Sarrazin – schädlich für das deutsche Image?

Die Deutsche Bundesbank bittet den Bundespräsidenten um die Entlassung von Sarrazin

Neben seiner SPD-Mit­glied­schaft könnte der ehe­malige Ber­liner Finanz­se­nator Thilo Sar­razin wegen der Ver­öf­fent­li­chung seines Buches »Deutschland schafft sich ab« (Sozi­al­dar­wi­nismus wird hof­fähig) und den nach­fol­genden Dis­kus­sionen jetzt auch seinen Posten bei der Deut­schen Bun­desbank los sein.

»Der Vor­stand der Deut­schen Bun­desbank hat heute ein­stimmig beschlossen, beim Bun­des­prä­si­denten die Abbe­rufung von Dr. Thilo Sar­razin als Mit­glied des Vor­standes zu bean­tragen. Der ‚Cor­porate Governance‘-Beauftragte der Deut­schen Bun­desbank, Pro­fessor Dr. Uwe Schneider, unter­stützt diesen Antrag unein­ge­schränkt«, heißt es in einer knappen Mit­teilung der Bun­desbank.

Die Nach­richt kam nicht über­ra­schend. Schon in der Don­ners­tags­ausgabe der Ber­liner Zeitung war die Ent­scheidung zum Raus­schmiss ver­meldet worden. Dass die offi­ziell noch um einen Tag ver­schoben wurde, liegt an dem kom­pli­zierten Pro­zedere. Anders als normale Arbeit­nehmer können Bank­vor­stands­mit­glieder nur durch den Bun­des­prä­si­denten ent­lassen werden. Es ist wahr­scheinlich, dass Wulff dem Antrag auf Abbe­rufung von Sar­razin nach­kommt. Schließlich hatte er in einem Radio­in­terview erklärt: »Ich glaube, dass jetzt der Vor­stand der Deut­schen Bun­desbank schon einiges tun kann, damit die Dis­kussion Deutschland nicht schadet – vor allem auch inter­na­tional«.

Damit hat er auch den Grund für die zuneh­mende Schelte genannt, die Sar­razin in den letzten Tagen von allen Seiten trifft. Neben ver­schie­denen Regie­rungs­mit­gliedern hat sich auch Bun­des­kanz­lerin Merkel in den Chor der Sar­razin-Kri­tiker ein­ge­reiht. Sar­razin hat es seinen Gegnern auch leicht gemacht. Zunächst wollte er ein Juden-Gen in der wis­sen­schaft­lichen Debatte aus­ge­macht haben, dann legte er sich mit den Publi­zisten Michel Friedmann wegen eines kri­ti­schen Inter­views an.

Rechter Lafon­taine?

Je mehr Sar­razin vom Main­stream aus­ge­grenzt wird, desto mehr Lob bekommt er von rechts. Die Wochen­zeitung Junge Freiheit feiert ihn als Tabu­brecher. Das Blatt lan­cierte auch eine Umfrage, ob Sar­razin eine neue rechte Partei gründen solle.

Die Junge Freiheit bastelt seit Jahren an Par­tei­grün­dungs­pro­zessen rechts von der CDU, aber mög­lichst ohne NS-Bezug. In Berlin stehen gleich mehrere rechte For­ma­tionen bereit, im nächsten Jahr zur Wahl des Abge­ord­ne­ten­hauses zu kan­dieren. Neben der Pro-Deutsch­land­be­wegung könnte auch der aus der CDU aus­ge­tretene Islam­gegner Rene Stadt­kewitz mit einer eigenen For­mation antreten, wenn er nun wegen der Ein­ladung des hol­län­di­schen Islam­gegners Geert Wilders auch aus der CDU-Fraktion aus­ge­schlossen wird (Keine Tea-Party-Bewegung in Deutschland). Manche hoffen nun, dass der poli­tik­er­fahrene Sar­razin die Rolle von Oskar Lafon­taine von rechts über­nimmt. Der hatte mit seiner Kan­di­datur die zer­strit­tenen For­ma­tionen links von der SPD zur Einigung gedrängt. Sar­razin, so hoffen seine Fans, könnte das­selbe mit den ebenso zer­strit­tenen Rechten ver­suchen (NPD und pro Deutschland werben um Thilo Sar­razin).

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​48307

Peter Nowak