Das APO-Lexikon: Bündnistreffen


Lexikon der Bewe­gungs­sprache

Fast jede außer­par­la­men­ta­rische Gruppe kennt das Pro­zedere. Eine größere Aktion steht bevor, etwa eine über­re­gionale Anti­fademo oder eine bun­des­weite Aktion von »Ende Gelände«. Welche Gruppe darf Rede­bei­träge halten? Welches Motto hat das Leit­trans­parent? Und wer gestaltet Flyer und Plakate? Darüber wird auf Bünd­nis­treffen dis­ku­tiert, und das ist harte Arbeit. Schließlich ver­sucht dort jede Gruppe – ver­bindlich im Ton, aber hart in der Sache – die besten Bedin­gungen aus­handeln. So sind Bünd­nis­treffen gute Schulen für ange­hende Moderator_​innen. Die radikale Linke übt sich dort auch in der hohen Kunst der Diplo­matie. Die ist besonders dann gefragt, wenn auf solchen Treffen Parteienvertreter_​innen und Anarchist_​innen auf­ein­an­der­treffen. Doch manchmal versagt alles diplo­ma­tische Geschick. Die Frage »Wie hältst Du es mit Israel?« hat schon manches Bünd­nis­treffen gesprengt. Dass sich Linke immer wieder den Stress machen und zu Bünd­nis­treffen ein­laden, ist auch ein Zeichen ihrer Schwäche. Ohne Bünd­nisse könnten größere Aktionen oft nicht vor­be­reitet werden. Doch es gibt vor allen in der radi­kalen Linken ent­schiedene Gegner_​innen der Bünd­nis­treffen und ihrer Diplo­matie. Sie sind der Auf­fassung, dass damit eine Bewegung ver­waltet werden könnte. Revolten hin­gegen bräuchten prak­tische Bünd­nisse auf der Straße und keine Plena.

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Peter Nowak