Ein Camp gegen das Kriegstraining

Protestwoche am Truppenübungsplatz startet

Am Sonntag hat die Pro­test­woche von Kriegs­gegnern am Gefechts­übungs­zentrum (GÜZ) bei Mag­deburg begonnen. Etwa 400 Anti­mi­li­ta­risten aus der gesamten Republik und dem euro­päi­schen Ausland werden dazu erwartet, bis Sonn­tag­nach­mittag waren bereits rund 40 Akti­visten ange­reist. Zum dritten Mal findet das Akti­onscamp in der sachsen-anhal­ti­schen Altmark, auf einer Wiese in der Nähe der kleinen Ort­schaft Pot­zehne statt. Der modernste Trup­pen­übungs­platz Europas, auf dem sich Sol­daten, nicht nur aus Deutschland, auf ihre Aus­lands­ein­sätze vor­be­reiten, ist nur wenige Kilo­meter ent­fernt. Auf dem vom Rüs­tungs­konzern Rhein­metall betrie­benen Areal wurden zu Übungs­zwecken afgha­nische und koso­va­rische Orte nach­gebaut. Erst Anfang August hatte Rhein­metall von der Bun­deswehr den Zuschlag bekommen, das GÜZ bis 2018 weiter zu betreiben – der Wert des Auf­trags liegt nach eigenen Angaben bei rund 70 Mil­lionen Euro.

Einen Erfolg haben aber auch die Kriegs­gegner schon erzielt: Das GÜZ ist mitt­ler­weile bun­desweit bekannt. Vor allem wegen der derzeit im Bau befind­lichen Übungs­groß­stadt Schnög­gersburg, in der zwi­schen Hoch­häusern und U‑Bahn-Sta­tionen der Häu­ser­kampf in urbanen Bal­lungs­räumen trai­niert werden soll.

Für LINKE-Vize Tobias Pflüger ist das GÜZ ein wich­tiger Bau­stein der deut­schen und euro­päi­schen Mili­tär­po­litik. »Es ist für viele Sol­daten die letzte Station vor dem Aus­lands­einsatz«, so Pflüger. »War start’s here« – Krieg beginnt hier – ist deshalb das Motto des anti­mi­li­ta­ris­ti­schen Camps. Eine Woche lang stehen Arbeits­gruppen zu Themen wie Militär und Rüstung, der Umsetzung der Zivil­klausel an den Hoch­schulen bis hin zu zivilen Lösungen im Afgha­ni­s­tan­kon­flikt auf dem Pro­gramm. Aus der Ukraine reisen Linke an, die in Oppo­sition zur Regierung in Kiew stehen. Sie werden über die schwie­rigen Bedin­gungen berichten, unter denen sie ihre poli­tische Arbeit leisten. Höhe­punkt des Camps soll der Akti­onstag am Sonn­abend werden. Akti­visten wollen zuvor das Gelände für mehrere Tage gewaltfrei besetzen.

Militär und Polizei bereiten sich unter­dessen auf einen Groß­einsatz zur Abwehr der Anti­mi­li­ta­risten vor. Für das GÜZ erklärte Oberst Ludger Ter­brüggen, dass man während des Camps »mit einer ver­stärkten Militanz« rechne. In der Akti­ons­woche werde es keine Gefechts­übungen geben.

In der struk­tur­schwachen Region, in der viele Bewohner auf Jobs durch das GÜZ hoffen, finden die Akti­visten eben­falls kaum Zuspruch. »Die Sol­daten werden aus­ge­bildet für ihren Job. Und wir alle wollen doch, dass sie heil und gesund wieder nach Hause kommen«, ver­tei­digte eine Kom­men­ta­torin der »Altmark-Zeitung« die Übungen. Solche Töne bestärken die Cam­por­ga­ni­sa­toren in ihrem Wider­stand. »Wir wollen deutlich machen, dass es kein ruhiges Hin­terland für Bun­des­wehr­sol­daten gibt«, so eine Spre­cherin.

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Peter Nowak

Eine Geisterstadt zum Üben

Unter dem Motto »Gegen Sach­be­schä­digung und Gewalt« ver­an­staltete am Samstag eine Bür­ger­initiative in Letz­lingen eine Kund­gebung. 30 Per­sonen, dar­unter auch einige Ver­treter der regio­nalen rechten Szene, hatten sich ein­ge­funden. Die Kund­gebung richtete sich gegen ein inter­na­tio­nales anti­mi­li­ta­ris­ti­sches Camp, mit dem eine Woche lang gegen das Gefechts­übungs­zentrum (GÜZ) Altmark pro­tes­tiert wurde. Im GÜZ probt die Bun­deswehr vor ihren Aus­lands­ein­sätzen das Krieg­führen. Dafür werden in Sachsen-Anhalts Heide ganze Städte nach­gebaut. Bis 2017 soll dort die Geis­ter­stadt Schnög­gersburg ent­stehen, die in der Taz als eine »Mischung aus Kin­shasa, Tim­buktu und Bagdad« beschrieben wird. Die Bun­deswehr hat also noch einiges vor in der Welt. Seit zwei Jahren rücken ihr Anti­mi­li­ta­risten aus der ganzen Republik und den euro­päi­schen Nach­bar­ländern auf die Pelle. »War starts here«, lautet die Parole der noch jungen Bewegung, die anders als die tra­di­tio­nelle deutsche Frie­dens­be­wegung nicht die USA, sondern die deutsche Kriegs­politik kri­ti­siert. Deshalb hegt die Alt­marker Bevöl­kerung auch kaum Sym­pa­thien für sie. In den ver­gan­genen Tagen wurden Gleise im GÜZ »geschottert« und beim Stöbern auf dem Gelände ein ver­las­sener Kon­troll­punkt der Bun­deswehr ent­deckt, in dem neben Berichten über mili­tä­rische Übungen auch Haken­kreuz­krit­ze­leien gefunden wurden. Am letzten Tag rückte die Polizei ins anti­mi­li­ta­ris­tische Camp ein und beschlag­nahmte einen PKW. Es soll geprüft werden, ob er mit einem Anschlag in der 50 Kilo­meter ent­fernten Kaserne Havelberg zu tun hat, bei dem in der Nacht zu Sonntag 16 Bun­des­wehr­fahr­zeuge unbrauchbar gemacht wurden. Die Anti­mi­li­ta­risten erklärten, sie hätten davon lediglich aus der Presse erfahren und könnten daher keine Stel­lung­nahme abgeben. Auch damit unter­scheiden sie sich von der alten deut­schen Frie­dens­be­wegung und ihren Distan­zie­rungs­ri­tualen.

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Peter Nowak