Luxusneubauten verhindern

GENTRIFIZIERUNG Stadtteilinitiativen protestieren gegen Pläne des Bauunternehmens CG-Group

Vom jungen Bau­un­ter­nehmer zum kapi­tal­markt­fä­higen Pro­jekt­ent­wickler, und er hat große Pläne für Berlin.“ So beschrieb der Tages­spiegel Anfang April die Kar­riere des Bau­un­ter­nehmers Christoph Gröner, dessen CG-Group seine Initialen trägt. Jetzt haben Gen­tri­fi­zie­rungs­geg­ne­rInnen das Unter­nehmen ent­deckt. Unter dem Motto „CGLu­xus­neu­bauten ver­hindern“ laden Stadt­teil­in­itia­tiven aus Fried­richshain am 6. November um 17 Uhr in den Jugendclub L9 in der Lie­big­straße 19 ein. Schon seit Monaten pro­tes­tieren im Fried­richs­hainer Nordkiez Anwoh­ne­rInnen gegen das Wohn­quartier „Carree Sama Riga“, das die CG-Group auf dem Gelände der Rigaer Straße 71–73 errichten will (taz berichtete). Doch auf der Ver­an­staltung soll es nicht um Kiez­po­litik gehen. Ein­ge­laden sind stadt- und mie­ten­po­li­tische Gruppen aus ganz Berlin. „Wir schlagen vor, den Wider­stand gegen die Pro­jekte der CG-Group auch auf andere Stadt­teile aus­zu­weiten und so einen Akteur der Ver­drängung ein­kom­mens­schwacher Mie­te­rInnen in den Fokus zu rücken“, heißt es in der Ein­ladung mit Verweis auf einige lukrative
Bau­pro­jekte des Unter­nehmens

Ver­tical-Village-Konzept

So soll auf dem Areal der ehe­ma­ligen Postbank am Hal­le­schen Ufer 60–80 das „XBerg Quartier“ ent­stehen. Den ehe­ma­ligen
Ste­glitzer Kreisel in der Schloss­straße 70–80 will die CGGroup in „einen licht­durch­flu­teten City Tower mit hoch­wer­tigen Eigen­tums­woh­nungen“ umwandeln. Sozial- oder Fami­li­en­woh­nungen böten sich an dem Standort aber eher nicht an, erklärte Berlins Finanz­se­nator Mat­thias Kollatz-Ahnen, nachdem die CG-Group im Juni 2016 das Gelände gekauft hat. Die in dem Unter­nehmen für die Pro­jekt­ent­wicklung zuständige Heike Lentfer erklärte in einer Fir­men­bro­schüre: „Unser Ver­tical-Village-Konzept richtet sich an leis­tungs­ori­en­tierte Men­schen. Also an Frei­be­rufler, Manager oder Fach­kräfte, die nur für einen begrenzten Zeitraum in einer Stadt arbeiten.“

TAGES­ZEITUNG, MONTAG, 31. OKTOBER 2016

Peter Nowak

Friedrichshainer Nordkiez

»Wer hier kauft, kauft Ärger«, lautete das Motto einer Pro­test­kund­gebung, an der sich am Don­ners­tag­abend rund 200 Men­schen vor der Rigaer Straße 71–73 betei­ligten. Dort will die CG-Gruppe das »Carré Sama-Riga« errichten. Deren Geschäfts­führer Christoph Gröner bezeichnet den geplanten Neubau bei etwa 120 Woh­nungen und vier Gewer­be­ein­heiten als soziales Projekt. Anwohner befürchten dagegen, dass der Fried­richs­hainer Nordkiez mit dem Neubau für Bes­ser­ver­die­nende attraktiv gemacht wird und Men­schen mit wenig Ein­kommen ver­drängt werden. »Wir haben in den letzten Wochen deutlich gemacht, dass es keine Akzeptanz in der Nach­bar­schaft gibt«, so ein Mit­glied der Stadt­teil­gruppe »Keine Rendite mit der Miete«. Unter­dessen hat am Don­nerstag der Bewoh­ner­verein des Haus­pro­jekts in der Rigaer Straße 94 vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Klage gegen die rechts­widrige Teil­räumung ein­ge­reicht, wie die »taz« meldete. Das Gericht soll klären, ob der Einsatz der Polizei am 22. Juni recht­mäßig war. Ein Sprecher des Ver­wal­tungs­ge­richts bestä­tigte die Angaben.

Peter Nowak