«Lobbygruppen verbieten!»

Die Abgas­tests an Men­schen haben Schlag­zeilen gemacht, Poli­ti­ke­rInnen aller Par­teien äus­serten sich empört und der ver­ant­wort­liche Konzern sagt, dass soll nicht mehr vor­kommen. WarumIn Deutschland empörten sich Medien und Politik über Abgas­tests an Men­schen. Der wirk­liche Skandal liegt woanders. Ein Gespräch mit dem Arbeits­wis­sen­schaftler und Medi­zin­so­zio­logen Wolgang Hien.

Die Abgas­tests an Men­schen haben Schlag­zeilen gemacht, Poli­ti­ke­rInnen aller Par­teien äus­serten sich empört und der ver­ant­wort­liche Konzern sagt, dass soll nicht mehr vor­kommen. Warum diese Auf­regung?

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»Wissenschaftsethisch halte ich diesen ganzen Verharmlosungsdiskurs für eine Katastrophe«

Das »Diesel-Urteil« des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts und die Wis­sen­schaft. Interview mit Wolfgang Hien vom Bremer For­schungsbüro für Arbeit, Gesundheit und Bio­graphie

Tele­polis sprach mit Wolfgang Hien[1] vom Bremer For­schungsbüro für Arbeit, Gesundheit und Bio­graphie. Hien beschäftigt sich mit Gesund­heits­be­las­tungen innerhalb der Wohn- und Arbeitswelt. Im VSA-Verlag ist sein Buch »Kranke Arbeitswelt«[2] erschienen.

Hat nicht auch die Umwelt­wis­sen­schaft versagt,…

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»Oftmals heuchlerisch«

Der Bremer Medi­zin­so­ziologe Wolfgang Hien warnt seit langem davor, die gesund­heit­liche Belastung durch Schad­stoff­emis­sionen der Industrie zu unter­schätzen. Die Auf­regung über die Abgas­tests der deut­schen Auto­bauer ver­kenne die eigent­liche Dimension der Pro­bleme.

Wolfgang Hien ist Arbeits­wis­sen­schaftler und Medi­zin­so­ziologe. Er leitet die For­schungs­stelle Arbeit, Gesundheit und Bio­graphie in Bremen und beschäftigt sich mit Gesund­heits­be­las­tungen innerhalb der Wohn- und Arbeitswelt. Im VSA-Verlag ist sein Buch »Kranke Arbeitswelt« erschienen.
Am 9. Februar hält er im FAU-Lokal in Berlin einen Vortrag zum selben Thema.

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Ein aufgebauschter Skandal

Nicht dass Affen und Men­schen im Labor Tests über die Schäd­lichkeit von Abgasen unter­zogen werden, ist das Problem, sondern die all­täg­lichen Men­schen­ver­suche der Auto­in­dustrie auf unseren Straßen

»Tests in keiner Weise zu recht­fer­tigen«: Das war am Montag der Tenor, als durch einen Artikel der New York Times bekannt wurde, dass die deutsche Auto­mo­bil­in­dustrie Unter­su­chungen in Auftrag gegeben habe, um die angeb­liche Unschäd­lichkeit der Die­sel­mo­toren zu belegen.

Von Angela Merkel bis Katja Kipping gab es bald keinen Poli­tiker und keine Poli­ti­kerin mehr, der oder die nicht Empörung über diese Ver­suche äußerte. Doch meistens kam die Kritik nicht über eine mora­lische Ver­ur­teilung hinaus. »Unan­ge­messen« und »men­schen­ver­achtend« waren die Vokabeln.

Dabei wäre es doch sinn­voller, erst einmal zu schauen, was da eigentlich pas­siert ist und wie sich die Ver­suche von den vielen anderen unter­scheiden, die tag­täglich gemacht werden.

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Glyphosat-Streit: Profit gegen Gesundheit

In einer Gesell­schaft, in der der Profit das Maß aller Dinge ist, stehen eben nicht Gesund­heits­fragen an erster Stelle

Ein CSU-Minister macht in Brüssel einen Alleingang und sorgt so dafür, dass Unkraut­mittel Gly­phosat erst einmal weiter ver­wendet werden kann. Nun blicken alle poli­ti­schen Beob­achter auf die Folgen für die neuen Son­die­rungs­ge­spräche zwi­schen der SPD und der Union. „Gly­phosat-Streit: Profit gegen Gesundheit“ wei­ter­lesen

Krankmeldung als Waffe in einer »kranken Arbeitswelt«?

Viele Beschäftige in Deutschland könnten sich an den Piloten ein Bei­spiel nehmen. Sie sollten eher auf ihre Gesundheit achten, als krank zur Arbeit zu gehen. Ein Kom­mentar

Sie hätten feh­lenden Anstand, seien feige und könnten sich nicht auf das Arbeits­recht berufen. So wurden im Deutschlandfunk[1] die Air-Berlin-Piloten beschimpft, die sich in den ver­gan­genen Tagen ver­mehrt krank gemeldet hatten. Der Wirt­schafts­jour­nalist Thomas Weinert machte auch gleich deutlich, warum er sich so darüber echauf­fiert. »Jeder Investor wird sich fragen, ob er sich so ein Betriebs­klima leisten kann.«

Und immer an den Standort denken

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Die besseren Manager

Um für Mit­glieder attrak­tiver zu werden, wollen die Gewerk­schaften ihre Arbeit moder­ni­sieren. Dabei setzen sie auf den »Standort« und betriebs­wirt­schaft­liche Pro­fes­sio­na­lität.

Haben die DGB-Gewerk­schaften noch eine Chance oder sind sie ein Aus­lauf­modell? Mit dieser Frage beschäf­tigen sich die zwei größten Ein­zel­ge­werk­schaften im DGB. Die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Verdi tagte in der vorigen Woche in Leipzig, die IG Metall lädt vom 9. bis zum 15. Oktober zum 22. Gewerk­schaftstag nach Karlsruhe. Es solle über die Her­aus­for­de­rungen der kom­menden Jahre dis­ku­tiert werden, schreibt der IG-Metall­vor­sit­zende Berthold Huber auf der Homepage der Gewerk­schaft und macht sich und den Mit­gliedern Mut.

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Betriebswirtschaftliches Denken

Neues Buch zu Gewerk­schaften nach der Krise erschienen

Aus der welt­weiten Finanz- und Wirt­schafts­krise sind die Gewerk­schaften in den kapi­ta­lis­ti­schen Zentren geschwächt her­vor­ge­gangen. Zu dem Schluss kommt das Buch »Gewerk­schaft­liche Moder­ni­sierung«.

Seit Jahren ver­suchen sich die Gewerk­schaften mit unter­schied­lichen Mitteln dem dro­henden Bedeu­tungs­verlust durch Mit­glie­der­rück­gänge und wach­sende tarif­ver­trags­freie Zonen ent­ge­gen­zu­steuern. In dem im VS-Verlag erschie­nenen Buch »Gewerk­schaft­liche Moder­ni­sierung« ziehen 15 Gewerk­schafter und gewerk­schaftsnahe For­scher eine erste Bilanz dieser Erneue­rungs­be­mü­hungen. Her­aus­ge­geben wurde das Buch vom Jenaer Sozio­lo­gie­pro­fessor Klaus Dörre und Thomas Hai­peter, Leiter der Abteilung Arbeitszeit und Arbeits­or­ga­ni­sation des Instituts Arbeit und Qua­li­fi­kation und Pri­vat­dozent an der Uni­ver­sität Duisburg-Essen.

Hoff­nungen von Gewerk­schafts­linken, die Krise des kor­po­ra­tis­ti­schen Gewerk­schafts­mo­dells werde kämp­fe­rische Posi­tionen stärken, haben sich kaum erfüllt. Vielmehr nimmt auch unter Betriebs­räten und Gewerk­schaften das betriebs­wirt­schaft­liche Denken zu, so das Fazit von fünf Kapiteln, die sich detail­liert mit den gewerk­schaft­lichen Erneue­rungs­an­sätzen in der Metall- und Elek­tro­in­dustrie von Nord­rhein West­falen befassen. Betriebsräte und Gewerk­schaftler wollen dort im Rahmen der »Besser statt billiger«-Kampagne nach­weisen, dass sie den Standort besser als die Manager ver­tei­digen können.

Dabei sind Betriebsräte auch bereit, Arbeits­zeit­ver­län­gerung und Akkor­derhö­hungen mit­zu­tragen, wie ver­schiedene Autoren detail­liert schildern. Trotzdem sehen die For­scher einen Erfolg dieser gewerk­schaft­lichen »Besser statt Billiger«-Strategien in der Stärkung des Selbst­be­wussteins der Beleg­schaft, die ihr Exper­ten­wissen ein­bringen kann. Während sich aller­dings in den 80er Jahren gewerk­schaft­liche Akti­visten noch für Stra­tegien der Pro­duk­ti­ons­um­stellung vor allem im Bereich der Rüs­tungs­in­dustrie ein­setzten, rief die IG-Metall im Herbst 2010 zum Wider­stand gegen Kür­zungen beim Rüs­tungs­haushalt auf.

»Arbeiter und Gewerk­schafts­be­we­gungen gehen zumindest in den kapi­ta­lis­ti­schen Zentren geschwächt aus der Krise hervor«, so das ernüch­ternde Fazit des Jenaer Sozio­logen Klaus Dörre im Abschluss­ka­pitel. Dort zeigt er auf, wie die IG-Metall durch ihre Ein­bindung in einen »Kri­sen­kor­pa­ra­tismus« in den letzten Jahren die Arbeits­plätze für die Stamm­be­leg­schaft in zen­tralen Betrieben gesi­chert, aber auch zu einer wei­teren Auf­spaltung des Arbeits­marktes bei­getragen hat. Durch die enorme Aus­weitung der pre­kären Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nisse in den Kri­sen­jahren drohen Gewerk­schaften wie die IG-Metall als Inter­es­sen­ver­treter der Stamm­be­leg­schaft den Anspruch zu ver­lieren, die Inter­essen der Lohn­ab­hän­gigen ins­gesamt zu ver­treten.

Hajo Holst und Ingo Matu­schek zeigen an Hand einer Unter­su­chung in einem Betrieb mit rund 6000 Beschäf­tigten und guter IG-Metall-Ver­an­kerung auf, wie ein betriebs­wirt­schaft­liches Denken, das sich vor allem um die Rettung des Standorts dreht, zu einer Ent­so­li­da­ri­sierung mit Erwerbs­losen und Leih­ar­beitern führt. Die wurden von einer Mehrheit der Befragten nur unter dem Aspekt des Nutzens für den Betrieb gesehen. Dass es auch anders geht, zeigt die Nürn­berger Sozio­login Ingrid Artus am Bei­spiel eines von der Gewerk­schaft CGT unter­stützten Streiks von Papier­losen in Frank­reich. Eine dif­fe­ren­zierte Bewertung der gewerk­schaft­lichen Schlecker- und Lidl-Kam­pagne sowie wie eine Unter­su­chung des Ein­flusses von Arbeits­kämpfen auf die gewerk­schaft­liche Mit­glie­der­ent­wicklung kom­plet­tieren ein Buch, das einen ernüch­ternd rea­lis­ti­schen Blick auf den Zustand der Gewerk­schaften in Deutschland wirft.

Hai­peter, Thomas / Dörre, Klaus (Hg.): Gewerk­schaft­liche Moder­ni­sierung, VS-Verlag, 2011, 304 S., 34,95 Euro.

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Peter Nowak