Einem Nazi-Verbündeten soll in Prag ein Denkmal gesetzt werden.

Prager Einerlei

Der Leiter des Wie­senthal-Zen­trums, der israe­lische His­to­riker Efraim Zuroff, warf den Unter­zeichnern der Prager Erklärung vor, den Holo­caust zu rela­ti­vieren. Denen gegenüber, die einem Nazi-Ver­bün­deten ein Denkmal setzen und einen Gedenkort für einen Befreier des Ver­nich­tungs­lager Auschwitz am liebsten schleifen wollen, ist das fast eine Beschö­nigung.

Pavel Novotny ist Bür­ger­meister des am Stadtrand von Prag gele­genen Stadt­teils Reporyje. Dass der Pro­vinz­po­li­tiker jetzt inter­na­tional für Schlag­zeilen sorgt, liegt an seinen Plan, .…

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Gauck und die Erinnerungspolitik

Weil Gauck die Prager Erklärung unter­schrieben hat, wird Kritik an seinem Geschichts­ver­ständnis laut
Nor­ma­ler­weise wird eine Bun­des­prä­si­den­tenwahl in Israel und den USA nicht besonders zur Kenntnis genommen. Doch aus­ge­rechnet um die Per­so­nalie Gauck hat sich dort eine in Deutschland kaum zur Kenntnis genommene Kritik ent­zündet. Der israe­lische His­to­riker Efraim Zuroff hat lange Zeit in den USA gelebt und war der erste Leiter des Simon-Wie­senthal-Centers. Er hat in einem jetzt von der taz nach­ge­druckten Artikel heftige Kritik an dem neuen Bun­des­prä­si­denten geübt und dort die Befürchtung vor einem Rollback in der deut­schen Erin­ne­rungs­po­litik geäußert.

Der Anlass für die heftige Kritik Zuroffs ist Gaucks Unter­schrift unter der Prager Erklärung mit dem Unter­titel »Europas Gewissen und der Tota­li­ta­rismus«, die zu einer Ent­schließung des EU-Par­la­ments am 2. April 2009 führte. Darin wird die Not­wen­digkeit for­mu­liert, die »Ver­brechen der tota­li­tären Systeme« des National- und Real­so­zia­lismus auf­zu­ar­beiten und zu ver­ur­teilen.

Für Zuroff wirft die Unter­stützung der Erklärung »mehr als alles andere einen Schatten auf die Kan­di­datur von Joachim Gauck« und lässt bei ihm »ernst­hafte Zweifel an dessen Eignung für dieses reprä­sen­tative Amt auf­kommen«.

Dabei unter­stützt der His­to­riker Zuroff aus­drücklich die Intention, auch die Ver­brechen im nomi­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schafts­be­reich auf­zu­decken. Seine Haupt­kritik richtet sich gegen die Gleich­setzung mit dem Natio­nal­so­zia­lismus. Die ent­schei­denden Unter­schiede beider Ideo­logien, so Zuroff, würden igno­riert:

»Die behauptete Aus­tausch­barkeit beider Phä­nomene über­sieht den prä­ze­denz­losen Cha­rakter des Holo­caust und erhöht die kom­mu­nis­ti­schen Ver­brechen in ihrer tat­säch­lichen his­to­ri­schen Bedeutung.«

Zuroff sieht in der in Deutschland weit­gehend aus­ge­blie­benen Kritik an der Prager Erklärung ein Indiz für eine »merk­liche Holo­caust-Ermüdung« in Deutschland. Obwohl das »Wissen um die Juden­ver­nichtung und die Sen­si­bi­lität dafür unver­kennbar zuge­nommen« hätte, würden »die Stimmen derer, die die deut­schen Opfer im und nach dem Krieg betonen, (…) kühner und lauter«, dia­gnos­ti­ziert der His­to­riker. Einige Kom­mentare scheinen die Befürchtung zu bestä­tigen.

Auch wenn diese Kritik in Deutschland kaum wahr­ge­nommen wurde, macht sie doch deutlich, dass in manchen Ländern gewisse Zun­gen­schläge zu his­to­ri­schen Themen deut­scher Poli­tiker sehr genau ana­ly­siert werden und nicht überall die deutsche Geschichte mit dem Mau­erfall beginnt.
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Peter Nowak