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Paarweise undogmatisch

Samstag, 03. März 2018

Neuerscheinungen von Emmy und Roman Rosdolsky

„Mit permanenten Grüssen“ ist eine merkwürdige Form, sich in einen Brief zu verabschieden. Doch nur manchen dürften sich dabei an Trotzkis Theorie von der permanenten Revolution erinnert fühlen. Und damit liegen sie richtig. Emmy und Roman Rosdolksy, deren Leben das im Mandelbaum veröffentlichte Buch mit dem Titel gewidmet ist, hätten sich wohl selber nie als TrotzkistInnen bezeichnet Doch sie standen dem russischen Revolutionär nahe, wenn sie auch durchaus kritisch manche politische Wendung von Trotzki und noch mehr seinen EpigonInnen gegenüber gestanden haben. Wenn Roman Rosdolsky seine Briefe mit permanenten Grüsse unterzeichnete wird auch deutlich, dass er Humor und Selbstironie kannte. Das, wie im Mandelbaumverlag üblich, optisch sehr ansprechend gestaltete Buch macht die LeserInnen mit zwei MarxistInnen bekannt, die von früher Jugend bis an ihr Lebensende ihren Idealen treu geblieben sind. Roman Rosdolsky dürfte manchen als Pionier der Marxschen Werttheorie ein Begriff sein. Sein Buch „Entstehungsgeschichte des Marxschen ‚Kapital‘“ erfuhr in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren mehrere Auflagen und gilt als „Standwerk der Marxforschung“ (S. 375). Doch Rosdolksy starb, bevor das Buch veröffentlicht wurde. Auch einen geplanten Vortrag auf einer Internationalen Marx-Konferenz zum 100ten Jubiläum der Fertigstellung der ersten Kapital-Ausgabe in Frankfurt/Main konnte er nicht mehr halten. Wegen seiner Erkrankung musste er seine Teilnahme absagen und wenige Wochen darauf, starb er. So konnte er auch nicht mehr erleben, wie die Außerparlamentarische Linke in den USA und Europa Rosdolksy die Anerkennung zollte, die er Zeit seines Lebens oft vermisste. In dem Buch werden verschiedene Briefe zitiert, in denen Rosdolsky bezweifelte, ob sein Manuskript je veröffentlicht werden wird. Gelegentlich ob er den hohen Ansprüchen gerecht werden kann die die er an sein Buch stellte. Freunde und Genossen sprachen ihm immer wieder Mut zu. In de letzten Jahrzehnten war sein Name wieder vergessen. Mit diesem Buch zu seinem 50ten Todestag verschafft ihm und seiner Frau und Genossin ein Rosdolksy-Kreis wieder die verdiente Aufmerksamkeit und regt zur Beschäftigung mit seinen Schriften an. Im Rosdolsky-Kreis ist eine Runde hat sich eine Runde von Linken zusammengefunden, die über die Lektüre der „Entstehungsgeschichte des Marxschen ‚Kapital‘“ auf die beiden MarxistInnen aufmerksam geworden sind. Sehr erfreulich ist, dass sie Emmy Rosdolksy gleichberechtigt in dem Buch behandelt haben. Sie war schließlich selber von frühester Jugend an in der sozialistischen Bewegung engagiert und in den USA und in Österreich jahrelang in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit aktiv. Sie hat später mit ihren Gehalt mit dafür gesorgt, dass Roman Rosdolsky seine langjährigen Forschungen betreiben konnte.

Von frühester Jugend in der sozialistischen Bewegung seines Herkunftslandes Ukraine aktiv, nahm er sich nicht die Zeit für Studium und Ausbildung. Er beteiligte sich an den Auseinandersetzungen innerhalb der zersplitterten sozialistischen Bewegung am Vorabend der Russischen Revolution. Die politischen und gesellschaftlichen Konflikte im zerfallenden Habsburger Imperium der Jahre 1915/1918 werden in dem Buch gut vermittelt. Es ist so auch ein Buch über eine weitgehend unbekannte Geschichte der sozialistischen und kommunistischen Bewegung der frühen Ukraine. Es vermittelt die leidenschaftlichen Diskussionen der damaligen ukrainischen Linken über die Frage der nationalen Selbstbestimmung. Die Schriften des österreichischen Sozialdemokraten Otto Bauer wurden ebenso rezipiert wie die Texte on Lenin und Rosa Luxemburg. Hier vermitteln die AutorInnen einen lebendigen Überblick über eine linke Debatte, die einerseits zeitlich weit entfernt aber doch sehr aktuell scheint. Schließlich wiederholte sie sich nach 1989, als die Nationalstaaten erneut entstanden, die Debatte über die Sinnhaftigkeit von Nationalstaaten. Rosdolsky befasste sich auch früh mit der Geschichte der ukrainischen Bauern- und Landarbeiter in der Ukraine. Diese Schriften wurden wurde sogar in den späten 1950er Jahren in Polen veröffentlicht. Die AutorInnen gehen nicht weiter auf die Frage ein, wie es möglich war. War nicht bekannt, dass es sich um einen erklärten Kritiker der nominalsozialistischen Staaten handelte?

Schließlich sind die Rosdolskys 197in die USA ausgewandert, weil sie befürchteten in Österreich womöglich vom NKWD in die Sowjetunion in entführt und zu langjähriger Lagerhaft verurteilt zu werden. Ein Freund und Genosse des Ehepaars, der ebenfalls des Trotzkismus beschuldigt wurde, wurde aus Wien in die Sowjetunion entführt und war über Jahre in einen Lager in Sibirien eingekerkert.

Das Schweigen über Auschwitz

Über die persönlichen Angelegenheiten der Rosdolskys liest man in dem Buch wenig. Das Gerüst sind die Schriften und Diskussionsveranstaltungen. Ein eigens Kapitel nimmt die Verfolgungsgeschichte der Rosdolkys ein. Er war ein Jahr in Auschwitz inhaftiert und wurde von dort nach Ravensbrück, dann nach Sachsenhausen deportiert. Er gehörte zu denen Überlebenden eins Todesmarsches. „Immer derselbe Traum. Ich komme irgendwie wieder ins KZ, obwohl der Krieg schon aus ist, und ich muss die ganze Suppe noch mal auslöffeln“, vertraute t er viele Jahre später an seinen Freund, den Psychoanalytiker Ernst Federn, an (S.325). Seine Enkelin Diana Rosdolsky schreibt in einen Kapitel über das Schweigen über die Verfolgung und vor allem seine Verschleppung nach Auschwitz in seiner Familie. Er war als Kommunist und nicht als Jude inhaftiert worden, sah aber tagtäglich wie in der Todesfabrik Menschen vernichtet wurden. „In Auschwitz arbeitet Roman in einer Tischlerei, in welcher ständig darüber gestritten wird, ob die Fenster offen oder geschlossen gehalten werden sollen. Dies wird verständlich, angesichts des fürchterlichen Gestanks, brennender Leichen, die bei offenen Fenster umso ungehinderter in die Räume dringt“ (S. 332), schreibt Diana Rosdolsky.

Erstaunlicherweise wird in dem Buch Rosdolkys Schrift „Zur Analyse der Russischen Revolution“ nicht erwähnt, die er 1959 verfasst hat und die in den 1978 in Westberlin im Verlag Olle und Wolter herausgegebenen Buch „ Sozialismusdebatte. Historische Fragen und aktuelle Fragen des Sozialismus“ veröffentlicht wurde. Der Soziologe Christoph Jünke hat den Text in der vor einigen Monaten im neuen ISP-Verlag erschienenen Anthologie „Marxistische Stalinismuskritik im 20 Jahrhundert“ erneut veröffentlicht. In dem Text beschreibt Rosdolsky die ökonomische und politische Entwicklung in der frühen Sowjetunion. Er sieht in der tragischen Isolation der jungen Sowjetunion einen wesentlichen Grund für den Backlash des Stalinismus. In der Schrift verwahrte sich Rosdolksy gegen den von vielen TrotzkistInnen gebrauchten Begriff des degenerierten Arbeiterstaats für die Sowjetunion. Er hielt das für falsch, „weil in der Sowjetunion die Werktätigen selbst am wenigsten zu sagen haben und weil die herrschende Bürokratie alles dransetzt und setzen muss, um die Verwandlung des Staatseigentums in wahres Volkseigentums zu verhindern“. Am Ende der Schrift liefert Rosdolsky eine prägnante Einschätzung der sowjetischen Nomenklatura: „Sie haben in der langen Nacht der Stalin’schen Despotie die Sprache des revolutionären Marxismus restlos und hoffnungslos verlernt“ (S.296). Nicht die einzige Einschätzung von Rosdolky, die sich bestätigt hat. Es ist erfreulich, dass jetzt die Gelegenheit besteht sich mit den Leben und den Werken dieser zwei MarxistInnen gleich in mehreren Editionen vertraut zu machen. Neben der Arbeit von Christoph Jünke und dem Band des Mandelbaum-Verlags ist auch im Ca Ira-Verlag eine Neuedition von “Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen “Kapital” angekündigte, so dass hier Rosdolkskys besondere Verdiensten um den Zusammenhang zwischen Marxschen und Hegelschen Argumentationsfiguren am Originaltext nachgegangen werden kann- und auch den Grundlagen einer gegenüber orthodoxen Marx-Interpretationen in der Sozialdemokratie und dem Marxismus-Leninismus kritischen, nicht-ökonomistischen Lesart, die Teile der Neuentdeckung und -aneignung von Marx im Zuge der Studentenbewegung geprägt haben. Dass der Rosdolky-Kreis ihr Buch „Den Verdammten der Erde“ gewidmet hat, durfte ganz im Sinne der beiden Namensgeber sein. und erinnert an ein unabgegoltenes historisches “Projekt”.

aus: express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit – Ausgabe 1-2/2018

http://www.labournet.de/express-zeitung-fuer-sozialistische-betriebs-und-gewerkschaftsarbeit-ausgabe-1-22018/
Peter Nowak

Rosdolsky-Kreis, Mit permanenten Grüssen
Leben und Werk von Emmy und Roman Rosdolsky, Mandelbaum-Verlag, Wien 2017
22.00 €, 440 Seiten, ISBN: 978385476-662-9


Roskdolsky Roman, Zur Entstehungsgeschichte des Marschen Kapital, Der Rohentwurf des Kapital 1857 – 1858, Ca Ira Verlag, Freiburg (Im Erscheinen), ca. 600 Seiten, ISBN: 978-3-86-259-129-9, ca. Euro,

Jünke Christoph (Hrsg.) Marxistische Stalinismus-Kritik im 20. Jahrhundert – Eine Anthologie, Neuer ISP-Verlag, 2017, 616 Seiten, ISBN: 978-3-89900-150-1, 29,80 Euro

Schweigen und Verschleppung

Sonntag, 21. Januar 2018

Ein neues Buch über das Leben von Roman Rosdolsky und dessen Frau Emmy, die Trotzki nahestanden, gibt die Möglichkeit, das Werk eines wenig bekannten marxistischen Ökonomen kennenzulernen.

«Mit permanenten Grüssen» ist eine merkwürdige Form, sich zu verabschieden. Manche dürften sich dabei an Trotzkis Theorie von der permanenten Revolution erinnert fühlen. Und damit liegen sie richtig. Emmy und Roman Rosdolsky, deren Leben das im Mandelbaumverlag veröffentlichte Buch gewidmet ist, hätten sich wohl selber nie als TrotzkistInnen bezeichnet. Doch sie standen dem russischen Revolutionär nahe, wenn sie auch durchaus kritisch manche politische Wendung von Trotzki und noch mehr seinen EpigonInnen gegenüberstanden. Das optisch ansprechend gestaltete Buch macht die LeserInnen mit zwei MarxistInnen bekannt, die von früher Jugend bis an ihr Lebensende ihren Idealen treu geblieben sind.

Hohe Ansprüche
Roman Rosdolsky dürfte manchen als Pionier der Marx’schen Werttheorie ein Begriff sein. Seine Schrift «Entstehungsgeschichte des Marx’schen ‹Kapital›» erfuhr in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren mehrere Auflagen und gilt als «Standardwerk der Marxforschung». Doch Rosdolsky starb, bevor das Buch veröffentlicht wurde. Auch einen geplanten Vortrag auf einer internationalen Marx-Konferenz zum 100. Jubiläum der Fertigstellung der ersten Ausgabe des Kapitals in Frankfurt/Main konnte er nicht mehr halten. Wegen seiner Erkrankung musste er seine Teilnahme absagen und wenige Wochen später starb er. So konnte er auch nicht mehr erleben, wie die ausserparlamentarische Bewegung in den USA und Europa Rosdolsky die Anerkennung verschafft hat, die er Zeit seines Lebens oft vermisste. In dem Buch werden verschiedene Briefe zitiert, in denen Rosdolsky bezweifelte, ob sein Manuskript je veröffentlicht werden wird. Gelegentlich fragte er sich, ob er einen Text zu Marx schaffen kann, der seinen hohen Ansprüchen gerecht wird. FreundInnen und GenossInnen sprachen ihm immer wieder Mut zu. Tatsächlich hatte Rosdolsky keinen Grund, an seinen Fähigkeiten zu zweifeln, das ökonomische und philosophische Werk von Karl Marx zu analysieren und einzuordnen. Der Marxist Ernest Mandel schrieb in der Einleitung seines viel gelesenen Hauptwerks «Der Spätkapitalismus»: «Die grösste Schwierigkeit beim Verfassen des Buches war die Tatsache, dass Roman Rosdolsky, jener politische Ökonom, der mir in unseren Tagen theoretisch und politisch am meisten nahestand, starb, bevor ich mit der Arbeit daran beginnen konnte.» Mandel widmete Rosdolsky sein Buch.

Über beide Rosdolskys
In den letzten Jahren war er weitgehend vergessen und nur noch einen kleinen Kreis von WertkritikerInnen bekannt. Mit diesem Buch zu seinem 50. Todestag verschafft ihm und seiner Frau und Genossin der Rosdolsky-Kreis wieder die verdiente Aufmerksamkeit und regt zur Beschäftigung mit seinen Schriften an. Im Rosdolsky-Kreis hat sich eine Runde von unabhängigen Linken in Österreich zusammengefunden, die über die Lektüre der «Entstehungsgeschichte des Marx’schen ‹Kapital›» auf die beiden MarxistInnen aufmerksam geworden sind. Sehr erfreulich ist, dass sie Emmy Rosdolsky gleichberechtigt in dem Buch behandelt haben. Sie war schliesslich selber von frühester Jugend an in der sozialistischen Bewegung engagiert und in den USA und in Österreich jahrelang in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit aktiv. Sie hat mit ihrem Gehalt mit dafür gesorgt, dass Roman Rosdolsky seine langjährigen Forschungen betreiben konnte.

Die Bewegung der frühen Ukraine
Von frühester Jugend in der sozialistischen Bewegung seines Herkunftslandes Ukraine aktiv, nahm er sich nicht die Zeit für Studium und Ausbildung. Er beteiligte sich an den Auseinandersetzungen innerhalb der zersplitterten sozialistischen Bewegung am Vorabend der Russischen Revolution. Die politischen und gesellschaftlichen Konflikte im zerfallenden Habsburger Imperium der Jahre 1915/1918 werden in dem Buch gut vermittelt. Es ist so auch ein Buch über eine weitgehend unbekannte Geschichte der sozialistischen und kommunistischen Bewegung der frühen Ukraine. Es vermittelt die leidenschaftlichen Diskussionen der damaligen ukrainischen Linken über die Frage der nationalen Selbstbestimmung. Die Schriften des österreichischen Sozialdemokraten Otto Bauer wurden ebenso rezipiert wie die von Lenin und Rosa Luxemburg. Hier vermitteln die AutorInnen einen lebendigen Überblick über eine linke Debatte, die einerseits zeitlich weit entfernt, aber doch sehr aktuell scheint. Schliesslich wiederholte sie sich nach 1989, als die Nationalstaaten erneut entstanden, die Debatte über die Sinnhaftigkeit dieser Entwicklung. Rosdolsky befasste sich auch früh mit der Geschichte der ukrainischen Bauern- und Landarbeitergewerkschaft. Diese Schriften wurden in den späten 1950er Jahren in Polen veröffentlicht, obwohl die Rosdolskys zu den KritikerInnen der Entwicklung der Sowjetunion seit Ende der 1920er Jahre gehörten. In der heutigen Ukraine hingegen wurde eine geplante Herausgabe von Schriften von und über Roman Rosdolsky gestoppt. In einem Staat, in dem ein Pro-Faschist wie Bandera wieder als Nationalheld gefeiert wird, ist kein Platz für entschiedene SozialistInnen und AntifaschistInnen.


Das Schweigen über Auschwitz

Über die persönlichen Angelegenheiten der Rosdolskys liest man in dem Buch wenig. Das Gerüst sind die Schriften und Diskussionsveranstaltungen. Ein eigens Kapitel nimmt die Verfolgungsgeschichte der Rosdolskys ein. Er war ein Jahr in Auschwitz inhaftiert und wurde von dort nach Ravensbrück, dann nach Sachsenhausen deportiert. Er gehörte zu denen Überlebenden eines Todesmarsches. «Immer derselbe Traum. Ich komme irgendwie wieder ins KZ, obwohl der Krieg schon aus ist, und ich muss die ganze Suppe noch mal auslöffeln», vertraute er viele Jahre später seinem Freund an, dem Psychoanalytiker Ernst Federn. Seine Enkelin Diana Rosdolsky schreibt in einem Kapitel über das Schweigen, über die Verfolgung und vor allem seine Verschleppung nach Auschwitz in seiner Familie. Er war als Kommunist und nicht als Jude inhaftiert, sah aber tagtäglich, wie in der Todesfabrik Menschen vernichtet wurden. «In Auschwitz arbeitet Roman in einer Tischlerei, in welcher ständig darüber gestritten wird, ob die Fenster offen oder geschlossen gehalten werden sollen. Dies wird verständlich, angesichts des fürchterlichen Gestanks, brennender Leichen, die bei offenen Fenster umso ungehinderter in die Räume dringt», schreibt Diana Rosdolsky.
Es ist erfreulich, dass jetzt die Gelegenheit besteht, sich mit den Leben und den Werken dieser zwei MarxistInnen vertraut zu machen. In der Einleitung schreiben die HerausgeberInnen, dass der Optimist Rosdolsky Zeiten der Krise für die theoretische und praktische Weiterentwicklung nutzte. Wenn die LeserInnen das Buch ebenfalls in diesem Sinne verstehen würden, wäre viel gewonnen. Dass der Rosdolsky-Kreis ihr Buch «Den Verdammten der Erde» gewidmet hat, dürfte ganz im Sinne der beiden NamensgeberInnen sein.

Rosdolsky-Kreis (Hrsg.): Mit permanenten Grüssen. Mandelbaum-Verlag, Wien 2017. 22 Euro.

http://www.vorwaerts.ch/kultur/schweigen-und-verschleppung/#more-11581

Peter Nowak

Die Rosdolskys

Donnerstag, 07. Dezember 2017

Ein Sammelband über das sozialistische Ehepaar Rosdolsky

Emmy und Roman Rosdolsky waren seit frühester Jugend in der sozialistischen Linken des zerfallenden Habsburgerreichs engagiert und sahen wie viele Genossen in der Oktoberrevolution den Vorboten einer weltweiten Umwälzung. Früh erkannten sie aber auch die Fehlentwicklungen in der sozialistischen Theorie und Praxis und nahmen dabei weder Marx noch Engels noch Trotzki von ihrer Kritik aus. Von den Anhängern der sogenannten Bolschewisierung der KPen wurden sie als Trotzkisten bekämpft. Da sie befürchteten, während des Kalten Krieges vom sowjetischen Geheimdienst verschleppt zu werden, emigrierten die Rosdolskys in die USA, wo Roman 1967 starb. Emmy Rosdolsky verbrachte ihre letzten Lebensjahre in ihrem Geburtsort Wien und beteiligte sich an den Debatten der Linken und der Gewerkschaften.

Die Autoren und Autorinnen des Buches »Mit permanenten Grüßen« erzählen die weitgehend vergessene Geschichte sozialis­tischer Organisationen in Osteuropa und des Befreiungskampfs in der Ukraine. Außerdem gewähren sie Einblicke in die revolutionäre Szene im Wien der Zwischenkriegszeit. Behandelt werden zudem wichtige Beiträge zur marxistischen Theoriebildung von Emmy und Roman Rosdolsky.

In einem weiteren Kapitel beschäftigt sich Diana Rosdolsky, die Enkelin der beiden Antifaschisten, mit dem Schweigen der Familie über die Haft von Roman Rosdolsky, der in Au­schwitz, Ravensbrück und Oranienburg im KZ war. »Immer derselbe Traum. Ich komme irgendwie wieder ins KZ, obwohl der Krieg schon aus ist, und ich muss die ganze Suppe noch mal auslöffeln«, vertraute er Jahre später seinem Freund, dem Psychoanalytiker Ernst Federn, an. Das im Mandelbaum-Verlag erschienene Buch ist allen zu empfehlen, die sich mit den Debatten jener linken Strömungen vertraut machen wollen, die in Opposition zu Stalinismus und Sozialdemokratie gestanden haben.


Mit permanenten Grüßen. Leben und Werk von Emmy und Roman Rosdolsky.
Rosdolsky-Kreis (Hg.): Mandelbaum-­Verlag, Wien 2017, 440 Seiten, 22 Euro

https://jungle.world/artikel/2017/49/die-rosdolskys