus dem Leben zu scheiden, wenn das Leiden uner­träglich wird.

Sollten Ärzte nicht Leben erhalten, statt beim Sterben zu helfen?

Ärzte sollten sich dem Pati­en­ten­willen ver­pflichtet fühlen – nicht einem reli­giösen, medi­zin­tech­no­kra­ti­schen oder von öko­no­mi­schen Inter­essen gespeisten Dogma der unbe­dingten Lebens­ver­län­gerung. In der Regel gehen Pati­enten zum Arzt, weil sie mög­lichst lange und mög­lichst gut wei­ter­leben wollen. Doch es gibt Bedin­gungen, unter denen selbst die beste Pal­lia­tiv­me­dizin nicht ver­hindern kann, dass das Leben zu einer Qual wird. Ein guter Arzt sollte den Ster­be­wunsch seiner frei­ver­ant­wortlich han­delnden Pati­enten ebenso respek­tieren wie deren Willen zum Leben.

Was aber ist, wenn der Patient nicht frei­ver­ant­wortlich ent­scheidet, wenn sein Ster­be­wunsch auf eine psy­chische Störung zurück­zu­führen ist?

In einem solchen Fall wäre eine Frei­tod­be­gleitung schon unter gel­tendem Recht unzu­lässig. Ein schwerst­de­pres­siver Mensch braucht keine Hilfe zum Sterben, sondern Hilfe zum Leben. Aller­dings ist diese Hilfe sehr viel leichter möglich, wenn ärzt­liche Frei­tod­be­glei­tungen akzep­tiert werden.

Warum?

Weil man mit Ster­be­wil­ligen nur dann ein offenes Gespräch führen kann, wenn der Suizid nicht prin­zi­piell verpönt ist. Wir sollten hier von Erfah­rungen auf anderen Gebieten lernen. Rigorose For­de­rungen wie »Keine Drogen!«, »Kein Sex unter Teen­agern!«, »Keine Abtreibung!«, »Keine Suizide!« sind kon­tra­pro­duktiv. Sie führen im Ergebnis zu mehr Dro­gen­toten, mehr Teenager-Schwan­ger­schaften, mehr Schwan­ger­schafts­ab­brüchen und auch zu mehr Ver­zweif­lungs­sui­ziden.

Nicht nur kon­ser­vative Poli­tiker, sondern auch Stimmen aus der Linken warnen vor der Auf­wei­chung der Rege­lungen zur Ster­be­hilfe. Was halten Sie davon?

Auch unter Linken gibt es einige Men­schen, die den Nazi­ver­gleichen reak­tio­närer Ster­be­hil­fe­gegner wie Robert Spa­emann auf den Leim gehen. Deshalb zur Klar­stellung: Im Natio­nal­so­zia­lismus ging es niemals um Eutha­nasie, also den »guten, schönen Tod«, sondern um sys­te­ma­ti­schen Mas­senmord an behin­derten und psy­chisch kranken Men­schen. Wer den ver­ne­belnden Sprach­ge­brauch der Nazis über­nimmt, baga­tel­li­siert damit den Mas­senmord und ver­höhnt die Opfer. Zudem belegen zahl­reiche Studien, dass nicht die Gewährung, sondern die Ver­hin­derung der ärzt­lichen Sui­zi­d­as­sistenz die Gefahr erhöht, dass Pati­enten ohne deren Ver­langen getötet werden. Tat­sächlich ist nir­gends die Gefahr größer, fremd­be­stimmt sterben zu müssen, als dort, wo Men­schen nicht selbst­be­stimmt sterben dürfen.

Aber könnte bei einer ver­ein­fachten Ster­be­hilfe nicht gerade auf arme Men­schen der Druck wachsen, nicht weiter die öffent­lichen Haus­halte zu belasten?

Das wird oft behauptet, die lang­jäh­rigen Erfah­rungen im US-Bun­des­staat Oregon, in der Schweiz und den Benelux-Ländern zeigen aber, dass es einen der­ar­tigen Effekt nir­gends gegeben hat. Gegen­wärtig zielt der öko­no­mische Druck exakt in die umge­kehrte Richtung, denn das Geschäft mit der Lei­dens­ver­län­gerung ist sehr viel lukra­tiver als das Geschäft mit dem Tod! In unserem Buch »Letzte Hilfe« berichten Uwe-Christian Arnold und ich unter anderem von dem Fall einer Pati­entin, die gegen ihren Willen fünf Jahre lang im Wachkoma gehalten wurde. Das brachte dem Pfle­geheim einen zusätz­lichen Umsatz von 200 000 Euro. Wenn man nach­forscht, warum ­einige Gruppen heute so massiv gegen Selbst­be­stim­mungs­rechte am Lebensende ein­treten, stößt man nicht nur auf reli­giöse Motive, sondern auch auf hand­feste öko­no­mische Inter­essen. »Lei­dens­ver­län­gerung« ist heute ein Mul­ti­mil­li­ar­den­ge­schäft, das sich keiner der Pro­fi­teure ver­derben lassen möchte.

Wäre es nicht sinn­voller, die Welt so zu gestalten, dass sie für alle Men­schen lebenswert ist, als die Ster­be­hilfe zu ver­ein­fachen?

Natürlich sollten wir alles dafür tun, dass Men­schen ihre Existenz bis zum Schluss als lebenswert emp­finden können. Doch selbst unter idealen gesell­schaft­lichen Bedin­gungen, von denen wir bekanntlich weit ent­fernt sind, wären wir nicht in der Lage, jeder Person einen wür­de­vollen natür­lichen Tod zu ermög­lichen. Hos­piz­dienste und Pal­lia­tiv­me­di­ziner können vielen Pati­enten helfen, aber längst nicht allen. Dies gilt ins­be­sondere für Pati­enten, die gar nicht befürchten, in abseh­barer Zeit sterben zu müssen, sondern auf unab­sehbare Zeit unter für sie unwür­digen Bedin­gungen wei­ter­leben zu müssen. Es wäre zutiefst inhuman, Men­schen, die auf­grund einer schweren Form von MS oder ALS unbe­dingt sterben wollen, in ihrer Not allein zu lassen.

Dennoch: Würden nicht viele Schwer­kranke durchaus wei­ter­leben wollen, wenn die Pflege und Betreuung besser wäre?

Genau darum geht es ja! Es ist kein Zufall, dass aus­ge­rechnet die Länder, die Frei­tod­be­glei­tungen ermög­lichen, über die beste pal­lia­tiv­me­di­zi­nische Ver­sorgung der Welt ver­fügen. Zudem sollte man die posi­tiven Effekte nicht über­sehen, die mit der Mög­lichkeit der ärzt­lichen Frei­tod­be­gleitung ein­her­gehen. Denn die Gewissheit, im Notfall mit Unter­stützung des Arztes das eigene Leid beenden zu können, führt zu einer deut­lichen Ver­bes­serung der Lebens­qua­lität– auch wenn viele Pati­enten diese Hilfe am Ende gar nicht in Anspruch nehmen. Wer sich inten­siver mit dem Thema beschäftigt, der erkennt schnell, dass Ster­be­hilfe vor allem Lebens­hilfe ist.

Wie beur­teilen Sie Ster­be­hil­fe­pro­jekte, wie sie von dem ehe­ma­ligen kon­ser­va­tiven Poli­tiker Roger Kusch vor­an­ge­trieben wurden?

Die Idee, den Zeit­punkt einer Frei­tod­be­gleitung von der Höhe der Spende abhängig zu machen, konnte wohl nur einem ehe­ma­ligen CDU-Rechts­außen wie Kusch kommen.

Sollte man dem mit Ver­bots­ge­setzen begegnen?

Nein! Ginge es den Poli­tikern wirklich darum, das »Geschäft mit dem Tod« zu unter­binden, würden sie kein Verbot der Frei­tod­be­glei­tungen erwägen, sondern dafür sorgen, dass sie als ärzt­liche Aufgabe aner­kannt und ver­gütet werden. Damit wäre die Gefahr eines »Geschäfts­mo­dells Ster­be­hilfe« gebannt, da kein Mensch Geld für eine Hil­fe­leistung aus­geben würde, die er von seinem Arzt ohne Zusatz­kosten erhält. Sollte es hin­gegen zu einem Verbot der Sui­zid­bei­hilfe kommen, würden sich begü­terte Men­schen ihren Ster­be­wunsch wei­terhin ver­deckt in Deutschland oder legal in der Schweiz erfüllen können. Die aktu­ellen Ver­bots­be­stre­bungen miss­achten somit nicht nur die indi­vi­du­ellen Selbst­be­stim­mungs­rechte, sondern auch das Prinzip der sozialen Gerech­tigkeit. Wir sollten unbe­dingt ver­hindern, dass die Höhe des Kon­to­stands darüber ent­scheidet, ob ein Mensch selbst­be­stimmt sterben kann.

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​4​/​4​4​/​5​0​8​1​0​.html

Interview: Peter Nowak

Humanist oder Tötungsphilosoph?

Ver­leihung des Ethik­preises an den aus­tra­li­schen Phi­lo­sophen Peter Singer wird ein alter Streit neu auf­gelegt

Nor­ma­ler­weise wird eine Preis­ver­leihung der Giordano Bruno-Stiftung, die sich selber Denk­fabrik für Huma­nismus und Auf­klärung nennt, in einer grö­ßeren Öffent­lichkeit kaum zur Kenntnis genommen. Doch in diesem Jahr ist das anders.
 
Heute abend erhält der aus­tra­lische Phi­losoph Peter Singer den dies­jäh­rigen Ethik­preis gemeinsam mit der ita­lie­ni­schen Tier­recht­lerin Paola Cava­lieri. Der Festakt findet in der Deut­schen Natio­nal­bi­bliothek in Frankfurt a. M. statt.
Aus­ge­zeichnet werden sollen beide »für ihr enga­giertes Ein­treten für Tier­rechte«, bei­spiels­weise die Initi­ierung des Great Ape Project, das sich neben Men­schen- auch für Affen­rechte ein­setzt (Men­schen­rechte für Men­schen­affen?). Die beiden Preis­träger haben die Debatte um Tier­rechte mit ihrem 1993 erschie­nenen Buch The Great Ape Project: Equality Beyond Humanity wesentlich ange­stoßen (Sind nur Men­schen Per­sonen?). Deshalb sieht die Giordano Bruno-Stiftung in der Wahl der Preis­träger auch ein »Signal für Tier­rechte und auf­ge­klärte Streit­kultur«.
 
Singers Bedeutung für die Tier­rechts­be­wegung dürfte unstrittig sein, doch wie sieht es bei ihm mit den Rechten für alle Men­schen aus? Darüber hat sich anlässlich der Preis­ver­leihung eine Kon­tro­verse ent­zündet, nicht zum ersten Mal. Die Kri­tiker stützten sich auf Singers Bücher »Animal Libe­ration« von 1975 und »Prak­tische Ethik« von 1979. Damit hat Singer den Begriff des Tier­rechts weltweit popu­la­ri­siert, aber gleich­zeitig die Uni­ver­sa­lität der Men­schen­rechte mit der These infrage gestellt, dass bestimmte Tiere ein grö­ßeres Lebens­recht als manche Men­schen besäßen. In dem Buch »Prak­tische Ethik« sehen die Kri­tiker eine weitere Rela­ti­vierung der Men­schen­rechte, weil Singer die Kate­gorie der mensch­lichen »Nicht-Per­sonen« in die Debatte ein­führt (Schonung der Tiere, Eutha­nasie für schwer behin­derte Kinder?, Tötung »lebens­un­werten« Lebens?).
 
Gefährdung der Wis­sen­schafts­freiheit?

Für die Giordano Bruno- Stiftung dürfte die von der Preis­ver­leihung aus­ge­löste Debatte daher nicht über­ra­schend gewesen sein. Schließlich stand Singer wegen seiner uti­li­ta­ris­ti­schen Phi­lo­sophie seit Ende der 80er Jahre in der Kritik von Selbst­or­ga­ni­sa­tionen der Behin­derten, aber auch von anti­fa­schis­ti­schen Initia­tiven. So wurde er nach hef­tigen Pro­testen 1996 von den Orga­ni­sa­toren eines Hei­del­berger Science Fiction-Kon­gresses, wo er als Redner ein­ge­plant war, wieder aus­ge­laden. Andere Ver­an­stal­tungen konnten nur unter Poli­zei­schutz statt­finden. Auch zahl­reiche Bücher beschäf­tigten sich schon vor 20 Jahren kri­tisch mit Singers Thesen und lie­ferten einen wich­tigen Beitrag zur Debatte um Behin­der­ten­rechte.
 
Während Akti­visten der Krüp­pel­be­wegung, wie sich die selbst­be­wussten Behin­derten selber nannten, betonten, dass über ihr Lebens­recht nicht dis­ku­tiert werden könne, gab es aus aka­de­mi­schen Kreisen War­nungen, dass die von Singers Kri­tikern gewählten Stra­tegie der Auf­tritts­ver­hin­de­rungen die Wis­sen­schafts­freiheit gefährde. In diesem Sinne äußerte sich eine von zahl­reichen Wis­sen­schaftlern unter­schriebene »Erklärung Ber­liner Phi­lo­sophen« (s.a.: Schwie­rig­keiten der Medien mit der Phi­lo­sophie).
 
Singer-Debatte rel­oaded

Mit der Preis­ver­leihung lebte die Singer-Kon­tro­verse in Deutschland sofort wieder auf. Der in der Ber­liner Behin­der­ten­be­wegung aktive Publizist Michael Zander nannte Singer einen »Phi­lo­sophen der Angst«, und Peter Bierl, Autor zahl­reiche Bei­träge zur Huma­nisten- und Tier­rechts­szene, weist auf his­to­rische Bezüge der wie­der­auf­ge­legten Debatte hin, die auch das poli­tische Feld erreicht hat.
 
So bezeichnete der behin­der­ten­po­li­tische Sprecher von Bündnis 90/​Die Grünen Markus Kurth die Aus­zeichnung als fal­sches Signal: »Peter Singer plä­dierte in der Ver­gan­genheit unter anderem dafür, behin­derte Kinder bis zum 28. Lebenstag töten zu können. Der Preis für Singer ist ein Schlag ins Gesicht aller Men­schen mit Behin­de­rungen«, heißt es in der Erklärung des Poli­tikers.
 
Auch der behin­der­ten­po­li­tische Sprecher der Bun­des­re­gierung Hubertus Hüppe teilt die Kritik an den desi­gnierten Preis­träger und sparte dabei nicht mit starken Worten. In einer Pres­se­mit­teilung for­derte er, dass die Deutsche Natio­nal­bi­bliothek Frankfurt/​Main »dem Tötungs­phi­lo­sophen« keine Räume zur Ver­fügung stellen dürfe. »Sollte die Ver­leihung nicht zu ver­hindern sein, erwarte ich eine deut­liche Distan­zierung der Deut­schen Natio­nal­bi­bliothek vom Preis­träger«, betonte Hüppe. Soviel admi­nis­tra­tiver Druck blieb nicht ohne Antwort.
 
Alles nur Miss­ver­ständ­nisse?

Die Giordano Bruno-Stiftung spricht von einer Dif­fa­mierung ihres Preis­trägers und fordert Hüppes Rück­tritt als Behin­der­ten­be­auf­tragter. Der Vor­sit­zende der Stiftung, Michael-Schmidt-Salomon, sieht die Aus­ein­an­der­setzung auch als Folge von Miss­ver­ständ­nissen.
 

Fakt ist: Würde ich von Peter Singer nur dieses eine, immer wieder zitierte Spiegel-Interview kennen, hätte ich ganz bestimmt nicht zuge­stimmt, ihn mit einem Ethik-Preis aus­zu­zeichnen. Aller­dings gibt dieses Interview Singers Posi­tionen stre­cken­weise nur sehr ver­zerrt wieder – während der Anfang des Inter­views in Ordnung ist, ist der Schluss geradezu ein Mus­ter­bei­spiel für schlechten bzw. poli­tisch mani­pu­la­tiven Jour­na­lismus.
 
Mit dieser wohl­feilen Pres­se­schelte macht es sich Schmidt-Salomon aber ent­schieden zu einfach. So gibt es in dem Interview ver­stö­rende Text­passen, die nicht durch Sprach­pro­bleme oder andere Ver­zer­rungen erklärt werden können:
 
Singer: Wenn Sie vor der Implan­tation an einem Embryo einen Gentest vor­nehmen und dann ent­scheiden, dass dies nicht die Art von Embryo ist, die Sie wollen, dann habe ich keinen Einwand dagegen, ihn zu zer­stören.
 
SPIEGEL: Spielt es in Ihren Augen denn gar keine Rolle, dass dieser Embryo zwar keine Ver­nunft hat, aber doch immerhin das Potenzial, Ver­nunft zu ent­wi­ckeln?
 
Singer: Nein – jeden­falls nicht in dieser Welt, in der wir keinen Mangel an Men­schen haben. Wir haben ja kein Problem damit, die Welt­be­völ­kerung zu ver­mehren – wenn über­haupt, dann mit dem Gegenteil.
 
Aller­dings sucht Schmidt-Salomon auch zu zeigen, dass sich die Position Singers ver­ändert habe, sie sei nicht »behin­der­ten­feindlich«, sondern »behin­der­ten­freundlich«. Die aktuelle Debatte könnte so auch die Frage nach den Grenzen des Huma­nismus auf­werfen, wenn sie nicht nach der Ver­leihung sofort wieder abebbt und erst beim nächsten öffent­lichen Singer-Auf­tritt neu auf­gelegt wird.

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Peter Nowak