Gedenken an einen Kriegsdienstverweigerer

Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Hinrichtung von Franz Jägerstätter durch die Nazis

Heute ist der 70. Todestag des öster­rei­chi­schen Bauern und Küsters Franz Jäger­stätter. Er war vom Reichs­kriegs­ge­richt zum Tode ver­ur­teilt worden, weil er den Mili­tär­dienst aus reli­giösen Gründen ver­wei­gerte. Am 9. August 1943 wurde er im Zuchthaus Bran­denburg-Görden im Alter von 35 Jahren hin­ge­richtet.

Jetzt wird des Pazi­fisten gedacht. Am Don­ners­tag­abend wür­digte Jäger­stätters Bio­grafin Erna Putz ihn und seine Frau bei einem Vortrag im Öster­rei­chi­schen Kul­tur­forum in Berlin. Titel des Vor­trags: »Franz & Fran­ziska Jäger­stätter – Zur Rezeption zweier Unbe­quemer«. Heute wird um 15.30 Uhr in der Gedenk­stätte des Zuchthaus Bran­denburg an Jäger­stätter erinnert. Die Aus­stellung »Besser die Hände als der Wille gefesselt«, die sich mit Jäger­stätters Schicksal befasst, begleitet das Gedenken.

Er könne nicht zugleich Katholik und Natio­nal­so­zialist sein und es gebe Dinge, bei denen man Gott mehr gehorchen muss als den Men­schen, ver­traute Jäger­stätter seinem Schreibheft an, in das er während der Pausen bei der Feld­arbeit jah­relang Notizen machte. Dass sie bis heute erhalten blieben, ist der erst kürzlich ver­stor­benen Fran­ziska Jäger­stätter zu ver­danken. Ohne sie wäre Jäger­stätters Nein zum Kriegs­dienst nicht denkbar gewesen, erklärte Lothar Eber­hardt, der bereits 1993 zum 50. Todestag des Pazi­fisten die Gedenk­ta­fe­lin­itiative Franz Jäger­stätter gegründet hatte. 1995 konnte die Gedenk­tafel nur sym­bo­lisch am Ort des Reichs­kriegs­ge­richts gezeigt werden, weil dem Bun­des­jus­tiz­mi­nis­terium die mit­or­ga­ni­sie­rende Kam­pagne für Total­ver­wei­gerung nicht genehm war. 1997 wurde die Tafel mit einem modi­fi­zierten Text ange­bracht. Für Eber­hardt ist damit aber die Arbeit der Initiative nicht erledigt. Für ihn steht Jäger­stätters Kriegs­ver­wei­gerung in der Tra­dition einer welt­weiten Bewegung, die sich his­to­risch zu allen Zeiten den Kriegen der Herr­schenden ver­wei­gerte. Er sieht Jäger­stätter in der Tra­di­ti­ons­linie einer oft religiös moti­vierten sozialen Rebellion. »In der christ­lichen US-Frie­dens­be­wegung wird Jäger­stätter auf eine Stufe mit Gandhi und Martin Luther King gestellt«, betont Eber­hardt, der sein Enga­gement für den Mann damit erklärt, dass er selbst über die Kriegs­dienst­ver­wei­gerung und die katho­lische Jugend­be­wegung poli­tisch geprägt worden sei. Mit Jäger­stätter wolle man alle Opfer der Nazi-Mili­tär­justiz ehren.

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Peter Nowak

Erinnerung an einen Unbequemen

Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Hinrichtung von Franz Jägerstätter durch die Nazis

Am Freitag jährt sich der 70. Todestag des öster­rei­chi­schen Bauern und Küsters Franz Jäger­stätter. Weil er den Mili­tär­dienst aus reli­giösen Gründen ver­wei­gerte, war der gläubige Katholik im Nazi­deutschland vom Reichs­kriegs­ge­richt zum Tode ver­ur­teilt worden. Am 9. August 1943 wurde er im Zuchthaus Bran­denburg-Görden im Alter von 35 Jahren hin­ge­richtet. In der dor­tigen Gedenk­stätte erinnert man am Freitag um 15.30 Uhr an den Pazi­fisten. Bereits heute am Don­nerstag gibt es um 19.30 Uhr im öster­rei­chi­schen Kul­tur­forum, Stauf­fen­berg­straße 1, von der Jäger­stätter-Bio­grafin Erna Putz einen Vortrag zu Jäger­stätter und seiner Ehefrau: »Zur Rezeption zweier Unbe­quemer«. Auf beiden Ver­an­stal­tungen wird auch die Aus­stellung »Besser die Hände als der Wille gefesselt« zu sehen ein, die sich dem Leben und Tod Jäger­stätters widmet. »Mit den Ver­an­stal­tungen soll allen Opfern der NS-Mili­tär­justiz gedacht werden«, sagte Lothar Eber­hardt der taz. Eber­hardt hat vor 20 Jahren die »Gedenk­ta­fe­lin­itiative Franz Jäger­stätter« gegründet. Erst 1997 konnte die Tafel schließlich auf dem Gelände des ehe­ma­ligen Reichs­kriegs­ge­richts ange­bracht werden.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2013%2F08%2F08%2Fa0143&cHash=87754599132e1a4eb4d9d2f72e303293

Peter Nowak