Leistungsorientiertes Wohnen

CG Immo­bi­li­en­gruppe auf Expan­si­onskurs

Schwarze Ballons ragen in den früh­lings­haften Himmel, bedruckt mit der Auf­for­derung „Immo­bi­li­en­blasen zum Platzen bringen!“. Zwi­schen Hochbahn und Wil­helm­straße wird die Kreuzung am Hal­le­schen Ufer mit Trans­pa­renten blo­ckiert. Für einen Moment steht der Verkehr still. Im Hin­ter­grund ragt das ehe­malige Postbank-Hochhaus in die Höhe, das seit einiger Zeit als lukra­tives Immo­bi­li­en­objekt beworben wird.

„Vom jungen Bau­un­ter­nehmer zum kapi­tal­markt­fä­higen Pro­jekt­ent­wickler”. So beschrieb der Tages­spiegel die Kar­riere des Bau­un­ter­nehmers Christoph Gröner, dessen vor 20 Jahren in Leipzig gegründete CG Gruppe seine Initialen trägt. „Immo­bilien sind für uns eine Welt­an­schauung“, lautet die Unter­neh­mens­ideo­logie. In welche Richtung diese Ent­wicklung geht, ver­deut­licht das fir­men­eigene CG-Magazin deutlich. Die Hoch­glanz­bro­schüre ver­tritt eine Unter­neh­mer­ideo­logie mit eso­te­ri­schem Ein­schlag. Es wird eine vierte Dimension der Immo­bilie beschrieben, die „spürbar wird, indem sie Mehr­werte für Immo­bilien schafft, die heutige Bedürf­nisse erfüllen, aber darüber hinaus schon morgen Nutzen schaffen“. Doch wenn es um die Ziel­gruppe geht, die in den Häusern wohnen soll, wird weniger kryp­tisch for­mu­liert. Wer in Tokio arbeite und einen neuen Job in Berlin antreten soll, habe keine Zeit, sich vorher Woh­nungen anzu­schauen. „Unser Ver­tical-Village-Konzept richtet sich an leis­tungs­ori­en­tierte Men­schen. Also an Frei­be­rufler, Manager oder Fach­kräfte, die nur für einen begrenzten Zeitraum in einer Stadt arbeiten.“

Ber­liner Pro­jekte
So war es nicht ver­wun­derlich, dass Gröner nach seiner Zeit in Leipzig ab 2009 in Berlin gleich mehrere lukrative Bau­pro­jekte ent­wi­ckelte. Am Hal­le­schen Ufer 40–60 soll auf dem Areal der ehe­ma­ligen Postbank das XBerg Quartier als „durch­mischtes Quartier für Arbeit, Wohnen und Freizeit“ ent­stehen. In der Fraun­ho­fer­straße 29 wird die „Residenz am Ernst-Reuter- Platz“ ent­wi­ckelt und im ehe­ma­ligen Ste­glitzer Kreisel in der Schloss­straße soll ein licht­durch­flu­teter „City Tower mit hoch­wer­tigen Eigen­tums­woh­nungen“ errichtet werden. Die Immo­bilie in Ste­glitz wurde für 20 Mil­lionen Euro gekauft, nachdem das Land Berlin für die Asbest­sa­nierung 18 Mil­lionen Euro aus­ge­geben hatte. Mit den ent­ste­henden Apart­ments, die für bis zu 8.000 Euro/​m² ver­kauft oder für 17 bis 25 Euro/​m² ver­mietet werden – einige wenige zur Autobahn gelegene Apart­ments werden für 9 Euro/​m² ange­boten –, kann er enormen Gewinn erzielen.
Deutlich wird die Auf­wer­tungs­stra­tegie auch beim Projekt Sama-Riga in der Rigaer Straße im Stadtteil Fried­richshain. In einem Presse-Interview bezeichnet Christoph Gröner 11 bis 13 Euro/​m² als durchaus ver­träglich. Nach mas­siver Kritik an dem Projekt wurde ein Qua­drat­meter-Preis von 8 Euro ver­an­schlagt. Dieser bezog sich aber nur auf das Gebäude des bis­he­rigen Mieters, der Bil­dungs­ein­richtung für beruf­liche Umschulung und Fort­bildung (BUF). Ob diese Ver­ein­barung nach der dro­henden Insolvenz der BUF noch gilt, ist eine offene Frage.
In den Wer­be­videos des Immo­bi­li­en­un­ter­nehmens sind ein­kom­mens­schwache Men­schen nicht zu sehen. Es ist die Welt der Erfolgs­men­schen, bei denen sich alles um Fle­xi­bi­lität, Inves­ti­tionen und Rendite dreht. Selbst die völlig zahnlose Miet­preis­bremse wird als „ein ebenso über­flüs­siges wie rechtlich bedenk­liches Instrument staat­licher Regu­lierung“ bezeichnet. Auch wenn Gröner und Co. wenig Druck von der Politik befürchten müssen, gibt es öffent­lichen Protest. In Leipzig und Dresden sind Parolen gegen die CG Gruppe auf­ge­taucht. Im Fried­richs­hainer Nordkiez hat sich auf­grund des Pro­jekts Sama-Riga der Wider­stand der Nach­bar­schaft ent­wi­ckelt, der auch nach der Erteilung der Bau­ge­neh­migung durch Bezirk und Senat weiter anhält. Mög­li­cher­weise haben die Mie­ter­pro­teste in der Stadt dazu geführt, dass beim Kreuz­berger Projekt ein Anteil von 25% bezahl­barer Woh­nungen ent­stehen soll – trotzdem gab es in den letzten Wochen öffent­liche Pro­test­ak­tionen gegen ver­schiedene CG-Pläne wie die am XB-Tower.

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aus: Mie­te­rEcho 396 / Juni 2018
Von Mat­thias Coers und Peter Nowak