Magdeburger Mieterinitiative trägt Kampf nach Berlin

Immo­bi­li­en­firma will linkes Zentrum im Viertel »Stadtfeld« schließen – Betreiber_​innen wollten pro­le­ta­rische Struk­turen im Kiez stärken

Häufig demons­trieren in Berlin Mieter_​innen vor Immo­bi­li­en­firmen gegen Miet­erhö­hungen und Kün­di­gungen. Doch der für den 17. Februar geplante Protest vor dem Büro der »S Immo Germany GmbH« am Lüt­zowufer 25 ist alles andere als all­täglich. Unter dem Motto »Von Mag­deburg nach Berlin« rufen nämlich Mad­ge­burger Gruppen der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken zu der Demons­tration auf und hoffen auf Unter­stützung. Sie wollen gegen die Nicht­ver­län­gerung des Miet­ver­trages mit dem Info­laden in der Mag­de­burger Pusch­kin­allee 20 pro­tes­tieren.

Bis zum 31. März soll der Laden geräumt sein. Doch die Betreiber_​innen wollen bleiben. »Für uns gibt es keine alter­na­tiven Räum­lich­keiten – mit der Räumung wäre zudem auch unsere Arbeit im Stadtteil in Gefahr«, sagt Sven Hilbert von der Info­la­den­gruppe. Er betont, dass der Laden nicht nur der Anlauf­punkt eines Teils der linken Mag­de­burger Szene ist. »Es ging uns immer darum, pro­le­ta­rische Struk­turen im Kiez zu stärken«, betont Hilbert. Daher habe man sich um gute Kon­takte zur Nach­bar­schaft bemüht.

Der Info­laden ist so auch ein soziales Zentrum in dem Mag­de­burger Stadtteil Stadtfeld. Der Sportraum sei von Jugend­lichen im Viertel genutzt worden, auch eine Rechts­be­ratung wurde ein­ge­richtet. Essen gibt es zum Selbst­kos­ten­preis. Im Info­laden finden zudem regel­mäßig poli­tische und kul­tu­relle Ver­an­stal­tungen statt, an denen sich auch Men­schen aus der Nach­bar­schaft betei­ligen. All­jährlich orga­ni­siert der Info­laden zudem ein Stadt­teilfest, dass bis zu 300 Men­schen besuchen.

Das Viertel Stadtfeld war eigentlich nach der Wende als sozialer Brenn­punkt bekannt geworden. Doch es gab auch eine Tra­dition des Wider­standes, an die die Betreiber_​innen des Info­ladens anknüpfen wollen. So wurden in Stadtfeld seit 1990 mehrere Häuser besetzt. Teil­weise wurden sie später lega­li­siert, andere wurden von der Polizei geräumt. Die Räume in der Pusch­kin­straße 20 konnten die Aktivist_​innen aller­dings zu einem güns­tigen Preis mieten.
In den ver­gan­genen Jahren wech­selte das Haus mehrmals den Besitzer. Eine geplante Moder­ni­sierung wurde wegen des Wider­stands der Bewohner_​innen abge­brochen. In dem Haus gibt es neben dem Info­laden auch mehrere Woh­nungen, in denen poli­tisch aktive Men­schen leben. Dass sie soli­da­risch mit den Info­laden sind, ist für Hilbert selbst­ver­ständlich. »Aktuell ist der Laden von der Räumung bedroht, aber bald wären auch die Woh­nungen dran«, so Hilbert.

Das ver­ant­wort­liche Unter­nehmen besitzt Immo­bilien in zahl­reichen Städten, besonders in Ost­deutschland. »S Immo AG setzt Ein­kaufstour fort – Aus­weitung der Ver­kaufs­of­fensive auf Ost­deutschland«, hieß es bereits 2015 in einen Pres­se­meldung des Unter­nehmens. »Das Laden­kol­lektiv hat in den letzten Monaten mehrmals ver­sucht, mit den neuen Eigen­tümern wegen einer Ver­län­gerung des Miet­ver­trags Gespräche zu führen«, betonte Hilbert. Man sei bereit, eine moderate Miet­erhöhung zu akzep­tieren.

Das wurde der Firma nicht nur per Brief mit­ge­teilt. Ende Dezember stattete die Info­la­den­gruppe der »S-Immo« in deren Ber­liner Büro einen Besuch ab und for­derte dort noch einmal Ver­hand­lungen über die Ver­län­gerung des Miet­ver­trags ein. Doch den uner­war­teten Besucher_​innen wurde mit­ge­teilt, dass sie schriftlich einen Termin ver­ein­baren müssen, wenn sie Ver­hand­lungen führen wollen. »Wir befinden uns derzeit im Gespräch mit dem von Herrn Wen­den­kampf geführten Verein (›Kiez, Kultur, Leben e.V.‹), um eine akzep­table Lösung für beide Seiten zu finden«, erklärte Julius König von der »S-Immo« gegenüber »nd«. Weitere Aus­künfte zu den lau­fenden Gesprächen wollte er nicht geben.

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Peter Nowak