Linkspartei nominierte Klarsfeld einstimmig zur Präsidentschaftskandidatin


Die beiden anderen Kan­di­daten, die ins Spiel gebracht wurden, hatten ver­zichtet

Die Links­partei hat am Montag Beate Klarsfeld zur Prä­si­dent­schafts­kan­di­datin nomi­niert. Damit ist ihr eigentlich ein poli­ti­scher Coup gelungen. Denn Klarsfeld ist dadurch bekannt geworden, dass sie 1968 den dama­ligen CDU-Bun­des­kanzler Georg Kie­singer wegen dessen NS-Ver­gan­genheit öffentlich geohr­feigt hat.

Während linke und liberale Kreise Klarsfeld für ihr Enga­gement lobten, wurde sie in kon­ser­va­tiven Kreisen zur Buhfrau. Zumal sie auch in den fol­genden Jahr­zehnten mit ihrer Arbeit dafür sorgte, dass berüch­tigte NS-Täter, die unbe­helligt in Deutschland lebten, gerichtlich belangt werden konnten. In Deutschland wurde dieses Enga­gement zur pri­vaten Ange­le­genheit von Klarsfeld erklärt, wo sie auch mit dem Begriff Nazi­jä­gerin belegt wurde. Bei diesen For­mu­lie­rungen schwingen auch offen Res­sen­ti­ments gegen eine Frau mit, für die die Auf­ar­beitung der NS-Ver­gan­genheit keine Ange­le­genheit von Sonn­tags­reden ist. In Frank­reich hin­gegen genießt Klarsfeld quer durch alle poli­ti­schen Lager Ansehen und wurde mit zahl­reichen Ehrungen bedacht.

Bis in die jüngste Ver­gan­genheit enga­gierte sich Klarsfeld gegen den Ras­sismus in Deutschland und bei­spiels­weise für die Ehrung von jüdi­schen Kindern, die mit der deut­schen Bahn in die Ver­nich­tungs­lager trans­por­tiert wurden.

Streit um die Isra­el­so­li­da­rität

Mit ihrer Nomi­nierung hat die Links­partei gerade noch einmal eine Zer­reiß­probe ver­mieden. Denn am ver­gan­genen Freitag war es gar nicht mehr so sicher, ob Klarsfeld, die von der Par­tei­vor­sit­zenden Gesine Lötzsch ins Gespräch gebracht worden war und sich zur Kan­di­datur bereit erklärt hatte, in der Partei akzep­tiert wird. Dass anti­zio­nis­tische Flagg­schiff junge Welt bezeichnete die Kan­di­datin als eine Fehl­be­setzung, weil sich Klarsfeld für das Exis­tenz­recht Israel aus­ge­sprochen und auch den Aufruf Stop the Bomb unter­zeichnet hat, in dem die euro­päi­schen Staaten zur Kappung der Wirt­schafts­be­zie­hungen mit dem ira­ni­schen Mullah-Régime auf­ge­fordert werden. Damit könne, so hoffen die Orga­ni­sa­toren aus allen poli­ti­schen Lagern, eine atomare Bewaffnung des Irans ohne krie­ge­ri­sches Ein­greifen ver­hindert werden.

Schnell wurde kol­por­tiert, dass der immer noch ein­fluss­reiche Oskar Lafon­taine mit dem links­so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Kölner Poli­to­logen Christoph But­ter­wegge, der sich als Kri­tiker der neo­li­be­ralen Wirt­schafts­po­litik und vor allem der Hartz-IV-Gesetze einen Namen gemacht hatte, einen wei­teren Kan­di­daten für die sym­bo­lische Prä­si­dent­schafts­kan­di­datur ins Gespräch brachte. Als der am Sonntag aber erklärte, er stehe für inner­linke Macht­spiele nicht bereit, und seine Bereit­schaft zur Kan­di­datur zurückzog, war der Weg für Klarsfeld frei. Denn die Bun­des­tags­ab­ge­ordnete der Linken Luc Joa­chimsen, die bei der letzten Prä­si­den­tenwahl für ihre Partei kan­di­diert hatte, machte schon vor Tagen deutlich, dass sie eigentlich eher für einen Boykott der Wahlen ein­ge­treten ist.

Zwi­schen­zeitlich hatten Teile der Links­partei mit der Kan­di­datur des von der Pira­ten­partei ins Gespräch gebrachten Kaba­ret­tisten Georg Schramm gelieb­äugelt, der aller­dings bald auf eine Kan­di­datur ver­zichtete. Auch gegen ihn waren Vor­würfe laut geworden, dass seine Reden nicht von anti­se­mi­ti­schen Kon­no­ta­tionen frei gewesen seien.

Mit Beate Klarsfeld hat die Linke nun eine Kan­di­datin, der diese Vor­würfe niemand machen kann. Es muss sich zeigen, ob sie von allen Wahl­männern und -frauen der Links­partei und viel­leicht, wie sie hofft, auch noch von einigen Dele­gierten aus anderen poli­ti­schen Spektren gewählt wird.
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Peter Nowak

Mit dem Flugzeug gegen Israel

Pro-paläs­ti­nen­si­schen Akti­visten wurden auf­grund von schwarzen Listen schon am Abflug gehindert, andere erreichten den Flug­platz Ben Gurion und wurden dort fest­ge­nommen

Zu Wasser und in der Luft ver­suchen die Kri­tiker der israe­li­schen Politik ihren Protest vor­zu­bringen. Nachdem sich die lang ange­kün­digte Gaza­flotte zum poli­ti­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Desaster ent­wi­ckelt hat und viele poten­tielle Teil­nehmer ent­nervt des tage­langen Wartens in Athen, die Heim­reise antreten, ver­sucht die Initiative Will­kommen in Palästina jetzt via Flugzeug ihr Anliegen zu ver­treten.

»Hun­derte inter­na­tionale Frei­willige werden auf ihrem Weg, die Paläs­ti­nenser in Gaza zu besuchen, daran gehindert, die Häfen von Grie­chenland zu ver­lassen. Dennoch hoffen wir, dass am 8. Juli 2011 Hun­derte anderer von uns aus vielen Länder erfolg­reich Palästina erreichen werden, wenn sie über den Flug­hafen Ben Gurion, Tel Aviv, ein­reisen«, heißt es in einer Pres­se­mit­teilung der Initiative von Anfang Juli.

Doch das dürften die Ver­an­stalter selber nicht geglaubt haben. Schließlich sind Flug­häfen generell Zentren der Kon­trolle und Über­wa­chung. Diese Erfahrung müssen immer wieder Akti­visten machen, die gegen die Abschiebung von Flücht­lingen auf Flug­häfen in Deutschland pro­tes­tieren und dabei große Schwie­rig­keiten haben. Zudem ist bekannt, dass Israel ein großes Sicher­heits­problem hat und besonders gründ­liche Kon­trollen und Über­prü­fungen gerade von Flug­gästen vor­nimmt, die in die paläs­ti­nen­si­schen Gebiete ein­reisen wollen. Wenn sich die Akti­visten, die von Teilen der israe­li­schen Frie­dens­be­wegung und jüdi­schen Linken unter­stützt werden, gerade den Flug­hafen als Ziel ihres Pro­testes aus­suchen, müssen sie mit Repres­salien rechnen. Das Kalkül ist, die israe­li­schen Maß­nahmen vor den Augen der Welt­öf­fent­lichkeit als Unrecht erscheinen zu lassen.

Akti­visten, die nicht auf der Liste mit 349 Namen standen, konnten aber auf dem Flug­hafen landen, wurden aber gleich von der Polizei abge­führt (Video). Bislang wurden 30 Akti­visten am Flug­hafen fest­ge­nommen. Pas­sa­giere, die schon in Europa nicht mit­fliegen durften, orga­ni­sierten am Pariser Flug­hafen Orly eine Pro­test­ak­tionen.

Flug­daten wei­ter­ge­geben

Da die Akti­visten ihre Absichten vorher öffentlich bekannt gegeben haben, hatten die israe­li­schen Behörden auch Zeit für Gegen­maß­nahmen. So wurden Namen der Akti­visten an die Flug­ge­sell­schaften wei­ter­ge­geben, bei denen die Soli­da­ri­täts­rei­senden ihre Flüge gebucht hatten. Diese ver­wei­gerten dar­aufhin den Transport.

Was aber von den Akti­visten als Maß­nahmen der pro­is­rae­li­schen Lobby denun­ziert wurde, zeigt sich eher als eine Maß­nahme, wie sie auch im Vorfeld von Pro­testen bei poli­ti­schen Gro­ße­vents wie G8- oder Nato­treffen prak­ti­ziert und mit Recht kri­ti­siert wurde. Nur fällt im Fall der Paläs­ti­naflüge die explizit anti­is­rae­lische Note ihrer Stel­lung­nahmen auf, während bei Zurück­wei­sungen bei Gip­fel­pro­testen gegen die staat­liche Maß­nahmen nicht spe­ziell gegen ein bestimmtes Land pro­tes­tiert wurde.
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Peter Nowak

Droht neuer Krieg zwischen Israel und Gaza?

Der Bom­ben­an­schlag in Jeru­salem ver­schärft die Situation erheblich
Eine Frau wurde getötet und min­destens 30 Per­sonen sind ver­letzt worden, als heute gegen 15 Uhr eine Bombe in einem Bus im Zentrum Jeru­salems explo­dierte. Nach Regie­rungs­an­gaben hatten die Atten­täter die Bombe in einer Tasche auf dem Bus­bahnhof ver­steckt. Die Explosion traf einen Bus der Linie 174, der nach Maale Adumim, einer jüdi­schen Siedlung im West­jor­danland fahren sollte. Die Polizei sperrte den Anschlagsort ab und suchte mit Spür­hunden nach mög­lichen wei­teren Spreng­sätzen in der Umgebung. Die Wucht der Explosion erschüt­terte Gebäude auch noch in meh­reren hundert Metern Ent­fernung. Die Fens­ter­scheiben von Bussen und Autos zer­borsten. Augen­zeugen berich­teten von blu­tenden Men­schen, die auf dem Boden lagen und auf Tragen weg­ge­bracht wurden.

Der erste Bom­ben­an­schlag in Jeru­salem seit 2004 droht die schon ange­spannte Situation zwi­schen Gaza und Israel zu ver­schärfen. Schon vor dem Anschlag waren in der israe­li­schen Regierung For­de­rungen nach einem neuen Mili­tär­schlag gegen das Hamas-Régime im Gaza­streifen laut geworden, weil von dort in der letzten Zeit wieder ver­mehrt Raketen auf israe­li­sches Gebiet geschossen wurden. Schon die brutale Ermordung von fünf Mit­gliedern der jüdi­schen Familie Fogel, die Mitte März in ihrem Haus ermordet wurden, hatte vielen in Israel deutlich gemacht, dass die Ver­än­de­rungen in den Nach­bar­staaten nicht unbe­dingt zu einer Ent­spannung zwi­schen Israel und den Paläs­ti­nensern führen. Die Anschläge stärken maß­geb­liche israe­lische Regie­rungs­mit­glieder, die fürchten, dass nach dem Sturz des Mubarak-Regimes, das einen kalten Frieden mit Israel prak­ti­zierte, in Ägypten Kräfte an Ein­fluss gewinnen, die zur offenen Kon­fron­tation mit Jeru­salem zurück­kehren wollen.

Change auch im Gaza?

Die jüngste Zuspitzung dürfte auch mit den unge­lösten inner­pa­läs­ti­nen­si­schen Aus­ein­an­der­set­zungen zusam­men­hängen. Sowohl die Fatah-Regierung als auch das Hamas-Régime sind mitt­ler­weile in der Bevöl­kerung dis­kre­di­tiert. Innerhalb der Hamas gibt es Streit darüber, wie sie auf das Koope­ra­ti­ons­an­gebot des schei­denden Prä­si­denten Abbas regieren soll. Derweil wächst auch im Gaza der Wider­stand gegen den Tugend­terror und die Gän­gelung der Hamas. Der Kampf gegen Israel ist dann oft der letzte Ausweg der bedrängten Herr­scher.

Die israe­lische Regierung ist nun in einem Dilemma. Einer­seits wächst nach dem erneuten Bom­ben­an­schlag der Druck, mili­tä­risch zu reagieren. Ande­rer­seits könne darin genau das Kalkül der Kräfte bestehen, die mit dem Terror jede Ent­spannung im Kon­flikt zwi­schen Juden und Paläs­ti­nensern ver­hindern und die Oppo­sition gegen Hamas und Fatah zum Schweigen bringen wollen.

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​49516

Peter Nowak

Rechte Reise nach Jerusalem

Im anti-isla­mi­schen Lager wird Israel als stra­te­gi­scher Bünd­nis­partner umworben
Mit pro-israe­li­schen Äuße­rungen grenzt sich die anti-isla­mische Pro-Bewegung gegen die neo­na­zis­tische NPD ab und zieht mit der Parole »gegen impor­tierten Anti­se­mi­tismus« gegen die angeb­liche Isla­mi­sierung Europas zu Felde. 
 »Mit Brinkmann nach Israel« lautet eine Werbung zu einem zehn­tä­gigen Ausflug in den Nahen Osten im nächsten Jahr. Was die »Pil­ger­reise« erwäh­nenswert macht, ist die poli­tische Vita des Initiators. Der 1966 in Schweden geborene Patrik Brinkmann gründete 2004 die Kon­tinent Europa Stiftung mit dem Ziel, Publi­ka­tionen und For­schung zur Neuen Rechten zu unter­stützen. Nachdem er 2007 seinen Lebens­mit­tel­punkt nach Deutschland ver­legte, begnügte er sich nicht mehr mit der För­derung rechter Infra­struktur. Nach Angaben von Simone Rafael vom Inter­net­projekt »Netz gegen Nazis« hatte Brinkmann 2008 Kon­takte zur NPD, bevor er 2009 zur DVU wech­selte. 2010 kon­sta­tierte er, die DVU habe sich nicht als lebens­fähige Partei erwiesen und dockte bei der Pro-Deutschland-Bewegung an.

Doch seine voll­mundige Ankün­digung, einen Erfolg der Pro-Bewegung bei der Wahl zum Abge­ord­ne­tenhaus in Berlin im nächsten Jahr mit vollem Einsatz und finan­zi­ellen Zuwen­dungen zu unter­stützen, hat Brinkmann mitt­ler­weile wieder rela­ti­viert: »Will man wie die NPD wei­ter­machen oder wie Geert Wilders PVV oder der Vlaams Belang. Im zweiten Fall bin ich gern bereit, Ver­ant­wortung zu über­nehmen«, schreibt Brinkmann auf seinem Inter­netblog.

Gegen »impor­tierten Anti­se­mi­tismus«
»Wir brauchen eine Rechte ohne Anti­se­mi­tismus in Deutschland, eine Rechte, die nicht Israel zum Feind erklärt, sondern den Islam«, lautet Brink­manns Credo. Damit ging er auf Distanz zur NPD, der er »alt­ba­ckenen Anti­se­mi­tismus« vorwarf. Auch die Pro-Bewegung posi­tio­niert sich im inner­rechten Macht­kampf mit der NPD seit einigen Monaten mit Pro-Israel-Posi­tionen und Bekennt­nissen gegen Anti­se­mi­tismus unter Mus­limen. So kre­ierte die Rats­fraktion von Pro Köln, der Mut­ter­or­ga­ni­sation der Pro-Deutschland-Bewegung, die Parole: »Gegen ori­en­ta­lische Groß­mo­scheen, Hass­pre­diger, Mina­rette, Muez­zinrufe, impor­tierten Anti­se­mi­tismus und Par­al­lel­ge­sell­schaften kämpfen!«

Der lang­jährige Beob­achter der extrem rechten Szene Alex­ander Häusler datiert die pro-israe­lische Wende bei Pro Köln auf wenige Monate. »Im Januar 2009 tauchte plötzlich eine israe­lische Fahne auf einer Kund­gebung von Pro Köln gegen den Moscheebau in Köln-Ehrenfeld auf. Die anwe­senden Anhänger des anti­mus­li­misch aus­ge­rich­teten Blogs Poli­ti­cally Incorrect (pi) posi­tio­nierten an der Absperrung vor der Moschee­bau­stelle ein Trans­parent mit der Auf­schrift »Soli­da­rität für Israel«. NPD-Akti­visten und Freie Natio­na­listen pole­mi­sierten auf Nazi-Web­seiten gegen eine »rechte Israel-Con­nection« und sparten nicht mit anti­se­mi­ti­schen Aus­fällen. So fan­ta­siert der argen­ti­nische NPD-Sym­pa­thisant Carlos Dufour von einer zio­nis­ti­schen Geheim­po­litik zur Unter­wan­derung der rechten Szene Europas.

Keine kurz­lebige Mode­strömung
Auch andere extrem rechte Grup­pie­rungen in West­europa haben im Kampf gegen die von ihnen beschworene Isla­mi­sierung Europas Israel und den »impor­tierten Anti­se­mi­tismus« als Mobi­li­sie­rungs­thema ent­deckt. So ver­suchte der bel­gische Vlaams Belang mit seiner Posi­tio­nierung gegen Anti­se­mi­tismus mus­li­mi­scher Gemeinden Sym­pathie bei der jüdi­schen Bevöl­kerung zu gewinnen. Ulli Jentsch vom anti­fa­schis­ti­schen Pres­se­archiv und Bil­dungs­zentrum Berlin e.V. (apabiz) sieht in der pro-israe­li­schen Strömung in der Rechten mehr als eine kurz­fristige Mode­strömung. »Wer sich pro-israe­lisch posi­tio­niert, hält sich die tra­di­tio­na­lis­ti­schen, anti­se­mi­ti­schen und eben auch oft NS-nost­al­gi­schen Rechten vom Hals. Nur so sind Rechts­po­pu­listen wählbar, ob in den Nie­der­landen oder in Deutschland«, so Jentsch gegenüber ND. Dass eine pro­is­rae­lische Posi­tio­nierung in der Rechten Anti­se­mi­tismus nicht aus­schließt, zeigte die Kam­pagne gegen die Ver­leihung des Bun­des­ver­dienst­kreuzes an die israel­kri­tische Jüdin Felicia Langer, die auf der Web­seite von Poli­ti­cally Incorrect als »deutsche Bun­des­ver­dienst­jüdin« klas­si­fi­ziert wird.

Die Per­spektive der pro-israe­li­schen Rechten dürfte auch von der Resonanz im umwor­benen Land abhängen. So ist der Israeli Joel Bell von der Evan­ge­lical Zionist Inc., von dem ein Grußwort auf dem Pro-Deutschland-Bun­des­par­teitag Mitte Juli in Berlin-Schö­neberg ver­lesen wurde, nach Angaben von Jentsch in Israel poli­tisch völlig unbe­deutend. Pro­mi­nentere Unter­stützung hat die sich schärfer nach Rechts­außen abgren­zende Bür­ger­be­wegung Pax Europa (BPE), in der der aus der Ber­liner CDU aus­ge­tretene René Stadt­kewitz aktiv ist. Im Oktober 2009 nahm nach Angaben von Jentsch der Betreiber der vom David Horowitz Freedom Center in den USA unter­stützten anti-isla­mi­schen Homepage jihad​watch​.org, Robert Spencer, in Berlin an einer Kund­gebung und einer Mit­glie­der­ver­sammlung der BPE teil.

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​7​7​3​4​5​.​r​e​c​h​t​e​-​r​e​i​s​e​-​n​a​c​h​-​j​e​r​u​s​a​l​e​m​.html

Peter Nowak

Wir weisen zurück!

Für einen nicht­in­stru­men­tellen Umgang mit Jüdinnen und Juden !!!

Dass die Auf­führung von Warum Israel in Hamburg ver­hindert wurde, ist für mich ein Aus­druck von Zensur. Die Deut­schen, ob links­ra­dikal oder nicht, haben sich wie Herren auf­ge­spielt. Diese Rolle dürfen sie nie wieder spielen.“
Der fran­zö­sische Film­re­gisseur Claude Lanzmann in einem Interview zur Ver­hin­derung der Prä­sen­tation seines Films „Warum Israel“ durch israel­kri­tische Ham­burger Linke . Weitere Texte zu diesem Thema siehe die Ausgabe 12–09
Wer oder was ist eigentlich links in Hamburg?
Streif­lichter über/​aus einen/​m abgrün­digen Kon­flikt
 

Ich wusste aber immer, dass die inter­na­tionale Linke soli­da­risch hinter uns steht. Ich wusste immer, dass ich von linken inter­na­tio­nalen Bewe­gungen nicht nur Zustimmung und mora­lische Unter­stützung erwarten kann, sondern ganz reale Unter­stützung …Wenn ihr Euch die Mühe gegeben habt, bis hierhin zu lesen, wird Euch der Schock, den ich bei meinem letzten Deutschland-Besuch erlebte, nicht über­ra­schen. Da wurde mir nämlich klar, dass es in der deut­schen Linken eine laut­starke Gruppe gibt, die die Soli­da­rität mit meinem Kampf als anti­se­mi­tisch bezeichnet und mich selber als einen mit Selbsthass infi­zierten Juden.“

Aus einem Brief des israe­lische Frie­dens­ak­ti­visten Yossi Wolfson an die deutsche Linke

Die poli­ti­schen Ansichten von Yossi Wolfson und Claude Lanzmann dürften, gerade was die Haltung zu Israel und dem Nah­ost­kon­flikt betrifft, sehr weit aus­ein­an­der­liegen. Doch beide eint eins: Sie sind Juden, die von links sich ver­ste­henden nicht­jü­di­schen Deut­schen auf unter­schied­liche Weise ange­feindet, beschimpft, behindert wurden.
Die von uns ein­deutig ver­ur­teilte Ver­hin­derung des Films „Warum Israel“ Ende Oktober in Hamburg ist der wohl bekann­teste, aber nicht der einzige Fall, wo Linke in Deutschland gegen jüdische Men­schen und ihre Arbeit vor­ge­gangen sind. Es ist mitt­ler­weile zur Regel geworden, dass Juden, die sich positiv zu Israel ver­halten, von israel­kri­ti­schen Linken in Deutschland zumindest mit Miss­trauen begegnet wird. So sollte, um nur ein aktu­elles Bei­spiel zu erwähnen, der Wiener Publizist Karl Pfeiffer erstmal eine Erklärung über seine Rolle im israe­li­schen Unab­hän­gig­keits­kampf abgeben, um in einem auto­nomen Zentrum in Bie­lefeld als Redner auf­treten zu dürfen.
Auch von isra­el­so­li­da­ri­schen Kreisen wie­derum wird in unter­schied­lichem Maße Druck auf Jüdinnen und Juden aus­geübt, die sich kri­tisch zur israe­li­schen Politik äußern. Erinnert sei nur an die Kam­pagne gegen Felicia Langer im Sommer 2009, nachdem sie das Bun­des­ver­dienst­kreuz bekommen hat. Daran haben sich neben rechten Gruppen auch isra­el­so­li­da­rische Linke beteiligt.

Es ist eine Schande, dass aus­ge­rechnet in Deutschland jüdische Men­schen daran gehindert werden, ihre poli­ti­schen Ansichten zum Nah­ost­kon­flikt zu ver­treten und dass Filme von jüdi­schen Künstlern ver­hindert werden. Dabei ist es egal, wie die jüdi­schen Men­schen zu Israel stehen und wie sie den Nah­ost­kon­flikt beur­teilen.
 Henryk M. Broder hat genauso das Recht, seine Lesart des Nah­ost­kon­fliktes zu ver­breiten, ohne einer Kam­pagne aus­ge­setzt zu sein, wie Michel Friedman und Felicia Langer. Es ist völlig normal, dass unter Juden – wie zu vielen anderen Themen – auch zur israe­li­schen Politik unter­schied­liche Ansichten bestehen. Damit stehen sie in einer guten Tra­dition. Es hat unter Juden immer pro, – nicht-, und anti­zio­nis­tische Posi­tionen gegeben.
Ein auch pole­misch aus­ge­tra­gener Streit darum, ist das Nor­malste auf der Welt. Anti­se­mi­tische Töne bekommt die Aus­ein­an­der­setzung dann, wenn den Per­sonen ihr Judentum vor­ge­halten oder abge­sprochen wird. Dazu gehört die Vor­stellung, ein Jude müsse die israe­lische Politik ver­tei­digen, ebenso wie das umge­kehrte Ansinnen, er müsse sie kri­ti­sieren oder sich über­haupt dazu äußern.

In Teilen der pro­pa­läs­ti­nen­si­schen deut­schen Linken war und ist es üblich, sich Kritik an der israe­li­schen Politik durch jüdische Stimmen beglau­bigen zu lassen. Das ist genauso abzu­lehnen, wie der Versuch von Israel-Ver­tei­digern zurück­ge­wiesen werden muss, verbal gegen Juden vor­zu­gehen, die eine kri­tische Sicht auf Israel haben.
Vor 20 Jahren, als in kleinen Gruppen der Linken die Aus­ein­an­der­setzung mit dem linken Anti­se­mi­tismus begann, hätte sich wohl niemand träumen lassen, dass einige der dort aus­ge­tauschten Argu­mente einmal von deut­schen Linken dazu benutzt werden könnten, um Juden klar­zu­machen, wie sie sich zu Israel zu posi­tio­nieren haben.
Die Nach­kommen der deut­schen Volks­ge­mein­schaft, vor nunmehr 65 Jahren erst durch die Alli­ierten am wei­teren Juden­morden gehindert, sollten die letzten sein, die in dieser Debatte Zen­suren ver­teilen. Auch jede Instru­men­ta­li­sierung der unter­schied­lichen jüdi­schen Ansichten zu Israel für den inner­linken Mei­nungs­kampf in Deutschland ist abzu­lehnen.

Die nicht­jü­di­schen Deut­schen – israel­kri­tisch, soli­da­risch oder was immer – sollten in dieser Debatte einfach nur mal das Maul halten.
Antonin Dick, als Sohn deutsch-jüdi­scher Emi­granten in England geboren
Peter Nowak, Jour­nalist, Berlin
Bernhard Schmid, Jour­nalist, Paris

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