Es geht nicht um die Abfindung


NEU­KÖLLN Mie­te­rInnen luden zur Begehung dreier von Abriss bedrohter Genos­sen­schaftshäus

„Wie­der­ver­mietung sofort“ stand auf einem Trans­parent, das am Sams­tag­mittag an einem Balkon in der Hei­del­berger Straße 15–18 in Neu­kölln hing. Rund 40 Men­schen hatten sich zur Haus­be­gehung ein­ge­funden. Sie wollten damit die 12 ver­blie­benen Miet­par­teien unter­stützen. Die Genos­sen­schaft (WBV) hatte im März 2015 den Abriss der 1960 errich­teten Gebäude beschlossen. Er sei kos­ten­güns­tiger als eine Sanierung, lautete die Begründung. Am Samstag zeigte sich, dass ein Teil der Mie­te­rInnen den
Auszug wei­terhin strikt ablehnt. Es geht nicht um die Abfindung NEU­KÖLLN Mie­te­rInnen luden zur Begehung dreier von Abriss bedrohter Genos­sen­schafts­häuser. „Die WBV hat uns eine Umsatz­wohnung und 2.000 Euro ange­boten. Darauf lasse ich mich nicht ein. Ich will in der Wohnung bleiben, die ich mir ein­ge­richtet habe“, erklärte Mieter Norbert Sandmann gegenüber der taz. Er gehört zu den Bewoh­ne­rInnen, die bereits bei Bekanntgabe des Abriss­be­schlusses durch die WBV pro­tes­tierend den Raum ver­lassen hatten. Auch eine 79-jährige Bewoh­nerin, die seit 1960 hier wohnt, ist nicht zum Umzug bereit. Es gehe ihnen nicht um eine höhere Ent­schä­digung, sondern um den Erhalt des Wohn­raums, betonen die Mietre­bel­lInnen. Dieses Anliegen teilt die Stadt­teil­in­itiative Karla Pappel, die die Mie­te­rInnen seit Monaten unter­stützt. Sie hatte am Samstag mit zur Begehung auf­ge­rufen. Dazu öff­neten drei Miet­par­teien ihre Woh­nungen für Inter­es­sierte. „Wir wollen zeigen, dass die Argu­mente der WBV für den Abriss nicht stimmen“, erklärte eine Mie­terin. Die
Genos­sen­schaft begründet ihn mit Bau­fäl­ligkeit. Die ver­blie­benen Mie­te­rInnen und ihre Unter­stüt­ze­rInnen betonen, dass mit einer Reno­vierung dringend gebrauchter preis­werter Wohnraum erhalten bleiben könne. Bei einem Neubau würde die Miete, die jetzt unter 5 Euro netto liegt, auf 8,50 Euro steigen. Eine Mie­terin, die auch zu den Ver­tre­ter­räten gehört, die in der WBV eine Auf­sichts­funktion haben, ver­tei­digte am Samstag den Abriss­be­schluss. Der Protest komme viel zu spät. Zudem hätten Mie­te­rInnen aus anderen WBV-Häusern Interesse am Einzug in den geplanten Neubau bekundet. Mit­glieder der Initiative „Genos­sen­schaft von unten“ monierten, dass sich mit der WBV eine Genos­sen­schaft an der Ver­nichtung preis­werten Wohn­raums beteilige und die Mie­te­rInnen gegen­ein­ander
aus­spiele.
Taz-Berlin,19.10.2015
Peter Nowak

Genossenschafter/​innen protestieren gegen geplanten Abriss in der Heidelberger Str.

Auf einem tur­bu­lenten Treffen erfuhren die Bewoh­ne­rInnen der Hei­del­berger Straße 15–18 vom geplanten Abriss der Häuser
„Genos­sen­schaftlich wohnen in guter Nach­bar­schaft“. Mit diesem Spruch wirft die Genos­sen­schaft »Woh­nungsbau Verein Neu­kölln« (WbV) auf ihrer Homepage. Am Don­ners­tag­abend ging es in der Geschäfts­stelle des WbV weniger har­mo­nisch zu. Ein­ge­laden waren die Bewohner/​innen der im Besitz der Genos­sen­schaft befind­lichen Häuser Hei­del­ber­ger­straße 15–18. Schon seit Monaten befürchten sie, dass die in den 60er Jahren errich­teten Häuser abge­rissen und durch kom­for­table Lofts ersetzt werden sollen. Bisher lautete die offi­zielle Linie des Genos­sen­schafts­vor­stands, es sei noch nicht ent­schieden, ob die Häuser saniert oder abge­rissen werden sollen. Auf dem Treffen wurden nun die Befürch­tungen der Anwe­senden bestätigt. Die Genos­sen­schaft will die Häuser abreißen lassen. Bis zum 31. Dezember 2015 sollen die Genossenschfter/​innen in Woh­nungen der Genos­sen­schaft umge­setzt werden. Die Genos­sen­schaft habe vor der Ent­scheidung gestanden, ein kaputtes Auto für viel Geld zu repa­rieren oder mit etwas mehr Geld ein neues zu kaufen“, ver­suchte der Vor­stand die Ent­scheidung zu begründen.
Martin Jansen, Uwe Springer und Falko Rügler hatten es danach schwer, die auf­ge­brachten Genoss/​innen zu beru­higen. Es sei klar, dass sie genügend Zeit für den Umzug haben, Wenn der 31. Dezember ver­strichen ist und noch nicht alle die pas­sende Wohnung gefunden haben, werde man die Frist auch um einige Monate ver­längern.
Die Genoss/​innen warfen der Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft vor, die Häuser über Jahre nicht mehr instand gesetzt zu haben, um jetzt den schlechten Zustand der Gebäude als Grund für den Abriss zu haben. „Erst haben sie die Häuser her­un­ter­ge­wirt­schaftet, obwohl wir ständig ange­rufen und Repa­ra­turen ange­mahnt haben und jetzt werden wir raus­ge­schmissen“, rief eine Frau wütend und bekam viel Applaus.
Unter diesen Bedin­gungen ziehen wir nicht um
Kritik an der Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft war in den letzten Wochen von ver­schie­denen Seiten laut geworden. So kri­ti­sierten Mit­glieder der Initiative „Genos­sen­schaft von unte“ auf einen Treffen im Januar, dass die Genoss/​innen der Hei­del­berger Straße 15–18 stark ver­un­si­chert seien. Mona­telang sei nicht klar gewesen, ob die Häuser abge­rissen oder saniert werden. Zudem seien die Bewohner/​innen weder gefragt noch infor­miert werden. Seit meh­reren Wochen treffen sich einige Mie­te­rInnen der Häuser der Häuser regel­mäßig und berat­schlagen, wie sie sich gegen den erzwun­genen Umzug wehren können. Unter­stützt werden sie dabei von der Trep­tower Stadt­teil­in­itiative Karla Pappel, die Unter­stützung anbot. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, wie wie stark der Protest in den Häusern ist. Die Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft zumindest wird nichts unver­sucht lassen, um den Anteil zu redu­zieren. „Wir werden in den nächsten Wochen sicher mit ihnen per­sönlich sprechen, um ihnen bei den Pro­blemen zu helfen“ .Mit diesen Worten beendete der Vor­stand nach einer knappen Stunde das Treffen. Viele der Anwe­senden haben das wohl eher als eine Drohung als eine Unter­stützung emp­funden.

http://www.bmgev.de/mieterecho/mieterecho-online/heidelberger-str-15–18.html
Peter Nowak