Zentrum »Hasi« in Halle bedroht

Das Sozio­kul­tu­relle Zentrum »Hasi« in Halle ist gefährdet. Am ver­gan­genen Mittwoch hat der Stadtrat einen Kauf des Hauses abge­lehnt – für Therese Peu­ckert eine Ent­täu­schung. »Nur weil Teile der SPD mit der CDU, der FDP und der AfD gemeinsam gegen den Kauf stimmten, wurde der Antrag abge­lehnt«, monierte die Pro­jekt­mit­ar­bei­terin gegenüber »nd«. Die Stadt­rats­frak­tionen der LINKEN, der Grünen und eine par­tei­un­ab­hängige Fraktion hatten sich für den Kauf des Hauses aus­ge­sprochen.

Das Zentrum in der Hafen­straße 7 ist aus einer Besetzung im Januar 2016 her­vor­ge­gangen. Die anfangs zwölf­köpfige Gruppe hatte das völlig ver­müllte Grund­stück auf­ge­räumt. In dem Gebäude wurden ein Les­ecafé und eine Bibliothek ein­ge­richtet. Im Jah­res­be­richt des Vereins Capuze, Träger des »Hasi«, sind zahl­reiche – auch bun­desweit besuchte – Ver­an­stal­tungen in dem Haus auf­ge­führt. Dazu gehört das Netz­werk­treffen »Soli­da­rische Land­wirt­schaft« ebenso wie zahl­reiche Lesungen, Kul­tur­ver­an­stal­tungen und poli­tische Dis­kus­si­ons­runden. Zudem suchten die Akti­vis­tInnen von Anfang das Gespräch mit den poli­tisch Ver­ant­wort­lichen und bemühten sich, Kon­takte zur Nach­bar­schaft her­zu­stellen.

Trotzdem gab es in den ver­gan­genen Monaten eine Kam­pagne von Regio­nal­medien und einigen Nach­ba­rInnen gegen das Projekt. Gegenüber der »Mit­tel­deut­schen Zeitung« äußerte ein Anwohner die Befürchtung, durch das »Hasi« könnten Inves­toren abge­schreckt werden. Schließlich ent­stehen ganz in der Nähe in den Saa­leauen zahl­reiche Lofts und Eigen­tums­woh­nungen.

Wie es jetzt mit dem Zentrum wei­tergeht, liegt an der Hal­le­schen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft (HWG), die Eigen­tü­merin des Hauses ist. Der Nut­zungs­vertrag, den die HWG mit dem Verein Capuze geschlossen hat, läuft Ende Januar 2018 aus.

Die Betrei­be­rInnen wollen um den Erhalt des »Hasi« kämpfen. Mitt­ler­weile bekommen sie bun­desweit Unter­stützung. Schließlich ist Halle seit Monaten durch ein Zentrum der völ­ki­schen »Iden­ti­tären Bewegung« in den Schlag­zeilen. Vor einigen Wochen wurden dort Zivil­po­li­zisten von zwei Männern, die aus dem Haus kamen, mit Pfef­fer­spray atta­ckiert. Da die Rechten Eigen­tümer des Hauses sind, müssen sie keine Räumung befürchten. »Da sind Pro­jekte wie das Hasi, in denen Men­schen unab­hängig von ihrer Her­kunft und Haut­farbe will­kommen sind, um so wich­tiger«, betonte Therese Peu­ckert.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1074303.halle-zentrum-hasi-in-halle-bedroht.htmlhttps://www.neues-deutschland.de/artikel/1074303.halle-zentrum-hasi-in-halle-bedroht.html

Peter Nowak