Obdachloser Gedenkort Fontanepromenade 15 - Investoreninteressen versus Gedenkpolitik

Verwirrspiel statt Gedenken

Geschichte: Erin­ne­rungs­po­li­tische Initia­tiven zu NS-Ver­brechen kämpfen in Berlin gegen den Ein­fluss von Investor*innen in der Stadt­po­litik – ein Gespräch mit Susanne Willems

Wenn es um stei­gende Immo­bi­li­en­preise geht, wir meistens über hohe Mieten und die Ver­drängung von Men­schen und Pro­jekten mit geringen Ein­kommen dis­ku­tiert. Doch es gibt auch andere Kon­se­quenzen, die sel­tener the­ma­ti­siert werden. So müssen Gedenkorte für NS-Ver­brechen oft gegen Inves­to­ren­in­ter­essen durch­ge­setzt werden. Bun­desweit machten in den 1990er Jahren das Vor­haben Schlag­zeilen,…

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Kein dauerhafter Gedenkort

Die Fon­ta­ne­pro­menade 15 sollte an jüdische Zwangs­ar­beiter erinnern. Ver­hand­lungen sind nun gescheitert

Die Fon­ta­ne­pro­menade 15 in Kreuzberg wird doch kein dau­er­hafter Gedenkort. In dem Gebäude war zwi­schen 1938 und 1945 die „Zen- trale Dienst­stelle für Juden“ des Ber­liner Arbeitsamts unter­ge­bracht. Von dort aus wurden etwa 26.000 Ber­liner Jüdinnen und Juden in Zwangs­arbeit in unter­schied­liche Betrieben genötigt. Die deutsch-israe­lische Jour­na­listin und Holo­caust-Über­le­bende Inge Deutschkron gehört zu den Opfern. In einem offenen Brief an den Ber­liner Kul­tur­senat im Jahr 2016 bezeichnete sie die Fon­ta­ne­pro­menade 15 als Ort, der zum „Aus­gangs­punkt unsäg­lichen Leidens geworden ist“, und for­derte, dass das Gebäude eine Nutzung erfährt, „die seiner his­to­ri­schen Bedeutung gerecht wird“. Diese Hoffnung dürfte sich nicht erfüllen.

Ver­hand­lungen über eine Anmietung von Räumen für einen dau­er­haften Gedenkort waren nicht erfolg­reich, heißt es in einer Pres­se­mit­teilung der Senats­ver­waltung für Kultur von Anfang Mai. Die Flächen seien nicht bar­rie­refrei und es fehle an sani­tären Anlagen. Doch auch wirt­schaft­liche Gründe werden genannt: „Der Eigen­tümer ist nach seiner Bau­in­ves­tition gebunden, die Flächen an einen um- satz­steu­er­pflich­tigen Mieter zu ver­geben, damit scheidet die Topo­graphie des Terrors aus.“

Der Bremer Architekt Marc Brune, der das Gebäude 2015 erwarb, hat sich nun bereit erklärt, die Ein­gangs­halle des Hauses an zwei Tagen im Jahr für die inter­es­sierte Öffent­lichkeit zugänglich zu machen. Das ist nicht einmal genug Zeit, um eine Aus­stellung auf­zu­bauen, kri­ti­siert Anne Allex, die im Verein Gedenkort Fon­ta­ne­pro­menade 15 aktiv ist. Sie hatte seit Juni 2017 ein Gedenk­konzept ent­wi­ckelt und stand mit der Senats­ver­waltung und dem Haus­ei­gen­tümer im Kontakt. Der Ein­richtung als Gedenkort schien nichts mehr im Wege zu stehen. Im Ber­liner Dop­pel­haushalt 2018/19 waren 50.000 Euro für die Ent­wicklung des Gedenk­ortes vor­ge­sehen. „Unser Verein kämpft weiter für die Durch­führung der Bil­dungs­arbeit am authen­ti­schen Ort. Doch von der Senats­ver­waltung fühlen wir uns dabei im Stich gelassen“, betont Allex.

don­nerstag, 24. mai 2018 taz 

Peter Nowak