Daniel Hornuff: Krieg als Lifestyle. Ein Plädoyer ­gegen die Medienoffensive der ­Bundeswehr. Bielefeld: Transcript, 2026. 172 S., 25 Euro.

Bundeswehrwerbung verbieten – zum Schutz für sich und andere

Hornuff beruft sich in seinem Plädoyer auf das Werbeverbot für Tabak, das in Deutschland wie in vielen anderen Ländern seit mehreren Jahren existiert und gegen großen Widerstand der Tabak­industrie durchgesetzt werden musste. »In Anlehnung an das in Deutschland gültige – und nach meiner Wahrnehmung weitreichende Tabakwerbeverbot – sollte auch ein Militärwerbeverbot ausgestaltet und mit gleicher Konsequenz durchgesetzt werden«, argumentiert Hornuff. Der Grund für das Verbot der Tabakwerbung sei der Schutz für sich selbst und die eigene Umgebung.

Der Kasseler Kunstprofessor Daniel Hornuff will mit seinen Vorschlag eine Diskussion auslösen. Es ist auch ein Beitrag gegen die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft.

Die neue Kriegsfähigkeit Deutschlands wird zunehmend auch im Stadtbild deutlich. Bundeswehrwerbung ist allgegenwärtig. Große Banner preisen an zentralen Stellen in den Innenstädten die Vorzüge der Truppe. Auch auf den Außenseiten Bussen und Bahnen entkommt man der Militärwerbung nicht.
Doch zunehmend trifft die Werbeoffensive im Tarnfleck auch auf Widerstand. So plädiert der Professor für Theorie und Praxis der Gestaltung an der Kunsthochschule der Universität Kassel, Daniel Hornuff, für ein grundsätzliches Werbeverbot der Bundeswehr. In dem vor einigen Wochen erschienenen Buch Krieg als Lifestyle liefert er auf 170 Seiten überzeugende Argumente dafür.
In mehreren Kapiteln geht Hornuff ausführlich auf die Bundeswehrwerbung im Wandel der letzten Jahrzehnte ein. Er zeigt, wie in den späten 50er Jahren die neugegründete Bundeswehr in der BRD versuchte, sich auch ästhetisch von der Tradition der Wehrmacht abzusetzen. Seine Beschreibungen werden im Buch mit umfangreichem Bildmaterial veranschaulicht. So kann man die unterschiedlichen Phasen der Bundeswehrwerbung im Wandel der Zeit gut nachvollziehen.
Der Schwerpunkt des Buches liegt allerdings auf den letzten 15 Jahren. Dabei dokumentiert Hornuff überzeugend, wie die unterschiedlichen Verteidigungsminister sich mit Bildern und später auch Videos mit der Truppe zu profilieren versuchten. Er zeigt die Veränderungen, aber auch die Gemeinsamkeiten in der Amtszeit von Minister Karl Theodor Guttenberg über Ursula Leyen bis zu Boris Pistorius.
Aber auch andere Politiker versuchen, sich mit militärischen Bildern zu profilieren. So postete der CSU-Politiker Fotos von sich als junger Rekrut und bekam dafür viel Aufmerksamkeit. Als er sich später auch in einem Flugzeug ablichteten ließ, erntete er aber schnell Spott als politischer Tiefflieger.
 
Kein Antimilitarist
Auf den letzten zwanzig Seiten begründet Hornuff dann sein Plädoyer für ein Werbeverbot der Bundeswehr. Dabei betont er, dass er keineswegs ein grundsätzlicher Gegner der Bundeswehr ist. Das wird im Buch gleich mehrmals deutlich.
So nennt Hornuff den ukrainischen Schriftsteller Serhij Zhadan als Bespiel, »was es bedeutet, öffentlich für ein Militär einzustehen, das sich gegen den erklärten Vernichtungswillen eines Angreifers zur Wehr« zu setzen hat.
Hier sieht Hornuff die Ursache für den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine nur beim Putin-Regime. Es gibt aber differenzierte Diskussionen, die auch die Rolle der NATO und des prowestlichen, historisch prodeutschen Flügels des ukrainischen Nationalismus thematisieren, was Hornuff aber unterlässt. Mehr noch, er lobt ausdrücklich Serhij Zhadan, der in seinem preisgekrönten Buch Himmel über Charkiw schreibt:
»Die Russen sind Barbaren, sie sind gekommen, um unsere Geschichte, unsere Kultur, unsere Bildung zu vernichten.« Und er schreibt auch: »Brennt in der Hölle, ihr Schweine.« Als Zhadan 2022 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde, gab es deshalb an dieser Entscheidung Kritik von Antimilitarist:innen. Moniert wurde der extreme Nationalismus von Zhadan, der nicht nur das Putin-Regime, sondern »die Russen« insgesamt zur Hölle wünscht.
Dieser Kritikpunkt sollte jedoch nicht dazu führen, Hornuffs Argumente in seinen Buch zu ignorieren.

Vorbild Tabakwerbung
Hornuff beruft sich in seinem Plädoyer auf das Werbeverbot für Tabak, das in Deutschland wie in vielen anderen Ländern seit mehreren Jahren existiert und gegen großen Widerstand der Tabak­industrie durchgesetzt werden musste.
»In Anlehnung an das in Deutschland gültige – und nach meiner Wahrnehmung weitreichende Tabakwerbeverbot – sollte auch ein Militärwerbeverbot ausgestaltet und mit gleicher Konsequenz durchgesetzt werden«, argumentiert Hornuff. Der Grund für das Verbot der Tabakwerbung sei der Schutz für sich selbst und die eigene Umgebung.
Hier sieht Hornuff Parallelen zur Bundeswehr. Sie ist für ihn eben kein Job wie jeder andere. Vielmehr besteht Gefahr für alle Soldat:innen wie auch für die Zivilbevölkerung in den Staaten, in denen die Bundeswehr oder andere Truppen eingesetzt werden.
Hornuff geht in seinem Buch auch auf Initiativen ein, die in den letzten Jahren in verschiedenen Städten ein Verbot der Bundeswehrwerbung durchzusetzen versuchten. Dazu gehören Görlitz und Zwickau in Sachsen, aber auch Karlsruhe in Baden-Württemberg. Dort war es Die Linke, die im Stadtrat ein Verbot der Bundeswehrwerbung einbrachte. All diese Versuche wurden als rechtswidrig zurückgewiesen.
Darum ist umso mehr zu begrüssen, dass Hornuff ein bundesweites Verbot der Bundeswehrwerbung in die Diskussion bringt. Es sollte von Antimilitarist:innen aufgegriffen werden. Peter Nowak

Daniel Hornuff: Krieg als Lifestyle? Ein Plädoyer gegen die Medienoffensive der Bundeswehr, Transcript Verlag, 172 S., 25 €.

Ein Plädoyer gegen die Militarisierung des Alltags

»In Anlehnung an das in Deutschland gültige – und nach meiner Wahrnehmung weitreichende – Tabakwerbeverbot sollte auch ein Militärwerbeverbot ausgestaltet und mit gleicher Konsequenz durchgesetzt werden", so die Forderung des Kulturwissenschaftlers Daniel Hornuff.

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Kilian Jörg: Das Auto und die ökologische Katastrophe. Utopische Auswege aus der autodestruktiven Vernunft. Transcript Verlag, Bielefeld 2024, 388 Seiten, 24 Euro,

Autowelt

Aufgeblättert: »Das Auto und die ökologische Katastrophe« von Kilian Jörg. Der Autor gibt eine Erklärung, warum das Auto zum weltweiten Statussymbol werden konnte und trotz der Klimakrise noch immer ist

Die Rechten in vielen Ländern bekommen auch deshalb Zustimmung, weil sie sich zu Verteidiger*innen des Automobilismus aufspielen. Dabei war das Auto noch Anfang des 20. Jahrhunderts bei großen Teilen der Bevölkerung überhaupt nicht beliebt. Vor über 100 Jahren war es sogar gefährlich, in proletarische Gegenden mit dem Auto zu fahren, schreibt der in Wien lebende Philosoph Kilian Jörg in dem Buch …

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Rennpisten und Naziideologie

In Berlin-Neukölln erinnerte der Autor Conrad Kunze unter anderem daran, dass der Bau der Rennpisten für den motorisierten Verkehr in der Nazizeit viele Opfer unter Zwangsarbeitern forderte.

Aber Hitler hat doch die Autobahn gebaut. Diesen Spruch, der das verbrecherische NS-Regime relativieren sollte, hörte man bis in die 1980er Jahre in der BRD sehr oft. Als die ehemalige TV-Moderation Eva Herman 2007 in einer ARD-Talkshow behauptete, wir führen heute alle auf von den Nazis gebauten Autobahnen, wurde sie der Sendung verwiesen. Dabei hatte Herman in der Sache recht, sagt der Kulturwissenschaftler Conrad Kunze. Er hat über die Geschichte der Schnellstraßen in Deutschland geforscht und seine Ergebnisse in dem Buch »Deutschland als Autobahn« (Transcript-Verlag) veröffentlicht. Am Donnerstagabend stellte er seine Thesen in Berlin zur Diskussion. Während der Veranstaltung, die zum Begleitprogramm der aktuellen Ausstellung »A 100 – Operation Beton« im Museum Neukölln gehört, erläuterte er, dass der Autobahnbau in den 1930er Jahren in großen Teilen der Bevölkerung …

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