Codierte Hetze

Kevin Culina und Jonas Fedders über »Compact«

Die AfD hatte dieses Jahr einen hand­festen Anti­se­mi­tis­mus­streit. Aus­gelöst wurde er durch die Schriften des mitt­ler­weile zurück­ge­tre­tenen AfD-Land­tags­ab­ge­ord­neten von Baden-Würt­temberg Wolfgang Gedeon. Für den hatte u. a. der Chef­re­dakteur der Monats­zeit­schrift »Compact« Partei ergriffen – mit einem »Appell an die Einheit der AfD«: »Schließt keine Per­sonen aus, deren Aus­schluss der poli­tische Gegner fordert, sondern stellt Euch gerade hinter solche Ange­grif­fenen, auch wenn sie in der Ver­gan­genheit poli­tische Fehler gemacht haben.«

»Compact« habe sich innerhalb kurzer Zeit zu einem der rele­van­testen Quer­front­organe im deutsch­spra­chigen Raum ent­wi­ckelt, betonen die Sozi­al­wis­sen­schaftler Kevin Culina und Jonas Fedders. Vor allem Jürgen Elsässer wie­derhole dort gebets­müh­len­artig, Rechte und Linke sollten gemeinsam für »die Sou­ve­rä­nität Deutsch­lands« kämpfen. Gegen wen? Washington, Brüssel – und »die Juden«. Culina/​Fedders inter­es­sierten sich vor allem für den codierten Anti­se­mi­tismus des Magazins. »Während der offen neo­na­zis­tische Anti­se­mi­tismus bis­weilen aus poli­ti­schen Dis­kursen aus­ge­grenzt wird, haben sich gewisse Arti­ku­la­ti­ons­formen für anti­se­mi­tische Res­sen­ti­ments her­aus­ge­bildet, welche zwar auf das starke Fort­be­stehen von anti­se­mi­ti­schen Posi­tionen in der Gesell­schaft ver­weisen, aber nicht immer als solche (an)erkannt werden und daher bis weit in die selbst ernannte bür­ger­liche ›Mitte‹ hin­ein­reichen.« Der codierte Anti­se­mi­tismus sei de facto der kleinste gemeinsame Nenner.

Offen anti­se­mi­tische Äuße­rungen wie sie von Gedeon zu lesen sind, wird man in »Compact« kaum finden. Es wird mit Meta­phern und Bildern gear­beitet, die der Leser zu deuten ver­steht. Das offen­baren einige im Band nach­ge­druckte Leser­briefe, in denen »Compact« als letzter Ver­tei­diger des freien Wortes hoch­gelobt wird. »Für den juden­feind­lichen Gehalt einer Aussage über die ›Rocke­fellers‹ oder die ›Roth­schilds‹ ist deren tat­säch­liche Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rigkeit von kei­nerlei Bedeutung, solange in einem brei­teren Rezipient_​innenkreis die Auf­fassung vor­herrscht, es handele sich um ein­fluss­reiche Familien mit jüdi­schen Wurzeln. Adorno schrieb einst sehr treffend, der Anti­se­mi­tismus sei ›das Gerücht über die Juden‹«, heißt es bei Culina/​Fedders. Zum Schluss gehen sie noch auf die Kon­tro­versen um die Frie­dens­mahn­wachen ein und mahnen, dass der Gefahr von »Compact« »viel mehr Wider­spruch ent­ge­gen­ge­stellt werden muss«.

Kevin Culina/​Jonas Fedders: Im Feindbild vereint. Zur Relevanz des Anti­se­mi­tismus in der Quer­front-Zeit­schrift »Compact«. Edition Assem­blage, Münster 2016. 96 S., br., 9,80 €.

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​2​7​1​7​5​.​c​o​d​i​e​r​t​e​-​h​e​t​z​e​.html

Peter Nowak

Feindbild Israel

Bild: K. Culina // CC BY-SA 4.0

Kevin Culina und Jan Fed­ders unter­su­chen den Anti­se­mi­tis­mus und regres­si­ven Anti­zio­nis­mus in einer wich­ti­gen Publi­ka­tion der neuen Rech­ten

Die AfD hat seit Wochen einen hand­fes­ten Anti­se­mi­tis­mus­streit. Aus­ge­löst wurde er durch anti­se­mi­ti­sche Schrif­ten des mitt­ler­weile zurück­ge­tre­te­nen AfD-Lan­d­­tags­­a­b­ge­or­d­­ne­ten von Baden Würt­tem­berg Wolf­gang Gedeon. Sofort hatte sich auch der Chef­re­dak­teur der Monats­zeit­schrift Com­pact in diese Ange­le­gen­heit zu Wort gemel­det. Unter dem Titel »Appell an die Ein­heit der AfD« ergriff er Par­tei für Gedeon. »Schließt keine Per­so­nen aus, deren Aus­schluss der poli­ti­sche Geg­ner for­dert, son­dern stellt Euch gerade hin­ter sol­che Ange­grif­fe­nen, auch wenn sie in der Ver­gan­gen­heit poli­ti­sche Feh­ler gemacht haben.« Diese Par­tei­nahme von Com­pact ist nicht ver­wun­der­lich, wenn man ein kürz­lich im Ver­lag Edi­tion Assem­blage unter dem Titel »Im Feind­bild ver­eint« erschie­ne­nes Buch zur Grund­lage nimmt. Auf knapp 100 Sei­ten unter­su­chen die Sozi­al­wis­sen­schaft­ler Kevin Culina und Jonas Fed­ders den Stel­len­wert des Anti­se­mi­tis­mus bei dem Monats­ma­ga­zin Com­pact.

Die Zeit­schrift habe sich inner­halb kur­zer Zeit zu einem der rele­van­tes­ten Quer­fron­t­or­gane im deutsch­spra­chi­gen Raum ent­wi­ckelt, begrün­den die Auto­ren ihr Inter­esse an die­ser Publi­ka­tion. Zudem beton­ten sie, dass Com­pact sich von den ande­ren rech­ten Medien dadurch unter­schei­det, dass dort immer wie­der ver­sucht wird, Brü­cken zu Tei­len der Lin­ken zu bauen. Elsäs­ser hat wie­der­holt dazu auf­ge­ru­fen, Rechte und Linke soll­ten gemein­sam für die Sou­ve­rä­ni­tät Deutsch­lands kämp­fen. In den bei­den ers­ten Kapi­teln geben die Auto­ren einen kur­zen Über­blick über die wis­sen­schaft­li­chen Dis­kus­sio­nen zu Quer­front und zum Anti­se­mi­tis­mus. Dabei stel­len sie dem codier­ten Anti­se­mi­tis­mus in den Mit­tel­punkt ihre Über­le­gun­gen. »Wäh­rend also der offen neo­na­zis­ti­sche Anti­se­mi­tis­mus bis­wei­len aus poli­ti­schen Dis­kur­sen aus­ge­grenzt wird, haben sich gewisse Arti­ku­la­ti­ons­for­men für anti­se­mi­ti­sche Res­sen­ti­ments her­aus­ge­bil­det, wel­che zwar auf das starke Fort­be­stehen von anti­se­mi­ti­schen Posi­tio­nen in der Gesell­schaft ver­wei­sen, aber nicht immer als sol­che (an)erkannt wer­den und daher bis weit in die selbst ernannte bür­ger­li­che ‘Mitte’ hin­ein­rei­chen«, schrei­ben die Sozi­al­wis­sen­schaft­ler. Anhand der sehr detail­lier­ten Ana­lyse ver­schie­de­ner Com­pact-Arti­kel zeig­ten Culina und Fed­ders auf, der ein codier­ter Anti­se­mi­tis­mus einen zen­tra­len Stel­len­wert in der Com­pact-Berich­t­er­sta­t­tung hat. Die Auto­ren spre­chen sogar davon, dass er der klein­ste gemein­same Nen­ner ist, auf den sich die Leser eini­gen kön­nen. Dabei wird man offen anti­se­mi­ti­sche Äuße­run­gen wie sie in den Schrif­ten Gede­ons in der Com­pact kaum fin­den. Dafür wird mit Meta­phern und Bil­dern gear­bei­tet, der die Leser durch­aus ent­spre­chend zu deu­ten wis­sen. Das zeigt sich an eini­gen abge­druck­ten Leser­brie­fen, in denen die Zeit­schrift als letzte Ver­tei­di­ge­rin des freien Wor­tes hoch­ge­lobt wird.
»Für den juden­feind­li­chen Gehalt einer Aus­sage über die ‘Rocke­fel­lers’ oder die ‘Roth­schilds’ ist deren tat­säch­li­che Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit von kei­ner­lei Bedeu­tung, solange in einem brei­te­ren Rezi­pi­en­t_​in­nen­kreis die Auf­fas­sung vor­herrscht, es han­dele sich um ein­fluss­rei­che Fami­lien mit jüdi­schen Wur­zeln. Adorno schrieb einst sehr tref­fend, der Anti­se­mi­tis­mus sei ‘das Gerücht über die Juden’«, schrei­ben die Her­aus­ge­ber. Am Schluss des Buches gehen sie auch auf die kon­tro­verse Debatte um die Frie­dens­mahn­wa­chen ein, die heute weit­ge­hend ver­ges­sen ist. Das Buch soll eine kri­ti­sche Debatte um den Umgang mit Com­pact anre­gen. »Denn von der Com­pact geht eine Gefahr aus, dem viel mehr Wider­spruch ent­ge­gen­ge­stellt wer­den muss«, so der Wunsch der bei­den Her­aus­ge­ber.

Feindbild Israel

Kevin Culina / Jonas Fed­ders
Im Feind­bild ver­eint: Zur Rele­vanz des Anti­se­mi­tis­mus in der Quer­­front-Zeit­­schrift Com­pact 2016, Edi­tion Assem­blage, 96 Sei­ten, 9,80 Euro
ISBN 978–3–96042–004–0 | WG 973

Wo beginnt für die deutsche Justiz der Antisemitismus?

Friedenswinter ade?

Ein bünd­nis­po­li­ti­scher Irrweg könnte die Reste der deut­schen Frie­dens­be­wegung noch länger beschäf­tigen, doch eine Trennung ist nicht einfach für sie

»Die DFG-VK zieht ihre Unter­stützung des ‚Frie­dens­winters‘ zurück«, ver­meldete[1] die Deutsche Frie­dens­ge­sell­schaft – Ver­ei­nigte Kriegs­dienst­gegner[2], eine anti­mi­li­ta­ris­tische Orga­ni­sation mit langer Geschichte. Mit einem Satz beendet sie eine Bünd­nis­option der Reste der deut­schen Frie­dens­be­wegung, die diesen noch lange zu schaffen machen werden.

Weil die Akti­visten immer wieder regis­trierten, dass ihre Aktionen nur wenig Zuspruch vor allem bei jungen Leuten fanden, ver­suchte sie eine neue Bünd­nis­po­litik. Schließlich hatten sich die soge­nannten Frie­dens­mahn­wachen gebildet, die offi­ziell weder rechts noch links und ideo­lo­giefrei sein wollten und damit viele Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker aller Couleur geradezu anzogen. Anfangs hatten noch viele Akti­visten der alten Frie­dens­be­wegung den Cha­rakter dieser rechts­of­fenen Frie­dens­mahn­wachen richtig erkannt und sind auf Distanz gegangen. Doch dann scheint bei den Frie­dens­funk­tio­nären die Ver­lo­ckung, wieder Massen anführen zu können, zu groß geworden sein und man kre­ierte den soge­nannten Frie­dens­winter[3], das Bündnis zwi­schen alter Frie­dens­be­wegung und Mahn­wachen (Rechtsruck in der deut­schen Frie­dens­be­wegung?[4]) und ris­kierte damit sogar, wichtige anti­mi­li­ta­ris­tische Orga­ni­sa­tionen wie die VVN/​BdA[5] oder die Gewerk­schaft Erziehung und Wis­sen­schaft[6] vor dem Kopf zu stoßen (Frie­dens­cocktail aus Berlin[7]).

»Was ’spontan‘ und ‚unor­ga­ni­siert‘ wirkt, wurde aller­dings von Per­sonen initiiert, die ent­weder selbst rechts ver­ortet sind, oder von solchen, die keine Not­wen­digkeit sehen, sich nach rechts abzu­grenzen«, begründete die VVN-BdA die Ablehnung des Bünd­nisses mit den Mahn­wachen.

Wenn Kri­tiker zu von der Nato gekauften Feinden werden

Die DFG-VK war im Herbst 2014 noch bereit, dem Bündnis mit den Frie­dens­mahn­wachen eine Chance zu geben[8], auch weil sie den Dissens in der sowie so mar­gi­nalen Anti­kriegs­be­wegung nicht weiter befördern wollte. Der unmit­telbare Anlass für den Rückzug der DFG-VK lie­ferte dann ein ver­baler Ausfall des Mahn­wachen-Akti­visten Ken Jebsen gegen den poli­ti­schen Geschäfts­führer der DFG-VK Monty Schädel. Auf einer Kund­gebung bezeichnete[9] der wegen seiner regres­siven Israel­kritik von einem Radio­sender geschasste Mode­rator Schädel als Feind, der von der Nato gekauft ist. Damit reagierte Jebsen auf ein Interview[10], in dem Schädel eine kri­tische Bilanz des Frie­dens­winters zog und zu dem Fazit kam, dass dieser die Frie­dens­be­wegung nicht etwa vor­an­bringt, sondern kaputt macht. Dabei äußerte Schädel auch Selbst­kritik über seine Ein­schätzung der Abgrenzung der Mahn­wachen nach rechts:

Meine Beob­achtung ist, dass es von den Mahn­wachen zwar viele Erklä­rungen gab, die sich von rechts distan­zierten oder zum Anti­fa­schismus und Huma­nismus bekannten. Diese Erklä­rungen wollte auch ich beim Wort nehmen. Es hatten sich ver­schiedene Mahn­wa­chen­ak­ti­visten mit Per­sonen der Frie­dens­be­wegung, die ich seit Jahren und Jahr­zehnten kenne, zusam­men­getan, sie haben mit­ein­ander geredet, Posi­tionen ange­glichen. Das deckte sich mit meinen Ansichten nicht in allen Punkten, aber in den aller­meisten. In der Rea­lität, vor allem in den ver­gan­genen Wochen, sehe ich aber, dass bei Mahn­wa­chen­ver­an­stal­tungen Leute auf­ge­treten sind, die auch in anderen Zusam­men­hängen eine Rolle spielen, zum Bei­spiel bei ‚Endgame‘, den neu­rechten ‚Enga­gierten Demo­kraten gegen die Ame­ri­ka­ni­sierung Europas‘[11]. Es gab eine klare Distan­zierung von bestimmten Per­sonen aus dem rechten Spektrum, und trotzdem agieren Mahn­wa­chen­ver­treter, die auch für den ‚Frie­dens­winter‘ sprechen wollen, also mit mir und uns als DFG-VK in einem Bündnis sind, mit solchen Per­sonen auf Demons­tra­tionen.

Monty Schädel

Gerade die Endgame-Ver­an­stal­tungen haben anders als die Pegida-Auf­märsche tat­sächlich in Teilen eine Quer­front ver­wirk­licht und Men­schen mit ein­be­zogen, die sich wei­terhin als links ver­stehen. So bringen es Andreas Neumann und Annelie Fik­ent­scher fertig, einer­seits Pro­teste gegen die Pegida-Ableger in NRW positiv zu bewerten und gleich­zeitig zu schreiben[12]:

»Die ‚Enga­gierten Demo­kraten gegen die Ame­ri­ka­ni­sierung Europas‘ dagegen sind die­je­nigen, die erkannt haben, von wo die großen Bedro­hungen für die Menschheit aus­gehen.« Dabei ist bei einen Blick auf die Endgame-Inter­net­präsenz[13] zu erkennen, dass dort mit dem Anti­ame­ri­ka­nismus und dem Lügen­presse-Vorwurf sowie Ver­schwö­rungs­theorien aller Art nur eine Variante von Pegida aktiv ist. Nun kommen aller­dings Neumann und Fik­ent­scher nicht aus dem Spektrum der Mahn­wa­chen­be­wegung, sondern sind Tra­di­ti­ons­linke, die nach dem Ende des Nomi­nal­so­zia­lismus die poli­tische Ori­en­tierung ver­loren haben. Damit dürften sie aller­dings auch in der alten Frie­dens­be­wegung nicht allein sein, weshalb die Trennung von den Mahn­wachen so einfach nicht sein dürfte.

Frie­dens­be­we­gungs­ak­ti­visten in Duisburg bestanden etwa darauf, dass in der Stadt bei einer der Oster­märsche-Auf­takt­ver­an­stal­tungen[14] die Band Band­breite[15] auf­tritt, weil die ja bei den Frie­dens­mahn­wachen und bei vielen anderen Quer­front­pro­jekten sehr beliebt[16]. Nun muss sich der Kopf der Band­breite dafür recht­fer­tigen, dass er mit einem bekannten Neonazi auf einem Foto[17] zu sehen ist. Doch was kann er dafür, wenn er von diesem nach einem Auf­tritt auf der Endgame-Kund­gebung in Erfurt von diesem Rechten ange­sprochen wird? Schließlich ist sich die Band­breite mit Fik­ent­scher und Neumann einig, dass Endgame enga­gierte Frie­dens­kämpfer sind.

Kann sich Frie­dens­be­wegung in eine Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung trans­for­mieren?

Dass die Trennung vom Frie­dens­winter für manche Akti­visten der alten Frie­dens­be­wegung schwierig wird, zeigen auch die Beob­ach­tungen[18], die der Jour­nalist Kevin Culina bei dem Koor­di­na­ti­ons­treffen des Frie­dens­winters in Frankfurt/​Main[19] gemacht hat. Er kommt zu einem sehr pes­si­mis­ti­schen Resümee, was die Per­spek­tiven der Frie­dens­be­wegung betrifft:

Die Distan­zie­rungen mancher Prot­ago­nisten des »Frie­dens­winters« ver­hallen, deren eigene Gruppen suchen lieber die Nähe. Die große Soli­da­rität mit Ken Jebsen, die nicht fest­stellbare Ablehnung einer Betei­ligung Jürgen Elsässers auf der Kon­ferenz sowie die Ver­schwö­rungs­theorien um gesteuerte Medien zeugen eben­falls von den ver­schwom­menen ideo­lo­gi­schen Grenzen. Auch die mit Applaus bedachten Vor­schläge aus dem Plenum, das Bündnis solle die »Soli­da­rität mit Palästina gegen die israe­lische Besatzung« und die »Sou­ve­rä­ni­täts­pro­ble­matik« stärker the­ma­ti­sieren, unter­streichen das. Da längst über­fällige Abgren­zungen nicht voll­zogen wurden und nicht zu erwarten sind, wird man große Teile der Frie­dens­be­wegung zukünftig einfach als Quer­front­be­wegung bezeichnen können – der gemeinsame Auf­tritt der Mahn­wächter Jebsen und Märholz mit dem »Distan­zierer« Braun auf der Ber­liner Mahn­wache am Montag spricht Bände.

Kevin Culina
Aller­dings machen das Interview von Monty Schädel sowie die von Anfang kri­ti­schen Stel­lung­nahmen von VVN-BdA und ähn­lichen Gruppen auch deutlich, dass es in Teilen der Frie­dens­be­wegung Potential für eine Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung gibt, die sich zumindest der Fragen und Pro­bleme bewusst wird, mit denen sie in Deutschland heute kon­fron­tiert ist. Das beginnt schon damit, dass viele nicht begreifen, dass die Mas­sen­be­we­gungen der deut­schen Frie­dens­be­wegung der späten 70er und frühen 80er Jahre an den Wider­stand gegen die Sta­tio­nierung von US-Raketen in West­europa gebunden und nur vor dem Hin­ter­grund einer Block­kon­fron­tation denkbar waren. Nach 1989 haben diese Pro­teste daher ihre Grundlage ver­loren.

In dem Maße, wie Deutschland selber an Kriegen beteiligt ist, muss eine Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung genau diese Politik in den Fokus der Kritik rücken und erreicht damit natürlich keine Mas­sen­mo­bi­li­sierung. Alte Denk­muster von vor 1989 hin­gegen sind mit ein Grund, warum in Teilen der alten Frie­dens­be­wegung das Bündnis mit dem Frie­dens­winter favo­ri­siert wurde. Da werden weiter die USA und nicht die Politik Deutsch­lands und der EU als Haupt­gefahr bezeichnet und manche ima­gi­nieren in Putin die frühere Sowjet­union. Unab­hängig von der alten Frie­dens­be­wegung hat sich schon vor einigen Jahren eine junge Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung[20] ent­wi­ckelt, die sich mit den aktu­ellen Mili­ta­ri­sie­rungs­ten­denzen in Deutschland befasst, die Rekru­tierung von Sol­daten in Schulen und Job­centers ebenso kri­ti­siert, wie sie das im Bau befind­liche Gefechts­übungs­zentrum[21] bei Mag­deburg jährlich besucht[22] (Vor dem Aus­lands­einsatz geht es künftig zur Probe in die Altmark[23]).

Es gab in den letzten Jahren eine lose Koope­ration zwi­schen dieser Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung und der alten Frie­dens­be­wegung. Zurzeit liegt sie auf Eis, weil die jungen Anti­mi­li­ta­risten die Zusam­men­arbeit mit den Frie­dens­mahn­wachen ablehnen[24]. So hätte der Teil der ehe­ma­ligen Frie­dens­be­wegung durchaus andere Bünd­nis­op­tionen und könnte so Teil einer Anti­mi­li­ta­ris­mus­be­wegung werden, die sich den aktu­ellen Fragen in Deutschland 2015 widmet und nicht die Schlachten des Kalten Krieges weiter schlägt und ver­liert.

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​a​r​t​i​k​e​l​/​4​4​/​4​4​5​4​0​/​1​.html

Anhang

Links

[1]

http://​www​.ros​tocker​-frie​dens​bu​endnis​.de/​n​o​d​e/448

[2]

http://​www​.dfg​-vk​.de/​w​i​l​l​k​o​mmen/

[3]

http://​frie​dens​winter​.de/​a​u​fruf/

[4]

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​n​e​w​s​/​R​e​c​h​t​s​r​u​c​k​-​i​n​-​d​e​r​-​d​e​u​t​s​c​h​e​n​-​F​r​i​e​d​e​n​s​b​e​w​e​g​u​n​g​-​2​4​6​7​8​9​9​.html

[5]

http://​www​.vvn​-bda​.de/​k​e​i​n​e​-​z​u​s​a​m​m​e​n​a​r​b​e​i​t​-​m​i​t​-​d​e​n​-​m​a​h​n​w​a​chen/

[6]

http://​www​.facebook​.com/​G​E​W​.​B​E​R​L​I​N​/​p​o​s​t​s​/​8​4​6​4​9​8​0​2​5​4​13760

[7]

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​a​r​t​i​k​e​l​/​4​3​/​4​3622/

[8]

http://​frie​dens​winter​.de/​d​i​e​-​v​v​n​-​b​d​a​-​s​o​l​l​t​e​-​i​h​r​e​-​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​z​u​m​-​f​r​i​e​d​e​n​s​w​i​n​t​e​r​-​u​e​b​e​r​d​e​n​k​e​n​v​o​n​-​h​a​r​a​l​d​-​f​u​c​h​s​-​d​f​g​-​v​k​-​k​oeln/

[9]

http://​www​.dfg​-vk​.de/​a​k​t​u​e​l​l​e​s​/​d​f​g​-​v​k​-​n​e​u​i​g​k​e​i​t​e​n​/​2​0​1​5​/1025

[10]

http://www.jungewelt.de/2015/03–21/005.php

[11]

http://​www​.facebook​.com/​E​n​D​gAmEU

[12]

http://​www​.nrhz​.de/​f​l​y​e​r​/​b​e​i​t​r​a​g​.​p​h​p​?​i​d​=​21428

[13]

https://​www​.facebook​.com/​E​n​D​gAmEU

[14]

http://​www​.oster​marsch​-ruhr​.de/

[15]

http://​www​.die​band​breite​.de/

[16]

http://​www​.anti​fa​schismus2​.de/​r​e​c​h​t​e​-​s​t​r​a​t​e​g​i​e​n​/​k​u​l​t​u​r​/​4​5​2​-​d​i​e​-​b​a​n​d​b​r​e​i​t​e​-​e​i​n​e​-​a​u​s​f​u​e​h​r​l​i​c​h​e​-​k​ritik

[17]

http://​www​.die​band​breite​.de/​f​o​t​o​-​m​i​t​-​n​e​o​n​a​z​i​-​a​u​f​g​e​t​a​ucht/

[18]

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​5​/​1​2​/​5​1​6​4​0​.html

[19]

http://friedenswinter.de/2‑aktionskonferenz-frieden-samstag-14-maerz-2015-frankfurtmain-1130-ca-1700/

[20]

http://​nowar​.blog​sport​.de/

[21]

http://​www​.deut​schesheer​.de/​p​o​r​t​a​l​/​a​/heer

[22]

http://www.warstartsherecamp.org/de/gefechts%C3%BCbungszentrum‑g%C3%BCz

[23]

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​n​e​w​s​/​V​o​r​-​d​e​m​-​A​u​s​l​a​n​d​s​e​i​n​s​a​t​z​-​g​e​h​t​-​e​s​-​k​u​e​n​f​t​i​g​-​z​u​r​-​P​r​o​b​e​-​i​n​-​d​i​e​-​A​l​t​m​a​r​k​-​2​0​1​5​0​9​6​.html

[24]

http://​nowar​.blog​sport​.de/​2​0​1​5​/​0​1​/​2​2​/​o​f​f​e​n​e​r​-​b​r​i​e​f​-​a​n​-​d​i​e​-​b​e​r​l​i​n​e​r​-​f​r​i​e​d​e​n​s​k​o​o​r​d​i​n​a​t​i​o​n​/​#​m​o​r​e-108