Mutter nimmt Fahndung selbst in die Hand

Nach mutmaßlich rassistischem Vorfall Aufruf zu Demo

»Bot­schafter für eine Welt ohne Vor­ur­teile« lautet die Devise des Ber­liner Vereins Global New Generation. Er widmet sich der päd­ago­gi­schen und kul­tu­rellen Arbeit im Geiste des Anti­ras­sismus. Gegründet wurde er von der Musik­pro­du­zentin Sonja Prinz. Sie ist eine der Initia­to­rinnen einer Demons­tration, die unter dem Motto »Gemeinsam gegen Ras­sismus« am kom­menden Samstag um 14 Uhr an der Stra­ßen­bahn­hal­te­stelle in der Huse­mann­straße in Prenz­lauer Berg beginnen soll.

An dieser Stelle soll der 17-jährige afro-deutsche Sohn von Sonja Prinz in den frühen Mor­gen­stunden des 26. November von vier Männern zusam­men­ge­schlagen worden sein. Zuvor sollen sie ihm und seinen beiden Begleitern den Weg ver­sperrt haben. Einer der Männer habe den Hitler-Gruß gezeigt, hieß es (»nd« berichtete). Die Gruppe soll erst von ihrem Opfer abge­lassen haben, nachdem Pas­santen auf­merksam wurden. Der 17-Jährige wurde am nächsten Tag von der Mutter ins Kran­kenhaus gebracht, weil er über starke Schmerzen klagte. Wegen einer schweren Schul­ter­ver­letzung war er in sta­tio­närer Behandlung. Der Betroffene kann sich weder an den Überfall noch an die Stunden danach erinnern. Ob der Gedächt­nis­verlust des Jugend­lichen eine Folge des Schocks oder Symptom der Kopf­ver­letzung ist, wird noch unter­sucht.

Die beiden Begleiter des Opfers konnten jedoch detail­lierte Beschrei­bungen der Schläger liefern. Dar­unter habe sich ein Mann befunden, der ihnen durch seine Kör­per­größe auf­ge­fallen war, was sie auch dem LKA mit­teilten. Das hat laut Sonja Prinz aber kein Phan­tombild erstellt, um nach den Tätern zu fahnden. Auch habe die Polizei nicht nach wei­teren Zeugen des Über­falls gesucht. Im Poli­zei­be­richt vom 29. November heißt es: »Gestern Abend wurden bei einem Poli­zei­ab­schnitt mehrere Straf­taten ange­zeigt, die sich bereits am ver­gan­genen Samstag in Prenz­lauer Berg ereignet haben sollen«. Michael Merkle von der Pres­se­stelle der Ber­liner Polizei bestä­tigte dem »nd« den Eingang der Anzeige, wollte sich aber zu Details der Ermitt­lungen nicht äußern.

Sonja Prinz hat mit einigen Freunden die Fahndung nach den Schlägern nun in die eigenen Hände genommen. Dabei wird sie von der North East Antifa (NEA) unter­stützt. Sie haben die Täter­be­schreibung ins Netz gestellt und wollen auch die Demons­tration nutzen, um weitere Tat­zeugen zu Aus­sagen zu moti­vieren. Prinz will auch danach nicht locker lassen: »Ich möchte, dass die Männer, die meinen 17-jäh­rigen Sohn auf Grund seiner Haut­farbe zusam­men­ge­schlagen und ins Kran­kenhaus getreten haben, bestraft werden.«

Peter Nowak