Campen gegen Kriegstraining

FRIEDEN In Sachsen-Anhalt entsteht Europas größtes Militärübungszentrum. Kriegsgegner protestieren

BERLIN taz | Nichts deutet im kleinen Letz­lingen in der Altmark (Sachsen-Anhalt) darauf hin, dass nur wenige Kilo­meter ent­fernt eine Groß­stadt mit U‑Bahn-Sta­tionen und Hoch­häusern ent­steht. Doch in der Metropole wird kein Mensch wohnen. Die Stadt soll bis 2017 das Zentrum von Europas größtem Gefechts­übungs­platz werden, auf dem sich Bun­des­wehr­sol­daten für Aus­lands­ein­sätze vor­be­reiten. Schon heute wurden dafür afgha­nische und koso­va­rische Orte in der Heide nach­gebaut.

Nicht ohne Wider­stand: Seit zwei Jahren orga­ni­sieren Anti­mi­li­ta­ris­tInnen nahe der Geis­ter­stadt ein ein­wö­chiges Pro­testcamp. Ab Sonntag ist es wieder so weit. Mehr als 300 Besu­che­rInnen erwarte sie, sagt Martina aus dem Vor­be­rei­tungsteam, die ihren Nach­namen nicht in der Zeitung lesen will. »Nicht nur aus Deutschland, auch aus dem euro­päi­schen Ausland.«

Neben Work­shops rufen die Kriegs­gegner auch zu einem »Akti­onstag«: Am 23. August soll der Trup­pen­übungs­platz besetzt werden – »gewaltfrei«, wie die Ver­an­stal­te­rInnen betonen.

Bereits in Vor­jahren gab es im Umfeld des Camps zahl­reiche Aktionen. 2013 gerieten in der 60 Kilo­meter ent­fernten Bun­des­wehr­ka­serne Havelberg 16 Fahr­zeuge in Brand. Es ent­stand ein Mil­lio­nen­schaden. Das Camp beteuerte, nichts damit zu tun zu haben. Intern wurde heftig dis­ku­tiert: Gewalt­freie lehnten die Aktion strikt ab, andere zeigten Ver­ständnis. Könnten doch zer­störte Bun­des­fahr­zeuge keinen Schaden mehr anrichten.

In der Region, in der viele auf Arbeits­plätze durch das Mili­tär­zentrum hoffen, finden die Kriegs­gegner nur wenig Zuspruch. »Die Sol­daten werden aus­ge­bildet für ihren Job«, schreibt eine Kom­men­ta­torin der Altmark-Zeitung. »Und wir alle wollen doch, dass sie heil und gesund wieder nach Hause kommen.« Ein Sprecher des Gefechts­zen­trums sagte, man rechne während des Camps »mit einer ver­stärkten Militanz«. In der Akti­ons­woche werde es keine Übungen geben.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=in&dig=2014%2F08%2F15%2Fa0057&cHash=fa311e2dd3442b8d17fca096086b5fd0

Peter Nowak