Diskussion über rechte Geländegewinne

Eine Ver­an­staltung in Berlin vergaß aller­dings, dass Rechten auch immer wieder Räume genommen wurden

In den 1990er Jahren machte der Begriff »national befreite Zone« die Runde. Es ging um Orte, die Men­schen, die nicht ins Weltbild der extrem rechten Bewohner passten, mög­lichst meiden sollen. Das Dorf Jamel in Meck­lenburg-Vor­pommern ist heute eine solche »national befreite Zone«.

Eine völ­kische Dorf­ge­mein­schaft [1] prägt den Ort auch mit ihren Sym­bolen. »Dorf­ge­mein­schaft Jamel – sozial ‑national ‑frei« steht dort an einer Wand. Die national befreite Zone könnte sich jetzt noch ver­größern. Die Gemeinde hat ein wei­teres Grund­stück an rechte Inves­toren ver­kauft. Dann fehlen dem jähr­lichen Anti-Rechts-Fes­tival [2] in Jamel die Park­plätze.

Es wird von einem Ehepaar orga­ni­siert, das in den Ort gekommen ist, um ihn nicht ganz den Rechten zu über­lassen. Für ihre Courage hat es mehrere Preise bekommen. Dass die Rechten und nicht ihre Gegner noch immer Unter­stützung von der Gemeinde bekommen, wenn dahinter sol­vente Inves­toren stehen, hat bun­desweit bisher kaum Resonanz gefunden.

Über den rechten Gelän­de­gewinn in Meck­lenburg-Vor­pommern infor­mierte die Jour­na­listin und wohl beste Ken­nerin der rechten Szene, Andrea Röpke [3], am Samstag auf der gut besuchten, vom Phi­lo­sophen Armen Avan­essian [4] mode­rierten Ver­an­staltung »Rechte Räume« [5] in der Ber­liner Volks­bühne.

National befreite Zonen wie Jamel waren dabei aber nur ein Thema. Es ging vor allem um ideo­lo­gische Gelän­de­ge­winne auch auf Gebieten, wo es gemeinhin nicht ver­mutet wird.

Rechte Erfolge bei der Stadt­re­kon­struktion

Der Archi­tek­tur­pro­fessor Stephan Trüby [6] berichtete darüber, dass die his­to­rische Stadt­re­kon­struktion ein Thema für extrem Rechte ist. So ging die Initiative sowohl für die Rekon­struktion der his­to­ri­schen Innen­stadt von Frankfurt/​Main [7] als auch den Wie­der­aufbau der Pots­damer Gar­ni­sons­kirche von extrem Rechten [8] aus.

Trüby betont aller­dings, dass die spä­teren Akteure nicht aus diesem Spektrum kommen. Deutlich wird hier, dass die Sehn­sucht nach einer heilen deut­schen Ver­gan­genheit unter Aus­blendung der NS-Zeit weite Teile des Bür­gertums teilen. Die von Trüby vor­ge­tra­genen Thesen erinnern an Debatten einer Linken, die sich in den 1990er Jahren kri­tisch zur Gestaltung der Neuen Wache in Berlin [9] mit genau den gleichen Argu­menten äußerte, die Trüby nun gegen die his­to­rische Stadt­re­kon­struktion vor­bringt.

Er bezog sich aller­dings nicht auf diese Debatte vor mehr als 25 Jahren. So blieb unklar, ob er davon beein­flusst war. Seine zen­trale These, dass es keine rechte Archi­tektur, aber sehr wohl rechte Kon­zepte für eine natio­na­lis­tische Stadt­ent­wicklung gibt, doku­men­tiert Trüby an zahl­reichen Bei­spielen aus dem In- und Ausland.

Der Flügel am Kyff­häuser-Denkmal

Rechte Poli­tiker, nicht nur der AfD, fordern wieder ver­stärkt, deutsche Denk­mäler statt Mahnorte auf­zu­stellen. Auch das zeichnete sich bereits vor mehr als 25 Jahren ab und wurde auch im Zusam­menhang mit der Kritik an der Gestaltung der Neuen Wache the­ma­ti­siert.

Diese Sym­bol­po­litik zeigte Trüby an einem Treffen des völ­ki­schen AfD-Flügels, der sich demons­trativ vor dem Kyff­häu­ser­denkmal ablichten lässt, einer der his­to­risch wir­kungs­mäch­tigsten völ­ki­schen Mythenorte in Deutschland.

Gefähr­licher aber dürfen jene von Trüby gezeigten rechten Orte seins, in denen bei­spiels­weise die faschis­tische ita­lie­nische Orga­ni­sation Casa Pound (https://​de​-de​.facebook​.com/​c​a​s​a​p​o​u​n​d​i​t​alia/ [10] eine hippe rechte Post­mo­derne [11] zele­briert. Dort werden Men­schen ange­sprochen, die für den muf­figen Kyff­häuser-Kult wohl kaum zu begeistern sind.

Auch die rechte Initiative Kul­turraum Land [12] die in den Dörfern »patrio­tische Zentren« auf­bauen will, könnte Zulauf bekommen. Zu Beginn der Ver­an­staltung wurde von Armen Avan­essian ange­kündigt, auch die Gegen­stra­tegien sollten nicht zu kurz kommen.

Doch da blieb nach knapp zwei Stunden neben den Jamelner Anti­rechts-Fes­tival nur die bekannte und kon­trovers dis­ku­tierte Aktion des Zen­trums für poli­tische Schönheit [13] übrig, in unmit­tel­barer Nach­bar­schaft von Höcke in Born­hagen ein Holo­caust-Denkmal in Minia­tur­format [14] nach­zu­bauen.

Die bekann­teste Per­sön­lichkeit des Zen­trums, Philipp Rucht, erläu­terte noch einmal die Aktion, ohne auf die Kritik ein­zu­gehen, dass damit auch eine Bana­li­sierung des Holo­causts betrieben werde. Sehr anschaulich wurde das Agieren einer rechten Bür­gerwehr gezeigt, die die Höcke-Kri­tiker sofort aus dem Dorf treiben wollten.

Auch auf Namens­spielchen, wo aus Björn »Bernd Höcke« wird [15], ging Rucht ein. Er verwies auf eine weitere Kul­tur­aktion, in der Höcke mit dem Pseudonym Landolf Ladig [16] ver­bunden wird.

Nach Sprach­ver­gleichen [17] des Müns­te­raner Sozi­al­wis­sen­schaftlers Andreas Kemper [18] soll Höcke für NPD-nahe Publi­ka­tionen Artikel ver­fasst haben, bevor er in der AfD aktiv wurde.

Höckes Dementi wurde selbst von Teilen der AfD nicht geglaubt. Im Aus­schluss­antrag der AfD unter Frauke Petry wurde auf die Arbeit von Kemper ver­wiesen. Auch der Leiter des Thü­ringer Ver­fas­sungs­schutzes Kramer zitierte aus Artikel von Kemper zu Höcke in der liber­tären Wochen­zeitung Gras­wur­zel­re­vo­lution [19] und löste damit einen rechten Shit­storm [20] aus.

Kramer hatte zunächst Kemper nicht als Quelle ange­geben, sich für das Ver­säumnis ent­schuldigt. Auch Rucht vergaß bei seinem Vortrag in der Volks­bühne, die Quelle für seine Ladig-Höcke-Satire zu benennen. Aller­dings sind im Internet Kempers Texte ver­linkt.

Keine Erwähnung von linken Räumen

Egal, wie man zu den Aktionen des Zen­trums für poli­tische Schönheit steht, als Gegen­stra­tegien zur Aus­breitung rechter Räume können sie nicht gelten. Dieser Punkt blieb am Samstag aus­ge­spart, obwohl Armen Avan­essian aus­drücklich darauf hin­ge­wiesen hat, dass der Punkt nicht zu kurz kommen solle.

Dabei hätte man doch Bei­spiele aus Berlin nehmen können, wie Rechte ihre Räume auch wieder ver­loren haben. Das in den frü­heren 1990er Jahren von Neo­nazis besetzte Haus in der Lich­ten­berger Weit­ling­s­traße [21] wäre da ebenso zu nennen wie eine Straße in Ober­schö­ne­weide, wo zivil­ge­sell­schaft­liche Gruppen die Eta­blierung einer natio­nalen Zone [22] ein­dämmten [23].

Peter Nowak
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[1] https://​www​.facebook​.com/​e​v​e​n​t​s​/​7​5​3​7​2​6​9​7​8​1​70928
[2] https://​www​.forstrock​.de/
[3] https://​www​.christoph​-links​-verlag​.de/​i​n​d​e​x​.​c​f​m​?​v​i​e​w​=​6​&​a​u​t​o​r​e​n​_​i​d=289
[4] https://​www​.brandeins​.de/​m​a​g​a​z​i​n​e​/​b​r​a​n​d​-​e​i​n​s​-​w​i​r​t​s​c​h​a​f​t​s​m​a​g​a​z​i​n​/​2​0​1​8​/​g​e​d​u​l​d​/​a​r​m​e​n​-​a​v​a​n​e​s​s​i​a​n​-​i​n​t​e​r​v​i​e​w​-​w​i​r​-​h​a​b​e​n​-​k​e​i​n​e​n​-​p​o​s​i​t​i​v​e​n​-​z​u​k​u​n​f​t​s​b​e​g​r​i​f​f​-mehr
[5] https://​www​.volks​buehne​.berlin/​d​e​/​p​r​o​g​r​a​m​m​/​5​9​0​1​/​r​e​c​h​t​e​-​r​aeume
[6] https://​www​.ar​.tum​.de/​a​k​t​u​e​l​l​/​n​e​w​s​-​s​i​n​g​l​e​v​i​e​w​/​a​r​t​i​c​l​e​/​p​r​o​f​-​s​t​e​p​h​a​n​-​t​r​u​e​b​y​-​w​e​c​h​s​e​l​t​-​z​u​r​-​u​n​i​v​e​r​s​i​t​a​e​t​-​s​t​u​t​t​gart/
[7] http://​www​.faz​.net/​a​k​t​u​e​l​l​/​f​e​u​i​l​l​e​t​o​n​/​n​e​u​e​-​f​r​a​n​k​f​u​r​t​e​r​-​a​l​t​s​t​a​d​t​-​d​u​r​c​h​-​r​e​c​h​t​s​r​a​d​i​k​a​l​e​n​-​i​n​i​t​i​i​e​r​t​-​1​5​5​3​1​1​3​3​.html
[8] https://​www​.bla​etter​.de/​a​r​c​h​i​v​/​j​a​h​r​g​a​e​n​g​e​/​2​0​1​8​/​j​a​n​u​a​r​/​s​e​h​n​s​u​c​h​t​s​o​r​t​-​d​e​r​-​n​e​u​e​n​-​r​e​c​h​t​e​n​-​d​i​e​-​p​o​t​s​d​a​m​e​r​-​g​a​r​n​i​s​o​n​k​irche
[9] https://theculturetrip.com/europe/germany/articles/k‑the-kollwitz-and-berlin-s-neue-wache/
[10] CasaPoundhttps://de-de.facebook.com/casapounditalia/
[11] https://​www​.anti​fa​in​fo​blatt​.de/​t​a​g​s​/​c​a​s​a​-​pound
[12] https://​ein​prozent​.de/​b​l​o​g​/​g​e​g​e​n​k​u​l​t​u​r​/​k​u​l​t​u​r​r​a​u​m​-​l​a​n​d​-​f​l​e​i​s​s​i​g​e​-​h​e​l​f​e​r​-​g​e​s​u​c​h​t​/2364
[13] https://​www​.poli​ti​cal​beauty​.de/
[14] https://​www​.poli​ti​cal​beauty​.de/​m​a​h​n​m​a​l​.html
[15] https://​www​.koelner​-abend​blatt​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​p​o​l​i​t​i​k​/​w​a​r​u​m​-​b​e​r​n​d​-​h​o​e​c​k​e​-​a​f​d​-​v​o​n​-​m​a​n​c​h​e​n​-​m​e​d​i​e​n​-​b​j​o​e​r​n​-​g​e​n​a​n​n​t​-​w​i​r​d​-​2​2​8​5​8​1​8​6​.html
[16] https://​www​.poli​ti​cal​beauty​.de/​l​a​n​dolf/
[17] https://​andre​askemper​.org/​2​0​1​6​/​0​1​/​0​9​/​l​a​n​d​o​l​f​-​l​a​d​i​g​-​n​s​-​v​e​r​h​e​r​r​l​i​cher/
[18] https://​andre​askemper​.org
[19] https://​www​.gras​wurzel​.net/gwr/
[20] https://​www​.gras​wurzel​.net/​g​w​r​/​2​0​1​8​/​1​0​/​l​i​n​k​s​e​x​t​r​e​m​e​s​-​s​c​h​m​i​e​r​b​latt/
[21] http://​tele​graph​.cc/​b​e​r​l​i​n​e​r​-​h​a​u​s​b​e​s​e​t​z​e​r​i​n​n​e​n​-​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​-​d​a​s​-​n​e​o​-​n​a​z​i​-​h​a​u​s​-​w​e​i​t​l​i​n​g​s​t​r​a​s​s​e​-​1​2​2​-​i​n​-​b​e​r​l​i​n​-​l​i​c​h​t​e​n​berg/
[22] https://​www​.antifa​-berlin​.info/​s​i​t​e​s​/​d​e​f​a​u​l​t​/​f​i​l​e​s​/​d​a​t​e​i​e​n​/​a​r​t​i​k​e​l​/​S​c​h​o​e​n​e​w​e​i​d​e.pdf
[23] http://​www​.taz​.de/​!​5​2​9​1945/

Italien vor faschistischen Angriffen bewahrt?

Angeblich hat eine neo­fa­schis­tische Gruppe Anschläge gemäß einer Stra­tegie der Spannung geplant

Nach Berichten zahl­reicher ita­lie­ni­scher Medien[1] ver­hin­derte eine Spe­zi­al­einheit der ita­lie­ni­schen Polizei in letzter Minute eine massive Anschlags­welle faschis­ti­scher Kräfte. Bei einer lan­des­weiten Razzia wurden 50 Gebäude durch­sucht, 14 als Rädels­führer bezeichnete Per­sonen ver­haftet und gegen 44 weitere Ermitt­lungen ein­ge­leitet. Durch abge­hörte Tele­fonate sei die Polizei zu dem Schluss gekommen, dass die Neo­fa­schisten während der Weih­nachtstage mit ihren Aktionen beginnen wollten und hat daher mit der Razzia womöglich ein grö­ßeres Blutbad ver­hindert.

Die rechte Gruppe Avan­guardia Ordi­no­vista (Avant­garde der neuen Ordnung) habe zeit­gleich mehrere Poli­tiker und hohe Jus­tiz­beamte ermorden wollen. Zudem waren Attentate gegen Bahnhöfe, Banken, Poli­zei­sta­tionen, Prä­fek­turen und Dienst­ge­bäude der Steu­er­ein­zugs­be­hörde Equi­talia geplant. Mit diesen Aktionen sollte eine Stra­tegie der Spannung erzeugt werden. In der Öffent­lichkeit sollten die Rufe nach einer neuen Ordnung laut werden.

Die Neo­fa­schisten sollen die Gründung einer Partei geplant haben, die diese For­de­rungen auf­nehmen und durch Wahlen an die Macht kommen wollte, wo sie dann eine neue faschis­tische Ordnung auf­bauen wollte. Sollte diese lang­fristige Stra­tegie wirklich das erklärte Ziel gewesen sein, dann würde das eine stra­te­gisch arbei­tende Grup­pierung vor­aus­setzen.

Noch viele Fragen offen

Noch ist unklar, ob es sich bei diesen Plänen um die Wunsch­phan­tasien einer kleinen Grup­pierung han­delte oder ob sie per­sonell und logis­tisch in der Lage gewesen wäre, diese Ziele zumindest teil­weise umzu­setzen. Die Fragen stellen sich auch zu den geplanten Anschlägen. Wie weit waren die kon­kreten Vor­be­rei­tungen tat­sächlich gediehen? Welche Rolle spielten bei den Plänen die in die Gruppe ein­ge­schleusten Poli­zei­agenten, wird auch eine weitere wichtige Frage sein. Eine Klärung ist schon deshalb wichtig, um rea­lis­tisch ein­schätzen zu können, welche reale Gefahr diese faschis­tische Grup­pierung dar­stellte und um Ver­schwö­rungs­theorien vor­zu­beugen, nach der die gesamte Aktion ein Manöver in- oder aus­län­di­scher Geheim­dienste war.

Doch die auf­ge­flogene Gruppe zeigt auf jeden Fall, dass es auch in Italien wei­terhin einen faschis­ti­schen Unter­grund gibt, der vor ter­ro­ris­ti­schen Methoden nicht zurück­streckt.

Erin­nerung an die 70er Jahre

Erst Anfang Dezember war in Rom eine rechte Grup­pierung mit Mafia­kon­takten nach län­geren Ermitt­lungen aus­ge­hoben[2] worden. Unter den dabei Fest­ge­nom­menen befindet sich mit Massimo Car­minati[3] eine wichtige Figur der faschis­ti­schen Ter­ror­netz­werkes der 70er Jahre. Sozia­li­siert in der neo­fa­schis­ti­schen MSI setzte er bald auf Gruppen, die nach dem Vorbild von Mus­solini die Macht im Staat erobern wollten.

Car­minati war in der faschis­ti­schen Nuclei Armati Rivo­lu­zionari[4] aktiv und galt als Ver­bin­dungsmann zur Mafia. Nach seiner Ver­ur­teilung zu einer län­geren Haft­strafe tauchte er unter und kehrte erst einige Jahre später wieder nach Rom zurück. Dort regierte damals Gianni Ale­manno[5], ein alter Freund aus faschis­ti­schen Jugend­zeiten als Bür­ger­meister.

Ale­manno, der Teil von Ber­lus­conis Rechts­ko­alition war, machte nie einen Hehl daraus, dass er weiter zu seiner Über­zeugung aus den Jugend­jahren steht. So för­derte er in seiner Regie­rungszeit mit der Casa Pound[6] das Zentrum einer moder­ni­sierten extremen Rechten[7], die mitt­ler­weile an Schulen und Uni­ver­si­täten Ein­fluss haben. Immer wieder gehen die Anhänger des Casa Pound und ihres Umfeldes gegen Roma vor. So ver­hin­derten[8] sie mit einer Blo­ckade, dass Roma­kinder eine öffent­liche Schule besuchen konnten.

Mit dem Nie­dergang der Ära Ber­lusconi wurde auch Ale­manno in Rom als Bür­ger­meister abge­wählt. Seitdem taucht er auch wieder auf faschis­ti­schen Demons­tra­tionen auf und wird von seinen rechten Freunden gebührend begrüßt.

Rechte suchen nach Ende von Ber­lusconi neue Per­spek­tiven

Dass innerhalb weniger Woche gleich zwei rechte Grup­pie­rungen in Italien auf­ge­flogen sind, ist auch eine Kon­se­quenz des Endes der Ber­lusconi-Ära. Die Faschisten können nicht mehr damit rechnen, dass ihr Treiben igno­riert wird. Zudem scheinen sich einige Gruppen nach dem Ende der Ber­lusconi-Ära wieder mehr auf die Unter­grund­me­thoden der 70er Jahre zu besinnen. Schließlich muss für die rechten Stra­tegen klar geworden sein, dass sie bis 2011 Teil des von Ber­lusconi geschaf­fenen Macht­blockes waren, der Italien innen- und wirt­schafts­po­li­tisch stark geprägt hat.

Doch einen län­ger­fris­tigen Macht­erhalt konnte die Rechte nicht erreichen. Pläne eines Staats­umbaus, wie sie Ber­lusconi und seine ultra­rechten Unter­stützer ver­mehrt in der letzten Phase ihrer Regierung pro­pa­gierten, konnten nicht umge­setzt werden. Daran ist der rechte Herr­schafts­block mit dem Abgang von Ber­lusconi zer­brochen. Während die Lega Nord[9] nun offen den Front National aus Frank­reich kopiert, mit dem sie im Euro­pa­par­lament koope­riert, und auch in Italien eine starke Rechts­partei anstrebt, scheinen andere Rechte zur ter­ro­ris­ti­schen Stra­tegie der späten 60er und frühen 70er Jahre zurück­zu­kehren.

Da trifft es sich gut, dass der Ham­burger Laika-Verlag in wenigen Wochen ein Filmbuch zu den Ereig­nissen in Italien mit bisher in deut­scher Sprache selten zugäng­lichen Filmen her­ausgibt. Der erste Band unter dem Titel »Ver­deckter Bür­ger­krieg und Klas­sen­kampf in Italien«[10] behandelt die 60er Jahre und ist bereits erschienen. Herz­stück des zweiten Bandes ist der Film »12. Dezember«[11], den Pier Paolo Pasolini gemeinsam mit der linken Gruppe Lotta Con­tinua erstellt hat. Er the­ma­ti­siert das faschis­tische Attentat vom 12.Dezember 1969 auf die Land­wirt­schaftsbank von Mailand, bei dem 17 Men­schen getötet und 88 ver­letzt wurden.

Die Aktion wurde zunächst Anar­chisten in die Schuhe geschoben. Als Giu­seppe Pinelli[12], einer der ver­haf­teten Anar­chisten, bei einem Sturz aus dem 3. Stock des Mai­länder Poli­zei­prä­si­diums starb und offi­ziell behauptet wurde, es sei ein Selbstmord und ein Schuld­be­kenntnis gewesen, wuchs die Empörung in großen Teilen der ita­lie­ni­schen Öffent­lichkeit. Der Film zeigt, wie in Italien der Schock nach dem Ter­ror­an­schlag und der Repression der Wut und Empörung wich. Der Film »12. Dezember« galt seit Jahren als ver­schollen. Nun hat der Laika-Verlag die einzige Kopie des Filmes gefunden, die 1972 auf der Ber­linale gezeigt wurde. Einen Verleih hatte der Film nie gefunden[13]. Niemand konnte ahnen, dass er nun durch die Ereig­nisse in Italien nicht nur von doku­men­ta­ri­schem Wert ist.

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Peter Nowak

Anhang

Links

[1]

http://​www​.inter​na​zionale​.it/​n​o​t​i​z​i​e​/​2​0​1​4​/​1​2​/​2​2​/​s​e​t​t​e​-​c​o​s​e​-​d​a​-​s​a​p​e​r​e​-​s​u​l​l​-​i​n​c​h​i​e​s​t​a​-​s​u​l​-​g​r​u​p​p​o​-​n​e​o​f​a​s​c​i​s​t​a​-​a​v​a​n​g​u​a​rdia-

[2]

http://www.sueddeutsche.de/politik/rom-versunken-im-mafia-sumpf‑1.225725

[3]

http://espresso.repubblica.it/attualita/2014/12/23/news/gianni-letta-e-la-rete-di-massimo-carminati‑1.193106

[4]

http://​www​.repubblica​.it/​2​0​0​7​/​0​4​/​s​e​z​i​o​n​i​/​c​r​o​n​a​c​a​/​s​t​r​a​g​e​-​b​o​l​o​g​n​a​-​c​i​a​v​a​r​d​i​n​i​/​s​t​r​a​g​e​-​b​o​l​o​g​n​a​-​c​i​a​v​a​r​d​i​n​i​/​s​t​r​a​g​e​-​b​o​l​o​g​n​a​-​c​i​a​v​a​r​d​i​n​i​.html

[5]

http://​duep​un​tozero​.ale​manno​.it/

[6]

http://​www​.casa​po​un​ditalia​.org/

[7]

http://​www​.unrast​-verlag​.de/​g​e​s​a​m​t​p​r​o​g​r​a​m​m​/​a​l​l​g​e​m​e​i​n​e​s​-​p​r​o​g​r​a​m​m​/​a​n​t​i​f​a​s​c​h​i​s​m​u​s​/​c​a​s​a​-​p​o​u​n​d​-​i​t​a​l​i​a​-​d​etail

[8]

http://​roma​.repubblica​.it/​c​r​o​n​a​c​a​/​2​0​1​4​/​1​1​/​2​8​/​n​e​w​s​/​r​o​m​a​_​c​a​s​a​p​o​u​n​d​_​d​a​v​a​n​t​i​_​a​d​_​a​l​c​u​n​i​_​l​i​c​e​i​_​s​t​o​p​_​a​l​l​e​_​v​i​o​l​e​n​z​e​_​d​e​i​_​r​o​m​-​1​0​1​6​4​9932/).

[9]

http://​www​.leganord​.org/

[10]

http://www.laika-verlag.de/bibliothek/verdeckter‑b%C3%BCrgerkrieg-und-klassenkampf-italien-band‑i

[11]

http://​www​.laika​-verlag​.de/​t​e​r​m​i​n​e​/​p​i​e​r​-​p​a​o​l​o​-​p​a​s​o​l​i​n​i​-​r​e​t​r​o​s​p​e​k​t​i​v​e​-​i​m​-​m​e​t​r​o​p​o​l​i​s​-​kino/

[12]

http://​www​.uonna​.it/​c​a​d​u​t​a.htm

[13]

http://​www​.deutsch​land​ra​dio​kultur​.de/​r​i​s​k​a​n​t​e​s​-​p​r​o​j​e​k​t​-​v​e​r​s​c​h​o​l​l​e​n​e​-​f​i​l​m​k​o​p​i​e​.​1​0​1​3​.​d​e​.​h​t​m​l​?​d​r​a​m​:​a​r​t​i​c​l​e​_​i​d​=​2​87475