Strafanzeige gegen Kollegah und Farid Bang

»Wir möchten, dass Felix Blume und Farid Hamed El Abdel­laoui per­sönlich juris­tisch zur Rechen­schaft gezogen werden.«

Die Echo­preis­ver­leihung an die Rapper Kol­legah und Farid Bang hat für viel Auf­regung gesorgt und dazu bei­getragen, dass der Musik­preis nicht mehr ver­liehen wird. Doch die Musiker werden von dem Wirbel pro­fi­tieren, weil der Verkauf ihrer CDs dadurch steigt. Jetzt könnten aller­dings doch noch unan­ge­nehme Kon­se­quenzen auf die beiden Rapper zukommen.

Denn am 2. Mai ist bei der Düs­sel­dorfer Staats­an­walt­schaft eine Anzeige gegen Felix Blume alias Kol­legah und Farid Hamed El Abdel­laoui alias Farid Bang wegen des Ver­dachts auf Volks­ver­hetzung (§130 STGB) ein­ge­gangen.

Die Anzeige wurde von 51 Ein­zel­per­sonen und zwei Initia­tiven unter­zeichnet. Die Düs­sel­dorfer Staats­an­walt­schaft wurde aus­ge­wählt, weil in der Stadt, die von den Rappern betrie­benen Plat­ten­firmen lpha Music Empire[1] und Banger Musik[2] ihren Sitz haben. Die Pri­vat­adressen der Rapper sind den Antrags­stellern nicht bekannt.

In der Begründung der Anzeige wird nicht nur auf den Songtext ein­ge­gangen, in dem KZ-Insassen ver­höhnt werden. Er führte zur öffent­lichen Empörung, was wie­derum zahl­reiche Echo-Preis­träger moti­vierte, ihre Preise zurück­zu­geben.

Neben Anti­se­mi­tismus, Homo­phobie und dumpfer Ras­sismus

Die Kläger kri­ti­sieren, dass sich der Fokus der Kritik nur an dieser Text­zeile fest­macht. In der Begründung für die Anzeige, deren Text Tele­polis bekannt ist, heißt es:

Dis­ku­tiert wird seitdem vor allem der Anti­se­mi­tismus, nicht nur in den Texten, sondern auch in Videos und Inter­views der beiden Rapper. In dieser öffent­lichen Debatte wird völlig ver­nach­lässigt, dass die Texte nicht nur men­schen­ver­achtend im Hin­blick auf die Ver­höhnung von Auschwitz-Insassen sind, sondern auch im Hin­blick auf die darin zum Aus­druck kom­mende Homo­phobie, den dumpfen Ras­sismus, und – das ist unser Thema – den abgrund­tiefen Frau­enhass und die Gewalt­phan­tasien.

Straf­an­zeige gegen Kol­legah und Farid Bang

Den beiden Rappern wird vor­ge­worfen, sie »füttern die Hirne vor allem männ­licher Jugend­licher mit abgrund­tiefem Frau­enhass und Gewalt­phan­tasien«. Damit würde das Frau­enbild der männ­lichen Fan­ge­meinde der Rapper geprägt, was spä­testens in der Pubertät Mädchen und Frauen zu spüren bekommen. Mit ihren Texten ermu­tigen die beiden Rapper nach Ansicht der Unter­zeichner der Anzeige männ­liche Jugend­liche und Her­an­wach­senden zu Gewalt­taten gegen Frauen. Ob das von den Rappern inten­diert ist, sei dabei völlig neben­sächlich.
Die Anzei­ge­steller weisen die These zurück, dass die inkri­mi­nierten Texte Bei­spiele für eine für den Battle-Rap typische Über­spitzung seien.

Farid Bang erkläre ganz frei­mütig, dass er Frauen in »Hure« und »Heilige« ein­teilt, sagen die Kri­tiker und ver­weisen auf ein Interview mit dem Rapper[3].

Den Straf­tat­be­stand der Volks­ver­hetzung sehen die Unter­zeichner der Anzeige erfüllt, weil mit diesen Texten, die von unzäh­ligen Jugend­lichen gehört werden, die eine, die männ­liche Hälfte der jugend­lichen und jun­ger­wach­senen Bevöl­kerung gegen die andere, die weib­liche, auf­ge­hetzt werde.

Ver­schiedene der Anzeige bei­gefügten Texten aus dem Reper­toire der beiden Rapper doku­men­tieren den frau­en­feind­lichen Cha­rakter der Songs.

Ey, ich komm‘ in dein Wohl­stands­viertel mit dem Wagen voll Rauschgift Und ein Monat nachdem die letzte Ladung ver­kauft ist Gleicht die Gegend zunehmend afri­ka­ni­schen Town­ships Oder Lagern in Auschwitz …

Text­auszug, Kol­legah und Farid Bang
Weitere Bei­spiele:

»Ich bau Aggres­sionen ab durch Ver­ge­wal­ti­gungen von Bord­stein­schlampen« oder: »Kid, ich würde lügen, wenn ich sagen würde: Nein, ich habe nie ne min­der­jährige Bitch miss­braucht.«

Oder so: »Ich komm mit ner Horde Hunde plus Zuhältern, die dich ermorden, Tunte.«

In Kol­legahs »Zuhäl­tertape Vol . 4« finden sich fol­gende Sätze[4]: »Nutte, Zeit, dass du Putz­lappen befeuchtest / Ich bring Schuss­waf­fen­ge­räusche wie die Schutz­staffel der Deut­schen« oder »Kid, es ist der Boss, der für ’ne Mode­zeit­schrift Posen ein­nimmt wie die Wehr­macht, die in Polen ein­schritt«.

Bereits das Album »Jung Brutal Gut­aus­sehend 2 (JBG2)« wurde am 9. Januar 2014 von der Bun­des­prüf­stelle für jugend­ge­fähr­dende Medien in Lis­tenteil A der Liste der jugend­ge­fähr­denden Medien eingetragen[5].

Der Musik­kri­tiker Zoran Gojic sprach von »end­losen Varia­tionen von frau­en­feind­lichen Fan­tasien oder offener Men­schen­ver­achtung« (Münchner Merkur, Ausgabe: 89, Jahr: 2018, Datum: 18.04.2018, Seite 3).

Der Ber­liner Staats­schutz hat inzwi­schen die Indi­zierung des kürzlich prä­mierten Albums beantragt[6]. Doch den Anzei­gen­stellern reicht das nicht:

Wir möchten, dass Felix Blume und Farid Hamed El Abdel­laoui per­sönlich juris­tisch zur Rechen­schaft gezogen werden. Für die Ver­höhnung von KZ-Inhaf­tierten, wegen ihrer vor Ras­sismus und Homo­phobie trie­fenden Texte und vor allem wegen des abgrund­tiefen Frau­en­hasses und der Gewalt­phan­tasien, die sie in die Köpfe (männ­licher) Jugend­licher hämmern.

Peter Nowak

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[1] https://​www​.amestore​.de/​c​u​s​t​o​m​/​i​n​d​e​x​/​s​C​u​s​tom/3
[2] http://​www​.ban​ger​store​.de/​i​m​p​r​e​ssum/
[3] https://web.archive.org/web/20130527181654/http://www.rap.de/features/interview/6134
[4] https://​www​.cicero​.de/​k​u​l​t​u​r​/​e​c​h​o​-​p​r​e​i​s​-​k​o​l​l​e​g​a​h​-​f​a​r​i​d​-​b​a​n​g​-​k​u​n​s​t​f​r​e​i​h​e​i​t​-​m​e​n​s​c​h​e​n​w​u​e​r​d​e​-​a​n​t​i​s​e​m​i​t​ismus
[5] http://​www​.bun​despru​ef​stelle​.de/​b​p​j​m​/​d​i​e​-​b​u​n​d​e​s​p​r​u​e​f​s​t​e​l​l​e​,​d​i​d​=​1​7​7​2​9​8​.html
[6] https://​www​.tages​spiegel​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​a​n​t​i​s​e​m​i​t​i​s​m​u​s​-​b​e​r​l​i​n​e​r​-​p​o​l​i​z​e​i​-​w​i​l​l​-​k​o​l​l​e​g​a​h​-​u​n​d​-​f​a​r​i​d​-​b​a​n​g​-​a​u​f​-​d​e​m​-​i​n​d​e​x​-​s​e​h​e​n​/​2​1​1​9​9​4​4​2​.html