Grüne und Linke und die Migration

Sowohl Kret­schmann als auch Wagen­knecht äußern sich migra­ti­ons­kri­tisch, aber ihre Par­teien reagieren unter­schiedlich

Gegen Lob kann man sich nicht wehren, war auf dem Par­teitag der Grünen die etwas ver­druckste Reaktion auf ein Interview des aus­sichts­reichen Bewerbers auf den CDU-Vorsitz Friedrich Merz. Die Union werde auch unter seinen Vorsitz offen für Bünd­nisse mit der libe­ralen Partei sein, hatte er erklärt [1]. Das ist einer­seits nicht über­ra­schend, denn warum sollte sich die Union selber in den Macht­op­tionen ein­schränken?

Schließlich haben die Grünen in Hessen und Baden-Würt­temberg gezeigt, dass sie auch mit explizit kon­ser­vativ aus­ge­rich­teten CDU-Lan­des­ver­bänden gut regieren können. Deshalb beschreibt Merz nur die Rea­lität, wenn er die Grünen als »sehr bür­gerlich, sehr offen, sehr liberal und sicherlich auch part­ner­fähig« beschreibt.

Dass er vor mehr als 15 Jahren noch eine viel kri­ti­schere Haltung zu den Grünen hatte, ist auch nicht ver­wun­derlich. Schließlich wurden die Grünen damals als enger Bünd­nis­partner der SPD gesehen und daher auch von der Union heftig ange­griffen.

Die Mehr­heits­ver­hält­nisse heute würden solche Bünd­nisse heute gar nicht mehr her­geben. Und selbst, wo es wie in Hessen eine Mehrheit für ein Bündnis zwi­schen SPD, Grünen und LINKEN rech­ne­rische Mehr­heiten gäbe, ent­scheiden sich die Grünen für ein Bündnis mit der Union. Da dürfte es sie einer­seits beru­higen, dass auch Merz inzwi­schen die Grünen für bünd­nis­fähig hält.

Ande­rer­seits müssen sie auf die nötige Distanz achten. Wie Johannes Agnoli bereits vor 50 Jahren in seiner wich­tigen Schrift »Die Trans­for­mation der Demo­kratie« aus­führte, gibt es in der bür­ger­lichen Demo­kratie unter ver­schie­denen Namen eine Ein­heits­partei für Markt, Kapi­ta­lismus und Nato, doch sie muss unter­schied­liche Ziel­gruppen bedienen.

Daher muss im Wahl­kampf die Dif­ferenz gepflegt werden. Und mit Merz fremdeln noch viele grüne Dele­gierte, dem sie schon seine Distanz zur grünen Königin der Herzen Angela Merkel übel­nehmen. Auch seine Wirt­schaftsnähe soll manche Grünen gegen Merz ein­nehmen, doch das sind keine inhalt­lichen Pro­bleme.

Merz klang schon vor 18 Jahren wie die AfD

Auf­fällig ist, dass die Grünen nicht Merz als Ver­fechter der deut­schen Leit­kultur kri­ti­sierten, der bereits vor 18 Jahren For­de­rungen stellte, die später die AfD übernahm, wie BILD jetzt noch einmal positiv her­vorhob [2]. Sie ist daher auch der Meinung, dass die AfD mit Merz an maß­geb­licher Stelle nie so groß geworden wäre.

Dass Merz damals wie die AfD-light tönte, zeigt dieser Auszug einer Rede, die er vor 18 Jahren vor der CDU-Neu­kölln in Berlin gehalten hat:

Wir haben Pro­bleme in Deutschland mit Aus­ländern. (…) Pro­bleme, die mitt­ler­weile die Men­schen zutiefst beun­ru­higen und bewegen: mit Kri­mi­na­lität, mit sehr hoher Aus­län­der­ar­beits­lo­sigkeit, mit unge­lösten sozialen Kon­flikt­stoffen auch mit der übrigen Wohn­be­völ­kerung.

Friedrich Merz

Rechte fürchten [3] schon, dass Merz als Uni­ons­vor­sit­zender der AfD schaden könnte. Doch es ist wohl kein Zufall, dass sich die Grünen, die sich immer sehr ein­wan­de­rer­freundlich geben, in dieser Frage mit Merz nicht anlegen wollen. Schließlich konnte par­allel zum Par­teitag der einzige grüne Minis­ter­prä­sident noch mal deutlich machen, dass Par­tei­tags­lyrik das Eine, Real­po­litik das Andere ist.

In einem Interview [4] mit zwei Regio­nal­zei­tungen aus Baden-Würt­temberg erklärte [5] Win­fried Kret­schmann: »Salopp gesagt ist das Gefähr­lichste, was die mensch­liche Evo­lution her­vor­ge­bracht hat, junge Män­ner­horden. Solche tes­to­ste­ron­ge­steuerte Gruppen können immer Böses anrichten. Die Ver­ge­wal­tigung in Freiburg ist ein schlimmes Bei­spiel.«

Als Kon­se­quenz schlug er vor, einige dieser jungen Männer von den großen Städten fern­zu­halten und »in die Pampa zu schicken«. Die Vor­sit­zende der Grünen Ann­elena Baerbock sagte nur, dass man über die For­mu­lierung streiten kann, in der Sache aber Kret­schmann urgrüne For­de­rungen nach dezen­traler Unter­bringung von Migranten ver­trete.

Nun ist die These von der toxi­schen Männ­lichkeit nicht unplau­sibel und auch die Kritik, dass die Art der Unter­bringung dazu bei­tragen kann. Doch wäre ein Amts­träger einer anderen Partei mit einem ähn­lichen Statement an die Öffent­lichkeit getreten, wäre die Moral­fraktion der Grünen sofort in Pro­test­ge­schrei aus­ge­brochen.

Als der der Links­partei ange­hö­rende Ober­bür­ger­meister von Frankfurt/​Oder René Wilke als Reaktion auf einen Überfall auf einen Jugendclub in der Stadt Aus­wei­sungen von straf­fäl­ligen Migranten vor­schlug [6], gehörten die dor­tigen Grünen zu seinen Kri­tikern.

Wagen­knecht vor dem Sturz?

Auch unter den Linken gab es ver­einzelt Kri­tiker von Wilke. Doch sein Vor­schlag sorgte längst nicht für eine solche Erregung in der Partei wie die migra­ti­ons­kri­tische Frak­ti­ons­vor­sit­zende der Linken Sahra Wagen­knecht. Mehrere Medien melden [7] bereits, dass sie ihr Amt bald ver­lieren könnte.

Ob es dazu kommt oder ob Wagen­knecht selber zurück­tritt, ist ebenso offen wie die Folgen, falls Wagen­knecht den Frak­ti­ons­vorsitz ver­liert oder abgibt. Schließlich ist die macht­be­wusste Poli­ti­kerin solche Zurück­wei­sungen nicht gewöhnt.

Manche Anhänger der Bewegung Auf­stehen denken schon lange über eine eigen­ständige Kan­di­datur [8] nach. Das fürchten wie­derum die Wagen­knecht-Kri­tiker bei den Linken. Das ist auch der Grund, warum es bei Teilen der Linken eine solche Distanz zur Auf­stehen-Bewegung gibt. Dass dann die Haupt­prot­ago­nistin gleich­zeitig Frak­ti­ons­vor­sit­zende ist, macht schon das Kon­flikt­po­tential deutlich.

Wagen­knecht hat auch keine Schritte getan, um den Kon­flikt zu dees­ka­lieren. Das zeigte der letzte Tweet, in dem sie ihre Ablehnung des UN-Migra­ti­ons­paktes mit einem Artikel des Han­dels­blatt-Jour­na­listen Norbert Häring begründet, der schon lange als Wagen­knecht-Anhänger [9] auf­tritt und der sich auch von KenFM inter­viewen [10] lässt.

Dass sie damit ihren Kri­tikern neue Argu­mente liefert, muss ihr bewusst sein. Da bleibt dann keine Zeit mehr, über Sinn und Unsinn des UN-Migra­ti­ons­pakts zu dis­ku­tieren. Dessen pri­märes Ziel ist die regu­lierte Ein­wan­derung nach öko­no­mi­schen Aspekten.

Es gäbe also genügend Grund für linke Kritik auch an den UN-Migra­ti­onspakt. Vor 20 Jahren gab es noch eine stich­haltige linke Kritik am Konzept der mul­ti­kul­tu­rellen Gesell­schaft als einer Form des Ras­sismus. Heute scheint es keine fun­dierte Position zu geben, die den UN-Migra­ti­onspakt mit genau dem gleichen Anspruch kri­ti­siert.

Migra­ti­ons­kritik im Klein­ge­druckten

Am Par­teitag der Grünen gab es kurz Dis­kus­sionen über einen Passus im Leit­antrag zur Asyl­po­litik, in dem fest­ge­stellt wurde, dass man nicht alle Migranten, die kommen wollen, auf­nehmen könne. Doch dabei ging es nur darum, wo dieses Bekenntnis stehen soll.

Es wurde dann in den hin­teren Teil des Leit­an­trags ver­bannt [11]. Der Streit war schnell bei­gelegt. Die Linke kann da von den Grünen noch lernen, wie man strittige Posi­tionen im Klein­ge­druckten ver­senkt. Und Sahra Wagen­knecht hätte für weniger Auf­regung gesorgt, wenn sie statt des Artikels von Norbert Häring genau diese Stelle des grünen Leit­an­trags zur Unter­mauerung ihrer Position ver­breitet hätte.

Peter Nowak

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[1] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018–11/kandidat-cdu-vorsitz-friedrich-merz-gruene-partner
[2] https://​www​.bild​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​i​n​l​a​n​d​/​p​o​l​i​t​i​k​-​i​n​l​a​n​d​/​e​r​-​w​a​r​n​t​e​-​v​o​r​-​m​i​g​r​a​t​i​o​n​s​p​r​o​b​l​e​m​-​h​a​e​t​t​e​-​e​s​-​m​i​t​-​m​e​r​z​-​d​i​e​-​a​f​d​-​n​i​e​-​g​e​g​e​b​e​n​-​5​8​2​4​7​9​9​8​.​b​i​l​d​.html
[3] http://​www​.pi​-news​.net/​2​0​1​8​/​1​1​/​f​e​g​t​-​f​r​i​e​d​r​i​c​h​-​m​e​r​z​-​d​i​e​-​a​f​d​-​a​u​s​-​d​e​m​-​r​e​i​c​h​stag/
[4] https://​www​.sued​deutsche​.de/​p​a​n​o​r​a​m​a​/​a​s​y​l​p​o​l​i​t​i​k​-​p​a​m​p​a​-​k​r​e​t​s​c​h​m​a​n​n​-​1​.​4​2​05477
[5] https://​www​.mor​genweb​.de/​m​a​n​n​h​e​i​m​e​r​-​m​o​r​g​e​n​_​a​r​t​i​k​e​l​,​-​l​a​e​n​d​e​r​-​j​u​n​g​e​-​m​a​e​n​n​e​r​h​o​r​d​e​n​-​t​r​e​n​n​e​n​-​_​a​r​i​d​,​1​3​4​9​0​5​2​.html
[6] https://​www​.deutsch​landfunk​.de/​r​e​n​e​-​w​i​l​k​e​-​v​o​n​-​d​e​n​-​l​i​n​k​e​n​-​o​b​e​r​b​u​e​r​g​e​r​m​e​i​s​t​e​r​-​w​i​l​l​.​1​7​7​3​.​d​e​.​h​t​m​l​?​d​r​a​m​:​a​r​t​i​c​l​e​_​i​d​=​4​32531
[7] https://​www​.focus​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​/​d​a​m​i​t​-​m​u​s​s​-​s​c​h​l​u​s​s​-​s​e​i​n​-​h​i​n​w​e​i​s​e​-​a​u​f​-​w​a​g​e​n​k​n​e​c​h​t​-​s​t​u​r​z​-​a​l​s​-​f​r​a​k​t​i​o​n​s​v​o​r​s​i​t​z​e​n​d​e​-​v​e​r​d​i​c​h​t​e​n​-​s​i​c​h​_​i​d​_​9​8​8​5​6​9​1​.html
[8] https://​www​.eulen​spiegel​.com/​v​e​r​l​a​g​e​/​d​a​s​-​n​e​u​e​-​b​e​r​l​i​n​/​t​i​t​e​l​/​a​u​f​s​t​e​h​e​n​-​u​n​d​-​w​o​h​i​n​-​g​e​h​t​s​.html
[9] http://​nor​berthaering​.de/​d​e​/​2​7​-​g​e​r​m​a​n​/​n​e​w​s​/​6​9​1​-​s​e​l​b​s​k​r​o​e​n​u​n​g​-​k​i​p​p​i​n​g​?​&​f​o​r​m​a​t=pdf
[10] https://​www​.youtube​.com/​w​a​t​c​h​?​v​=​o​w​l​d​I​3​3Dy4o
[11] http://​www​.taz​.de/​!​5​5​4​9450/

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Reaktion von Norbert Häring:

http://nor​berthaering​.de/​d​e​/​2​7​-​g​e​r​m​a​n​/​n​e​w​s​/​1​0​6​6​-​s​a​r​g​nagel

Nachtrag (13.11.) Auf Tele­polis zeigt der berüch­tigte Peter Nowak wozu hal­tungs­linke Dia­lektik fähig ist. Er weist die Ver­ant­wortung für die Dis­kus­si­ons­ver­wei­gerung des Kipping-Lagers Wagen­knecht zu, die zwar Recht habe, die aber dieses Lager mit Dis­kus­si­ons­auf­for­de­rungen unnötig pro­vo­ziere. Unter der Über­schrift »Grüne und Linke und die Migration« heißt es bei ihm:

Köthen oder die neue Bescheidenheit der Antifaschisten

Die Rechte mobi­li­siert zu rechten Demos in Köthen – doch all­seits gibt es Ent­war­nungen, weil keine Hit­ler­grüße zu sehen sind

In den letzten Tagen gab es in Köthen ver­schiedene rechte und neo­na­zis­tische Demons­tra­tionen, nachdem infolge einer Aus­ein­an­der­setzung mit zwei afgha­ni­schen Männern ein 22-jäh­riger Deut­scher an einem Herz­in­farkt gestorben ist [1]. Doch beschäftigt in den letzten Tagen Politik und Medien fast nur eine Frage: Wird Köthen ein neues Chemnitz?

Der CDU-Minis­ter­prä­sident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, ver­neint, [2]und Franz Josef Wagner schreibt in der Bild-Zeitung in seiner Brief-Kolumne an Köthen gar von einer »Stadt der Hoffnung« [3], weil sich die Ein­wohner angeblich nicht von Rechten instru­men­ta­li­sieren ließen. Da merkt man, wie inhaltlos dieser Kampf gegen rechts geworden ist.

So wird schon als Erfolg gefeiert, wenn zwei Tage hin­ter­ein­ander rechte Demons­tra­tionen durch Köthen zogen, aber kein Hit­lergruß zu sehen war. Dafür war aber viel­leicht eher das große Poli­zei­auf­gebot in der Stadt ver­ant­wortlich, das samt Was­ser­werfer in der Stadt posi­tio­niert ist. Viel­leicht hat in Köthen auch die rechte Taktik besser als in Chemnitz funk­tio­niert.

Dort wurde schließlich auch von Neo­nazis die Parole aus­ge­geben: Heute sind wir Volk und nicht Gesinnung und lassen den rechten Arm unten. Das klappte damals nicht überall. So kann gesagt werden, dass Köthen für die Rechte durchaus ein Mobi­li­sie­rungs­erfolg war, was auch David Begrich vom zivil­ge­sell­schaft­lichen Verein Mit­ein­ander [4] im Interview mit dem Deutsch­landfunk [5] bestä­tigte.

Er sei über­rascht und erschrocken gewesen, wie schnell es der Neo­na­zi­szene gelungen sei, 2.500 Men­schen auf den Straßen in Köthen zu mobi­li­sieren. Dort wurden offen neo­na­zis­tische Reden gehalten. Der AfD gelang es wie­derum, auf einer eigenen Demons­tration auch Teile der Köthener Bevöl­kerung zu erreichen. Eigentlich wäre eine solche rechte Mobi­li­sierung für die Antifa-Szene ein Grund für höchste Auf­regung und die Orga­ni­sierung von Gegen­ak­tionen.

Doch nach Chemnitz wird es schon als großer Erfolg gefeiert, wenn die rechten Demos ohne NS-Symbole über die Bühne gehen und keine Videos zu sehen sind, auf denen Men­schen von Rechten tat­sächlich oder ver­meintlich gejagt werden.

Herz­ver­sagen kann sehr wohl mit den Aus­ein­an­der­set­zungen zu tun haben

Anlass der rechten Auf­märsche war der Tod eines 22-Jäh­rigen während einer Aus­ein­an­der­setzung mit zwei afgha­ni­schen Migranten. In der Pres­se­meldung der Polizei [6] heißt es:

Nach dem vor­läu­figen, mündlich über­mit­telten Obduk­ti­ons­er­gebnis ist der 22-jährige Köthener einem akuten Herz­ver­sagen erlegen, das nicht im direkten kau­salen Zusam­menhang mit den erlit­tenen Ver­let­zungen steht. Zum gegen­wär­tigen Zeit­punkt werden die Ermitt­lungen nunmehr wegen des Ver­dachts der gefähr­lichen Kör­per­ver­letzung gegen den 18-jäh­rigen Tat­ver­däch­tigen geführt. Gegen den 20-jäh­rigen Tat­ver­däch­tigen wird wegen des Anfangs­ver­dachts der Kör­per­ver­letzung mit Todes­folge ermittelt. Ent­spre­chende Haft­an­träge werden durch die Staats­an­walt­schaft Dessau-Roßlau am zustän­digen Amts­ge­richt in Dessau-Roßlau gestellt.

Poli­zei­di­rektion Sachsen-Anhalt Ost

Hier wird zum Aus­druck gebracht, dass der Mann zwar nicht an Ver­let­zungen bei der Aus­ein­an­der­setzung starb, aber nicht, wie es in einigen Pres­se­mel­dungen wie­der­ge­geben wurde, dass die Aus­ein­an­der­set­zungen nichts mit dem Tod zu tun haben. Daher sind ja auch beiden Migranten in Unter­su­chungshaft genommen worden.

Der Köthener Fall erinnert an den Tod von Dominik Brunner 2009, der sich ein­mischte, als zwei migran­tische Jugend­liche Schüler in einer S-Bahn beläs­tigten, sich dann mit den Tätern eine kör­per­liche Aus­ein­an­der­setzung lie­ferte und schließlich an einem Herz­still­stand starb [7]. Obwohl auch er nicht an den durch die Schläge her­vor­ge­ru­fenen Ver­let­zungen, sondern an einem Herz­still­stand starb, wurden die Schläger wegen Mordes ver­ur­teilt.

Einer ist mitt­ler­weile ent­lassen, der andere muss seine Haft­strafe bis nächstes Jahr ver­büßen [8]. Der Tod des erfolg­reichen baye­ri­schen Unter­nehmers Brunner sorgte bun­desweit bei bür­ger­lichen Medien und Poli­tikern für Auf­sehen [9]. Mitt­ler­weile erinnert eine Stiftung [10] an das Enga­gement des Mannes.

Die wei­teren Ermitt­lungen in Köthen müssen nun zeigen, wie die Aus­ein­an­der­setzung abge­laufen ist. Nur sollte der Rekurs auf den Fall Brunner noch mal deutlich machen, dass allein dadurch, dass der Tod nicht durch die Schläge, sondern durch einen Herz­in­farkt erfolgte, die beiden Männer noch nicht ent­lastet sind.

Auch über die Rolle von Migranten reden

Das welt­offen-liberale Lager kon­zen­trierte sich beim Fall Köthen vor allem auf die Frage nach einem »zweiten Chemnitz« und man schien dann erleichtert, dass das Opfer einem Herztod und nicht einem Mes­ser­stich zum Opfer gefallen ist. Doch man sollte auch über die beiden Männer aus Afgha­nistan reden, die sicher nicht frei­willig nach Köthen gekommen sind, sondern dort leben mussten, weil sie im Aus­län­deramt dazu ver­pflichtet wurden.

Arbeiten durften sie nicht und so blieben sie unter sich. Hier ent­wi­ckelten sich Kon­flikte, wie wir sie auch in vielen anderen Städten beob­achten. Es bilden sich Män­ner­gruppen, die in bestimmten Kon­stel­la­tionen für sich und andere gefährlich werden können. So geschehen in Frankfurt/​Oder, als eine Gruppe syri­scher Migranten einen Club überfiel [11], in dem sie lange Zeit ohne Dis­kri­mi­nie­rungen ver­kehrten.

Der Ober­bür­ger­meister der Linken, Rene Wilke, erwägt Maß­nahmen zur Abschiebung dieser Gruppe [12]. Nur so könne er die Inte­gra­ti­ons­maß­nahmen für die Mehrheit der Migranten in der Stadt gegenüber der Bevöl­kerung ver­tei­digen, erklärt Wilke. Man muss ihm zugu­te­halten, dass er in der Dis­kussion die für den Überfall und andere Straf­taten Ver­ant­wort­lichen klar benennt und betont, dass sie nicht für »die Flücht­linge« oder eine bestimmte Natio­na­lität stünden.

Trotzdem muss man fragen, warum statt Strafen wie bei deut­schen Staats­bürgern das Mittel der Abschiebung gewählt werden soll. Das sollte wirklich nur in abso­luten Not­fällen wie bei dem Isla­misten Sami A . zur Anwendung kommen, wo sich die Richter mit ihrer Rück­kehr­for­derung bisher zum Glück nicht durch­setzen konnten [13].

Eine Leip­ziger Erklärung konnte Vorbild sein

Es wäre auch für eine Linke wichtig, sich in die Debatte über den Umgang mit diesen toxi­schen Män­ner­gruppen ein­zu­lassen und sie nicht den Rechten zu über­lassen oder nur dann aktiv zu werden, wenn, wie beim links­al­ter­na­tiven Club Conne Island in Leipzig [14], die eigene Ein­richtung betroffen ist.

Die Leip­ziger schrieben vor zwei Jahren in einer viel dis­ku­tierten [15] Erklärung [16]:

Gruppen umher­zie­hender Männer gehören wohl zu den meist­ge­hassten und – unter Umständen -gefürch­teten Men­schen­gruppen vieler Frauen, Lesben, Schwulen und Trans­gender auf der ganzen Welt. Egal ob die Betref­fenden Syrer, Con­ne­witzer, Ghanaer, Eilen­burger, Leutz­scher oder Russen sind, haben sie leider in erschre­ckend vielen Fällen eines gemein: Es kommt zu sexis­ti­schen Kom­men­taren – egal ob abfällig oder ver­meintlich bewun­dernd – und nicht selten auch zu Hand­greif­lich­keiten gegenüber Frauen, die ihren Weg kreuzen. Gesellen sich zu Selbst­über­schätzung und man­gel­haftem Sozi­al­ver­halten dann noch Alkohol und/​oder andere Drogen, laute Musik und die unüber­sicht­liche Situation im Club, wird für Frauen der aus­ge­lassene Tanz­abend schnell zum Spieß­ru­tenlauf.

Aus: Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück, Conne Island

Natürlich gab es neben sicher berech­tigter Kritik an mancher For­mu­lierung der Erklärung und der Frage, warum die Migranten nicht früh­zeitig mit in die Arbeit des Clubs ein­ge­bunden wurden, auch aber­witzige Ras­sis­mus­vor­würfe gegen die Ver­fasser. Doch heute, wo die in dem Papier beschrie­benen toxi­schen Män­ner­gruppen in vielen Städten der Republik auf­treten, könnte das Papier aus Leipzig die Dis­kus­si­ons­grundlage für einen linken Umgang damit sein.

Fakt ist und bleibt, dass sexis­tische Über­griffe, macker­haftes Auf­treten, anti­se­mi­ti­sches, ras­sis­ti­sches und ander­weitig dis­kri­mi­nie­rendes Ver­halten im Conne Island nicht geduldet werden und jede Person, die sich nicht an unsere Regeln hält, des Eis­kellers ver­wiesen wird – unge­achtet seiner/​ihrer Her­kunft.

Aus: Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück, Conne Island

In einer linken Grund­satz­er­klärung könnte man das etwas all­ge­meiner for­mu­lieren: »Sexis­tische Über­griffe, macker­haftes Auf­treten, anti­se­mi­ti­sches, ras­sis­ti­sches und ander­weitig dis­kri­mi­nie­rendes Ver­halten werden bei keiner Person geduldet, unge­achtet seiner/​ihrer Her­kunft.«

Diese Erklärung sollte in ver­schiedene Sprachen über­setzt und ver­teilt werden, in typisch deut­schen Eck­kneipen ebenso wie vor Spät­ver­käufen oder den Treff­punkten migran­ti­scher Männer. Das wäre ein Anfang, um Dis­kus­sionen über toxi­sches Ver­halten von Män­ner­gruppen ver­schie­dener Her­kunft anders als die Rechten zu behandeln, aber auch nicht so zu tun, als gebe es das Problem nicht.

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Peter Nowak

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[2] https://​www​.welt​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​/​a​r​t​i​c​l​e​1​8​1​4​7​9​2​2​0​/​K​o​e​t​h​e​n​-​M​i​n​i​s​t​e​r​-​w​o​l​l​e​n​-​n​e​u​e​-​E​r​k​e​n​n​t​n​i​s​s​e​-​n​a​c​h​-​T​o​d​-​v​o​n​-​2​2​-​J​a​e​h​r​i​g​e​m​-​b​e​k​a​n​n​t​-​g​e​b​e​n​.html
[3] https://​www​.bild​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​k​o​l​u​m​n​e​n​/​k​o​l​u​m​n​e​/​p​o​s​t​-​v​o​n​-​w​a​g​n​e​r​-​l​i​e​b​e​s​-​k​o​e​t​h​e​n​-​s​t​a​d​t​-​d​e​r​-​h​o​f​f​n​u​n​g​-​5​7​1​7​8​1​8​2​.​b​i​l​d​.html
[4] http://​www​.rechte​-gewalt​-sachsen​-anhalt​.de/​p​a​t​_​i​n​/​m​a​g​d​e​b​u​r​g​-​d​a​v​i​d​-​b​e​g​r​i​c​h​-​a​r​b​e​i​t​s​s​t​e​l​l​e​-​r​e​c​h​t​s​e​x​t​r​e​m​i​s​m​u​s​-​b​e​i​-​m​i​t​e​i​n​a​n​d​e​r​-e-v/
[5] https://www.ardmediathek.de/radio/Fazit-Kultur-vom-Tage/Ereignisse-in-K%C3%B6then-2-Fragen-an-David/Deutschlandfunk-Kultur/Audio-Podcast?bcastId=42945138&documentId=55887224
[6] http://​www​.presse​.sachsen​-anhalt​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​c​m​d​=​g​e​t​&​i​d​=​8​9​7​2​7​6​&​i​d​e​n​t​i​f​i​e​r​=​d​1​5​9​a​a​a​5​2​0​a​2​7​e​5​c​8​e​0​1​9​4​e​0​f​2​0​cee26
[7] https://​www​.shz​.de/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​-​w​e​l​t​/​p​a​n​o​r​a​m​a​/​w​e​n​d​e​-​i​m​-​f​a​l​l​-​b​r​u​n​n​e​r​-​s​t​a​r​b​-​e​r​-​a​m​-​h​e​r​z​i​n​f​a​r​k​t​-​i​d​2​3​6​0​5​7​6​.html
[8] https://​www​.tz​.de/​m​u​e​n​c​h​e​n​/​s​t​a​d​t​/​t​h​a​l​k​i​r​c​h​e​n​-​o​b​e​r​s​e​n​d​l​i​n​g​-​f​o​r​s​t​e​n​r​i​e​d​-​f​u​e​r​s​t​e​n​r​i​e​d​-​s​o​l​l​n​-​o​r​t​4​3​3​5​1​/​m​u​e​n​c​h​e​n​-​v​o​r​z​e​i​t​i​g​e​-​e​n​t​l​a​s​s​u​n​g​-​v​o​n​-​m​a​r​k​u​s​-​s​-​a​b​g​e​l​e​h​n​t​-​k​e​i​n​e​-​g​n​a​d​e​-​f​u​e​r​-​m​o​e​r​d​e​r​-​v​o​n​-​d​o​m​i​n​i​k​-​b​r​u​n​n​e​r​-​1​0​0​5​8​3​8​6​.html
[9] https://​www​.heise​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s​/​M​u​e​n​c​h​n​e​r​-​U​r​t​e​i​l​e​-​g​e​g​e​n​-​Z​i​v​i​l​c​o​u​r​a​g​e​3​3​8​2​6​8​8​.html
[10] https://​www​.dominik​-brunner​-stiftung​.de/
[11] https://​www​.rbb24​.de/​s​t​u​d​i​o​f​r​a​n​k​f​u​r​t​/​p​o​l​i​t​i​k​/​2​0​1​8​/​0​9​/​a​n​g​r​i​f​f​-​f​r​a​n​k​f​u​r​t​-​o​d​e​r​-​h​i​l​f​e​-​a​u​s​w​e​i​s​e​n​-​f​l​u​e​c​h​t​l​i​n​g​e​-​s​t​e​l​l​u​n​g​n​a​h​m​e​-​w​o​i​d​k​e​.html
[12] https://​www​.moz​.de/​l​a​n​d​k​r​e​i​s​e​/​o​d​e​r​-​s​p​r​e​e​/​f​r​a​n​k​f​u​r​t​-​o​d​e​r​/​a​r​t​i​k​e​l​9​/​d​g​/​0​/​1​/​1​6​7​8853/
[13] https://​www​.heise​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s​/​D​e​r​-​F​a​l​l​-​S​a​m​i​-​A​-​u​n​d​-​d​e​r​-​S​t​r​e​i​t​-​z​w​i​s​c​h​e​n​-​J​u​s​t​i​z​-​u​n​d​-​P​o​l​i​t​i​k​-​4​1​4​1​0​5​5​.html
[14] http://​www​.lvz​.de/​L​e​i​p​z​i​g​/​L​o​k​a​l​e​s​/​C​o​n​n​e​-​I​s​l​a​n​d​-​i​s​t​-​i​n​-​d​e​r​-​R​e​a​l​i​t​a​e​t​-​a​n​g​e​k​ommen
[15] https://​www​.heise​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s​/​M​i​g​r​a​n​t​e​n​-​i​m​-​a​u​t​o​n​o​m​e​n​-​W​o​h​n​z​i​m​m​e​r​-​3​3​5​1​5​8​2​.html
[16] https://​www​.conne​-island​.de/​n​e​w​s​/​1​9​1​.html