Willkommenskultur mit Schlag

Hussein Adi M. wurde von den Sicherheitsmännern vor dem LAGeSO geprügelt. Peter Nowak hat ihn getroffen.

Eigentlich wollte der hol­län­dische Kame­ramann Jeffry Rui­gendijk am 1. Oktober am Lan­desamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) in Berlin-Moabit Deutsch­kurse für Geflüchtete mit der Kamera auf­nehmen. Doch was er dann filmte, passte nicht zu der so viel pro­pa­gierten Will­kom­mens­kultur. Zu sehen ist, wie Sicher­heits­männer Geflüchtete, die dort dicht gedrängt auf ihre Termine warten, zunächst anbrüllen. Dann werden zwei Geflüchtete vom Sicher­heits­per­sonal zu Boden geschlagen.

Nachdem die »BZ« das Video vor einigen Tagen auf ihrer Web­seite ver­öf­fent­lichte, war die Auf­regung groß. Hussein Adi M. ist einer der beiden Männer, die von den Sicher­heits­männern geschlagen und ver­letzt worden sind. Er wusste nicht, dass die Szene gefilmt wurde. Niemand hatte mit ihm Kontakt auf­ge­nommen. Sauer ist Muhamed darüber nicht. Doch es ist ihm wichtig, selbst an die Öffent­lichkeit zu gehen.

»Ich stand ganz vorne in der ersten Reihe den Sicher­heits­leuten gegenüber. Erst schrien sie mich an und drückten mir gegen den Bauch. Dann hob einer der Wach­männer die Fast und schlug mich auf die Nase und das Auge«, schildert M. den Tat­hergang. Er hat die Wach­leute wegen Kör­per­ver­letzung ange­zeigt. Aller­dings konnte er sich seine Ver­letzung nicht ärztlich attes­tieren lassen. Denn das Amt hatte ihm nur bis zum 30. Sep­tember zugesagt, seine Arzt­kosten zu über­nehmen. Am 1. Oktober, als der Angriff statt­ge­funden hat, war er prak­tisch ohne Kran­ken­ver­si­cherung. »Ich hätte also für den Arzt­besuch bezahlen müssen, habe aber kein Geld«, so M.

Er geht auch an die Öffent­lichkeit, weil er dem Ein­druck ent­ge­gen­treten will, der Aus­raster der Sicher­heits­männer sei eine absolute Aus­nahme. »Es gehört zu unseren Alltag, dass wir ange­schrien und oft wie Tiere behandelt werden«, fasst er gegenüber »nd« seine Erfah­rungen der letzten fünf Monate in Berlin zusammen. Seit dieser Zeit befindet sich Muhamed in Berlin im Asyl­ver­fahren. »Die Stunden, die ich schon vor irgend­welchen Ämtern gewartet habe, kann ich nicht mehr zählen«, meint M.

Schlimmer noch: Nun muss das ganze Pro­zedere wie­derholt werden. Denn seine Akte mit sämt­lichen Unter­lagen ist im Behör­den­alltag ver­schwunden. Die zustän­digen Sach­be­ar­beiter hätten sie stun­denlang gesucht und nicht mehr gefunden. Bald muss sich M. erneut in die langen War­te­schlangen vorm LAGeSo ein­reihen. Anfang November hat er dort wieder einen Termin. Dann kann es auch sein, dass er den Männern wieder begegnet, die ihn am 1. Oktober geschlagen und ver­letzt haben. Denn obwohl er sofort Anzeige erstattet hat, weiß er nicht, ob die Männer noch im Dienst sind.

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Peter Nowak