Kiezspaziergang der Initiative „Fünf Häuser“ will zum Protest ermutigen

Lieber enteignen

Einige der Häuser zeigen schon von Weitem, dass sie mit dem Deal der Schweden nicht einver- standen sind. Dazu gehört die Seumestraße 10 im Friedrichshainer Südkiez. Neben dem Symbol der ausgestreckten Hand wird dort auf Transparenten der Bezirk aufgefordert, das Vorverkaufsrecht wahrzunehmen. Diese zentrale Forderung der betroffenen MieterInnen ist auch auf Transparenten zu sehen, die auf Balkonen eines an Heimstaden verkauften Hauses in der Gabriel-Max-Straße zu sehen sind.

Eine ausgestreckte schwarze Hand wehrt eine Gefahr ab: Plakate und Flyer mit diesem Motiv sieht man zurzeit auf vielen Häuserwänden. Das Motiv ist zum Symbol von aktiven MieterInnen geworden, die vor einigen Wochen erfahren haben, dass ihre Häuser von dem schwedischen Immobilienkonzern Heimstaden Bostad gekauft wurden. „Sofort haben wir uns zusammengesetzt und waren uns einig, das lassen wir uns nicht gefallen“, erzählt Georg Daniels, Mieter eines der verkauften Häuser in Kreuzberg.

Zunächst gingen die MieterInnen noch davon aus, dass nur fünf Häuser betroffen sind. So gründete sich die Initiative „Fünf Häuser“ und wählte das charakteristische Motiv der ausgestreckten Hand als Symbol. Das wurde auch beibehalten, als sich herausstellte, dass insgesamt 130 Häuser in Berlin von dem schwedischen Konzern aufgekauft wurden.

Während in der Wirtschaftspresse seitdem viele Artikel über „die Shoppingtour“ des schwedischen Immobilienkonzern in der Hauptstadt geschrieben wird, ist bei einigen der MieterInnen der Protest gegen den neuen Eigentümer zum Alltag geworden. Mal ist es eine Performance vor einem der betroffenen Häuser, mal eine Kundgebung vor der Berliner Dependance von Heimstaden am Kurfürstendamm. Mit regelmäßigen Infoständen auf Wochenmärkten sollen die NachbarInnen informiert werden. „Wir bekommen dort viel Zuspruch. Schließlich ist heute vielen Menschen in Berlin die Problematik der hohen Mieten sehr bewusst“, schildert eine Bewohnerin die Reaktionen. Aber sie hat mitbekommen, dass sich viele fragen, ob die Proteste etwas bringen. Diese Frage stellen sich natürlich auch die BewohnerInnen, der von Heimstaden gekauften Häuser.

Aktiv wurden vor allem BewohnerInnen, die schon vorher Probleme mit Eigentümern hatten und bereits Erfahrung mit Hausversammlungen und der Organisierung von Protesten sammeln konnten. So setzten sich gleich zusammen, als sie von dem Deal des schwedischen Unternehmens erfahren hatten. Jetzt wollen sie auch BewohnerInnen der anderen betroffenen Häuser zum Protest ermutigen.

Mit dem Deal nicht einverstanden

Deswegen organisierte die Initiative Fünf Häuser gemeinsam mit der Berliner Mietergemeinschaft am Sonntag einen Kiezspaziergang zu den verkauften Häusern in Friedrichshain. „Wir wollen die in den Bezirk verstreuten Häuser besu- chen, um die MieterInnen, die sich schon weh- ren, zu unterstützen und die BewohnerInnen zu ermutigen, die noch nicht wissen, wie sie reagie- ren sollen“, erklärt Dora Schneider aus der Vorbereitungsgruppe.

Einige der Häuser zeigen schon von Weitem, dass sie mit dem Deal der Schweden nicht einverstanden sind. Dazu gehört die Seumestraße 10 im Friedrichshainer Südkiez. Neben dem Symbol der ausgestreckten Hand wird dort auf Transparenten der Bezirk aufgefordert, das Vorverkaufsrecht wahrzunehmen. Diese zentrale Forderung der betroffenen MieterInnen ist auch auf Transparenten zu sehen, die auf Balkonen eines an Heimstaden verkauften Hauses in der Gabriel-Max-Straße zu sehen sind. Einige der MieterInnen fordern allerdings auch grundlegende Reformen auf dem Immobilienmarkt. „Am Ende hilft nur Enteignung“, sagte eine Hausbewohnerin der taz. Peter Nowak