Die GMRE ist berlinweit in der Kritik

Ca. 20 Mie­te­rInnen zeigten letzte Woche Interesse an einer Dach­ge­schoss­wohnung in der Wies­ba­dener Straße 33. Sie sollte laut Annonce 80 Qua­drat­meter umfassen und 999 Euro warm kosten. Claudia Langer (Name geändert) gehörte zu den Interessent/​innen und besich­tigte die Wohnung. Doch sie dachte zunächst an ein Miss­ver­ständnis, als die Mak­lerin sagte, die Wohnung sei zum 1.12.16 bezugs­fertig, das Pan­ora­ma­fenster im Flur werde aber frü­hestens im Februar 2017 ein­gebaut. Zurzeit klafft dort ein von einer Maler­plane abge­decktes Loch. Die Plane sei schließlich dicht, sonst hätte es schon rein geregnet, reagierte die Mak­lerin auf die ungläubige Nach­frage der Mie­te­rInnen, ob sie im Winter mehrere Monate in einer Wohnung leben sollen, in der ein Fenster fehlt und dafür noch die voll­ständige Miete zahlen müssen. »Spüren Sie etwa Kälte? Es ist doch warm draußen«, wehrte die Mak­lerin weitere kri­tische Nach­fragen ab. Ein Keller soll den Mie­te­rInnen auch nur gegen Zusatz­kosten zur Ver­fügung stehen.
Die Woh­nungs­be­sich­tigung hat einmal mehr den Ide­en­reichtum doku­men­tiert, mit dem in Berlin Mieter/​innenrechte miss­achtet werden. Die Eigen­tümer handeln in der Hoffnung, dass bei dem ange­spannten Woh­nungs­markt in Berlin Mieter/​innen auch bereit sind, im Winter in eine Wohnung zu ziehen, in der ein Fenster fehlt.
Die GMRE Con­sul­tants GmbH, die die Woh­nungen in der Wies­ba­dener Straße ver­waltet, hat schon längst keinen Ruf mehr zu ver­lieren. „Das Unter­nehmen lockt mit­unter mit güns­tigen Mieten im Internet, ver­schweigt aber die hohe Staf­fel­miete. Später schlägt GMRE mit­unter bei den Betriebs­kosten zu und kas­siert über eigene Firmen für Leis­tungen die nicht erbracht wueden“, sagen mehrere Mieter/​innen unab­hängig von­ein­ander. „Kau­tionen werden ein­be­halten, Repa­ra­turen min­der­wertig und auf Kosten der Mieter durch­ge­führt“, schrieb die Taz am 19.5.2016. Das Recher­cheteam Cor­rectic stellte Doku­mente über die GMRE unter der Über­schrift „Die Graus­ver­waltung“ ins Netz gestellt (https://​cor​rectiv​.org/​b​l​o​g​/​2​0​1​6​/​0​5​/​1​9​/​g​r​a​u​s​-​v​e​r​w​a​l​t​u​ngen/).

Ganz Berlin hasst die GMRE?
„Die Woh­nungsnot macht’s möglich. Seit 10 Jahren zockt die Haus­ver­waltung GMRE ihre Mieter ab“, heißt es dort. Hinter der GMRE steckt eine Holding mit Sitz in London. Im Jahr 2006 kaufte ein Unter­nehmen namens Gabriel Inter­na­tional 54 Häuser in Berlin. Im selben Jahr gründete Rouven Kerstan die Firma Gabriel Management, später GMRE Con­sul­tants GmbH, die die Häuser der Lon­doner Holding in Deutschland betreut. Die GMRE ver­waltete in Berlin 2008 nach eigenen Angaben rund 3.000 Objekte. Über die heutige Anzahl der Häuser in Berlin gibt das Unter­nehmen keine Aus­kunft.
Unter dem Titel „Berlins unbe­lieb­teste Haus­ver­waltung“ tau­schen Mieter/​nnen aus GMR-Häusern im Internet (http://​www​.notesof​berlin​.com/​2​0​1​5​/​0​9​/​g​a​n​z​-​b​e​r​l​i​n​.html) ihre Erfah­rungen aus. Dort ist auch ein Graffiti mit der Zeile „Ganz Berlin hasst die GMRE“ gepostet, das auf einer Hauswand in Neu­kölln zu finden war. Tat­sächlich finden sich aus fast allen Ber­liner Stadt­teilen Berichte von Mieter/​innen, die über schlechte Erreich­barkeit, ver­schleppte Män­gel­be­sei­tigung und dubiöse Betriebs­kos­ten­ab­rechnung der GMRE klagen. „Ich wohne da jetzt schon seit sechs Jahren. Und seit sechs Jahren wollen die mir eine Heizung ein­bauen und nichts ist pas­siert, außer die Miete, die wird immer teurer“, heißt ein exem­pla­ri­scher Ein­träge, der mit der Erkenntnis schließt. „Wir können leider bloß eins tun – und das ist aus­ziehen oder wir tun uns mal alle zusammen.“ Ange­sichts der gut doku­men­tierten Prak­tiken dieser Haus­ver­waltung wäre ein ber­lin­weites Treffen der GMRE-Mie­ter/innen, auf dem auch gemeinsame Maß­nahmen dis­ku­tiert werden könnte, die richtige Antwort.

MieterEcho online 25.11.2016

http://​www​.bmgev​.de/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​/​m​i​e​t​e​r​e​c​h​o​-​o​n​l​i​n​e​/​g​m​r​e​-​i​n​-​d​e​r​-​k​r​i​t​i​k​.html

Peter Nowak