Klassiker der Anti-AKW-Bewegung verfilmt

»Friedlich in die Kata­strophe« bietet auch Gele­genheit zu kri­ti­scher Rück­schau

Mit 1360 Seiten ist das Buch »Friedlich in die Kata­strophe« von Holger Strohm ziemlich monu­mental. Wer vor der Lektüre des dicken Wälzers zurück­schreckt, kann sich ab 27. Sep­tember im Kino ein fil­mi­sches Update des Klas­sikers der Anti-AKW-Bewegung ansehen.

In einem neuen, zwei­stün­digen Film des Regis­seurs Marcin El bringt der Publizist Holger Strohm mit jungen Fil­me­ma­chern seine Kritik an der AKW-Tech­no­logie auf die Leinwand und gibt gleich­zeitig Ein­blick in die Geschichte einer Bewegung. Wir begegnen wich­tigen Expo­nenten der Anti-AKW-Bewegung wie dem Zukunfts­for­scher Robert Jungk, dem Foto­chro­nisten Günter Zimt, der lang­jäh­rigen Wendland-Akti­vistin Marianne Fritzen, aber auch Hanna Poddig, die in den letzten Jahren durch Aktionen zivilen Unge­horsams bekannt geworden ist.
Anti­biotika

Holger Strohms Buch brachte »einen erheb­lichen Niveau­sprung in der bun­des­deut­schen Kern­kraft-Kritik«, so der His­to­riker Joachim Radkau. Dabei sprach zunächst nichts dafür, dass das Buch einmal ein solches Echo bekommen sollte. Es ist schon 1971 ent­standen, als sich die Kritik an der Atom­tech­no­logie auch in der Linken in der Haupt­sache gegen die Kern­waffen richtete. Die fried­liche Nutzung der Atom­kraft dagegen hatte damals auch noch in Robert Jungk einen begeis­terten Für­sprecher, der später jedoch mit seinen Buch »Atom­staat« die Gegen­be­wegung ebenso prägen sollte wie Strohm. Der hatte anfangs Schwie­rig­keiten, über­haupt einen Verlag zu finden. Als das Buch 1981 beim Verlag Zwei­tau­sendeins her­auskam, wurde es zu einem Best­seller. Denn mitt­ler­weile hatte der Atom­unfall von Har­risburg weltweit zum Anwachsen der Anti-AKW-Bewegung bei­getragen.

Besonders in Deutschland legten viele Akti­visten ihre Marx- und Lenin­bände bei­seite und wid­meten sich fortan dem Wider­stand gegen die Atom­kraft­werke. Dabei konnten sie Strohm nicht nur im theo­re­ti­schen Disput erleben. Das lang­jährige SPD-Mit­glied war wegen seiner AKW-Kritik 1978 aus der Partei aus­ge­schlossen worden und kan­di­dierte als Spit­zen­kan­didat der »Bunten Liste – Wehrt Euch«, die später zur Grün-Alter­na­tiven Liste werden sollte, für die Ham­burger Bür­ger­schaft.

Linke Teile der Anti-AKW-Bewegung übten zunehmend Kritik an Strohms kata­stro­phi­schem Weltbild, das auch den Film prägt. Die End­zeit­stimmung der späten 80er und frühen 90er Jahre hat auch dazu geführt, dass Gesell­schafts­kritik oft zugunsten von spi­ri­tu­ellen Welt­erklä­rungs­mustern auf­ge­geben wurde. Auch dafür ist Strohm ein Bei­spiel. Der Film bietet so nicht nur die Chance, ein wich­tiges Werk der Anti-AKW-Bewegung kennen zu lernen, sondern zugleich auch Anre­gungen, sich kri­tisch mit der Geschichte und den Argu­menten der AKW-Bewegung zu beschäf­tigen.

»Friedlich in die Kata­strophe« hat am 24.9. um 20 Uhr im Ham­burger Kino Abaton und am 29.9. um 17.15 und 19.45 Uhr im Ber­liner Licht­blick-Kino (www​.licht​blick​-kino​.org ) Pre­mière. Strohm und der Regisseur sind anwesend.
http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​ikel/
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Peter Nowak