Hässliches Spiel

Eine Betriebs­rätin von Toys R US wehrt sich gegen Mobbing durch die Fili­al­leitung

»Toys R Us ist tot. Die größte Spiel­wa­ren­kette der Welt ist von uns gegangen.« Was sich zunächst wie eine Trau­er­be­kundung treuer Kund*innen nach der Insolvenz der US-Spiel­zeug­kette liest, erweist sich schnell als Per­si­flage, wenn es weiter heißt: »Jah­re­langes Leiden unter einem von blinder Pro­fitgier getrie­benen Management hat nun ein Ende.« Die Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sation aktion./.arbeitsunrecht fordert mit diesen Sätzen die neuen Besitzer*innen der Deutschland-Filialen von Toys R Us auf, auch im Umgang mit Betriebsrät*innen und Gewerkschafter*innen voll­kommen neu anzu­fangen. »Dazu gehört ein Ein­zel­han­dels­ta­rif­vertrag, für den die Beleg­schaft mit der Gewerk­schaft ver.di seit Jahren kämpft. Dazu gehört ebenso die sofortige Ein­stellung von juris­ti­schen Nach­stel­lungen und Zer­mür­bungs­maß­nahmen gegen die Wür­se­lener Gewerk­schaf­terin Mona E.«, erklärt Jessica Reisner von der Arbeits­rechts­gruppe.

Die Betriebs­rätin Mona E. hatte am 6. Juli erneut einen Pro­zess­termin am Aachener Arbeits­ge­richt. Sie kämpft gegen eine Abmahnung wegen des Vor­wurfs, Arbeitszeit und Betriebs­rats­tä­tigkeit ver­mischt zu haben. Damit geht eine jah­re­lange Aus­ein­an­der­setzung in die nächste Runde. Bereits im November 2017 hatte der Gesamt­be­triebsrat von Toys R Us auf die Situation auf­merksam gemacht. »Die Mitarbeiter*innen der Toys R US-Filiale in Aachen stehen seit Monaten unter Druck der Markt­leitung. Sie sind inzwi­schen fast täglich dem Mobbing durch den stell­ver­tre­tenden Markt­leiter aus­ge­setzt«, heißt es in der Erklärung. Besonders die Betriebs­rätin Mona E. sei mehrmals mit unter­schied­lichen Begrün­dungen abge­mahnt worden. »Sie haben ein Gespräch eigen­mächtig abge­brochen«, lautete etwa ein Grund für eine Dis­zi­pli­nar­maß­nahme. Dabei hat Mona E. nichts anderes getan, als das, was eine gute Betriebs­rätin tun sollte: bessere Arbeits­be­din­gungen und Löhne ein­fordern. Doch das macht sie offenbar schon zur Ziel­scheibe.

Immerhin wurde der stell­ver­tre­tende Fili­al­leiter von Aachen-Wür­selen ver­setzt – aus Sicht der Unter­stüt­zer­gruppe von Mona E. ein hoff­nungs­volles Zeichen. Er war seit Sommer 2017 in der Filiale in Aachen-Wür­selen ein­ge­setzt gewesen, zum zweiten Mal. Nach Aussage des Gesamt­be­triebsrats sei er bereits in seiner ersten Amtszeit bis 2012 bei den Mitarbeiter*innen gefürchtet gewesen. Mehrere hätten gesund­heit­liche Schäden davon­ge­tragen.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Spiel­zeug­kette durch ihren rüden Umgang mit Gewerkschafter*innen auf­fällt. In Heil­bronn erinnert man sich an einen ähn­lichen Fall. So eine Geschichte habe sie in ihrem Bezirk noch nicht erlebt, erklärte die dortige ver.di-Vorsitzende Marianne Kugler-Wendt zum jah­re­langen Mobbing der Betriebs­rätin Simone H.

Die Beschäf­tigten der Heil­bronner Filiale hatten sich mehr­heitlich der Gewerk­schaft ange­schlossen, weil sie sich für eine tarif­gemäße Bezahlung ein­setzen wollten. Der Ärger begann, als die Schicht­ein­teilung geändert werden sollte. Dazu ist die Ein­wil­ligung des Betriebsrats nötig, die Simone H. ver­wei­gerte. Auch wenn sie vor Gericht ihre Abmah­nungen erfolg­reich zurück­weisen konnte und als Betriebs­rätin wie­der­ge­wählt wurde, verließ sie das Unter­nehmen schließlich. Durch die Aus­ein­an­der­setzung war das Klima auch unter den Kol­legen ver­giftet. Ein Teil der Beleg­schaft sei gegen die Betriebs­rätin auf­ge­hetzt worden, sagt ver.di. So wurden in der Filiale sogar Unter­schriften gegen die Frau gesammelt.

Ob sich in Aachen mit dem Wechsel im Management der Umgang mit Betriebsrät*innen ändert, muss sich noch zeigen. Der berüch­tigte Fili­al­leiter ist schließlich nicht ent­lassen worden, sondern in der Betriebs­hier­archie sogar auf­ge­stiegen. Mona E. wird jeden­falls weiter Unter­stützung brauchen. Ihr Prozess wurde auf den 8. November vertagt.

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Peter Nowak