Bhopal: 35 Jahre später kämpfen die Opfer noch immer um Entschädigung. Sie bekommen in Deutschland selbst von Medien, deren Markenkern die Ökologie ist, nicht die nötige Öffentlichkeit

Urkatastrophe des Neoliberalismus

Selbst die links­li­berale Tages­zeitung Taz, deren Mar­kenkern die öko­lo­gische Bericht­erstattung ist und die täglich zwei Seiten für diese Themen zur Ver­fügung stellt, hat die Rund­reise von Rachna Dhringa in Europa ebenso kon­se­quent igno­riert wie die Ver­leihung des Blue Planet Award in Berlin.

Tau­sende erblin­deten, Unzählige erlitten Hirn­schäden, Läh­mungen, Lun­gen­ödeme, Herz‑, Magen‑, Nieren‑, Leber­leiden und Unfrucht­barkeit. Bis zu 25.000 Men­schen starben mittel- oder unmit­telbar nach dem Gift­unfall im indi­schen Bhopal, der sich am 3. Dezember zum 35ten Mal jährte. In der indi­schen Mil­lio­nen­stadt Bhopal war in der Nacht vom 2. zum 3. Dezember 1984.….

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Zum Jahrestag des Giftgasunfalls in Bhopal würdigt Ethikstiftung den Einsatz für die Opfer

Urkatastrophe der Globalisierung

Dass der Ruf nach Ent­schä­digung trotzdem nicht ver­stummt, ist auch ein Ver­dienst der Preis­trä­gerin Rachna Dhingra. Nach ihrem Studium in den USA, wo sie Über­le­bende der Kata­strophe ken­nen­lernte, wurde sie zu einer wich­tigen Stimme ihres Wider­stands. Bei der Preis­ver­leihung in Berlin klagte die Men­schen­rechts­ak­ti­vistin nicht nur Dow Che­mical, sondern den glo­balen Kapi­ta­lismus ins­gesamt an.

»Gerech­tigkeit für die Über­le­benden von Bhopal«, stand auf einen Banner in einem Raum der Ber­liner Kul­tur­brauerei. Dort vergab die Stiftung für Ethik und Öko­nomie, Ethecon, am Samstag ihren »Blue Planet Award« an die .…

„Urka­ta­strophe der Glo­ba­li­sierung“ wei­ter­lesen

»Aktiv für den Frieden«

Die Frie­dens­ak­ti­vistin Mary Ann Wright erhielt den Ethecon-Preis 2018.

»Mary Ann Wright handelt mutig, kon­se­quent, unbe­stechlich und integer. Sie zeigt das, was gemeinhin soziale Ver­ant­wortung und Zivil­courage genannt wird.« Mit dieser Begründung zeichnete die linke Stiftung Ethecon bei einer Ver­an­staltung am Samstag im Ber­liner Pfef­ferberg die US-Frie­dens­ak­ti­vistin Mary Ann Wright mit dem »Blue Planet Award« aus. Mit ihr wurde eine Frau geehrt, die darin erinnert, dass eine Oppo­sition zur Regie­rungs­po­litik in den USA nicht erst mit dem Antritt von Donald Trump begann.

Die 1947 geborene Juristin hatte im März 2003, einen Tag vor Beginn des Krieges gegen Irak, in einem Brief an Ver­tei­di­gungs­mi­nister Colin Powell ihre lang­jährige Dienstzeit bei der US-Army mit den Worten beendet: »Ich habe meinem Land fast dreißig Jahre lang in einigen der iso­lier­testen und gefähr­lichsten Gegenden der Welt gedient. Mit schwerem Herzen muss ich meinen Dienst in Amerika beenden und auf­grund der Richt­linien der Ver­waltung zurück­treten.« Die Expertin für Äußere Sicherheit, die ihren Master an der See­aka­demie des US-Militärs gemacht hatte, war im Laufe ihrer Kar­riere an vielen Kon­flikt­schau­plätzen von Somalia bis Grenada an der Erar­beitung von Kriegs- und Wie­der­auf­bau­plänen beteiligt. Letztlich wurde sie zur Kri­ti­kerin an der Außen­po­litik der USA und konnte sich bei zahl­reichen Kon­flikten nicht mehr mit der Position der USA iden­ti­fi­zieren.

Nach ihrem Aus­scheiden beim Militär setzte sich Wright nicht zur Ruhe. Noch immer reist sie um die Welt, nunmehr im Dienst der Frie­dens­be­wegung. Mehrmals demons­trierte sie vor dem US-Gefängnis Guan­tanamo für die Schließung der Ein­richtung. Immer wieder wurde sie bei Pro­testen in den USA ver­haftet. Auch ihre zahl­reichen Aus­lands­ak­ti­vi­täten sorgten für Auf­sehen, etwa als sie als »Bürger-Diplo­matin« in den Iran reiste. Auch in Deutschland ist sie eine gute alte bekannte – so betei­ligte sich Wright an Blo­ckaden der Air Base Ram­stein, die der US-Armee als euro­päische Dreh­scheibe für Trup­pen­trans­porte dient.

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Peter Nowak